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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.07.2025

Eine zufällige Begegnung wird zur tödlichen Gefahr

Das Stinktier von Hamburg
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Genauso ungewöhnlich wie der Titel des Buches ist der Einstieg in die Geschichte und der Fortgang der Handlung. Sylvia, vorbestraft, ohne festen Wohnsitz, wird auf dem Friedhof verfolgt. Sie spricht den ...

Genauso ungewöhnlich wie der Titel des Buches ist der Einstieg in die Geschichte und der Fortgang der Handlung. Sylvia, vorbestraft, ohne festen Wohnsitz, wird auf dem Friedhof verfolgt. Sie spricht den Privatdozenten Patrick an, der gerade der Beerdigung eines Kollegen beiwohnt und bittet ihn um Hilfe. Der sagt spontan zu . So beginnt eine Geschichte mit vielen Lügen, Toten und einem unerwarteten, aber sehr befriedigenden Ende.
Ich gebe es zu, ich mochte Sylvia nicht. Sie erzählt eine wilde Geschichte von Entführung und Vergewaltigung, einem gestohlenem Laptop und einer abenteuerlichen Flucht,. Im Laufe der Ereignisse stellt sich heraus, dass Sylvia über eine blühende Phantasie verfügt und nur dann die Wahrheit sagt, wenn es nicht anders geht. Bedrohlich wird die Sache, als die beiden über die Leiche einer Bekannten von Sylvia stolpern. Die Polizei tut es als Tod in Folge einer Überdosis ab. und weitere Todesfälle in Umfeld von Sylvia und Patrick als Unfall oder Selbstmord. Obwohl selbst Patrick klar wird, dass vieles an Sylvias Geschichte nicht stimmen kann, hält er treu zu ihr. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn angesichts dieser Tatsache feiern sollte oder milde belächeln. Ein wenig naiv und weltfremd fand ich ihn schon. Was zur Gewissheit wird, das Duo schwebt in Lebensgefahr und wer und warum auch immer ihren Tod will, schreckt vor nichts zurück. Für mich das Highlight und damit auch auch schon fast der Schlusspunkt des Krimis ist der Moment, als der Täter seine Sichtweise auf die Morde erläutert. Das war ohne jede Empathie, grausam und irgendwie bestechend - einfach genial.
Der Krimi ist ungewöhnlich und dabei sehr spannend, weil er nicht in das übliche Schema "Polizei ermittelt " passt. Sylvia und Patrick sind keine strahlenden Helden, sondern versuchen einfach nur zu überleben und für ein klein wenig Gerechtigkeit zu sorgen. Um so mehr habe ich ihnen die Daumen gedrückt und mit gefiebert.

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Oma Käthe undercover

Die eiskalte Strohwitwe von Sylt
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Ich liebe die Krimireihe des Autors rund um die saarländische Familie Backes. Hat bisher Jupp Backes, seines Zeichens Polizist und Familienoberhaupt, mich mit seinen Ermittlungen erfreut, bekommt er nun ...

Ich liebe die Krimireihe des Autors rund um die saarländische Familie Backes. Hat bisher Jupp Backes, seines Zeichens Polizist und Familienoberhaupt, mich mit seinen Ermittlungen erfreut, bekommt er nun ernsthafte Konkurrenz durch seine Schwiegermutter Käthe. Käthe hat ihr spätes Liebesglück in Person des pensionierten Kommissars Hinnerk , der auf Sylt zuhause ist, gefunden. Sie pendelt deswegen zwischen ihren beiden Lebensmittelpunkten hin und her. Bei ihrem jetzigen Besuch wird ihre Zweisamkeit durch den Besuch von Hinnerks Schwester Ellen aus Amerika erheblich gestört. Da war ich ganz bei Käthe. Ellen ging mir mit ihrem affektierten Getue gehörig auf die Nerven. Um etwas Abstand zu gewinnen, übernimmt Käthe die Krankheitsvertretung für die Haushälterin bei der reichen Unternehmensfamilie Lindholm. Was soll ich sagen, keines der Familienmitglieder konnte mein Herz gewinnen. Angefangen bei den Teenie-Enkelkindern , die anmaßend und voller Standesdünkel waren, über den Opa Georg , der sich als Muttersöhnchen entpuppt bis hin zur alkoholkranken Oma Sigrid . Getoppt wird es durch die Matriarchin Herta, die wie eine Königin über die Familie und ihr Umfeld herrscht.

Gerade als Käthe, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, hinschmeißen will, wird die sehr junge Stiefmutter ermordet. Da Hinnerk um die Ermittlungsschwäche seines Sohnes und Nachfolgers auf seiner Stelle weiß, bittet er Käthe in der Familie Undercover zu ermitteln . Und Käthe läuft zur Höchstform auf. Sie entlockt der Familie so manches Geheimnis und zieht daraus ihre Schlüsse , wenn auch nicht immer die richtigen - so wie ich auch. Natürlich habe ich mit ermittelt und eine eigene Verdächtigenliste erstellt. Den Mord hätte ich wirklich jedem aus der Familie zugetraut . Besonders als sie im Laufe der Ermittlungen ihre Masken fallen lassen und sich als noch übler entpuppen, als ich bisher angenommen hatte. Durch Käthes geschickte Verhörtechnik erfahren sie und Hinnerk einen entscheidenden Hinweis und können einen weiteren Mord verhindern.

Oma Käthe hat mich von ihren kriminalistischen Fähigkeiten erneut überzeugt. Ich wurde auf sehr abwechslungsreiche Weise sehr gut unterhalten. Die Handlung war spannend und sehr humorvoll und mir hat gefallen, dass das Ermittlungsduo das Renteneintrittsalter schon eine ganze Weile hinter sich gelassen hat.

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Ein eher ungewöhnlicher und dabei fesselnder Justizkrimi

Die feindliche Zeugin
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Der Einstieg in die Handlung ergibt den Ausgangspunkt für die spannende Handlung, die mit einem für mich überraschenden Ende aufwartet. Emmett, ein schwarzer Jugendlicher, ist anwesend, als ein Weißer ...

Der Einstieg in die Handlung ergibt den Ausgangspunkt für die spannende Handlung, die mit einem für mich überraschenden Ende aufwartet. Emmett, ein schwarzer Jugendlicher, ist anwesend, als ein Weißer im Park erstochen wird. Er versucht noch dessen Leben zu retten, doch umsonst. Emmett wird vor Ort verhaftet und des Mordes beschuldigt, da die anwesenden weißen Zeugen ihn als Mörder identifizieren. Nun kommt die schwarze Anwältin Rosa ins Spiel, die die Verteidigung unter der Führung des erfahrenen weißen Anwalts Craig übernimmt. Für mich lag der besondere Reiz der Geschichte darin, dass eigentlich Rosa im Mittelpunkt steht, obwohl es um Emmetts Unschuld geht. Rosa kommt aus dem gleichen Viertel und ähnlichen Lebensverhältnissen wie Emmett, was ihr einen anderen Blick auf den Fall ermöglicht als einem weißen Verteidiger . Alle Beweise sprechen gegen ihren Mandanten, dennoch glaubt sie an seine Unschuld. Da sich die gesamte Anschein gegen sie wendet, dreht sich ihr gesamtes Denken nur noch um den Fall. Das hat zwiespältige Gefühle bei mir ausgelöst. Zum einen fand ich es bewundernswert, wie Rosa sich für Emmett einsetzt, der zwar seine Unschuld beteuert, ansonsten aber beharrlich schweigt. Darüber vernachlässigt sie ihr nahes privates Umfeld , was oft Unverständnis bei mir hervor gerufen hat. Tatsächlich gelingt es Rosa eine Zeugin ausfindig zu machen, die möglicherweise helfen könnte, aber sie will nicht aussagen. Dann beginnt der Prozess .
Was ich sehr gelungen fand , die Autorin nutzt die unterschwelligen Rassenvorurteile der Weißen gegenüber dem schwarzen Anteil der Bevölkerung als weitere Hürde im Verfahren , Emmetts Unschuld zu beweisen. Das war informativ , aber nie belehrend. Zugleich habe ich einiges über das britische Rechtswesen gelernt, das mir bisher fremd war.
Da ich ich überzeugt war, dass Emmett unschuldig ist, war ich emotional stärker gefordert und habe inständig gehofft, dass es zu einem Freispruch kommt. Die Auflösung des Falles hat mich komplett überrascht und war für mich ein weiterer Pluspunkt für diesen ungewöhnlichen und dabei packenden Krimi.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Zwei Morde und eine beängstigende Möglichkeit

Eisfeld – Dunkle Enthüllungen
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Dies ist meine erste Begegnung mit Kriminalhauptkommissarin Mara Eisfeld und ich fand es spannend mit ihr zu ermitteln. Gerade herrscht Unordnung in ihrem Privatleben, denn ihr Mann hat sich von ihr getrennt ...

Dies ist meine erste Begegnung mit Kriminalhauptkommissarin Mara Eisfeld und ich fand es spannend mit ihr zu ermitteln. Gerade herrscht Unordnung in ihrem Privatleben, denn ihr Mann hat sich von ihr getrennt und es gibt Probleme bei der Betreuung des gemeinsamen Sohnes. Auch das Verhältnis zu ihrem Vater ist nicht unbelastet. Sie mag die Frau an seiner Seite nicht, obwohl der Tod ihrer Mutter schon lange zurück liegt. Da sie sich mit diesen Baustellen nicht auseinandersetzen will, kommt der Mord an einem bekannten Investigativ - Journalisten gerade recht. Sein Arbeitgeber, der Verlag Argus, sieht den Täter bei der Tiznit-Gang , denn das Opfer hat zur Verurteilung des Kopfs der Bande wesentlich beigetragen. Die Annahme liegt nahe und trotzdem gehen Eisfelds Ermittlungen erstmal in alle Richtungen. Und je weiter diese fortschreiten, um so unwahrscheinlicher wird ein Mord aus Rache. Die Spur , die sie nun verfolgen, bringt Eisfeld private Konflikte. Der aufkeimende Verdacht ist ungeheuerlich und sie kann und will es nicht glauben.

Eisfeld war mir nicht unbedingt sympathisch . Sie hat sich aber auf jeden Fall meinen Respekt verdient mit ihrer Berufsauffassung Gefeiert habe ich sie für ihre Wortgefechte mit dem arroganten Chefjournalisten von Argus , dessen Verhalten in meinen Augen übergriffig und respektlos war. Die Einbeziehung ihrer privaten Probleme haben gut gepasst und mir die Ermittlerin als Mensch näher gebracht. Zudem war es eine überzeugende Erklärung für eine Unachtsamkeit, die schwerwiegende Auswirkungen auf die Ermittlungsarbeit hat. Mit der Richtung, die die Nachforschungen nehmen, habe ich nicht gerechnet, fand sie aber leider realistisch. Am Ende habe ich dann ernsthaft damit gerechnet, dass es Eisfeld letzter Fall gewesen sein könnte, was ich sehr bedauert hätte. Denn der Krimi hat mir sehr gut gefallen. Ich fand ihn fesselnd und den Fall durchaus realistisch. Die Darstellung des privaten Umfelds hat die Handlung gut ergänzt , ohne störend zu wirken und die Personen real erscheinen lassen.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Zu Herzen gehende Unterhaltung

Die verschwundene Tochter
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Ich kenne die Vorgängerbände nicht, was aber kein Problem war. Die Bände lassen sich offensichtlich sehr gut unabhängig von einander lesen. So habe ich mich aufgemacht das Paris der 30iger Jahre und lerne ...

Ich kenne die Vorgängerbände nicht, was aber kein Problem war. Die Bände lassen sich offensichtlich sehr gut unabhängig von einander lesen. So habe ich mich aufgemacht das Paris der 30iger Jahre und lerne die junge Evelina kennen, die als 18jährige ihr Elternhaus verlässt, um ihre Träume als Modedesignerin in Paris zu verwirklichen. Ich war beeindruckt, wie dieses junge Mädchen unbeirrt ihren Weg geht und ihrem Leben konsequent eine neue Wendung gibt, wann immer es notwendig erscheint. Das war spannend zu lesen und bei einigen Szenen kam mein Blut vor Wut in Wallung, weil Männer der Meinung waren, allein ihre Wünsche zählen. Trotz ihrer Stärke zahlt sie für ihre Unabhängigkeit einen hohen Preis. Evelinas damalige Entscheidung setzt die Geschichte in der Gegenwart in Gang, die viele Emotionen in mir geweckt hat.

Blake, die in London lebt, hält ein Kästchen in Händen, das einen Hinweis auf die leibliche Mutter ihrer Uroma verbirgt. Diese wurde adoptiert, was die Familie nicht wusste. Blake macht sich auf die Suche nach dem unbekannten Familienteil. Der Hinweis führt sie nach Paris und dort zu Henri, der sich in der Modewelt auskennt und wertvolle Impulse geben kann. Blake hatte sich bisher um ihre jüngeren Geschwister gekümmert und ihr eigenes Leben vernachlässigt. In Henris Nähe hat sie Schmetterlinge im Bauch und auch er scheint mehr für sie zu empfinden. Blake beginnt von einer gemeinsamen Zukunft zu träumen, als sie ein traumhaftes Jobangebot bekommt. Doch nun liegt ihr privates Glück in Scherben und sie kehrt mit gebrochenen Herzen nach London zurück. Nur gut, dass die Autorin einen Unterhaltungsroman geschrieben hat und mich nicht enttäuscht, denn am Ende macht Paris seinem Ruf als Stadt der Liebe alle Ehre.

Ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Die Autorin ist eine begnadete Erzählerin. Besonders Evelinas Geschichte hat mich sehr berührt. Auch ihr hätte ich ein glückliches Ende gewünscht, fand es so aber stimmig und es ergab ein perfektes Gegengewicht zu Blakes Glück. In meinen Augen wäre es sonst etwas zu viel und damit kitschig gewesen. Diese Klippe hat die Autorin perfekt umschifft und ich konnte das Buch mit einem zufriedenen Gefühl schließen.

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