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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2025

Wenig überzeugender Thriller mit sehr eigenwilligen Charakteren

The Florist
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Amy ist mit Leib und Seele Floristin und ihr Geschäft Darling Blossoms ihr wichtigster Lebensinhalt. Eines Tages tritt die vermögende Familie Elliott in Amys Leben und sie bemerkt, dass ihr die sonst wenig ...

Amy ist mit Leib und Seele Floristin und ihr Geschäft Darling Blossoms ihr wichtigster Lebensinhalt. Eines Tages tritt die vermögende Familie Elliott in Amys Leben und sie bemerkt, dass ihr die sonst wenig wichtigen Sozialkontakte und das Prestige, das die Elliotts umgibt, doch mehr geben als sie dachte. Wie weit wird Amy gehen, um näher an die Elliotts heranzukommen? Welches Geheimnis umgibt Amy, die so zurückgezogen lebt, wenn es nicht gerade um ihren Job geht?

Nach einigem Abwägen hatten mich der Klappentext sowie das sehr ansprechende Cover doch überzeugt und ich begann, "The Florist" von C. L. Pattison zu lesen. Leider kommt die Geschichte nur sehr zäh in Schwung. Es wird zwar zu Beginn angeteasert, dass Amy ein Geheimnis hütet, von dem niemand wissen soll, die Spannung und Neugierde, die sich dadurch für mich aufgebaut haben, hielten sich aber in Grenzen.

Das Buch nimmt seinen Fortgang, es geschehen einige merkwürdige Dinge und Amy verhält sich immer wieder komisch. Blumen, welche ich oftmals anhand der Namen gar nicht zuordnen und mir vorstellen konnte, werden immer wieder in die Handlung eingewoben. Klar, Bilder zu den Blumen können leicht nachgeschaut werden, aber der Lesefluss wäre damit dahin gewesen.

Am Rande tauchen weitere Figuren auf, die für Amy eine Rolle spielen, aber keine davon wirkt überzeugend, leider auch Amy nicht. Amy zeichnet sich durch eine sehr eigene Persönlichkeit, die mit Stalker-Tendenzen versehen wurde, aus. Leider auch nicht unbedingt etwas, das die Hauptfigur sympathischer werden lässt.

Im letzten Viertel des Buches fanden dann derartig unglaubwürdige Dialoge statt, dass es für mich nicht mehr zu retten war. Zwar nimmt die Story noch eine wenig vorhersehbare Wendung, aber auch hier sind in einem Maße unglaubwürdige Situationen und Charaktere gezeichnet, dass ich nur noch enttäuscht zu Ende gelesen habe und hoffe, dass das nächste Buch besser gefällt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2025

Vielversprechender Einstieg, leider wenig überzeugende Umsetzung in Gänze

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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In einer mysteriösen, unscheinbaren Buchhandlung arbeitet ein junger Mann namens Adam als Erzähler. Doch er ist kein normaler Erzähler. Adam, wie auch seine ausnahmslos männlichen Kollegen bei Libronautic ...

In einer mysteriösen, unscheinbaren Buchhandlung arbeitet ein junger Mann namens Adam als Erzähler. Doch er ist kein normaler Erzähler. Adam, wie auch seine ausnahmslos männlichen Kollegen bei Libronautic Inc. verfügen über die besondere Gabe, Risse in den Raum zwischen Realität und Fiktion zu lesen, der es den betuchten Kund:innen der Buchhandlung ermöglicht, mitten in ihre liebsten Geschichten einzutauchen und so ein Teil davon zu werden. Doch die Idylle trügt und nach zwei merkwürdigen Vorkommnissen, die im Beisein von Adam geschahen, beginnt die vermeintlich heile Welt um Libronautic zu bröckeln. Es entspinnt sich ein Konstrukt um Lügen und Intrigen, von dem Adam offenbar nichts wusste, in welchem er jedoch eine zentrale Rolle spielt.

Die Idee zum Buch hat mich sofort neugierig gemacht, die Leseprobe über die ersten rund 40 Seiten hatte Sogwirkung. In eingängiger, ansprechender und lebhafter Sprache nimmt Akram El-Bahay seine Leser:innen mit auf eine temporeiche Reise durch wahre und fiktive Welten, durch große und teils auch eher unbekannte Werke der Literatur. Dabei weben die Hauptcharaktere sich ein in ein komplexes Geflecht aus Intrigen, Verbrechen und großen Gefühlen, die in den klassischen Geschichten – abseits des Haupthandlungsstranges – ihren Platz finden.

Leider verlieren mit Fortgang des Buches insbesondere die beiden Hauptcharaktere zunehmend an Profil, bis hin zu Verhaltensweisen oder Aussagen, die nicht sinnvoll mit der bisherigen Darstellung der Protagonisten in Einklang zu bringen sind. Auch die Storyline leidet unter zu viel Tempo und Spannung, die zu erzeugen versucht wurde; Charaktere reagieren in sehr emotionalen Situationen äußert knapp oder gar befremdlich, wenig authentisch.

ACHTUNG, ab hier Spoiler mit Blick auf das Ende des Buches!!! Es kommt zu einem dramatischen Kampf in einer der maßgeblichen Geschichten in der Geschichte, welcher für mich nach wie vor eindeutig den Haupthandlungsstrang berührt, diesen beeinflusst und so überhaupt nicht möglich sein sollte. In zwei Drittel des Romans wurde mehrfach und deutlich darauf hingewiesen, dass Eingriffe, die dem Haupthandlungsstrang oder den Hauptcharakteren zu nahe kommen oder den Haupthandlungsstrang gar verändern, die Erzählung zum Kollabieren bringen und die Besucher sehr wahrscheinlich den Tod finden. – Die Geschichte von „Die Buchreisenden“ ging nur dieser eigenen Regel ungeachtet ungerührt weiter. Mag sein, dass das Absicht war, weil besagte Geschichte irgendwie besonders ist und für diese andere Regeln gelten; der Autor selbst schrieb, dass der Zeitpunkt, zu dem der Kontakt stattfindet, außerhalb des Haupthandlungsstrangs liege. Das konnte mich aber nicht restlos überzeugen. Leider fügt sich diese Unstimmigkeit zudem mit noch weiteren in eine kleine Serie von Irritationen, die mich persönlich gestört haben.

Zum Ende: Für mich endet dieses Buch mitten in der Handlung, es werden in nur sehr geringem Umfang offene Fragen zum Abschluss gebracht. Dass der zweite Teil erst im Herbst erscheint und damit viele Leser:innen in der Luft hängen – auch solche, die gerne unbedingt erfahren möchten, wie sich die Geschichte auflöst – finde ich zudem sehr unglücklich.

Fazit: Die Idee klang toll, die Umsetzung startete vielsprechend, aber das Buch war für mich nicht imstande, zu halten, was es versprach, und ist daher eher enttäuschend. Nach den Irritationen und Ungereimtheiten im letzten Drittel sowie der (für mich) zu langen Wartezeit bis zur Veröffentlichung des zweiten und letzten Teils der Dilogie, werde ich die Geschichte sehr wahrscheinlich nicht zu Ende lesen, d. h. Band zwei gar nicht erst beginnen. Ein dicker Band, der die Teile eins und zwei bündelt, hätte mir womöglich mehr zugesagt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
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  • Fantasie
Veröffentlicht am 15.04.2025

Kraftvoll, wild, urwüchsig – Wild wuchern von Katharina Köller

Wild wuchern
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Marie ist ein hübsch anzusehendes Stadtgewächs aus Wien, das sich in großer Not zu ihrer eremitisch lebenden Cousine Johanna flüchtet. Beide Frauen verbinden lange verschwiegene Geheimnisse und die große ...

Marie ist ein hübsch anzusehendes Stadtgewächs aus Wien, das sich in großer Not zu ihrer eremitisch lebenden Cousine Johanna flüchtet. Beide Frauen verbinden lange verschwiegene Geheimnisse und die große Frage, ob sie wirklich sein dürfen, wer sie im tiefsten Inneren sind.

Katharina Köller schreibt in wunderbar authentischer Sprache aus der Perspektive von Marie, die sich mit blutender Platzwunde an einen sicheren Ort flüchtet. Ausgerechnet die Alm der Großeltern, mit der sie ein dunkles Geheimnis verbindet, und die heute von ihrer gänzlich zurückgezogen lebenden und schon immer irgendwie sonderbaren Cousine Johanna bewohnt wird.

Eingerahmt in die Naturgewalt und Schönheit der Tiroler Berge erleben die beiden Frauen Momente im Hier und Jetzt. Um die Gegenwart und auch ihre persönliche Verschiedenheit in ihrer ganzen Tragweite zu begreifen, schweifen sie in Sequenzen immer wieder in ihre Vergangenheit und jeweils eigenen Geschichten ab.

„Wild wuchern“ geht mit klugem Sachverstand und einfachen Worten großen Fragen auf den Grund. Unterlegt mit wohldosiert eingesetzter, kraftvoller Bildsprache dürfen Leser:innen die beiden Protagonistinnen dabei begleiten, herauszufinden, wer hier „richtig“ und „falsch“ ist, wer Schuld trägt und was Schuld denn überhaupt ist.

Ein kraftvolles, wundervolles Plädoyer für Individualität, Emanzipation und Toleranz, eingebettet in eine atemberaubende Kulisse.

Dieses Buch ist auch ganz ohne große Action und wortreich ausformulierte Dramen eine klare Leseempfehlung und geht unter die Haut!

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.03.2025

Süßes, unaufgeregtes Kinderbuch mit putzigen Illustrationen

Mister O'Lui und das Mutigsein
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In „Mister O’Lui und das Mutigsein“ erleben der Biberbär Mr. O’Lui und sein bester Freund Rupert, ein Streifenschwein, ihr nächstes gemeinsames Abenteuer. Zunächst verschwinden auf merkwürdige Art und ...

In „Mister O’Lui und das Mutigsein“ erleben der Biberbär Mr. O’Lui und sein bester Freund Rupert, ein Streifenschwein, ihr nächstes gemeinsames Abenteuer. Zunächst verschwinden auf merkwürdige Art und Weise Blumen und Früchte aus Mr. O’Lui’s Garten, dann taucht auch noch ein Monster auf. Oder ist es gar kein Monster, das da Anschluss an die beiden Helden der Geschichte sucht?

Das Intro klingt vermutlich spannender auf aufregender als die sehr ruhig und in weiten Teilen ganz unaufgeregte Geschichte vermuten lässt. Durch die entspannte Art von Mr. O’Lui, der so liebend gerne „Päuschen“ macht, gruseln sich selbst schreckhafte Kinder wohl kaum. Der zuckersüße Rupert tut sein Übriges.

In sehr kindgerechter Sprache und Illustration führt Silke Siefert durch diese Geschichte, ruft an vielen Stellen zur Besonnenheit auf, wenn der oder die Schuldige offensichtlich zu sein scheint. Am Ende werden die beiden Helden ganz wunderbar belohnt und die kleinen Leser:innen dürften sich sehr freuen, wenn das vermeintliche Monster enttarnt ist.

Eine niedliche Geschichte, die ich für 3- bis ca. 6-Jährige empfehle.

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Wie fühlt es sich an, wenn die böse Stimme in deinem Kopf immer lauter wird? – besonders, erschütternd, tieftraurig und urkomisch

Gute Gründe
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Yael hat da „diese Sache“ gemacht und damit sich und ihre Schwester in ein Vakuum befördert. Die beiden waren sich nie nah, aber im Angesicht dessen, was da fast geschehen wäre, ändert sich Vieles. Die ...

Yael hat da „diese Sache“ gemacht und damit sich und ihre Schwester in ein Vakuum befördert. Die beiden waren sich nie nah, aber im Angesicht dessen, was da fast geschehen wäre, ändert sich Vieles. Die Leserin / der Leser begleitet in diesem Roman die außergewöhnlich intensive Reise von Yael und weiterer denkwürdiger Charaktere.

Im Folgenden finden sich mögliche Trigger und Spoiler für die Handlung des Buches. Es werden keine Details verraten, aber womöglich doch mehr als anhand des Klappentextes erwartet.

Mir fehlen noch immer ein wenig die Worte. Ich habe noch nie so ein Buch gelesen, so viele Ambivalenzen erlebt, die doch so stimmig waren, so gelacht oder geschmunzelt, um im nächsten Moment wieder tieftraurig oder nachdenklich zu sein und umgekehrt. So viele kluge Sätze und so viele dumme Entscheidungen. Das Buch ist inhaltlich mächtig, immerhin geht es um menschliche Urängste wie Tod und Trauer, aber auch Depression und Selbstmord. Und gerade deshalb hat es mich auf eine Art abgeholt und bewegt, wie es bislang nur wenige Bücher vermocht haben.

Die Hauptfigur Yael nimmt die Leserin / den Leser dabei mit auf eine wahnsinnig sprunghafte Reise durch ihre Erlebens- und Gedankenwelt. Mir hat dieses Stilmittel sehr gefallen, da es sofort nah- und greifbar gemacht hat, wie es in Yaels Kopf zugehen muss. Kaum ist ein Gedanke, eine körperliche Empfindung da, schießt von der Seitenlinie eine Erinnerung hinein oder ein Musikstück triggert lange zurückliegende Gefühle. Sicherlich kommt der Stil nicht bei allen Leser:innen gut an.

Die Menschen, die Yael in einer schwer nachvollziehbaren Situation Halt geben, sie begleiten und ihr dabei ermöglichen, wieder zu sich zu finden, sind ebenso liebenswert wie die teils sehr verpeilte Katzenliebhaberin Yael selbst. Gespickt mit diversen Anspielungen und Insider-Kommentaren aus den Kontexten Judentum, Mode, Literatur und auch australischem Lokalkontext, die ich zu großen Teilen überhaupt nicht verstanden habe, geht es traurig-zuversichtlich in so etwas, das eine Perspektive sein könnte.

„Gute Gründe“ ist ein in mehrfacher Hinsicht total verrücktes und sehr, sehr liebenswertes, großartiges Buch, weil es eben gerade Menschen zeichnet. Mit all ihren schönen und weniger schönen Facetten, in all ihrer Angst und Menschlichkeit. Und gerade das macht es aus. Wir sind alle Menschen.

Außergewöhnlich. Sehr lesenswert.

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