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Veröffentlicht am 30.06.2020

Einfach Saugut

Weißbier-Requiem
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Der Bierbrauer Alfred Sanktjohanser, soll dem Haslinger, Konrad mit dem ersten Sud an diesem
Eröffnungswochenende im Bier-Wellnesshotel „Holledauer Hof“ helfen. Eigentlich wollte der
Sanktjohanser, genannt ...

Der Bierbrauer Alfred Sanktjohanser, soll dem Haslinger, Konrad mit dem ersten Sud an diesem
Eröffnungswochenende im Bier-Wellnesshotel „Holledauer Hof“ helfen. Eigentlich wollte der
Sanktjohanser, genannt Sanktus die Tage mit seiner Familie genießen. Doch als er am nächsten
Morgen seinen Freund Dengler zum Hotelpool begleitet entdeckt er eine Leiche die im Wasser treibt.
Als die örtliche Polizei eintrifft, ist die Leiche dummerweise nicht auffindbar. Um nicht als
Verrückter dazu stehen macht er sich auf die Suche nach dem Toten und dem Mörder. Da aber sehr
viele mit dem Toten noch eine Rechnung offen hatten, ist die Auswahl von Verdächtigen sehr groß.
Die Spur führt Jahre zurück bis zum Balkankrieg. Sanktus muss sich mit Niedertracht, Hass und
Missgunst auseinandersetzen.

Weißbier-Requiem ist für mich das erste Buch aus dieser Reihe.
Ich kannte den Alfred Sanktjohanser,Sanktus, nicht. Es war am Anfang doch etwas schwierig mit ihm.
Das hat sich dann aber sehr schnell gelegt.
Die Schreibweise ist besonders. Etwas ausschweifend aber doch sehr gefällig.
Das Bayerische passt einfach. Mit viel Witz und Situationskomik wird hier
ermittelt. Dieser Krimi erhält sehr viel Lokalkolorit.
Die Orte sind sehr anschaulich und bildhaft beschrieben.
Überhaupt wird alles sehr detailliert dargestellt.

Da auch sehr viele Personen vorkommen gibt, es am Anfang ein Personenverzeichnis.
Das ist auch nötig, denn dieses Buch ist voller Charaktere und Erläuterungen.
Es gibt sehr viele lose Fäden die am Ende dann alle so wunderbar verknüpft werden.
Der Sanktus ist ein Prachtbayer wie er im Buche steht. Mit allen Stärken und Schwächen.
Es macht richtig Spaß ihm bei den Ermittlungen zu begleiten.
Mit seinem Dickkopf und Charme schafft er sie alle. Es geht spannend zu, mitraten kann man
auch und vor allem bleibt der Spannungsbogen bis zum überraschenden Ende erhalten.
Hinten im Buch gibt es ein bayerisch - hochdeutsches Wörterbuch.
Das ist sehr hilfreich.
Ein Krimi der sich unheimlich gut liest, spannend ist und Spaß macht.
Die Story, die Charaktere, die Ausdruckskraft alles pointiert und scharfsinnig, einfach umwerfend.
Ein sehr gelungener Krimi mit viel Lokalkolorit und sehr unterhaltsamen Charakteren.

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Veröffentlicht am 26.06.2020

Eine eigene Welt

Die Schule am Meer
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Juist, 1925: Tatkräftig und voller Ideale gründet eine Gruppe von Lehrern am äußersten Rand der
Weimarer Republik ein ganz besonderes Internat. Mit eigenen Gärten, Seewasseraquarien und Theaterhalle.
Es ...

Juist, 1925: Tatkräftig und voller Ideale gründet eine Gruppe von Lehrern am äußersten Rand der
Weimarer Republik ein ganz besonderes Internat. Mit eigenen Gärten, Seewasseraquarien und Theaterhalle.
Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft: die jüdische Lehrerin Anni Reiner, der Musikpädagoge Eduard Zuckmayer,
der zehnjährige Maximilian, der sich mit dem Gruppenzwang manchmal schwer tut,
sowie die resolute Insulanerin Kea, die in der Küche das Sagen hat.
Doch das Klima an der Küste ist hart in jeder Hinsicht, und schon bald nehmen die Spannungen zu zwischen den Lehrkräften und mit den Insulanern, bei denen die Schule als Hort für Juden und Kommunisten verschrien ist. Im katastrophalen Eiswinter von 1929 ist die Insel wochenlang von der Außenwelt abgeschlossen. Man rückt ein wenig näher zusammen.
Aber kann es Hoffnung geben, wenn der Rest der Welt auf den Abgrund zusteuert?

Dieser Roman ist spannend erzählt.
Die Gruppe der Lehrer, tatkräftig und voller Ideale sind wundervoll gezeichnete Charaktere.
Ihr Pioniergeist ist so richtig ansteckend. Wie Freiheit, Kameradschaft und ein kritischer Geist gefördert wurden.
Die reformpädagogische Schule am Meer auf der Nordseeinsel Juist bestand nicht einmal zehn Jahre und wurde
von den Einheimischen argwöhnisch beobachtet. Weder Schüler noch Lehrer hatten es besonders leicht.
Aber, wenn man schon bis an den Rand der Welt reisen muss, um eine Schule zu gründen,
gibt man nicht so schnell auf. Das wird alles mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt.
Das Leben dort als Lehrer und auch als Schüler. Das harte Klima und vor allem die politischen Änderungen,
die so schleichend kommen, machen deutlich wie schnell sich das nationalsozialistische Gedankengut
im Alltag durchsetzen konnte. Die Schule selbst ist auch nicht davon befreit. Das muss sogar
die Mitbegründerin und Jüdin Anni Reiner am eigenen Leib erfahren. Am Ende war die Schule pleite und wurde von den Nazis geschlossen. Ein sehr gut recherchierter Roman der leider einige Längen hat.
Trotzdem finde ich ihn sehr lesenswert denn er erzählt eine Geschichte die in Vergessenheit geraten ist.
Eine sehr gelungene Verknüpfung von historischen Fakten und Fiktion.

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Veröffentlicht am 25.06.2020

Achtung Suchtgefahr.

Yasemins Kiosk - Eine bunte Tüte voller Lügen
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Auch, wenn man die ersten Bände nicht gelesen hat, kommt man sehr gut in die Geschichte rein.
Eine Ermittlung der anderen Art. Drei sehr verschiedene, wunderbare Frauen ermitteln hier.
Das macht richtig ...

Auch, wenn man die ersten Bände nicht gelesen hat, kommt man sehr gut in die Geschichte rein.
Eine Ermittlung der anderen Art. Drei sehr verschiedene, wunderbare Frauen ermitteln hier.
Das macht richtig Spaß und lädt zum mitraten ein. Die Charaktere sind einfach wunderbar
und das bis in die kleinste Rolle. Man lebt und leidet mit ihnen.
Möchte am liebsten vor Ort und vor allem mit ihnen befreundet sein.
Das liegt auch an dem wunderbaren Schreibstil der Autorin.
Fließend, witzig und mit viel Situationskomik.
Es gibt aber auch einen Spannungsbogen der bis zum überraschenden Ende erhalten bleibt.
Kurzweilig, humorvoll und auch spannend.
Ein Buch, das große Lust auf mehr macht.
Allerbeste Unterhaltung.
Achtung Suchtgefahr.

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Veröffentlicht am 23.06.2020

Nette Unterhaltung

Die Frauen von der Purpurküste – Isabelles Geheimnis (Die Purpurküsten-Reihe 1)
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Amelie hat es nicht leicht. Vor drei Jahren starb ihr Mann und der kleine Sohn bei einem Autounfall. Bis
dahin war Amelie eine Bestsellerautorin, ihre Bücher Kassenschlager. Seit dem Unfall aber kann sie ...

Amelie hat es nicht leicht. Vor drei Jahren starb ihr Mann und der kleine Sohn bei einem Autounfall. Bis
dahin war Amelie eine Bestsellerautorin, ihre Bücher Kassenschlager. Seit dem Unfall aber kann sie nicht mehr
schreiben. Sie ist todunglücklich und bekommt ihr Leben nicht mehr in den Griff.
Sie reist nach Südfrankreich und sucht Ablenkung in der alten Baguetterie ihrer Großmutter.
Die Leichtigkeit der Südfranzosen, die Nähe zum Meer und der attraktive Mitbewohner Benjamin helfen ihr
dabei. Dann ist da ja auch noch das große Geheimnis ihrer Großmutter.

Diese Reise, in zwei Erzählsträngen erzählt, führt den Leser nach Südfrankreich.
Die Landschaftsbeschreibungen sind wunderschön und das Kopfkino läuft auf Hochtouren.
Dieser Roman vermittelt einen das Gefühl direkt vor Ort zu sein.
Das südländische Flair, die Lebensart und die französische Landschaft lädt zum Träumen ein.
Die Schreibweise ist flüssig aber teilweise sehr distanziert.
Leider bleiben auch die Charaktere hinter den Erwartungen. Sie sind zwar Menschen wie aus dem Leben mit
allen Ecken und Kanten bleiben aber fremd. Spröde und hölzern kommen sie rüber und man kann sich schwer
mit ihnen identifizieren. Einzig die Tagebucheintragungen geben den Figuren Herz und Tiefe.
Die deutsche Besetzung Frankreichs, die erste große Liebe der Großmutter zu einem deutschen
Wehrmachtssoldaten im Kriegsjahr 1944.
Der Rest der Geschichte ist leider sehr vorhersehbar und es kommt wie es kommen muss.
Gesamt gesehen ein netter Roman über das Leben, die Familie und natürlich über die Liebe.

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Veröffentlicht am 20.06.2020

Spannende Miljöstudie

Fräulein Gold: Schatten und Licht
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Hulda Gold ist Hebamme und im Kiez sehr beliebt. Da sie Hausbesuche macht, lernt sie viele Familien
und ihre Wohnverhältnisse kennen. Die unterschiedlichsten Menschen und ihre Schicksale,
besonders die ...

Hulda Gold ist Hebamme und im Kiez sehr beliebt. Da sie Hausbesuche macht, lernt sie viele Familien
und ihre Wohnverhältnisse kennen. Die unterschiedlichsten Menschen und ihre Schicksale,
besonders die der Frauen liegen ihr am Herzen. Eine ihrer Kundinnen ist zu tiefst erschüttert. Ihre
Nachbarin wurde tot im Landwehrkanal gefunden. Es soll ein Unfall sein nur warum interessiert sich der
undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North so für den Fall?

Die Atmosphäre Berlins in den Zwanziger Jahren die Abgründe einer Stadt,
in der Schatten und Licht dicht beieinanderliegen kommt sehr gut rüber.
Wobei man hier eher die Schattenseiten vermittelt bekommt.
Die Zeit zwischen den Weltkriegen. Das Elend der Bevölkerung, der tägliche Kampf ums
Überleben. Frauen die sich prostituieren müssen, Waisenkinder immer auf der Suche nach Essbarem.
Alle haben den Krieg noch in den Knochen und suchen Ablenkung im aufregenden Berliner Nachtleben.
Alkohol, Drogen, schneller Sex lassen den Alltag kurz in Vergessenheit geraten.
Auch die Charaktere sind so herrlich echt und kantig.
Hulda Gold, 26 Jahre alt, ein spätes Mädchen, geht ihren Weg.
Sie ist mit Leidenschaft Hebamme, liebt ihre Arbeit, ist pfiffig und sehr patent.
Hilft, wo sie kann und durch ihre engagierte Art bringt sie sich oft selbst in Gefahr.
Auf der anderen Seite kann sie den Mann aus einer gescheiterten Beziehung nicht loslassen
und sie hat Angst so zu werden wie ihre Mutter. Die hatte psychische Probleme und hat sich umgebracht.
Deshalb taucht Hulda oft in die Berliner Nächte ein und versucht zu vergessen.

Karl North, der junge Kommissar, flüchtet vor seinen Dämonen. Er ist in einem Waisenhaus groß geworden.
Kennt seine Eltern nicht und hat eine sehr trostlose und gefühlskalte Kindheit hinter sich.
Trotzdem hat er es geschafft Karriere zu machen.
Seine Angst ist, das jemand von seiner trostlosen Vergangenheit erfährt. Das will er unbedingt vermeiden.

Beide fangen an Nachforschen was es mit dem Tod der Frau aus dem Landwehrkanal wirklich
auf sich hat. War es Selbstmord oder doch Mord? Hulda ist Karl immer einen Schritt voraus.
Anfangs mögen sich die beiden nicht besonders aber das ändert sich mit der Zeit.

Eine sehr gut recherchierte Geschichte, in die man so richtig eintauchen kann.
Die Wohnsituation der armen Menschen, ihre Sorgen und Nöte sind atmosphärisch dicht erzählt.
Der alte Kiez mit seinen Originalen lebt wieder auf. Ob Portiersfrau, Pensionswirtin, Zeitungsverkäufer,
Prostituierte, Zuhälter etc. bereichern hier die Geschichte.
Sehr gelungen ist auch die Karte des Kiezes aus dem Jahr 1922.
Dieser Roman ist nicht nur eine Miljöstudie, sondern auch spannend mit einer kleinen Liebesgeschichte.
Ein wunderbarer Auftakt der Lust auf weitere Bände macht.



















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