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Veröffentlicht am 29.10.2021

Ein idealer Winterschmöker

Das kleine Chalet in der Schweiz
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Diese Katastrophe konnte nun wirklich niemand vorhersehen: Mina hat ihren Heiratsantrag an ihren Freund gründlich durchdacht und lädt viele Bekannte dazu ein. Doch der Angebetete reagiert entsetzt, weil ...

Diese Katastrophe konnte nun wirklich niemand vorhersehen: Mina hat ihren Heiratsantrag an ihren Freund gründlich durchdacht und lädt viele Bekannte dazu ein. Doch der Angebetete reagiert entsetzt, weil er Mina mit deren besten Freundin betrügt. Tief getroffen und gedemütigt plant sie einen Ortswechsel und fährt zu ihrer Tante in die Schweiz. Doch schon auf dem Weg dorthin lächelt die Welt Mina wieder ins Gesicht. Sie lernt im Zug nämlich einen gutaussehenden und humorvollen Mann kennen, der ihr nicht so schnell aus dem Kopf gehen will.

Krönchen richten und weitergehen. Die Protagonistin perfektionierte dieses Motto mit ihrer sympathischen Art und ihrem Willen nach vorne zu schauen. Der vor positiver Energie sprühende Schreibstil der Autorin erschuf Minas charmanten Charakter in einzigartiger Weise, und ich fand es daher überaus passend in dieser Geschichte keinen passiv-wütenden Bad Boy als Flirtpartner für die sympathische Hauptfigur vorzufinden, sondern einen respektablen jungen Mann, der ihr Wertschätzung entgegenbrachte und in den richtigen Momenten Zurückhaltung zeigte.

Im Grunde gefielen mir alle Figuren dieses Romans. Sie zeigten sich alle sehr individuell und teilweise auf authentische Weise liebenswert schräg. Wobei ich aber zugeben muss, dass ich dieses Konzept der ständig wiederkehrenden Gäste etwas seltsam fand.

Das Essen so sehr in den Vordergrund zu stellen hat mich anfangs erstaunt, dann interessiert und später etwas genervt. Ich mochte die genussfreudige Vorstellung von speziellen Schokoladenspezialitäten sowie Kuchen und Gebäck, aber auch die Einblicke in Minas Beruf, wodurch manche meiner Wissenslücken geschlossen werden konnten. Doch irgendwann kam für mich ein Punkt, an dem mir das alles zu viel und zu detailliert geschildert wurde, auch wenn vieles davon für die berufliche Entwicklung der Hauptfigur notwendig war. Dadurch entstanden für mich Längen in diesem Roman, die ich lieber durch Geschichten mit und um die Nebenfiguren gefüllt gesehen hätte.

„Das kleine Chalet in der Schweiz“ war für mich ein Wohlfühlbuch, und genau richtig für ein paar schöne Lesestunden in der kalten Jahreszeit. Vor allem die zielgerichtete und entspannte Entwicklung der lebenslustigen Protagonistin hatte es mir angetan. Ich würde das Buch sogar als Geschenk ins Auge fassen.

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Veröffentlicht am 25.10.2021

Ein Sternchen dieses Genres

Der Schwur der Göttin, Band 1: Beyond Eternity
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Nayla überlebt auf unerklärliche Weise einen Autounfall. Danach ist in ihrem Leben nichts mehr wie es vorher war. Ihre Grübeleien über die Unfallsituation lassen sie nicht mehr los, ihre Eltern verhalten ...

Nayla überlebt auf unerklärliche Weise einen Autounfall. Danach ist in ihrem Leben nichts mehr wie es vorher war. Ihre Grübeleien über die Unfallsituation lassen sie nicht mehr los, ihre Eltern verhalten sich seltsam, und auf ihrer Schule tauchen zwei Typen auf, die wirklich geheimnisvoll zu sein scheinen. Zu einem von ihnen, dem zurückhaltenden Cyrian, fühlt Nayla sich auf den ersten Blick magisch angezogen. Als auch sie selbst letztlich ein Geheimnis hüten muss, drohen ihre derzeitigen Lebensumstände mit einem großen Knall zu platzen.

Mit „Beyond Eternity“ hat die Autorin in mir einen neuen Fan gefunden. Schon das Cover hat mich sehr angesprochen, so edel zurückhaltend und magisch verspielt. Ich gebe allerdings zu, dass ich vor der Lektüre etwas skeptisch war, denn ich hatte in der Vergangenheit mehrere Bücher dieses Genres gelesen, die mich eher langweilten. Doch glücklicherweise habe ich hier für mich ein neues Buchschätzchen entdeckt.

Vor allem Greta Miláns Schreibstil hat mich sehr angesprochen. Sie erzählte Naylas Geschichte auf aufregende Art und Weise ohne zu übertreiben, mit authentischen und meist nachvollziehbaren Entscheidungen der Figuren. Auch wenn mir diese nicht immer gefielen, ich hatte den Raum um die Perspektive zu wechseln und zu verstehen. Naylas Welt erreichte mich in allen Aspekten und ließ mich in die Handlung eintauchen, als wäre ich selbst dabei.
Die Spannung und die heimliche Verliebtheit zwischen den Protagonisten wurde meines Erachtens hervorragend auf den Punkt gebracht. Endlich trat mal wieder ein Paar in mein Bücheruniversum, bei dem es so richtig knisterte. Aber auch die freundschaftlichen Gefühle zwischen verschiedenen Charakteren wurden in dieser Geschichte wertgeschätzt, der Zusammenhalt und die Stärke von Vertrauten auf sensible Weise bewiesen.

Das bedeutende Thema der Befreiung, gekoppelt an Mut, Vertrauen und den damit verbundenen Willen sich von Fesseln zu lösen, wurde meiner Meinung nach fantastisch dargestellt. Vor allem die Phasen, welche die Protagonistin in diesem Prozess durchlebte, waren für mich deutlich spürbar.

Damit fand ich diesen ersten Band der Reihe allgemein sehr ausgewogen und rund, wobei ich wirklich dankbar bin, von seitenlangen Kampfszenen verschont worden zu sein. Allerdings war mir Naylas Abstammungslinie eine etwas zu komplizierte Kiste, aus der ich zwischenzeitlich gedanklich ausgestiegen war. Zum Ende hin wurde mir zwar vieles klarer, aber abfragen darf mich dazu niemand.

„Beyond Eternity“ hat mir sehr gut gefallen. Tolle Figuren, ansprechende Erzählweise und eine mythisch-geheimnisvolle Welt, die es zu entdecken galt. Ich freue mich jetzt schon auf Band 2 dieser aufregenden und bezaubernden Erzählung! / 4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Unerträglich

Flame & Arrow, Band 1 - Drachenprinz
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Elfen und Drachen mögen sich nicht sonderlich. In ihrer Heimat Irland wohnen die Völker daher möglichst weit voneinander getrennt. Doch auch dies nützt nicht viel, denn es droht ein Krieg zwischen den ...

Elfen und Drachen mögen sich nicht sonderlich. In ihrer Heimat Irland wohnen die Völker daher möglichst weit voneinander getrennt. Doch auch dies nützt nicht viel, denn es droht ein Krieg zwischen den Verfeindeten. Die junge Fae Kailey wird nun auf den Drachenprinzen Aidan angesetzt. Sie soll als dessen Mitschülerin am College sein Vertrauen gewinnen, um die Geheimnisse des Drachenclans zu erfahren. Doch Aidans Vater verfolgt ebenfalls eine Strategie und verspricht sich Vorteile durch die Nähe seines Sohnes zu der Elfenkriegerin.

Mich hat diese Geschichte enttäuscht. Ich musste mich durch das Buch regelrecht durchquälen. Das lag vor allem an den Protagonisten, die ich sofort wieder vergessen hatte, nachdem ich das Buch aus der Hand legte. Leider konnte mich tatsächlich nur eine der Nebenfiguren für sich einnehmen, alle anderen schienen mir nichtssagend, oberflächlich oder viel zu bemüht lässig. Vor allem Kailey in ihrem blinden Gehorsam und in ihrer Kampfeslust nervte mich. Sie konnte nur intrigieren, spionieren, mit ihren Waffen spielen, sich knallenge kurze Klamotten anziehen und sich in ihrer Großartigkeit sonnen. Unerträglich. Ich glaube ich habe noch selten eine derart unsympathische Hauptfigur in einer Geschichte entdeckt. Aidan konnte diese negative Aura auch nicht ausgleichen, er wirkte viel zu unscheinbar, stellenweise schon ein wenig einfältig. Aidans Schwester legte ebenfalls eine ganz schön fragwürdiges Verhalten an den Tag, über das ich mich nur wundern konnte. Persönliche Grenzüberschreitungen schien hier Stärke zu demonstrieren, Vertrauen wurde überbewertet und Geheimnisse bewahren galt nicht für jeden. Wer erschafft so viele negative Charakterzüge?

So ist es auch kein Wunder, dass die Handlung einen ziemlich kindischen Verlauf nahm. Ständige Wiederholungen im Kreislauf des Misstrauens und eine mühselige Handlung haben mich lediglich gelangweilt. Ich konnte das Buch nur in Häppchen lesen. Die sogenannten wahren Gefühle zwischen Kailey und Aidan waren für mich nicht spürbar, dafür wurde meines Erachtens von der Autorin nicht genug getan. Die Atmosphäre dieser Geschichte war meiner Wahrnehmung nach nämlich durchweg frostig und aggressiv. Kämpfen, hintergehen, täuschen, lügen und töten für die Karriere – um viel mehr ging es hier nicht.
Die Handlung an sich hat mich nun auch nicht vom Hocker gerissen, es wirkte auf mich alles ein wenig simpel und klischeehaft.

Für mich zählt „Flame & Arrow“ zu meinen Flops des Jahres. Es gibt wesentlich bessere Geschichten dieses Genres. Band 2 hat sich für mich damit erledigt. Keine Empfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Recht gelungener Start der Buchreihe

Kant und der sechste Winter
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Hauptkommissar Kant wird am Weihnachtsabend zu einem Tatort in München gerufen. Dort liegt ein Mann tot auf vereister Fahrbahn. Zeugen berichten, dass der Tote angefahren und später vom Unfallverursacher ...

Hauptkommissar Kant wird am Weihnachtsabend zu einem Tatort in München gerufen. Dort liegt ein Mann tot auf vereister Fahrbahn. Zeugen berichten, dass der Tote angefahren und später vom Unfallverursacher erwürgt wurde. Die Ermittlungen führen Kants Team in ein Dorf am Ammersee, wo sich so einiges als seltsam erweist. Die verschlossenen Einwohner scheinen etwas zu wissen, doch niemand redet darüber. Keine einfache Situation für den Hauptkommissar, der parallel dazu versucht sein Privatleben auf die Reihe zu bekommen.

Ich habe einige Kapitel gebraucht, um mich auf diesen Kriminalroman einzulassen. Kommissar Kant und auch sein Team blieben mir lange fremd, wobei die Betitelungen, bzw. die Namen für die Figuren nicht gerade hilfreich waren. Die Charaktere der mehrköpfigen Ermittlertruppe wurden einmal mit Nachnamen, ein andermal mit Vornamen angesprochen, was mich stellenweise verwirrte. Kant selbst hätte ich gerne besser kennengelernt, denn als Hauptfigur war mir dieser Charakter zu zurückhaltend, bzw. zu nebulös. Er war mir nicht unsympathisch, aber gefühlt hätte man ihn auch weglassen können. Er erschien mir nicht als Macher, seine Rolle füllte er meines Erachtens nicht ganz aus. Auch das ermittlerische Zusammenspiel des Teams hätte deutlicher sein können. Trotzdem mochte ich die verschiedenen Figuren mit ihren persönlichen Problemen, die durchaus authentisch wirkten. Dies war sicher auch zum Teil dem anschaulichen, lässigen Schreibstil geschuldet, der Natürlichkeit in die dramatische Thematik brachte.

Den Fall an sich fand ich nicht so spektakulär, wie im Buchteaser angekündigt, aber trotzdem spannend. Den Täter hatte ich bis zur Aufdeckung nicht auf dem Schirm. Die Handlung zeigte sich mir jedoch authentisch, ebenso der gnadenlose und zielgerichtete Weg des Mörders. Besonders hat mir allerdings die sensibel behandelte, tragische Lebensgeschichte Melanies gefallen, die in dieser Geschichte Täterin und Opfer zugleich war. Die Orientierungslosigkeit und die Schuldgefühle, die diese junge Frau mit sich trug, wurden sehr gut herausgearbeitet.

„Kant und der sechste Winter“ war für mich ein spannender Auftakt zur Krimireihe. Ich hoffe, der Autor nimmt sich künftig dem Protagonisten etwas mehr an und gibt ihm eine aussagekräftigere Gestalt. Ich denke es lohnt sich, diese Krimireihe weiter zu verfolgen. / 3,5 Sterne

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Veröffentlicht am 07.10.2021

Hier stimmte alles!

Das Haus der Düfte
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Die junge Anouk zieht nach dem zweiten Weltkrieg mit ihrer Mutter Isabell nach Paris, um dort eine Apotheke zu übernehmen. Mit ihrem angeborenen außergewöhnlichen Geruchssinn steht aber schon jetzt für ...

Die junge Anouk zieht nach dem zweiten Weltkrieg mit ihrer Mutter Isabell nach Paris, um dort eine Apotheke zu übernehmen. Mit ihrem angeborenen außergewöhnlichen Geruchssinn steht aber schon jetzt für Anouk fest, dass sie später einmal Parfümeurin werden möchte. Jahre später stellt sie sich dann vergeblich in verschiedenen Parfümhäusern der Stadt vor, um ihren Traum zu verwirklichen. Doch eines Tages betritt Stéphane, dessen Familie eine bekannte Duftmanufaktur im südfranzösischen Grasse besitzt, die Apotheke. Recht schnell erkennt er das Talent der jungen Frau und bietet ihr eine berufliche Chance im Familienbetrieb an. Anouk ahnt nicht, dass sie sich bald inmitten in einer Fehde zwischen den alteingesessenen Familien Girard und Bonnet befinden wird.

„Das Haus der Düfte“ entpuppte sich als wahres Buchschätzchen. Vom edel gestalteten Cover über die Idee bis hin zu den Figuren stimmte einfach alles! Ich hatte eindrucksvolle Lesestunden und viel Freude dabei.

Für mich bestach die Geschichte vor allem durch die wunderbare Protagonistin, die zurecht der Dreh- und Angelpunkt vieler schicksalhafter Beziehungen innerhalb einer generationenübergreifenden Familienfehde war. Anouk zeigte sich meist angenehm zurückhaltend, freundlich und wertschätzend, aber auch überaus willensstark, auf eine leise Art und Weise, die ich sehr bewunderte.
Außerdem war ich von der Beschreibung der Düfte, der Duftkompositionen und der damit verbundenen Arbeit positiv überrascht. Meine durch Patrick Süßkinds Roman eher düstere Assoziation mit der Parfümstadt Grasse und dem Beruf des Parfümeurs, wurde mit dieser Geschichte glücklicherweise wieder ins Licht gerückt. Pauline Lambert hat Anouks Welt der Düfte ausgezeichnet detailliert und mit viel Feingefühl beschrieben, ohne ausschweifend oder kitschig zu werden. Tatsächlich wurde mir nun erst klar, welche Kunst hinter jeder Duftkreation steckt.

Auch die Figuren wurden sehr gut ausgearbeitet. Jeder Charakter ergab mit seinen Eigenheiten ein Bild für mich, hineinspüren inklusive, was mich so manche Entscheidungen oder Lebensentwürfe verstehen ließ. Auch die fragwürdigsten Handlungen, die Ecken und Kanten jedes einzelnen, machten somit auf die eine oder andere Weise Sinn.

Die Aufarbeitung des Bruchs zwischen den Familien Girard und Bonnet fand ich geschickt arrangiert. Vor allem die Rolle Anouks als Bindeglied oder Puffer, bzw. als Anker der Versöhnung, wurde zwar gezeigt, aber nicht in den Vordergrund gedrängt. Eine schöne Balance, die durch das äußerst kluge Verhalten der Protagonistin, gewahrt wurde. Allerdings war mir Anouks Familiengeheimnis dann doch ein wenig zu viel an Zufall. Es passte zwar vollkommen in das Geschehen, erschien mir dann aber fast schon zu konstruiert.

Das Ende dieses Romans überraschte mich, da ich auf diesen Ausgang nicht wirklich gefasst war. Aber genau dieser Punkt veranlasste mich noch einmal zu einer Rückschau, wobei ich meine unterschiedlichen Gedanken und Gefühle zu dieser Geschichte sortieren konnte. Letztlich war es für mich ein perfekt unperfekter Schluss, der das Buch nachhaltig in mein Leserherz schloss.

„Das Haus der Düfte“ hat in vielen Aspekten Eindruck auf mich gemacht. Für mich ist es eines der schönsten Bücher meines Lesejahres.

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