Eiskalt, emotional, irisch – ein Krimi, der unter die Haut geht
Schneesturm⭐️⭐️⭐️⭐️ (4 von 5 Sternen)
Tríona Walshs Schneesturm ist ein atmosphärisch dichter Inselkrimi, der mich beim Lesen regelrecht hat frieren lassen. Die Geschichte spielt auf der windumtosten Insel Inishmore, ...
⭐️⭐️⭐️⭐️ (4 von 5 Sternen)
Tríona Walshs Schneesturm ist ein atmosphärisch dichter Inselkrimi, der mich beim Lesen regelrecht hat frieren lassen. Die Geschichte spielt auf der windumtosten Insel Inishmore, wo ein tagelanger Schneesturm die Bewohner von der Außenwelt abschneidet. Kein Schiff, kein Helikopter – ganz im Stil von Agatha Christie sind alle Verdächtigen auf engem Raum gefangen, und die Kälte kriecht durch jede Seite.
Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, emotional glaubwürdig und oft in Bewegung – nass vom Laufen, vom Niederknien, vom Leichenbergen. Die Ermittlerin Cara ist vielschichtig und trägt ihre eigene Geschichte mit sich. Besonders schön fand ich, wie der Name Daithí erklärt wird – ausgesprochen „Daaah-hie“ – und wie die Sprache den irischen Dialekt spiegelt, der auf Inishmore gesprochen wird: Connacht Irish, der westirische Zweig des Irischen.
An einer Stelle sagt Caras Sohn, er habe „Garda-Kram“ gemacht – was das genau bedeuten soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht, denn mit der Polizei hat er nichts zu tun. Vielleicht war das einfach ein flapsiger Ausdruck, der offenbleiben darf.
Das Ende ist gelungen, vor allem die lange, spannungsgeladene Auflösung mit echten Highlights. Es gab ein paar Längen, aber ich war so gefangen, dass ich sie kaum bemerkt habe. Ein paar Dinge fand ich leider unplausibel – aber der Lokalkolorit, die Atmosphäre und die emotionale Tiefe machen das mehr als wett.
Ich gebe 4 von 5 Sternen – wegen kleiner Schwächen, aber mit großer Hochachtung für die Stimmung, die Figuren und das frostige Setting.