„Kulinarisch, atmosphärisch, solide – aber nicht Luc Verlains stärkster Fall“
Rue de ParadisRue de Paradis, Luc Verlains fünfter Fall, war nicht mein erster Krimi der Reihe. Vielleicht liegt es genau daran, dass ich diesmal etwas kritischer war: Die Vorgänger fand ich spannender und dichter erzählt. ...
Rue de Paradis, Luc Verlains fünfter Fall, war nicht mein erster Krimi der Reihe. Vielleicht liegt es genau daran, dass ich diesmal etwas kritischer war: Die Vorgänger fand ich spannender und dichter erzählt. Trotzdem hat mir der Band insgesamt gefallen — nur eben auf eine ruhigere, weniger packende Art.
Sehr schön fand ich wieder das Privatleben, das Alexander Oetker geschickt in die Handlung einwebt. Lucs schwangere Frau, die Frage, ob er rechtzeitig zur Geburt seiner Tochter kommt, und sein schwerkranker Vater, der ihm trotz allem zur Seite steht, geben der Geschichte Wärme und Menschlichkeit. Dazu ein Chef, der konsequent alles falsch macht, und ein Bürgermeister, der beim ersten Hochwasser stolz verkündet, sein Haus trotze den Fluten — aber eben nur beim ersten Mal. Genau diese ironischen Momente machen den Charme der Reihe aus.
Das Cover passt wunderbar zur Stimmung des Buches und fängt das Setting perfekt ein. Auch das Lokalkolorit ist wieder gelungen: Essen, Atmosphäre, südfranzösisches Lebensgefühl — das sitzt. Der Krimi selbst spielt fast wie in einem abgeschlossenen Raum, was grundsätzlich spannend ist, aber hier zu ein paar Längen führt.
Die Handlung ist solide, aber nicht so fesselnd wie in früheren Fällen. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Messlatte durch die Vorgänger höher gelegt habe. Dennoch: Die Mischung aus Atmosphäre, Kulinarik und persönlichen Momenten hat mich gut unterhalten.
Fazit: Ein schöner, atmosphärischer Verlain-Krimi mit starken Nebenfiguren und viel südfranzösischem Flair, aber nicht der spannendste Band der Reihe. Für mich klare vier Sterne.