Den Zwängen den Kampf ansagen
Nimm den Zwängen die MachtIn ihrem Ratgeber "Nimm den Zwängen die Macht" klären die Autoren Ulrich Voderholzer, Rebecca Schennach und Stefan Koch zum Thema Zwangshandlungen und Zwangsgedanken auf.
Dabei orientieren sich die Autoren ...
In ihrem Ratgeber "Nimm den Zwängen die Macht" klären die Autoren Ulrich Voderholzer, Rebecca Schennach und Stefan Koch zum Thema Zwangshandlungen und Zwangsgedanken auf.
Dabei orientieren sich die Autoren an den aktuellen wissenschaftlichen Standards, erklären detailliert, wie und wodurch Zwänge entstehen, zeigen anhand vieler Fallbeispiele wie solche Zwänge sich darstellen und wie sie die Betroffenen, aber auch ihr Umfeld beeinflussen und ihr Leben einschränken. Anhand der z.Zt. erfolgreichsten Behandlungsmethode, der sog. Exposition, werden den Lesenden Strategien an die Hand gegeben, aus dem Teufelskreis auszusteigen. Mit Hilfe von konkreten Übungen und Handlungsvorschlägen sollen Betroffene in die Lage versetzt werden, auch in Eigenregie ohne professionelle Unterstützung, ihre Zwänge zu bekämpfen und im Bestfall wieder ein lebenswertes, erfülltes Leben zu führen.
Ich muss ehrlich zugeben, dass mich dieser Ratgeber stark gefordert hat. Die Thematik geht sehr ins Detail, eigentlich gut, aber durch die permanente Wiederholung bereits erklärter Sachverhalte, werden die Kapitel unnötig in die Länge gezogen und ich habe immer wieder die Lust am Weiterlesen verloren. Manche Themenbereiche (z. B. Medikation, Gesprächsführung) waren für mein Empfinden insgesamt zu ausufernd, da hätte man auch auf weiterführende Literatur verweisen können. Auch die diversen Schaubilder und Übersichtstafeln waren im laufenden Text oftmals schlecht platziert und haben meinen Lesefluss gestört.
Das Zwangshandlungen und Zwangsgedanken eine schwerwiegende psychische Erkrankung ist, wird sehr schnell klar. Auch der hohe Leidensdruck mit dem die Betroffenen und ihr Umfeld tagtäglich zu kämpfen haben wird eindrucksvoll geschildert. Daher finde ich es etwas verwunderlich das mehrfach darauf hingewiesen wird, dass die Exposition auch selbstständig durchgeführt werden kann und durchaus soll. Das dazu viel Selbstdisziplin und Kraft notwendig ist, wird zwar immer wieder betont, aber ich denke ohne professionelle Hilfe dürfte das sehr schwer bis unmöglich sein. Auch die Einbindung von Familie/Vertrauenspersonen wird mir zu stark in den Focus gerückt, da halte ich die Ressourcen für wesentlich begrenzter.
Für Betroffene kann das Buch eine Hilfe sein zu erkennen, dass es einen Weg aus dem Leiden gibt. Dieser Weg ist hart und steinig, aber am Ende kann er sich lohnen. Einen Versuch ist es definitiv wert.