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Veröffentlicht am 10.02.2026

Zwei starke Frauen im Lauf der Zeit

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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1945:
Im ostdeutschen Güstrow ,findet die junge Marlen,die gerade dem Tod durch Ertrinken entkommen ist,Unterschlupf in einem alten Forsthaus,sie versteckt sich dort vor den anrückenden Russen.Die Malerin ...

1945:
Im ostdeutschen Güstrow ,findet die junge Marlen,die gerade dem Tod durch Ertrinken entkommen ist,Unterschlupf in einem alten Forsthaus,sie versteckt sich dort vor den anrückenden Russen.Die Malerin Wilma versteckt sie ,adoptiert sie später und bringt ihr alles über die Malerei bei.Als Wilma nach und nach erblindet,ersetzt ihr Marlen ,so gut es geht,ihr Augenlicht.
2023:
Die 34jährige Hannah Borowski lebt mit ihrer Freundin Rubi in einer WG.Als Diese schwanger ist und ausziehen will, bricht für Hannah ein Stück ihrer Welt zusammen. Außerdem tritt plötzlich ihr Vater, der sich Zeit ihres Lebens nie um sie gekümmert hat, mit einer rührseligen Geschichte in ihr Leben und sucht den Kontakt zu ihr.Warum nach all den Jahren und haben Mutter und Großmutter ihr die Wahrheit über sein Verhalten gesagt?
Die Geschichte wechselt nun fortlaufend zwischen den beiden Zeiten, wobei die Vergangenheit bis ins Jahr 1961 weiterläuft. Außerdem zieht sich wie ein roter Faden, ein angeblich wertvolles ,verschwundenes Bild aus dem Besitz ihrer Großmutter, durch die Geschichte.

Ich habe bereits den Vorgänger zu dieser Geschichte mit großer Begeisterung gelesen und war sehr gespannt auf den weiteren Fortgang . Die Autorin nimmt sich viel Zeit, die beiden Lebenswege zu begleiten und im Laufe der Entwicklung ergeben sich immer mehr Zusammenhänge und nach und nach setzt sich das Puzzle zusammen. Auch flechtet sie geschickt reale Ereignisse (Revolution des 17. Juni 1953). in ihren Roman ein,Mauerbau und Fall finden ebenfalls Erwähnung.
Der Roman wurde von Julia Nachtmann gut vorgelesen,sie beherrschte sowohl den sächsischen Dialekt ,als auch die Jugendsprache hervorragend.
Ein Genuss,den ich gerne mit fünf Sternen bewerte.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Das entscleunigte Dorf

Mathilde und Marie
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Marie hat zwei geliebte Menschen in relativ kurzer Zeit verloren, ihre zwei Jobs und das Studium überfordern sie. Sie zieht die Reißleine und verlässt ohne großen Abschied die Metropole Paris, um irgendwo ...

Marie hat zwei geliebte Menschen in relativ kurzer Zeit verloren, ihre zwei Jobs und das Studium überfordern sie. Sie zieht die Reißleine und verlässt ohne großen Abschied die Metropole Paris, um irgendwo zur Ruhe zu kommen. Auf der Bahnfahrt lernt sie die ältere Jónína kennen und erzählt ihr fast ihre ganze Lebensgeschichte.Sie lädt sie in ihr Heimatdorf Redu,ein tatsächlich existierender Ort ,mit wenig Einwohnern und vielen Buchläden.Zeit spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, was schon die Kirchturmuhr beweist, die zwei verschiedene Uhrzeiten anzeigt,Internet und Fernsehen sind nur stark eingeschränkt verfügbar.Die wenigen Einwohner gehen achtsam miteinander um und kümmern sich umeinander.Ein Ort zur Entschleunigung und zum Nachdenken über die wichtigen Dinge des Lebens.Marie wird bis auf eine Ausnahme gut aufgenommen und übernimmt nach kurzer Zeit die vorübergehende Betreuung des Buchladens von Jónína,als diese zu einer dringend nötigen Erholungspause in ihrer Heimat Island fährt.Mathilda ist eine alte Dame, die nach langer, glücklicher Ehe ihren Mann ganz plötzlich verloren hat und seitdem mit ihrem Schicksal hadert.Nachdem sie Marie anfangs vehement ablehnt, nähern Sie sich durch Gespräche langsam an, Marie hilft ihr bei der Suche nach einer unauffindbaren Hinterlassenschaft ihres Mannes ,wodurch sie wieder zu mehr Lebensmut findet.

Das Erstlingswerk des Autors ist ein modernes Märchen,welches durch viele liebenswerte Kleinigkeiten,nette Menschen,viel Empathie und einige Lebensweisheiten zu etwas Besonderem wird.Man kann genießen,innehalten ,entschleunigen und ein bisschen den Alltag vergessen.

Außerdem wird aufgezeigt,dass man versuchen kann,etwas „ Redu“ in das tägliche Leben zu integrieren und es dadurch aufzuwerten.Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und empfehle es weiter.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Sehr reales Thema

Solothurn ruft nach Vergeltung
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Kurz vor der Verleihung eines wichtigen Filmpreises wird der Preisträger brutal ermordet.Er hatte bei seinen Filmen nicht nur die Glamourwelt präsentiert, sondern immer wieder brisante Themen aufgegriffen. ...

Kurz vor der Verleihung eines wichtigen Filmpreises wird der Preisträger brutal ermordet.Er hatte bei seinen Filmen nicht nur die Glamourwelt präsentiert, sondern immer wieder brisante Themen aufgegriffen. im vorliegenden Fall geht es um Femizide,die leider eine viel zu große Rolle im realen Leben spielen.

Für de Ermittler Dominik Dornach steht ziemlich schnell fest, dass es Verbindungen zu einem alten Fall gibt und er beginnt in die Vergangenheit einzutauchen.

Der Autor hat sich auf eine sehr spannende Weise den brisanten Themen genähert und läßt seine Protagonisten nicht nur in der Schweiz agieren ,sondern weitet die Handlung bis in den Kosovo aus.Seine Familie,in Person seiner Tochter Pia ,wird immer mehr in die Geschichte verstrickt und gerät dabei mehrfach in Gefahr.

Geschickt werden einige falsche Fährten gelegt,welche die Spannung durchgehend hoch halten.Die Auflösung wartete noch mit Überraschungen auf,ein Cliffhanger weckt die Freude auf das nächste Buch der Reihe.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Aller Anfang ist schwer

Unter fremden Himmeln
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Während im ersten Teil der Abschied aus der alten Heimat und die beschwerliche Schiffsreise in eine neue Welt im Mittelpunkt standen, geht es nun für die Familie Berger um andere Herausforderungen.

Nachdem ...

Während im ersten Teil der Abschied aus der alten Heimat und die beschwerliche Schiffsreise in eine neue Welt im Mittelpunkt standen, geht es nun für die Familie Berger um andere Herausforderungen.

Nachdem sie die Enttäuschungen bei ihrer Ankunft überwunden haben, stellen Sie sich mit viel Elan den neuen Aufgaben. Als erstes gilt es, ein geeignetes Haus für die Familie zu bauen, was die Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung erfordert. Die Gegensätze zwischen dem Stamm der Kâte und der europäischen Kultur führen immer wieder zu Konflikten,dazu kommt noch der nicht zu geringe Einfluss der kolonialen Verwaltung.

Die drei Töchter der Familie versuchen ,jede auf ihre Art,sich mit den neuen Gegebenheiten zu arrangieren.Hedwig ist schwanger,Anna hat eine Beziehung zu dem Sohn des Häuptlings und Clara setzt ihr Wissen als Krankenschwester ein,wobei sie auch das Heilwissen der Einheimischen berücksichtigt,daneben ist sie gefangen in einer unglücklichen Ehe.

Obwohl es schon eine Weile her ist ,dass ich den ersten Teil gelesen habe ,konnte ich mich sofort wieder in die Geschichte einfinden.Der anschauliche und emotionale Schreibstil machte es mir leicht ,sowohl den einzelnen Personen sehr nahe zu kommen,als auch die Umgebung zu erfassen.Besonders die Beschreibung des Urwalds hat mich hierbei besonders fasziniert.

Neben dem Alltagsgeschehen der Familie und ihrem Umfeld geht es auch um einige Familiengeheimnisse,die nach und nach aufgelöst werden.

Ich bin schon voller Vorfreude auf den nächsten Band ,vergebe fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Frauen kämpfen für ihre Rechte

In der Liebe wollen wir frei sein
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Juliane ist ausgebildete Journalistin und arbeitet bei der Zeitung „Brigitte“,im Team, das überwiegend aus Frauen besteht, herrscht ein gutes Arbeitsklima. Sie ist eine selbstbewusste Frau,die in ihrem ...

Juliane ist ausgebildete Journalistin und arbeitet bei der Zeitung „Brigitte“,im Team, das überwiegend aus Frauen besteht, herrscht ein gutes Arbeitsklima. Sie ist eine selbstbewusste Frau,die in ihrem Beruf aufgeht.Inspiriert von den französischen Frauen, die auf die Straße gegangen sind, um gegen den Paragraphen 218 zu protestieren und sich öffentlich dazu bekannt haben, schon einmal ab getrieben zu haben,versuchen auch die Mitarbeiterinnen der Frauenzeitschrift eine ähnliche Aktion, mit durchschlagendem Erfolg. Ihre Chefin betraut Juliane mit der wöchentlichen Kolumne, die sich auch sehr schnell als Leserinnen Magnet erweist. Ihr Privatleben ändert sich, als sie den sympathischen Lehrer Andreas kennenlernt und sich in ihn verliebt. als sie eine alte Freundin von früher wieder trifft, die schwanger ist und nicht weiß, ob sie ihr Kind behalten soll,tritt bei ihr wieder eine alte Sehnsucht ins Bewusstsein. sie wurde als Baby von ihrer Mutter verlassen, und wuchs bei ihrer Tante auf. Diese hat so gut wie möglich versucht, die Lücke zu schließen und Juliane hat ein sehr gutes Verhältnis zu ihr.Doch immer wieder drängt sich die Frage auf ,ob ihre Mutter noch lebt und warum sie von ihr verlassen wurde.

Der Roman erscheint in der Reihe „Sternstunden der Frauen“.
Die Autorin hat auf eine sehr emotionale Weise, die jedoch niemals ins kitschige abdriftete, eine fiktive Geschichte mit den Ereignissen der siebziger Jahre verbunden. Viele Gesetze von damals, kann man sich überhaupt nicht mehr vorstellen und die Frauen von heute würden sich das nicht mehr gefallen lassen.Das Patriarchat herrschte,Selbstständigkeit der Frauen wurde immer wieder ausgebremst,sowohl für den Erwerb des Führerscheins ,als auch die Aufnahme einer Berufstätigkeit mußte vom Ehemann genehmigt werden.
Gewissermaßen als roter Faden dienten die Aktionen rund um den Paragraphen 218.
Die Protagonistin Juliane war mir von Anfang an sehr sympathisch, ich habe ihre Aktionen und Bemühungen,mit großer Begeisterung verfolgt. Auch wenn es eine fiktive Geschichte war, sollten wir uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass es viele reale Frauen gab, die für das, was wir heute als selbstverständlich hinnehmen, gekämpft haben.
Mir wurde das Buch von der großartigen Sprecherin Eva Becker vorgelesen, und es war ein echter Hörgenuss.

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