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Veröffentlicht am 24.01.2026

Sinnlich

Halber Stein
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Sine stammt aus Siebenbürgen, was die meisten wohl erst einmal googeln müssen. Nun ist ihre Großmutter verstorben, und sie reist mit ihrem Vater in die alte Heimat, um Abschied zu nehmen.
Heimat ist das ...

Sine stammt aus Siebenbürgen, was die meisten wohl erst einmal googeln müssen. Nun ist ihre Großmutter verstorben, und sie reist mit ihrem Vater in die alte Heimat, um Abschied zu nehmen.
Heimat ist das zentrale Thema des Romans, in dem sonst nicht viel passiert. Es werden Kindheitserinnerungen geschildert, meist sehr sinnlich, die eng mit der Landschaft verbunden sind. Erinnerungen und Gegenwartseindrücke gehen dabei absatzlos ineinander über. In den poetischen Naturbeschreibungen vermischen sich Gedanken und Träume mit Sines Suche nach eigener Identität. Sie ist gerade mit dem Studium fertig und hat noch nicht entschieden, was sie weiter machen möchte. Sie führt Gespräche mit Menschen, die sie kaum kennt, und die ihr von ihrer Herkunft erzählen. Das wird manchmal auch philosopisch.
Insgesamt ist das nicht leicht zu lesen. Für soviel Nachdenklichkeit, Sinnsuche und auch Poesie muss man schon etwas Geduld haben. Menschen, denen Heimat aktuell ein wichtiges Thema ist, könnten hier Inspiration finden. Auch wenn sie nicht aus Siebenbürgen stammen.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Etwas unklar

Spielverderberin
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Sophie, Lotte und Romy sind Schulfreundinnen in einem kleinen Dorf. Vier Jahre später haben sie fast vollständig den Kontakt zueinander verloren und treffen sich erstmals wieder. Sophie erzählt in Ich-Form.
Die ...

Sophie, Lotte und Romy sind Schulfreundinnen in einem kleinen Dorf. Vier Jahre später haben sie fast vollständig den Kontakt zueinander verloren und treffen sich erstmals wieder. Sophie erzählt in Ich-Form.
Die Personen sind lebensnah und glaubhaft geschildert, der Stil ist sehr angenehm zu lesen. Sophie muss eine Menge Verwirrungen durchstehen: will sie weiter auf dem Land leben oder in die Stadt ziehen? Ein Studium aufnehmen oder eine Ausbildung anfangen? Ist sie homosexuell? Nicht nur Sophie weiß nicht, was sie will, muss in dieser Lebensphase aber wichtige Entscheidungen über ihr Leben und ihre Zukunft treffen. Was sie wirklich ausbremst, wird aber nicht klar. Die Freundinnen sind einander da keine Hilfe.
Immer wieder wird Spannung aufgebaut. Irgend etwas ist passiert, das die Beziehungen der drei belastet. Eine von ihnen ist offenbar psychisch krank, es gibt Schuldgefühle, deren Ursache nicht erklärt wird.
Eine richtige Auflösung gibt es nicht. Auch eine gute Entscheidung, mit der alle leben können, wird nicht getroffen. Wie im richtigen Leben.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Etwas verwirrend

Real Americans
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Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA, macht nach dem Studium ein Praktikum in einem angesagten Gentechnik-Startup. Im zweiten Teil des Buches steht ihr Sohn im Mittelpunkt, im dritten Teil ...

Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA, macht nach dem Studium ein Praktikum in einem angesagten Gentechnik-Startup. Im zweiten Teil des Buches steht ihr Sohn im Mittelpunkt, im dritten Teil dann ihre Mutter, eine Bauerntochter, die aus ärmlichsten Verhältnissen geflohen war.
Die Personen sind sehr lebensnah geschildert. Was es bedeuten kann, zwischen zwei Kulturen zu leben, hat die Autorin selbst erfahren. Neben der Herkunft spielt auch das Geld eine wichtige Rolle. Und, was hier später noch dazukommt, ist die genetische Veranlagung und der Einfluss, den Wissenschaft heute darauf nehmen kann, die Epigenetik.
Was macht einen Menschen aus? Welche Rolle spielen die Gene für die Persönlichkeit? Kann man destruktive Merkmale mit epigenetischen Methoden unterdrücken, und was folgt daraus für den Menschen? Je klarer es wird, was genau hier an Kindern manipuliert wurde, umso gruseliger erscheint das Gelesene im Nachhinein.
In dieser Gemengelage Orientierung zu finden, ist Thema des Romans. Eine solche Menge an Einflüssen ist ganz und gar amerikanisch – Real American. Das Land ist ein Schmelztiegel unterschiedlichster Lebensweisen und Herkünfte. Mir war das etwas zuviel auf einmal.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Lesenswert

Der Fluss der Zeit
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Der Autor und Philosoph wurde weltweit bekannt durch den „Nachtzug nach Lissabon“. Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun ein Band mit Kurzgeschichten.
Die Zeit vergeht. Während sie das tut, verändert ...

Der Autor und Philosoph wurde weltweit bekannt durch den „Nachtzug nach Lissabon“. Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun ein Band mit Kurzgeschichten.
Die Zeit vergeht. Während sie das tut, verändert sich die Welt. Auch wir verändern uns. Dem ist diese Geschichtensammlung auf der Spur.
Es geht um Dankbarkeit, die sich im Laufe der Zeit verändert. Es geht um vergangenes Leben, das plötzlich gegenwärtig wird und kaum wiederzuerkennen ist. Es geht um den einen Moment, in dem ein Leben kulminieren kann. Und schließlich geht es auch um das Warten.
Mercier ist ein toller Erzähler. Man wird sofort in seine Geschichten hinein gezogen. Der philosophische Aspekt erschließt sich nicht immer, manchmal muss man ein bisschen nachdenken, warum er genau diese Geschichte erzählt. Besonders berührt hat mich der Busfahrer in Töten mit Lärm. Auf kleinstem Raum stehen hier menschliche Universen und Abgründe nebeneinander, fein beobachtet und mit großer Distanz vorgestellt.
Fünf Häppchen Literatur für Zwischendurch, sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Reise in eine fremde Zeit

Das Erbe der Drachenkrone
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Dies ist der letzte Teil der Geschichte von Wales, die die Autorin aus Sicht besonderer Frauen geschildert hat. Hier heißt die Heldin Eleanor de Montfort.
Wie schon in den Bänden zuvor verfolgen wir die ...

Dies ist der letzte Teil der Geschichte von Wales, die die Autorin aus Sicht besonderer Frauen geschildert hat. Hier heißt die Heldin Eleanor de Montfort.
Wie schon in den Bänden zuvor verfolgen wir die abenteuerliche Geschichte einer interessanten Persönlichkeit. Eleanor erlebt ein für die höheren Töchter jener Zeit ganz normales Schicksal: Sie wird im Alter von dreizehn Jahren an einen fremden alten Mann verheiratet, und zwar an Llewellyn ap Gruffydd, den wahren Fürsten von Wales. Ständige Kriege um die englische Krone und um die Freiheit von Wales sowie zwischen Familienmitgliedern erschütten immer wieder ihr Dasein. Alles ist sehr gründlich und umfassend recherchiert, bis hin zu den Persönlichkeiten der Beteiligten, soweit sie sich heute noch rekonstruieren lassen.
Das ist, wie schon die Vorgängerbände, sehr spannend zu lesen. Ein echter Schmöker.

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