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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.11.2021

Ein Young Adult Roman voller Diversität

Felix Ever After
1

Felix ist trans und wird viel von Selbstzweifeln und Unsicherheiten geplagt. Unsicherheit darüber, wer er ist, aber auch was er kann und was er will. Er ist ein authentischer Charakter, da er jung ist ...

Felix ist trans und wird viel von Selbstzweifeln und Unsicherheiten geplagt. Unsicherheit darüber, wer er ist, aber auch was er kann und was er will. Er ist ein authentischer Charakter, da er jung ist und viele seiner Probleme großen Identifikationsraum bieten. Er macht Fehler, verhält sich auch beschissen und ist das Gegenteil von perfekt. Aber das muss er auch nicht sein, denn er wird trotzdem geliebt, auch wenn er es selber oft nicht sieht.
Der Schreibstil ist einfach und schlicht, die Gedankengänge von Felix ausführlich und die Darstellung von New York sehr nah. Das gegendert wird und Neopronomen verwendet werden ist richtig toll und ich liebe es, dass dies immer mehr Einzug findet in Romane.
„Felix ever after“ ist einfach wunderbar. Mir fällt kein anderes Wort ein, was meine Meinung zu diesem Buch besser zusammenfassen würde. Ich bin einfach restlos begeistert und würde dieses Buch, wenn ich viel Geld hätte, jedem*jeder schenken.
Es werden so viele Themen angesprochen, die einfach unglaublich wichtig sind. Identität, Selbstfindung, Rassismus, Deadnaming, Sexualität, Transfeindlichkeit, Privilegien und mehr und das immer mit einer intersektionalen Perspektive. Dabei wirkt die Geschichte nicht überladen oder die Themen übergestülpt und unpassend, sondern es passt einfach perfekt. Zu den Charakteren, der Atmosphäre und der Geschichte. Das Buch ist geprägt von einer großen charakterlichen Vielfalt, sei es die Herkunft, das Geschlecht, die Sexualität oder soziale Status. Dabei wirkt niemand konstruiert oder oberflächlich, sondern jeder Charakter hat eine durchdachte Backstory und Tiefe.
Die Geschichte rund um Felix ist geprägt von Freundschaft, der ersten Liebe, Druck auf eine gute Uni zu gehen aber auch Streit, Eifersucht und Hass. Es passiert so einiges auf den ca. 350 Seiten und die Wendungen haben mich überrascht und mitfühlen lassen. Manchmal ging es sehr schnell, vielleicht auch etwas zu schnell, das kann aber meiner Begeisterung keinen Abbruch tun.
Insgesamt habe ich das Buch geliebt und kann es allen Menschen nur ans Herz legen. Bitte lest es !

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 03.11.2021

Drachen, Hexen und Zauberer

Das Zeitalter der Drachen
0


Eine unterirdische Stadt, die von Zwergen bevölkert wird, Drachen, die immer wieder die Stadt belagern und Einwohner, die von Geisterschatten besessen sind, deren Auslieferung die Drachen fordern…
Eigentlich ...


Eine unterirdische Stadt, die von Zwergen bevölkert wird, Drachen, die immer wieder die Stadt belagern und Einwohner, die von Geisterschatten besessen sind, deren Auslieferung die Drachen fordern…
Eigentlich halten die Bewohner der unterirdischen Festung den Belagerungen stand und opfern kein Mitglied ihrer Gemeinschaft, doch als es innerhalb kurzer Zeit zu zwei Belagerungen durch Drachen kommt, entschließt sich die von Geisterschatten besessene Nireka, freiwillig die schützende Erde zu verlassen, um herauszufinden, was es sich mit den Drachen auf sich hat. Dabei bekommt sie Einblicke in die Vergangenheit und in die Geschichte der Drachen.
Nireka ist eine aufopferungsbereite und neugierige Hauptprotagonistin, die sich nicht davor scheut, Risiken einzugehen, um andere zu Schützen. Aylen ist mutig, oft leichtsinnig und neigt teilweise zur Angeberei. Sie hegt den Wunsch nach Anerkennung und ist bereit, dafür sehr weit zu gehen, und will sich nicht mit den typischen Frauenrollen zufrieden geben. Doch vergisst sie dabei nie ihre eigene Menschlichkeit.
Der Schreibstil ist sehr Handlungs- und Beschreibungsorientiert und kommt mit wenigen Dialogen aus, was an keiner Stelle störend war, sondern zu den Charakteren und der Geschichte passt, da viel in Erinnerungen eingetaucht wird. Das Worldbuilding hat mir wirklich gut gefallen, da es eine einzigartige Art und Weise der Magienutzung besitzt und auch die Geschichte des Landes sehr durchdacht ist. Zu Beginn war es zwar noch etwas verwirrend, da man ohne viel Erklärung in die Welt hineingeworfen wurde, doch das hat sich relativ schnell gelegt.
Jedoch habe ich leider die Handlung an keiner Stelle als wirklich spannend oder packend empfunden. Nie gab es den „oh-mein-Gott, das-hätte-ich-jetzt-nicht-erwartet“ Moment. Stattdessen war einiges sehr vorhersehbar und oft kam es mir vor, als würden bestimmte Handlungen einfach wiederholt werden. Das Ende dagegen hat mich wieder voll abgeholt und berührt.
Während ich mit der Handlung so meine Probleme hatte, so gab es doch auch durchaus Dinge, die mich thematisch sehr angesprochen habe. Angefangen bei menschlichen Eigenschaften in Krisen, die wir selber im letzten Jahr oft miterlebt haben. Die einen zeigen Solidarität, um ihre Mitmenschen zu schützen, die anderen handeln egoistisch und sind bereit andere zu ihrem Wohl zu opfern. Desweiteren hat die Autorin gezeigt, wie aus dem Ziel von Gleichberechtigung und Ende der Unterdrückung und Ausbeutung eine erneute Phase der Unterdrückung und Ungerechtigkeit entstehen und wie schwer es sei kann, zwischen richtig und falsch, gut und böse zu entscheiden, da die Welt nicht Schwarz und Weiß ist, sondern eher in Graubereichen verschwimmt.
Man kann das Buch auf jeden Fall lesen, da Jenny- Mai Nuyen geschickt Themen aus unserer Realität aufgegriffen und in eine andere Welt übertragen hat. Wer jetzt aber einen guten Plot erwartet, wird vielleicht enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 29.10.2021

Familiendrama in der Provence

Das Haus der Düfte
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Anouks Leidenschaft ist die Parfümerie. Schon seit sie klein ist, hat sie einen ausgeprägten Geruchssinn und träumt davon in der Parfümindustrie zu arbeiten. Doch ihre Mutter hat andere Pläne für ihre ...

Anouks Leidenschaft ist die Parfümerie. Schon seit sie klein ist, hat sie einen ausgeprägten Geruchssinn und träumt davon in der Parfümindustrie zu arbeiten. Doch ihre Mutter hat andere Pläne für ihre Zukunft und wünscht sich, dass ihre Tochter ihre Apotheke übernimmt. Als sich Anouk die Chance bietet, zu einer der größten Parfüm Dynastien nach Grasse zu gehen, ergreift sie die Chance, gerät dabei aber immer mehr zwischen die Fronten und die Vergangenheit der Familie.

Da der Roman in verschiedenen Zeiten spielt und sich über mehrere Generationen zieht, wenn auch nicht chronologisch, bekommt man:frau tiefe Einblicke in die Familiengeschichte und den Aufstieg der Girard Familie. Die jeweiligen Teile des Buches sind in sich auf bestimmte Weise schon geschlossen ergeben dann aber zusammenhängend ein Bild von einer Familie, die von einigen Dramen geprägt und sehr Geldorientiert handelt.
Der Schreibstil des Buches ist leicht, heiter und sanft und weist einen strake Handlungsorientierung auf, wodurch die Gefühle leider oftmals auf der Strecke bleiben.
Es kommt eine schöne Atmosphäre rüber und man fühlt sich, als würde man:frau selber durch die Lavendelfelder der Provence wandern. Desweiteren wird spannendes und interessantes Wissen über Parfüm Herstellung vermittelt und die Generationsübergreifenden Konfliktlinien in der Familie sind gut herausgearbeitet.
Leider ist es mir jedoch nicht gelungen, die Düfte so richtig zu riechen und mir vorzustellen. Oft hatte ich das Gefühl, dass die Ereignisse wie Perlen an einer Perlenkette aneinandergereiht werden anstatt, dass eine fließende Erzählung stattfinden, was wohl daran liegen mag, dass sich die Handlung über viele Jahre zieht und nur die wichtigsten Ereignisse genannt werden. Durch die wechselnden Zeiten war es teilweise etwas verwirrend und die Handlung gerade zum Schluss hin vorhersehbar.
Parfümliebhaber:innen werden dennoch voll auf ihre Kosten kommen. Für mich war es ein angenehmes Buch für zwischen durch, mehr leider aber nicht.

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Veröffentlicht am 15.10.2021

Informativ und leicht verständlich

100 Karten über Sex
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Welche Vogelart kann beim Fliegen Sex haben? In welchen Ländern wird Sex zwischen Gleichgeschlechtlichen Paaren kriminalisiert und was sind die beliebtesten Sexstellungen in Deutschland? Antworten auf ...

Welche Vogelart kann beim Fliegen Sex haben? In welchen Ländern wird Sex zwischen Gleichgeschlechtlichen Paaren kriminalisiert und was sind die beliebtesten Sexstellungen in Deutschland? Antworten auf diese und viele andere Fragen lassen sich in „100 Karten über Sex“ finden. Wie der Titel schon sagt werden auf insgesamt 100 Karten etliche Themen behandelt, die mit Sex auf irgendeine Art und Weise zu tun haben. Dazu gehören Aufklärung, Sexuelle Belästigung, Geschlechtskrankheiten, Pornographie, Verhütung; Geschlechtsidentitäten und vieles mehr.
Die Grafiken sind alle leicht verständlich und die Seiten übersichtlich gestaltet. Kurze Texte liefern weitere Infos oder Erklärungen. Das Buch lässt sich einfach durchblättern und lädt dazu ein auf Seiten, die einem mehr interessieren zu verharren. Manche Fakten sind unterhaltsam und lassen schmunzeln, andere sind wieder ernster und zeigen, wie viel es auf dieser Welt noch zu tun gibt. Die Quellenangaben zu den jeweiligen Statistiken und Studien lassen sich am Ende des Buches finde. Teils beruhen die Informationen auf Studien andere Organisationen oder stammen aus der Recherche des Verlags.
Auch wenn versucht wird, durch das Gendern oder explizite Erklärungen, sowie Themenspezifische Karten, zu zeigen, dass es Geschlechter außer männlich und weiblich gibt, bewegen sich viele Studien jedoch leider genau in dieser binären Geschlechtervorstellung, was wohl daran liegt, dass in vielen Studien nur diese beiden Geschlechter erfragt/ befragt werden und nicht weiter differenziert wird.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gefallen, da es eine unglaubliche Informationsfülle bereit hält und für jede*n etwas dabei ist.

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Veröffentlicht am 03.10.2021

Sci-Fi für Jugendliche

The Upper World – Ein Hauch Zukunft
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Der in London lebende Teenager Esso hält sich eigentlich raus. Auch aus Gangkriegen, die die Nachbarschafft erschüttern Doch dann gerät er, ohne es zu wollen, mitten hinein. Bei einem Autounfall wird er ...

Der in London lebende Teenager Esso hält sich eigentlich raus. Auch aus Gangkriegen, die die Nachbarschafft erschüttern Doch dann gerät er, ohne es zu wollen, mitten hinein. Bei einem Autounfall wird er verletzt und verliert das Bewusstsein. Während dieser Bewusstlosigkeit sieht er die Zukunft und damit wie seinen Freunden und seiner Liebe Nadia großes Leid geschieht. 15 Jahre später lernt Rhia, die ihre Eltern nie richtig kannte und in einer Pflegefamilie aufwächst, ihren neuen Physiknachhilfe Lehrer kennen. Als sie herausfindet, dass er ihre Mutter kannte und ihre Hilfe benötigt, beginnt ein Abenteuer, das eng verbunden ist mit Mathematik.

In the Upper World von Femi Fadugba, spricht der Autor Themen an, die aus dem Leben jedes Teenagers stammen könnten. Die erste Liebe, streit mit den Eltern und Freundschaft. Doch auch gegenwärtige Ereignisse wie der Klimawandel oder Rassismus, den Schwarze tagtäglich auf der Straße begegnet lässt er nicht außen vor.
Esso ist ein Junge, mit dem man sich gut identifizieren kann. Er buhlt um das Interesse des Mädchens was er mag, ist neugierig und wissbegierig, gerät immer wieder in Ärger, streitet sich mit seiner Mutter und hat Probleme mit der Schule und den dort herrschenden Strukturen. Dazu kommen Gangs, mit denen er eigentlich nichts zu tun haben will, die aber dennoch das Leben an der Schule und im Viertel bestimmen.
Rhia lebt, nach dem sie von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gegeben wurde, zusammen mit ihrer Pflegeschwester Olivia bei einen Paar. Ihre große Leidenschaft ist Fußball und später immer mehr auch die Physik, die sie für sich, mit Hilfe von Esso, entdeckt.
Der Schreibstil ist sehr leicht und auch humorvoll, ähnlich wie bei Percy Jackson, was dazu führt, dass ich das Buch zügig lesen konnte. Auch die mathematische und physikalische Theorie wurde durch Vergleiche und Geschichte versucht demder Leserin leichter zugänglich zu machen und verständlich zu vermitteln. Letzteres ist jedoch leider nicht an allen Stellen gelungen, auch wenn ich es wirklich interessant fand. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Zukunft macht auf jeden Fall den Reiz der Erzählung aus, da ich mich durchgängig gefragt habe, ob es ihm wohl gelingen wird, die Vergangenheit zu ändern. Auf Gewisse Art, war die Geschichte insgesamt spannend. Aber es gab keine Stelle, an der ich so richtiges Nervenkitzel verspürt habe.
Dass der Autor philosophische Ideen , wie das Höhlengleichnis in die Geschichte eingebunden hat, fand ich sehr interessant, auch wenn ich bis jetzt nicht den Zusammenhang sehe, was natürlich auch einfach daran liegen kann, dass ich nicht tief genug in der Materie rund um Energie und Zeitreisen bin. Durch Zeichnungen und Skizzen werden immer wieder bestimmte Szenerien oder mathematische aufgaben veranschaulicht, was auf jeden Fall zum Verständnis beiträgt. Manche Sachen erschienen mir dennoch unlogisch, damit kann ich mich jetzt nicht auf die Physik im Buch beziehen, da ich davon zu wenig Ahnung habe, sondern meine explizit die Handlung. Auch das Ende war für mich etwas verwirrend. Hier hätte ich mir konkretere Aufklärung gewünscht.
Die beiden Handlungsstränge, Gegenwart und Zukunft, . Der Autor hätte, meiner Meinung nach, die Zukunft und gerade die Unterschiede zur Gegenwart noch besser herausarbeiten können.
Insgesamt stellt The upper world ein spannendes und unterhaltsames Jugendbuch dar, dass Physik geschickt in eine interessante Geschichte verpackt, die jedoch einige Schwächen aufweist.

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