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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.05.2025

Nette Sommerlektüre

Die Garnett Girls
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Nachdem ich das Hörbuch abgebrochen habe, weil ich ständig gedanklich abgeschweift bin habe ich mir das Buch vorgenommen.
Auch hier brauchte ich eine ganze Weile, um in die Geschichte hineinzukommen. Die ...

Nachdem ich das Hörbuch abgebrochen habe, weil ich ständig gedanklich abgeschweift bin habe ich mir das Buch vorgenommen.
Auch hier brauchte ich eine ganze Weile, um in die Geschichte hineinzukommen. Die Charaktere waren für mich schwer greifbar und ich fühlte mich keiner von ihr nah. Ein glamouröse Mutter, ihre drei erwachsenen Töchter und dazu die Ehemänner und einige weitere Nebenfiguren. Die Frauen leben scheinbar perfekte Leben, doch wie so oft bröckelt es hinter den Fassaden.

Spannender wird es für mich, als ich mehr über die Vergangenheit von Margo, der Mutter, lese. Ich fühle das Glück, das Margo empfindet, aber auch die Verzweiflung, als der Alkohol immer mehr Besitz von ihrem Mann ergreift und sie am Ende mit ihren drei kleinen Töchtern allein zurückbleibt.

Hier verstehe ich auch die einzelnen Positionen der Töchter, die jede für sich anders damit umgehen, vom Vater verlassen worden zu sein. Die Gemeinschaft der Schwestern ist authentisch und auch schön mit anzusehen. Und doch bleibt dieses Gefühl der Oberflächlichkeit und keinen von ihnen dringt wirklich zu mir durch.

Am Ende bleibt das Buch für mich eine eher seichte Lektüre, die Tiefgang versucht. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es genau deswegen das perfekte Urlaubsbuch für andere Leser:innen ist.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Gibt es das wahre Matriarchat?

Urlaub vom Patriarchat
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Einfach mal dem Patriarchat den Rücken kehren und tief verwurzeltes abstreifen bzw. neu denken. So oder so ähnlich hat Friederike Oertel vielleicht gedacht, als sie für drei Monate ihr Leben in Deutschland ...

Einfach mal dem Patriarchat den Rücken kehren und tief verwurzeltes abstreifen bzw. neu denken. So oder so ähnlich hat Friederike Oertel vielleicht gedacht, als sie für drei Monate ihr Leben in Deutschland gegen das in Juchítan, einer Stadt nahe der Pazifikküste Mexikos eintauschte. Juchítan, dass schon vorher als Matriarchat in der Presse vorkam. Ich bin aber erst durch dieses Buch darauf gestoßen.

Mir gefällt wie ehrlich Oertel ihre Zeit dort beschreibt. Sie beobachtet und fragt nach, sie beachönigt nichts und kritisiert auch nicht. Mir als Leserin bleibt es überlassen, wie ich das Gelesene beurteile.

'Urlaub vom Patriarchat' ist aber nicht einfach ein Reisebericht oder eine Anekdotensammlung von Erlebnissen, sondern es ist gleichzeitig ein Sachbuch. Oertel hat viel zu den Matriarchaten dieser Welt geforscht. Sie erklärt, wie Patriachalische Strukturen entstanden sein könnten und geht tief in die Geschichte der Menschheit hinein. Sie greift Themen wie Diversität, Wut, sexuelle Gewalt und einige weitere auf, alle eng verbunden mit dem System in dem wir, aber auch die Menschen Juchitans leben. Und immer wieder lässt uns Oertel an ihren eigenen Erfahrungen teilhaben, die die sachlichen Fakten Nachbar untermauern.

Wieder einmal denke ich mir, dass wir so viel mehr von indigenen Völkern (in Juchítan leben u.a. die Zapotek:innen) als wir ihnen genommen haben. Das Matriarchat dort ist keine Umkehr des Patriarchats wie wir es kennen, es ist auch nicht perfekt (was immer auch perfekt bedeuten mag). Es ist ein anderes Verständnis, dass dennoch durchzogen ist von männlichen Denkweisen. Die Politik ist dort immer noch größtenteils männlich und vor der Hochzeit findet ein Brautraub mit dem Nachweis der Jungfräulichkeit statt. Letztes ist kein Muss, aber die Tradition lässt viele noch daran festhalten.

Ich habe wieder vieles gelernt, z.B. das sich das Wort Matriarchat nicht nur von Mutter, sondern auch von Anfang herleiten lässt. Oder dass Zapotek:innen Ageism nicht kennen. Und ja, ich kannte das Wort Ageism nicht. Das ist die Diskriminierung des Alters. In Juchítan gibt ein drittes Geschlecht, sie Muxe. Ich könnte noch so viel mehr schreiben und erklären. Aber lest es selbst. Ich werde jedenfalls die Werbetrommel schüren und bei meiner großen Tochter und meinem Mann beginnen.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Wenn Frauen zu lange klein gehalten werden

Blaues Wunder
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Ungeschminkt aussehen ist ok, übernächtigt nicht.'

Drei Männer, drei dazugehörige Frauen und ein Sohn. Mehr braucht es nicht für dieses Kammerspiel. Ein Kammerspiel auf ungewohnten Terrain. Eine Luxusyacht ...

Ungeschminkt aussehen ist ok, übernächtigt nicht.'

Drei Männer, drei dazugehörige Frauen und ein Sohn. Mehr braucht es nicht für dieses Kammerspiel. Ein Kammerspiel auf ungewohnten Terrain. Eine Luxusyacht irgendwo vor den Philippinen ist die Kulisse. Der Wunsch nach Urlaub wird zumindest anfangs direkt übermächtig.

So wie die Yacht in den Wellen, plätschert auch die Geschichte anfangs so vor sich hin und ich fragte mich, wo sie hinführen wird. Die Männer, Geschäftspartner bzw Kollegen und ihr Chef. Die Frauen, die alle im Schatten ihrer Männer stehen, die zu funktionieren haben und dazu da sind, den Männern den Rücken zu stärken. Wie sehr? Das kommt nach und nach ans Licht, ebenso wie die Geheimnisse und Machenschaften der Männer.

Manche Passagen haben mich regelrecht wütend werden lassen, weil ich es unerträglich fand, wie mit den Frauen umgegangen wird bzw. was sie mit sich machen lassen. Vor allem letzteres erschloss sich mir nicht wirklich, vor allem weil die Geschichte in der Gegenwart und nicht vor 100 Jahren angesiedelt ist.

Es wird abwechselnd aus Sicht von Nora, Franziska und Rachel erzählt und wir steigen tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt ein. Anne Freytag lässt die Frauen sind in diesem kurzen Zeitraum schlüssig entwickeln und das Ende lässt mich zufrieden zurück. Das Plätschern des Anfangs wird zur brausenden Gischt.

Ich habe 'Blaues Wunder' als Hörbuch gehört und Sandra Voss hat mich mit ihrer Stimme gut durch das Geschehen getragen. Manchmal musste ich überlegen, welche der drei Frauen gerade 'spricht', vielleicht wäre mir das beim Lesen nicht passiert. Aber ein großes Lob an die Sprecherin: Ich schweife bei Hörbücher ln oft ab, hier war das sehr selten der Fall. Das lag natürlich auch an der Vorlage. Anne Freytag liefert hier den perfekten Sommerroman, eine leicht zu lesende (oder hörende) Urlaubslektüre mit einigen Spannungsmomenten.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Als Panem Fan Pflicht

Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht an
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Es war ganz klar, dass ich ein weiteres Buch aus der Panem Reihe lesen werde. Und natürlich war bereits kurz nach der Ankündigung im letzten Jahr klar, dass es Haymitchs Spiele sind, die hier zum Thema ...

Es war ganz klar, dass ich ein weiteres Buch aus der Panem Reihe lesen werde. Und natürlich war bereits kurz nach der Ankündigung im letzten Jahr klar, dass es Haymitchs Spiele sind, die hier zum Thema gemacht werden. Als Leserin, die die Panem-Reihe gelesen hat, war mir daher bewusst, wie die Spiele ausgehen. Und dennoch schafft es Suzanne Collins wieder eine Spannung zu erzeugen, die fast bis zum Schluss anhält.

Wieder gibt es sehr emotionale Momente, die mich persönlich aber nicht so sehr berührt haben, wie es zum Beispiel Rue und Finnicks Tode in Hunger Games 1 und 3 taten. Es blieb eine gewissen Distanz. So ging es mir auch mit dem gesamten Buch. Teilweise zogen sich einige Passagen für mich sehr und dann konnte ich es wieder kaum aus der Hand legen. Dennoch ist es wie schon mit dem Vorgänger ' Das Lied von Vogel und Schlange'. Es hat mir Freude bereitet, vor allem weil ich hier viele bekannte Charaktere wieder getroffen habe, aber es hat einen anderen Stellenwert, als die ersten drei Bücher, die ich immer wieder lesen kann und werde.

In einigen Social Reads wurde diskutiert, welcher Charakter seine nächste eigene Geschichte bekommt. Ich bin da für mich ziemlich klar. Es ist genug. Weitere Bände können für mich nicht besser werden. Manchmal ist eine Reihe auch einfach auserzählt.

Dennoch eine Empfehlung, nicht nur für Fans der Reihe und ja, ich fiebere der Verfilmung entgegen.

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Veröffentlicht am 09.05.2025

Frauenfreundschaft über Jahrzehnte und Ozeane hinweg

Freundin bleibst du immer
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Wieder so ein Buch, das mir zeigt, dass ich viel zu wenig über Afrika weiß und im speziellen hier über Nigeria. Ich liebe Bücher, in denen ich in eine andere Gesellschaft, in ein anderes Land, in ein anderes ...

Wieder so ein Buch, das mir zeigt, dass ich viel zu wenig über Afrika weiß und im speziellen hier über Nigeria. Ich liebe Bücher, in denen ich in eine andere Gesellschaft, in ein anderes Land, in ein anderes System eintauchen kann, weil es für mich meinen Horizont dermaßen erweitert und mir zeigt, dass ich ein kleiner Punkt von vielen im Universum bin und vieles andere so viel wichtiger ist. Das soll nicht heißen, dass ich mich selbst nicht wichtig nehme. Es soll nur deutlich machen, wie wichtig das große Ganze ist und das kein Mensch wichtiger ist als ein anderer ist oder sich nicht wichtiger nehmen sollte.

'Freundin bleibst du für immer' führt uns nach Nigeria. Drei Frauen /freundinnen kommen zur Hochzeit der Tochter einer von ihnen nach vielen Jahren wieder zusammen. Alle drei Charaktere der Frauen haben mich sofort vereinnahmt, ich habe sofort einen Zugang zu allen Dreien gefunden und jede einzelne ist mir ans Herz gewachsen.

Tomi Obaro erzählt abwechselnd aus dem Perspektiven der drei Frauen und schaffte es dabei chronologisch vorzugehen. Obwohl sie auch in die Vergangenheiten der drei eintaucht, bleibt immer ein roter Faden durch die Geschichte in der Gegenwart. Das macht es mir als Leserin möglich nie vom Weg abzukommen, nie zu sehr abzuschweifen und trotz Fokus auf eine Frau, alle im Blick zu behalten.

Die Geschichte hat eine Leichtigkeit, obwohl die einzelnen Biografien der drei Protagonistinnen keineswegs immer leicht sind. Kindheit, Jugend, das Kennenlernen im Studium, die weiteren Lebenswege und das langsame Auseinanderdriften. Wege, die viele Freundschaften nehmen. Und dennoch schaffen es die drei irgendwie immer miteinander verbunden zu bleiben. Obwohl sie teilweise auch Ozeane trennen.

Die Hochzeit selber ist der eigentliche Kern dieser Geschichte, um die sich alles herum abspielt und die noch für einige Überraschungen sorgen wird.
Eine Geschichte über Freundschaft, über Traditionen und über Frauen, die sich in ihrem System behaupten. Eine Geschichte, die mich überzeugt hat.

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