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Veröffentlicht am 29.06.2025

Mit dem Happy End fangen die Probleme an

Und plötzlich ist es wunderbar
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In ihrem Roman „Und plötzlich ist es wunderbar“ startet die Autorin Mhairi McFarlane mit dem Happy End und setzt die Handlung mit dem recht außergewöhnlichen Beziehungsalltag zwischen Edie Thompson und ...

In ihrem Roman „Und plötzlich ist es wunderbar“ startet die Autorin Mhairi McFarlane mit dem Happy End und setzt die Handlung mit dem recht außergewöhnlichen Beziehungsalltag zwischen Edie Thompson und dem berühmten Schauspieler Elliot Owen fort.
Eine frische Idee die mir im Vorfeld wirklich gut gefallen hat, zumal ich von der Autorin schon einiges gelesen habe und mindestens einer ihrer Romane zu meinen Lieblingsbüchern zählt. Vielleicht liegt es also an meinen zu hohen oder falschen Erwartungen, dass ich von diesem jüngsten Werk leider doch ein wenig enttäuscht bin.
Auf dem vorherrschend rosafarbenen Cover, von pinken und blauen Filmstreifen umgeben küsst sich ein Paar, wohl die Protagonisten des Romans. Die Filmstreifen setzen sich auf dem Buchschnitt fort. Das Cover wirkt ansprechend stellt den Inhalt aber eher oberflächlich dar. Zudem passt es leider überhaupt nicht zum Vorgängerroman „Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt“. Dass es diesen überhaupt gibt und ich ihn vor einigen Jahren auch gelesen habe, ist mir erst nach einigen Kapiteln der Fortsetzung aufgefallen.
Auch dem Schreibstil der Autorin konnte ich bei diesem Roman deutlich weniger abgewinnen als sonst. Den Emotionen der Protagonisten fehlt in meinen Augen die Tiefe und viele Gespräche und Situationen wirken eher ein wenig kryptisch und verwirrend. Die Atmosphäre in diesem Liebesroman konnte mich nur teilweise ansprechen und war mir nicht behaglich genug für dieses Genre. Zwischendurch gab es allerdings auch einige Passagen, die mir gut gefallen oder mich amüsiert haben. Im Großen und Ganzen kann der Schreibstil mich aber nicht wirklich begeistern. Zwar kostet das Weiterlesen keine allzu große Überwindung, ein Pageturner ist dieses Buch für mich aber beim besten Willen nicht.
Spannung kommt hingegen durchaus auf, denn Edie und Elliot leben auf unterschiedlichen Kontinenten. Ihre Verbindung ist also eher weitläufig und beide sind umgeben von Menschen, die ihre Treue auf die Probe stellen könnten. Eine echte Herausforderung also sowohl für Edie als auch für Elliot Vertrauen in den Partner zu haben. Zugegebenermaßen war ich mir beim Lesen oft unsicher wie das ganze Dilemma denn nun enden wird – und welches Ende nun ein wirkliches Happy End wäre. So richtig passend erscheint mir der Titel nämlich nicht. Viel Raum erhalten auch die Themen Medien und Social Media. Hier wird wieder einmal klar, welchen Einfluss sie auf das Leben von (meist vollkommen unschuldigen) Menschen ausüben können.
Die beiden Protagonisten konnten den Roman für mich auch nicht merklich aufwerten. Obwohl der Neubeginn ihrer Beziehung offenbar gut überlegt ist, dauert es nicht lange bis Zwietracht und Misstrauen aufkommen. Elliot kommt sogar schon in der Versöhnungsphase ganz zu Beginn ziemlich heuchlerisch rüber: kurz die so immens wichtige Beziehung erneuern und dann schnell rüber zum nächsten (unwichtigen) Job. Auch Edie ist ihm gegenüber nicht gänzlich aufrichtig. Insgesamt scheint mir ihre Beziehung nicht nur räumlich, sondern auch emotional distanziert und ziemlich instabil zu sein. Gut gefallen haben mir dagegen einige Nebenfiguren, wie Elliots Bruder Fraser oder Edies leicht exzentrische Schwester Meg.
Insgesamt schien die Idee des Romans zwar wirklich vielversprechend, die Umsetzung hat aber ihre Schwächen und konnte meine Erwartungen nicht erfüllen – keine vertane Lesezeit, aber sicherlich auch kein Must-Read.

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Zwei Geschichten und die Frage nach der Perspektive

Great Big Beautiful Life
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Der Stand-alone-Roman „Great big beautiful Life“ ist für mich der erste Roman der Autorin Emily Henry.
Die beiden Journalisten und Autoren Alice Scott und Hayden Anderson konkurrieren auf Little Crescent ...

Der Stand-alone-Roman „Great big beautiful Life“ ist für mich der erste Roman der Autorin Emily Henry.
Die beiden Journalisten und Autoren Alice Scott und Hayden Anderson konkurrieren auf Little Crescent Island um den Auftrag die Biografie der einst ebenso so glamourösen wie skandalumwitterten Margaret Ives zu schreiben. Während Margaret den beiden während eines Probemonats nur sehr rudimentäre Einblicke in die Geschichte ihrer berühmt-berüchtigten Familie und ihres Lebens gibt, kommen sich die ungleichen Konkurrenten ungewollt nahe.
Das Cover des Romans ist in den knalligen Rottönen und den großen Schriftzügen mit Autorin und Titel zwar in meinen Augen ästhetisch nicht unbedingt ansprechend, aber ein absoluter Blickfang. Die beiden klein abgebildeten Protagonisten liefern bereits einen ersten Eindruck ihrer Charaktere und der fragmentierte Hintergrund spielt bereits auf Margarets Geschichte an. Nicht richtig stimmig erscheint mir allerdings der Titel – ja, das Leben im Allgemeinen ist sicherlich sehr vielschichtig und setzt sich immer aus den unterschiedlichsten, perspektivabhängigen Facetten zusammen. Auf die Leben der drei Protagonisten bezogen finde ich die Adjektive aber nicht wirklich treffend.
Emily Henry erzählt in ihrem Roman sowohl die romantische Liebesgeschichte von Alice und Hayden, als auch die tragische Familien- und Lebensgeschichte von Margaret. Margarets Geschichte ist weitgehend durch Alices Notizen dargestellt, während die sich entwickelnde Beziehung zu Hayden aus Alices Perspektive in Ich-Form erzählt wird. Emily Henry nutzt überwiegend kurze, einfache Sätze. Der Roman lässt sich entsprechend leicht und flüssig lesen. Während viele Passagen eindrücklich und atmosphärisch dicht erzählt sind, weist die Handlung an einigen Stellen kleinere Längen auf. Zum Schluss verliert sie dagegen meiner Meinung nach ein wenig an Intensität. Zwar gefällt mir die Grundidee, aber da sich die Ereignisse am Ende beinahe überschlagen, bleiben die (emotionalen) Auswirkungen erzählerisch ein wenig auf der Strecke.
Mit den ziemlich gegensätzlichen Charakteren lässt sich „Great big beautiful Life“ zweifelsfrei den Tropes opposite attracts, rival to lovers und grumpy meets sunshine zuordnen. Alice ist auf den ersten Blick eine sympathische, stets positiv eingestellte kleine Nervensäge. Oberflächlich ist sie dabei allerdings nicht, sondern interessiert sich stets für ihre Mitmenschen und versucht immer das Gute zu sehen. Obwohl ihr die Gefühle, die Hayden in ihr hervorruft nicht ganz gelegen kommen, wäre sie nur allzu bereit ihnen nachzugeben. Trotz ihres Optimismus bleiben aber auch ihr leidvolle Erfahrungen mitunter nicht erspart. Hayden ist nach außen hin eher ein brummiger Eigenbrötler. Doch wie so oft verbirgt sich hinter der rauen Schale ein weicher, sehr sensibler Kern. Wenn er einmal eine Entscheidung getroffen hat, meint er es ernst und auf ihn ist in jeder Hinsicht Verlass. Seine Gefühle für Alice bereiten ihm Angst und er versucht sein Möglichstes sie nicht zu nah an sich heranzulassen. Ein Verhalten, dass mich beim Lesen zeitweise ein bisschen gestört hat, denn eigentlich ist es dafür schon viel zu spät. Margaret hingegen ist ein echter Sturkopf und verfolgt ihre eigenen Pläne von denen weder Alice noch Hayden etwas ahnen. Bei den Berichten aus dem Leben ihrer berühmt-berüchtigten Familie und ihres eigenen gibt sie meist nur sehr fragmentarische Informationen preis. Nach den tragischen Ereignissen in ihrer Vergangenheit, hat sie sich vollständig vom Leben außerhalb ihres Anwesens zurückgezogen, sodass die Anwesenheit von Alice oder Hayden für sie bereits ein großer Schritt ist.
Obwohl der Roman insgesamt einige Schwächen aufweist, gefallen mir die Grundideen der beiden Handlungsstränge und ihre Verbindung miteinander. Sicher hat die Autorin das Potential nicht voll ausgeschöpft, trotzdem habe ich angenehme Lesestunden mit dem Roman verbracht.

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Herausfordernder Weg zweier Frauen in Montmartre

Montmartre - Licht und Schatten
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„Montmartre – Licht und Schatten“ ist der Auftakt zu Marie Lacrosses Montmartre-Dilogie. Zwei Frauen, die am gleichen Tag in Montmartre geboren sind, aber aus äußerst gegensätzlichen sozialen Schichten ...

„Montmartre – Licht und Schatten“ ist der Auftakt zu Marie Lacrosses Montmartre-Dilogie. Zwei Frauen, die am gleichen Tag in Montmartre geboren sind, aber aus äußerst gegensätzlichen sozialen Schichten stammen, streben nach der Erfüllung ihrer Träume. Während dies für die aus einer wohlhabenden Familie stammende Valerie bedeutet, sich als Malerin einen Namen in der Kunstwelt zu machen, möchte Elise als Tänzerin berühmt werden und nicht mehr ständig von der Hand in den Mund leben müssen. Im Kampf für ihre Träume kommt es für beide Frauen zu ungeahnten Herausforderungen, auch in Sachen Liebe. Ob sie ihre Ziele trotz aller Hindernisse verfolgen können?
Das Cover ist hübsch gestaltet und zeigt in der Mitte das Bild einer eleganten jungen Frau an einem hübschen, historischen Café in Montmartre, dort wo die Bohème im 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm.
Marie Lacrosse schildert sehr eindrücklich und meist ausgesprochen atmosphärisch dicht, wie sich das Leben im damals jüngsten Pariser Arrondissement (Butte-)Montmartre für die unterschiedlichen sozialen Schichten abgespielt haben könnte. Insbesondere die Herausforderungen, die sich hier für zielstrebige junge Frauen zum Ende des 19. Jahrhunderts ergeben, lassen sich absolut nachempfinden. Dass sie sich auf viele historische Quellen und Fakten stützt, kommt der Authentizität des Romans in hohem Maß zugute. Obwohl Marie Lacrosse einen sehr angenehmen Schreibstil beweist und der Roman sich größtenteils sehr flüssig und ausnehmend interessant lesen lässt, wirken einige Schilderungen in meinen Augen ein wenig langatmig. Zumal der Roman aufgrund seines Umfang und Gewichts auch weniger angenehm in der Hand liegt. Aber für ein gutes Buch – und das ist „Montmartre“ definitiv – nehme ich dies natürlich gern in Kauf.
Durch die hohe Authentizität ist auch das Spannungsniveau durchaus gehoben. Kaum glaubt man als Leser, dass nun endlich ein wenig Ruhe für eine der beiden Frauen eingekehrt, folgt oft prompt der nächste Schicksalsschlag. Der strahlende Glanz des Künstlerviertels verschleiert kaum die erschütternde Gnadenlosigkeit und Grausamkeit, der viele Bewohner Montmartres Tag für Tag ausgesetzt sind – allen voran weibliche.
Neben den beiden fiktionalen Protagonistinnen und ihren Familien sind auch eine große Anzahl historischer Personen im Roman vertreten. Die vielen historischen Fakten werden bei Ungereimtheiten oder Leerstellen in der Biographie dieser Personen mit Fiktion gefüllt, angepasst und um die Bekanntschaft mit den beiden Protagonistinnen bereichert. Die große Anzahl der Charaktere ist durchaus eine Herausforderung beim Lesen, sodass ich dankbar auf das Personenverzeichnis am Anfang des Romans zurückgegriffen habe.
Elise kommt unter ärmlichsten Bedingungen zur Welt, das Geld für das Allernötigste wird vom Vater versoffen und nur durch die Unterstützung ihrer Ziehoma Marianne und Vernunft und Pflichtbewusstheit ihrer Mutter können Elise und ihre ein Jahr jüngere Schwester Simone überhaupt überleben. Schon als Kind muss sie hart arbeiten, um etwas zu essen im Bauch und ein Dach über dem Kopf zu haben. Obwohl Elise ähnlich vernünftig und pflichtbewusst ist wie ihre Mutter, wird sie von ihrer Freundin Louise immer wieder in unschickliche oder gar gefährliche Situationen hineingezogen. Nach und nach erweitert sich dadurch jedoch auch Elises Horizont und sie findet besser bezahlte Arbeiten, als jene in der Wäscherei. Unterstützt wird sie dabei sowohl von ihrer Familie als auch vom liebenswerten Andre, der für Elise zunächst Beschützer und starke Schulter zum Anlehnen und später ihr Verlobter ist. Doch im Lauf ihrer eigenen Veränderung, verändert sich auch Elises Verhältnis zu Andre. Als sie es ist, die mit ihrem Geld die Familie ernährt und als Tänzerin erfolgreich ist, scheint Andre in seiner männlichen Ehre gekränkt und leidet darunter selbst nicht mehr beitragen zu können. Immer öfter kommt es dadurch zu Missstimmungen zwischen dem Paar.
Louise Weber alias La Goulue ist eine historische Figur und erhält in Elise eine fiktionale Freundin. Die beiden Kinder arbeiten zusammen mit ihren Müttern in der Wäscherei. Doch im Gegensatz zu Elise ist Louise schon in jungen Jahren ziemlich egoistisch und verschlagen und überschreitet ständig Grenzen. Bei ihren Mitmenschen kommt die schamlose Louise allerdings gut an, macht sich als Tänzerin einen Namen und hat bald keinerlei Geldsorgen mehr.
Valerie hingegen wächst behütet auf. Zum Missfallen ihrer religiös fanatischen Mutter interessiert sie sich sehr für das weltliche Geschehen und vor allem die Malerei. Obwohl der Vater sie weitgehend in ihrer Malerei unterstützt, hat Valerie auch vor ihm Geheimnisse. Es braucht ihre ganze List, um Malerei studieren zu dürfen und sich Freiräume zu erkämpfen. Als die Schere zwischen ihren eigenen Interessen und denen ihrer Familie immer größer wird, muss sie eine folgenschwere Entscheidung treffen.
Zwar kennen sich beide Protagonistinnen und haben gemeinsame Bekannte, mir fehlt jedoch in diesem ersten Teil noch ein größerer Zusammenhang, der die Schicksale beider Frauen miteinander verbindet. Vielleicht folgt dies im zweiten Band, wenn es u. a. im Moulin Rouge weitergeht und sich die vielen losen Enden vermutlich noch zusammenfügen.
Insgesamt lädt der Roman dazu ein ins Montmartre des 19. Jahrhunderts einzutauchen – mit allen Facetten – und schildert dabei auf ergreifende und tiefgängige Art die Schicksale zweier junger Frauen, die für ihre Träume einiges riskieren. In meinen Augen ein gelungener Mix aus Fakten und Fiktion - sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 19.04.2025

Seelenverwandtschaft und die Macht der ersten Liebe

Verliebt in Stockholm
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In dem Stand-alone-Liebesroman „Verliebt in Stockholm“ von Anna Lönnqvist kreuzen sich in Schwedens Hauptstadt nach 14 Jahren völliger Funkstille unvorhergesehen die Wege von Mira und William. Damals hat ...

In dem Stand-alone-Liebesroman „Verliebt in Stockholm“ von Anna Lönnqvist kreuzen sich in Schwedens Hauptstadt nach 14 Jahren völliger Funkstille unvorhergesehen die Wege von Mira und William. Damals hat ihre jugendliche Liebe nach einem fatalen Ereignis ein ebenso jähes Ende gefunden wie auch ihre Zukunftspläne. Trotz der Geschehnisse und ihrer traumatischen Jugend haben Mira und William sich unabhängig voneinander zielstrebig ein neues Leben in Stockholm aufgebaut. Doch plötzlich bringt eine Schulterverletzung Miras hoffnungsvolle Karriere als Violinistin in Gefahr, ihre Beziehung mit dem Stargeiger Alessandro bleibt eher oberflächlich und die mehrfachen und unerwünschten Begegnungen mit William bringen sie durcheinander und fördern verdrängte Gefühle an die Oberfläche.
Das stilisierte Cover zeichnet ein angenehm harmonisches Bild von der schwedischen Hauptstadt mit den beiden Protagonisten im Vordergrund und ruft ein behagliches Gefühl in mir hervor.
Anna Lönnqvist beweist einen angenehm leicht zu lesenden Schreibstil. Zwar kommt die Handlung zu Beginn ein wenig schleppend in Fahrt, nach wenigen kurzen Kapiteln ändert sich dies jedoch und die Geschichte gewinnt an Brisanz. Durch die Erzählperspektive in Ich-Form lassen sich Miras intensiv dargestellten Gefühle und Gedanken gut nachfühlen. Die Handlung verläuft dabei in zwei Zeitsträngen: der Vergangenheit vierzehn Jahre zuvor im nordschwedischen Lulea und der Gegenwart in Stockholm. In Anbetracht des Genres ist es nicht schwer den Ausgang des Romans zu erraten, aber ehrlich gesagt wäre ich vermutlich auch enttäuscht, wenn ich mich für einen solchen Roman entscheide und etwas anderes als ein Happy End bekomme. Der Weg dorthin ist für die beiden Protagonisten allerdings durchaus steinig und gepflastert mit Sorgen, Schuldgefühlen, häuslicher Gewalt, Traumata und vor allem Einsamkeit. All das sorgt im Zusammenspiel mit den Sprüngen in der erzählten Zeit für Spannung, zumal der Leser lange rätseln darf, welches Ereignis in der Vergangenheit zu einem solchen Bruch geführt hat.
Interessant sind auch die beiden Protagonisten. Beide mussten sich von ihren ursprünglichen Zukunftsplänen überraschend verabschieden und haben auf verschiedene Arten ihr Leben umgekrempelt. Trotzdem bleibt die charakterliche Wandlung bei beiden deutlich hinter meiner Erwartung zurück. Denn obgleich beide sich ein vernünftiges Leben eingerichtet haben und sich von ihrem familiären Druck befreit haben, bleiben doch Unsicherheit, Schuldgefühle zurück. Vor allem aber haben beide noch immer Schwierigkeiten sich anderen gegenüber zu öffnen und anzuvertrauen und leiden unter einem allgegenwärtigen Gefühl von Einsamkeit. Bei Mira bricht dies umso mehr hervor, als sie es nicht mehr mit dem Geigenspiel kompensieren kann. Der Roman zeigt eindrucksvoll wie leicht Probleme und vor allem Missverständnisse sich durch offene Worte aus der Welt schaffen lassen oder eben durch verschweigen Einfluss auf den Lebensweg nehmen. Die Romantik kommt dabei natürlich trotzdem nicht zu kurz.
Insgesamt ein kurzweiliger Roman, der vor allem in der vergangenen Erzählzeit schwerwiegende Themen anschneidet, diese aber mit der Gegenwart aussöhnt und ein wohliges Lesegefühl hinterlässt.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Missverständnissen keine Chance geben

Das Wuschelmonster - The Fluffy Monster
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Schöne Bilderbücher mit einer lehrreichen Botschaft und einer herzerwärmenden Geschichte haben es mir angetan. Da ich aber nun mal nicht gerade der Zielgruppe dieser Bücher entspreche, habe ich für Ingo ...

Schöne Bilderbücher mit einer lehrreichen Botschaft und einer herzerwärmenden Geschichte haben es mir angetan. Da ich aber nun mal nicht gerade der Zielgruppe dieser Bücher entspreche, habe ich für Ingo Blums zweisprachiges Bilderbuch „Das Wuschelmonster - The Fluffy Monster“ natürlich Experten im Alter von drei bis acht Jahren zu rate gezogen.
Die liebevoll gestalteten Illustrationen von Olha Taran konnten auf ganzer Linie überzeugen und Wuschel sofort das Herz der Kinder gewinnen, weil er „voll süß, aber ein bisschen traurig“ aussieht. Die Empathie meiner jungen Profis wurde also schon bei den ersten Bildern sofort entfacht und es wurde eifrig mitgefiebert. Auch die Geschichte, die Wuschel in sein Einsiedlerleben auf den höchsten aller Bäume getrieben hat, spricht die Kinder an und bietet einen wunderbaren Anknüpfungspunkt, um über Vorurteile und Missverständnisse zu sprechen – und natürlich darüber, dass gemeinsam alles noch viel schöner ist. Auf kindgerechte Art und Weise lernen die Kinder, dass persönliche Vermutungen und Wahrnehmungen nicht immer der Wahrheit entsprechen und mitunter hinterfragt und gemäß der neuen Erkenntnisse verändert werden müssen.
In dieser Aufregung um Wuschels Geschichte geht der kranke Eichhörnchenfreund Kenny fast ein wenig unter. Die Freude über seine Genesung ist natürlich trotzdem groß. Bei der in vielen Teile ziemlich fantasievollen Geschichte, stoßen meine Zuhörer sich jedoch an der allzu realitätsfernen Darstellung, der stundenlang mühsam kletternden Eichhörnchen. Schließlich haben sie alle schon Eichhörnchen gesehen und wissen, wie flink die geschickten Kletterer sind. Von dieser Kleinigkeit abgesehen konnte das Bilderbuch allerdings auf ganzer Linie punkten. Die Kinder mit Englisch als Erstsprache freuten sich, den Inhalt des Buches mühelos zu verstehen. Alle übrigen Kinder lauschten der fremden Sprache neugierig und aufgeschlossen und konnten der Handlung dank des deutschen Textes ebenso folgen. Da das Text-Bild-Verhältnis sehr gelungen gewählt wurde, ist es problemlos möglich die kurzen Texte in beiden Sprachen vorzulesen. Die Texte lesen sich flüssig vor und sind der Zielgruppe in ihrer Verständlichkeit absolut angemessen. Aprospos Verständlichkeit: Zum Schluss gibt es auch noch einige Verständnisfragen zum Text, die sich natürlich problemlos durch eigene Fragen noch ergänzen lassen.
Weiteres Zusatzmaterial steht über einen QR-Code bereit: über eine Audio-Datei kann man sich die Geschichte vorlesen lassen oder ein zum Buch passendes zweisprachiges Lied anhören. Schöner ist es natürlich immer, wenn eine vertraute Person, Eltern oder Freunde den Kindern vorlesen. Trotzdem ist die Audio-Datei eine gute Möglichkeit, falls gerade niemand Zeit hat oder man das Buch gern ein zweites, drittes, viertes Mal anschauen möchte. Das Lied wertet das ohnehin schon tolle Bilderbuch noch einmal auf und macht (nicht nur den Kindern) richtig Laune.
Dieses wunderschöne Bilderbuch ist ein wirkliches (Vor-)Lesevergnügen für Groß und Klein mit einer wertvollen Botschaft in gelungener zweisprachiger Ausführung. So lassen sich Kinder für Bücher begeistern.
Übrigens gibt es das Bilderbuch auch noch in der Variante Deutsch-Französisch.

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