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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.11.2020

Äußerst ansprechend, aber auch sehr aufregend

Das Eismonster
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Ich bin großer Fan der Kinderbücher von David Walliams, die übrigens auch in der Hörbuchversion immer sehr erquicklich sind und eine tolle Familienunterhaltung, z.B. auf längeren Reisen, darstellen. „Das ...

Ich bin großer Fan der Kinderbücher von David Walliams, die übrigens auch in der Hörbuchversion immer sehr erquicklich sind und eine tolle Familienunterhaltung, z.B. auf längeren Reisen, darstellen. „Das Eismonster“ ist nun ein richtig schönes Herbst-/Winterbuch: es kommen kalte Wetterverhältnisse sowie unwirtliche Lebensumstände vor, alles ist irgendwie etwas trüber, kälter und aggressiver, so dass die Protagonistin, das unbekümmerte Waisenkind Elsie (die ein klitzekleines bisschen von Pippi Langstrumpfs Art hat) wie ein Licht in der Finsternis wirkt und nicht nur die Freundschaft zwischen ihr und dem aufgetauten Mammut, sondern auch die Beziehung zwischen ihr und der Museumsputzfrau Uschi, absolut anrührend wirkt – zauberhaft auch der Kontakt zu den Bewohnern des Soldaten-Altersheims, die sich hier nochmals auf einen sehr anspruchsvollen „Job“ einlassen. Insgesamt spiegelt „Das Eismonster“ einen tollen Zusammenhalt zwischen allen Alters- und Bevölkerungsschichten zusammen, wenn es darum geht, sich Arroganz und Eitelkeiten entgegenzustellen.
Dabei fand ich den antagonistischen Part in diesem Fall allerdings ungewöhnlich böse für Walliams; hier gibt es letztlich eine regelrechte Kriegsschlacht; das Gros der weiteren Walliams-Bücher traue ich auch schon jüngeren Kindern zu, aber hier würde ich mich doch an das empfohlene Lesealter, ab neun Jahren, halten: Die 6jährigen Zwillinge in unserer Familie würde die Spannung rund um diverses Geschieße etc. definitiv doch noch etwas zu sehr belasten; da würde ich aufkommende Alpträume befürchten.

Ansonsten bin ich einmal mehr begeistert von der Aufmachung auch dieses Buchs von David Walliams: Illustrationen lockern das Ganze stets auf, verbildlichen es vor Allem auch dann mehr, wenn Kinder mit ihnen vielleicht noch unbekannten Begrifflichkeiten konfrontiert werden; nächtliche Szenen werden durch weißen Druck auf schwarzem Papier intensiviert; expressiven Ausdrücken wie lauten Schreien oder auch Wörter, die nachdrücklicher betont werden wollen, sind hier ebenfalls wiederum größer gesetzt; was mit zittriger Stimme vorgetragen wird, ist zudem z.B. in einer leicht abgehackten Schriftart gesetzt. Hier verrät also auch die Schrift in Art und Größe, wie genau die Geschichte gelesen werden will. Der etwas größere Zeilenabstand ist zudem in Hinsicht auf „Neuleser“ sehr augen- und hirnfreundlich und verhindert ein häufiges Verrutschen zwischen den Zeilen. So sollten Kinderbücher generell gestaltet sein!
Ein bisschen albern finde ich allerdings auch hier den Extrahinweis „mit gratis Mammut“: Die Bücher von David Walliams haben eigentlich immer ein „gratis Gadget der Geschichte“, was aber jeweils nur ein ausschneidbares Motiv auf der Innenseite des Schutzumschlags ist. Für das gratis Mammut müsste man also hier den Umschlag zerschneiden, und hätte dann auch nicht mehr als ein kleines ausgeschnittenes Mammutbildchen; dieses Extra ist also auch hier wieder absolut vernachlässigbar.

Generell ist aber „Das Eismonster“ wiederum ein sehr spannendes Kinder-Abenteuerbuch, auch wenn der Abenteuerfaktor zuweilen eben doch vergleichsweise hoch geraten ist.


[Ein Rezensionsexemplar war mir, via Vorablesen, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Veröffentlicht am 15.11.2020

Schwaches Durcheinander von Namen und Sonstigem

Get Even
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Ich bin ein wenig überrascht, dass die Druckausgabe hier so ein fetter Schinken ist: Während des Lesens des eBooks kam mir dieser Serienauftakt (ergo: nicht in sich abgeschlossener Roman) sehr viel kürzer ...

Ich bin ein wenig überrascht, dass die Druckausgabe hier so ein fetter Schinken ist: Während des Lesens des eBooks kam mir dieser Serienauftakt (ergo: nicht in sich abgeschlossener Roman) sehr viel kürzer vor, was allerdings nicht daran liegt, dass ich die Geschichte als derart ungemein kurzweilig empfunden haben würde, sondern viel mehr daran, dass, und zwar trotz zweier Todesfälle, nicht wirklich etwas passiert ist (und alles, was geschah, wiederholte sich im Grunde genommen ständig, da Dasselbe immer anderen Figuren widerfuhr) und sich das eBook „mal eben“ weglesen ließ.
Ich hatte mir diesen Jugendthriller sehr viel spannender und intensiver vorgestellt; ich fand die Idee einer Gruppe, die sich für Mobbingopfer einsetzt bzw. diese rächt, auf Anhieb interessant – leider bleibt im Roman relativ unklar, was DGM bisher eigentlich angestellt hat; auf den ersten Seiten werden sie bereits als ein regelrechter Mythos der Schule beschrieben, aber wie genau die unbekannte Gruppierung es zu diesem „Ruhm“ geschafft hat, bleibt unklar: Wer ist bisher wie an wem gerächt worden? Bald wird zwar ein vom Coach getriezter Mitschüler gerächt, aber das Ganze wirkt eher wie ein amüsanter Streich – der Coach wird blamiert, aber ein so krasses Bloßstellen war das nun nicht.
Insgesamt blieb es mir ein wenig rätselhaft, wieso man DGM unbedingt enttarnen wollte und weshalb DGM hier als absolutes Feindbild konstruiert worden war (weil eben an keiner Stelle erwähnt wurde, worin DHMs Wirken zuvor bestanden hatte); auch dass DGM gleich als Mörder in den Fokus rückte, wirkte auf mich an den Haaren herbeigezogen.

Schwierig fand ich auch die vier Protagonistinnen, die nur im DGM-Verborgenen „offiziell“ miteinander zu tun hatten, während sich im Schulalltag ihre privaten Wege doch auch mal kreuzten (so verliebt sich die Eine zum Beispiel in den Ex der Anderen), die im Privatleben aber völlig anders verliefen. Es gibt sehr viel typische Teeniedramen (die Tochter des Senators, die diesem als schwarzes Schaf der Familie gilt; die vormals selbst Gemobbte, die nach einem Suizidversuch von ihren Eltern mit Argusaugen beobachtet und mit einem genauestens durchgetakteten Terminplan belegt wird; die ambitionierte Schauspielerin, deren Mutter selbst vom Schauspielern in den Alkoholismus abgestürzt ist und ihre Karriereziele nun auf die Tochter projiziert…, gepaart mit den ganzen pubertätsüblichen Techtelmechteleien und Eifersuchtsdramen) und die Perspektive wechselt ständig von einer Protagonistin zur nächsten: Ich hatte angesichts all der Namen echt Schwierigkeiten, diese ganzen Figuren auseinanderzuhalten – bis hin zu dem Punkt, an dem ich hoffte, es würde endlich mal die ein oder andere tragende Figur der Geschichte aus dem Weg geräumt werden, um einen besseren Überblick zu erhalten.
Unglücklicherweise erwischte es dann aber doch nur Personen, bei denen es mir völlig egal war, dass sie weg waren: Person 1 war kaum erwähnt worden und hm, Person 2 war ein derartiges arrogantes Ekelpaket gewesen, dass er zudem die einzige Figur war, die definitiv ein Alleinstellungsmerkmal besaß. Dem besseren Durchblick hat es da also auch nicht geholfen.

Tatsächlich fand ich es noch am Interessantesten, wie es den Protagonistinnen in ihren teils prekären Elternhäusern erging und wie sie mit den dortigen Verhältnissen umgingen, was allerdings auch nur schwach beleuchtet wurde: Grundsätzlich ging es eigentlich bloß darum, dass sich DGM bedroht sah und im Grunde genommen fast jedes Mitglied früher oder später mit einem eigenen dunklen Geheimnis konfrontiert wurde, das es verzweifelt geheimzuhalten versuchte.
Wie anfangs gesagt: wirklich viel passiert ist jedoch nicht; nach dem Ende des Buchs bin ich eigentlich genauso schlau wie am Anfang; einerseits würde ich nun zwar schon gerne wissen, wer jetzt eigentlich der ganz große Antagonist ist, der DGM herausfordert, aber andererseits habe ich kein rechtes Interesse daran, die Fortsetzung zu lesen. Da würde es mir vollauf reichen, einfach bloß noch den Namen des Bösewichts genannt zu bekommen.

Veröffentlicht am 05.11.2020

Zu viel des Guten!

Frostgrab
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Hach, was hatte mich die Kurzbeschreibung zu „Frostgrab“ angesprochen: Ich mag diese „Abgeschnitten von der Außenwelt, und ein böser Bube (oder eine böse Dame) ist dabei“-Plots einfach sehr; in „Frostgrab“ ...

Hach, was hatte mich die Kurzbeschreibung zu „Frostgrab“ angesprochen: Ich mag diese „Abgeschnitten von der Außenwelt, und ein böser Bube (oder eine böse Dame) ist dabei“-Plots einfach sehr; in „Frostgrab“ kommen also zehn Jahre nach ihrem letzten Zusammentreffen, damals im Rahmen eines Snowboard-Wettbewerbs, ein paar Menschen Anfang bis Mitte 30 wieder für ein Wochenende zusammen – doch dann will niemand die Einladung ausgesprochen haben, sondern ihr nur gefolgt sein, und dann fehlt seit eben diesen zehn Jahren nun auch die Snowboardmeisterin Saskia in ihren Reihen, die dereinst spurlos verschwunden und jüngst für tot erklärt worden ist. In der Lodge, in der sich die Truppe auf sich allein gestellt wiederfindet, verschwinden prompt ihre Handys; der Sessellift lässt sich nicht von ihnen starten, noch einige unglückliche Zufälle mehr… – sie sitzen also fest und es wird offensichtlich, dass sich vermutlich außer ihnen noch jemand dort oben auf dem Berg aufhält; es sei denn, einer von ihnen verkauft den Rest für blöd. Ist Saskia womöglich noch am Leben und hat die Gelegenheit für ein perfides Rachespiel genutzt? Ein Icebreaker-Spiel, bei dem jeder anonym ein Geheimnis von sich offenbart, heizt die Situation nur weiter auf, denn offensichtlich trägt jeder von ihnen ein „Saskia-Geheimnis“ mit sich herum.

„Frostgrab“ wird personal von der Figur Milla erzählt und dabei wird regelmäßig zwischen „heute“ und „vor zehn Jahren“ gewechselt; dabei blieb mir jedoch nicht nur Milla relativ fremd, von der ich hauptsächlich erfahren habe, dass sie von Ehrgeiz zerfressen gewesen ist und außer dem Snowboarden nicht viel im Sinn hatte, sondern auch die anderen Figuren sind eher oberflächlich beschrieben: Die Mädels konnte ich noch relativ gut auseinanderhalten, aber die Kerle waren für mich bis zuletzt völlig austauschbar und ich konnte mir kaum merken, welcher Name jetzt zu welchem Mann (von denen einer sogar Saskias Bruder war) gehörte.
Snowboarding spielt hier ohnehin eine sehr zentrale Rolle; ständig werden diverse Sprünge und Moves beim (Fach)Namen genannt: Wer sich beim Boarden ein bisschen besser auskennt, dem wird „Frostgrab“ da sicherlich ein Fest sein, aber wer bei „Snowboarden“ eher bloß daran denkt, dass man da halt auf lediglich einem Brett den Berg hinabbrettert, der ist bestimmt bald genervt von den ganzen beschriebenen sportlichen Herausforderungen.

Den Saskia-Plot fand ich nun auch nicht soooo aufregend: Saskia wird prinzipiell als egoistische, egozentrische, manipulative Zimtzicke dargestellt, von der es keinen zu stören scheint, dass sie eben plötzlich weg war (selbst ihr Bruder hätte wohl in erster Linie nur gerne ein „richtiges“ Grab für seine Familie) , und von daher scherte es auch mich nicht sonderlich, dass sie entweder, womöglich tödlich, verunglückt oder eventuell von einem der Anwesenden umgebracht worden war.
Dass sie eventuell gar zehn Jahre versteckt gelebt haben sollte und das große Wiedersehen nun inszeniert haben sollte, war eine in meinen Augen völlig hirnrissige Option, da völlig unklar war, ob überhaupt irgendwas vorgefallen gewesen wäre, dass sie dazu bewegt haben könnte, sich derart zu isolieren und es schien auch einfach kein Grund zu bestehen, wieso sie sich da an irgendwem hätte rächen sollen. Gut, die Auflösung beweist schließlich, dass es sogar mehr als einen Grund gegeben hätte, aber während der Handlung wirkt es bis dahin einfach nur wie eine Schnapsidee: Junge Frau seilt sich „einfach so“ von ihrer Clique ab, stellt sich tot, und taucht nach zehn Jahren wieder auf, um den Anderen an den Karren zu fahren?!

Tja, die Gründe… der Schluss von „Frostgrab“ war mir definitiv zu viel: von Anfang an war zwar klar, dass alle irgendwelche Geheimnisse hüteten, aber dass wirklich jeder etwas in genau diesem Zusammenhang verheimlichte?!

„Frostgrab“ hätte einen so tollen in der Snowboarder-Szene angesiedelten Thriller abgeben können; stilistisch hat mir der Roman definitiv auch gefallen, aber insgesamt hat er für mich doch sehr daran gekrankt, dass man hier einfach zu viel Geheimniskrämerei betrieben und so viel wie möglich in die Story hineinzupacken versucht hat. Weniger ist halt manchmal mehr, aber „Frostgrab“ war in meinen Augen einfach eben zu viel Mehr und darum doch deutlich weniger (als erhofft).


[Ein Rezensionsexemplar war mir, via Vorablesen, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Veröffentlicht am 02.11.2020

Zum mehr (Schicksals)Gedanken machen

Nur eine Ewigkeit mit Dir.
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Fand ich diesen Roman nun gut oder doch eher so mittel? Ich schwanke und entscheide mich schließlich für 3,8*, die ich dann eben doch in der Gesamtwertung zu 4 Sternchen hochrechne.

Mit Lilly und Jonas ...

Fand ich diesen Roman nun gut oder doch eher so mittel? Ich schwanke und entscheide mich schließlich für 3,8*, die ich dann eben doch in der Gesamtwertung zu 4 Sternchen hochrechne.

Mit Lilly und Jonas steht hier ein Figurenpaar im Vordergrund, das sich bereits aus einem früheren Leben kennt, was allerdings von vornherein nur Jonas bewusst ist, der aktuell keine irdische Existenz innehat – und der er Lilly, nachdem diese sich von einer Brücke in den Tod stürzen wollte, Einblick in ihr betreffendes früheres Leben bietet, welches sich wie eine Geschichte in Traum- und vor Allem Tagebuchform sich immer weiter vor Lilly auszubreiten beginnt. Zugleich entspinnt sich zwischen Lilly und Jonas ein immer fester gewebtes Band der Vertrautheit; insgesamt spielt „Nur eine Ewigkeit mit dir“ da sehr mit den Themen Vorherbestimmung bzw. Schicksal, Reinkarnation und Schutzengel.

Lilly und Jonas treten abwechselnd als personaler Erzähler auf; man weiß also grad über Jonas immer etwas mehr als Lilly; und die Grundidee der Geschichte hat mir sehr gut gefallen; zuweilen klangen auch deutliche poetisch-philosophische Töne durch, die ich teils sehr bewegend und als zum Nachdenken anregend empfunden habe. Für mich ist es einfach ein schöner Roman gewesen, um auch das eigene Leben mal zu reflektieren zu beginnen und sich ggf. mit eigenen vergrabenen/verdrängten Gefühlen auseinanderzusetzen. Da ist „Nur eine Ewigkeit“ mit dir einer der wenigen Liebesromane, denen man tatsächlich Tiefgründigkeit unterstellen kann.

Was mir jedoch ein wenig Lesefrust bereitet hat, war, dass ich fand, dass die Handlung zuweilen auf der Stelle trat und sich da arg in die Länge zog, dass ich irgendwann nur um des Schreibstils willen weitergelesen habe und weil ich neugierig war, welchen Input die Handlung womöglich noch liefern würde.
Auch das Ende hat mir nicht ganz so zugesagt; mir blieb es ein wenig zu offen und ich habe auch gar nicht verstanden, wie das nun überhaupt funktionieren können sollte. Dazu hätte ich mir dann doch noch ein paar deutlichere Worte gewünscht, aber wie gesagt: zumindest für die Gedankenanstöße, die die Handlung vorbereitet hat, habe ich mich definitiv begeistern können und kann dies Buch auch durchaus jenen empfehlen, die beim Lesen auch mal in philosophischere Gedankenwelten abschweifen wollen.

Veröffentlicht am 30.10.2020

Pinker Titel und doch kein Delfin drin!

QualityLand 2.0 (QualityLand 2)
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Marc-Uwe Kling kommt uns gemeinhin nur in Hörbuchform in die Wohnung; „QualityLand 2.0“ zog zunächst aber in gedruckter Form ein (und ja, danach auch noch als Hörbuch). Den Vorgängerband „QualityLand“ ...

Marc-Uwe Kling kommt uns gemeinhin nur in Hörbuchform in die Wohnung; „QualityLand 2.0“ zog zunächst aber in gedruckter Form ein (und ja, danach auch noch als Hörbuch). Den Vorgängerband „QualityLand“ hatte ich allerdings nicht nur gehört, sondern bei Freunden auch durchgeblättert und damals festgestellt, dass mir auf den Buchseiten die deutliche Intonation und die unterschiedlichen Stimmfarben der Charaktere sehr fehlten, abgesehen davon, dass dort die Kommentarspalten/Werbeunterbrechungen im Vergleich zum Hörbuch recht leblos wirkten. Im Falle von „QualityLand 2.0“ verhielt es sich nun zwar so, dass ich das Hörbuch letztlich doch ein Quäntchen vergnüglicher fand, ich den Roman aber auch gedruckt sehr lesbar fand – jedenfalls lesbarer als „QualityLand“, was vermutlich auch dem Fakt geschuldet ist, dass beim Nachfolger die Unterscheidung in helle und dunkle Edition fehlt, die sich im ersten Band ja grade durch die erwähnten Kommentare/Werbespots bemerkbar machte, welche bei „QualityLand 2.0“ nun gar nicht so vorkommen und mir dabei jetzt ehrlich gefehlt haben. Diese klaren Zwischentöne waren doch irgendwie „besonders“ und ohne wirkte „Qualityland 2.0“ auf mich nun durchgängig ein wenig resignierend; der teils krasse Sarkasmus des ersten Teils hat sich wohl auch durch die tatsächliche globale Entwicklung der letzten Monate selbst überlebt: Irgendwie sind es grad schlechte Zeiten für dystopische Zukunftsszenarien. Da wirkte der zweite Band nun erschreckend realistisch, und das obschon er noch weiter in der Zukunft als der erste Teil angesiedelt ist.

Generell habe ich mich aber sehr an „QualityLand 2.0“ erfreut; nur schon der Fakt, dass es dieses Buch geben würde, war für mich eine der besten Nachrichten in diesem Jahr, und ich hoffe sehr, dass es irgendwann (zeitlich nicht allzu weit entfernt) noch, mindestens, einen dritten Band geben wird.

Hier sehe ich es übrigens als Muss an, mit „QualityLand“ vertraut zu sein, ehe man sich mit dessen 2.0-Version beschäftigt, denn sonst wirken das ganze gesellschaftspolitische System und die persönlichen Verbindungen zwischen den Figuren wohl reichlich verquer.

Ich mochte sehr, dass sich die Thematik in diesem Fall auch sehr vom pinken Delfinvibrator unterschied und da nicht dasselbe Pferd (oder derselbe Delfin eben nicht) geritten wurde, auch wenn ich die Geschichte Richtung Ende ein wenig verworren empfand; Kikis Familie auf der einen Seite und Der Puppenspieler auf der anderen Seite überschnitten sich im Fortschritt auf die jeweilige „Aufklärung“ zuweilen doch sehr, zumal ständig irgendwie der Alte auf der Bildfläche erschien, dass ich mich manchmal an dem davon reichlich losgelösten Strang um Martyn erfreute, der mir im ersten Band noch arg auf den Senkel gegangen war. (Zugegeben hatte er sich noch immer in keinen Sympathieträger verwandelt.)
Mit dem Ende hab ich mich hier nun doch klar schwerer getan.

Ich kann diesen Roman nun also nicht ganz so sehr bejubeln wie den ersten Teil; für „QualityLand“-LeserInnen/HörerInnen ist aber „QualityLand 2.0“ in meinen Augen definitiv auch Pflichtprogramm!


[Ein Rezensionsexemplar war mir, via Vorablesen, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]