Profilbild von Luna0501

Luna0501

Lesejury Star
online

Luna0501 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Luna0501 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2018

Atemberaubend!

Vertrauen und Verrat (Kampf um Demora 1)
0

Wow! Ich glaube dieses Mal wird das eine sehr wirre Rezension. Denn ich bin so dermaßen begeistert, ich würde euch am Liebsten allen das Buch an den Kopf werfen und sagen: Lest das!
Endlich ist es mal ...

Wow! Ich glaube dieses Mal wird das eine sehr wirre Rezension. Denn ich bin so dermaßen begeistert, ich würde euch am Liebsten allen das Buch an den Kopf werfen und sagen: Lest das!
Endlich ist es mal wieder einer Autorin gelungen mich so richtig an der Nase herum zu führen. Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht allwissend, aber es passiert mir schon meistens, dass ich bemerke was los ist, bevor es andere tun. Aber dieses Mal hat sie mir so richtig den Boden unter den Füßen weg gezogen. Im Nachhinein bemerke ich die Details, welche die Autorin einfließen lassen hat um den Leser drauf aufmerksam zu machen, was da vor sich geht, aber ich hab sie nicht gesehen. Erin Beaty hat das so leicht eingewoben in die Geschichte, dass ich, als es aufgeklärt wurde, aus allen Wolken gefallen bin. DER HAMMER!

So. Nun mal ganz von vorne.

Sage ist ein fast 17-Jähriges Mädchen, das keine Eltern mehr hat und deshalb bei ihrem Onkel untergekommen ist. Als Bürgerliche hat sie es schwer sich unter die Adligen zu mischen und ihr großer Traum ist es daher, als Lehrerin eine gute Anstellung zu finden und für ihren Unterhalt selbst aufzukommen. Doch ihr Onkel hat andere Vorstellungen und so kommt es, dass sie plötzlich der ranghöchsten Kupperlin von ganz Demora gegenübersteht. Diese Frauen haben die größte Macht im Land, denn sie suchen die richtigen Paarkonstellationen aus und verheiraten sie dann. Das das für die wilde Sage überhaupt nicht in Frage kommt, werdet ihr schnell merken. Durch eine geniale List muss sie zwar plötzlich ihr Temperament zügeln, doch die Kupperlin schafft es sogar Sage zu ihrer Assistentin zu machen. Dort zeigt sich ihr scharfsinniges Talent Menschen so detailliert zu beobachten, dass einem Hören und sehen vergeht.

Doch Sage will eigentlich gar niemanden verkuppeln. Sie sieht den Job zuerst als völlig veralteten Schwachsinn an und wehrt sich. Auch später sind ihre Ansichten gegenüber den potenziellen Bräuten sehr verhalten. Sage vertraut niemandem und bemerkt, wie ihre Mitmenschen meistens nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind, manipulieren, verraten oder einfach nur fies und arrogant sind. Ihr gehen diese ganzen steifen Höflichkeitsformen gegen den Strich, da sie lieber in Hosen rum läuft und auf Bäume klettert.
Ich vergöttere Sage. Sie ist intelligent, schlagfertig und warmherzig. Ihr aufgewecktes Wesen, ihre Auffassungsgabe und ihr Ehrgeiz zeichnen sie aus. Als sie dann noch einen Auftrag der ganz besonderen Art bekommt und mehr als nur nützlich sein kann, um das Leben vieler Menschen zu retten, blüht Lady Sagerra auf und ich habe mich einfach mitreißen lassen. Denn sie geraten in einen Hinterhalt der Extraklasse und Sage hat plötzlich nicht mehr nur eine Aufgabe.

Begleitet wird der Tross der Bräute und die Kupplerin von der Ehrengarde des Königs. Mit dabei Hauptmann Alexander Quinn, Ash Carter, Leutnant Casseck und auch der 9- Jährige Charlie, sowie Prinz Robert. Da man aus der Sicht des Allgemeinerzählers liest, darf man aus vielen Sichten lesen. Die von Sage natürlich und dann die eines bösen Lords, und oftmals auch aus den Sichten von den Offizieren. Man lernt sie super kennen und verstehen, und trotzdem bemerkte ich erst, was vor sich geht, nach dem der Protagonist es selbst aufgelöst hat. Mehr als nur eine Figur spielt ein doppeltes Spiel und die politischen Machenschaften sind richtig nervenaufreibend. Auch der Charme dieser Männer ist unvergleichlich. Ich war hingerissen von den Persönlichkeiten.

Mein Problem ist jetzt, dass ich euch so gerne meinen Favoriten nennen würde, und euch auch ganz viel über die tollen Charaktere erzählen, aber das kann ich nicht. Ich würde euch spoilern, denn der Clou ist einfach zu groß um es zu verraten. Eines könnt ihr aber glauben, ich habe jede Haupt- und Nebenfigur, um die Erin Beaty sich liebevoll gekümmert hat, absolut ins Herz geschlossen. Sie besitzen greifbare Hintergründe, besonders gut durchdachte Persönlichkeiten und jede Menge freche Sprüche. Die Spannung wird im Laufe der Handlung unbändig angehoben. Die Verwirrungen ergeben ein tolles Netz, dass zum Schluss perfekt aufgelöst wird und die zarte Liebesgeschichte ist absolut umwerfend. Sie drängt sich nicht in den Vordergrund, ist eingewoben in die Geschichte aus Intrigen und Verrat, und doch zeigt sie leidenschaftliche und knisternde Szenen, große Gefühle und ein Mädchen, dass von der Liebe überrascht wird.

Ich habe mich köstlich amüsiert, viel gelacht, viel gestaunt wenn Sage ihre Schlüsse gezogen hat und geschwärmt: Für die Männer im Buch, für eine liebevolle Lady, die sich Sage doch als Freundin vorstellen könnte und für Charlie.

Das Setting ist malerisch beschrieben, so dass ich mich gedanklich sofort mit auf die Reise begeben konnte. Eine Mischung aus historischer und fantasyangehauchter Welt hat mich total fasziniert. Die Art, wie Erin Beaty schreibt, hat mich ab dem ersten Kapitel total vereinnahmt. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und musste es in einem Zug durch lesen. Locker und leicht, jugendlich gehalten und doch ist die Ausdrucksweise eher den adeligen Umgangsformen angepasst. ES IST FANTASTISCH. Ich bin begeistert von der Idee, von den erfrischend selbstbewussten Charakteren und von der aufregenden und interessanten Handlung. 

Zum Schluss hat sie mich emotional noch so heftig mitgerissen, dass mir die Tränen gelaufen sind, wie ein Sturzbach. Ich kann euch wirklich nur empfehlen, lest es selbst, ihr werdet es nicht bereuen. Mein Herz hüpft immer noch freudig, wenn ich an die Geschichte denke.

Veröffentlicht am 27.03.2018

Einfach zauberhaft

Das tiefe Blau der Worte
0

Rachel ist eine Realistin. Durch den Tod ihres Bruders Cal verliert sie den Glauben an alles. An sich selbst, an Gefühle und Bindungen, einfach an alles. In ihr gibt es nur noch eine tiefe Leere und ihre ...

Rachel ist eine Realistin. Durch den Tod ihres Bruders Cal verliert sie den Glauben an alles. An sich selbst, an Gefühle und Bindungen, einfach an alles. In ihr gibt es nur noch eine tiefe Leere und ihre Träume, die sie früher ehrgeizig verfolgt hat, erscheinen ihr nun sinnlos und trist. Sie verkriecht sich in ihr Zimmer und trauert auf eine sehr zurückgezogene, leidende Art. Ich kann sie so gut verstehen, denn Cal und Rach waren sich unheimlich nahe. Sie zieht wieder weg vom Meer, zurück in ihre Stadt Gracetown, wo sie alle ihre Freunde und vor allem Henry zurück gelassen hat. Was da passiert ist, solltet ihr aber selbst lesen.

Henry ist ein Träumer, poetisch veranlagt und schon einen Hauch blind, was die Liebe und die Wahrheit angeht. Er hängt mit dem Kopf in den Wolken und sieht einfach nicht, was Amy, seine "große Liebe" wirklich für eine Person ist. Sein Vater besitzt einen Buchladen, wo gebrauchte Bücher verkauft werden. Viele Erstausgaben und besondere Werke finden den Weg zu Howling Books. In diesem kleinen Laden findet man einen Bereich mit Büchern, die den Laden nie verlassen. Menschen verfassen Anmerkungen oder sogar ganze Briefe, die sie zwischen die Seiten dieser Bücher legen. Es gibt eine Stelle in "Das Tiefe Blau deiner Worte", die davon erzählt, dass man den Büchern Geheimnisse anvertrauen kann und viele Menschen tun dies dort. Man erfährt ihre wahren Gefühle über das Buch oder aber auch über einen anderen Menschen. Diese Idee ist so wunderschön und gerade das, was einem so ins Herz geht. Henry verbringt fast seine ganze Freizeit in dem Buchladen und hilft seinem Vater aus. Man spürt, wie wichtig ihm die Bücher, die Poesie und der Laden ist, aber gerade deshalb, verstehe ich nicht, wie er so entscheiden kann, wie er es nun mal tut.


"Das Tiefe Blau der Worte" ist ein unfassbar berührendes Buch. Eine Mischung aus jugendlicher Dramatik und poetischer Weisheit. Wenn man Rachel und Henry so beobachtet, wie sie durch ihren Alltag schlittern, möchte man sie oft einfach nur in den Arm nehmen und ihnen versprechen, dass alles irgendwann besser wird, aber das geht leider nicht.

Was mir besonders gefallen hat, waren die immer wieder auftauchenden Zwischengespräche, welche in den Büchern als Notizen oder Briefe hinterlegt wurden. Sie zeigen unterschiedliche Ansichten, unterschiedliche Facetten von Liebenden, Lebenden und Verlassenen auf, und es ist so ergreifend. Mein Herz hat geweint, aufgrund dieser emotionalen Geschichten. Man lernt so viel vom Leben und seinen individuellen Geschichten.

Die Schreibweise von Cath Crowley ist in einem sehr jugendlichen Stil gehalten, was einfach perfekt zu dieser Handlung passt. Im Gegenzug dazu finden wir fast schon poetische Briefe aus anderen Zeiten, die sich perfekt einfügen. Dieser Kontrast führt dazu, große Gefühle noch besser nach vollziehen zu können. Das Personen, Handlungen, Augenblicke besonders beschrieben wurden und dadurch noch besser zur Geltung kamen. Die Autorin schreibt flüssig und angenehm, sodass ich nur so über die Seiten geflogen bin. Das Setting von Australien beschreibt sie malerisch und ich konnte fast die Gischt des Meeres auf meiner Haut fühlen, und den Geruch von Büchern in der kleinen Buchhandlung riechen.

"Das Tiefe Blau der Worte" hat mich restlos begeistert und emotional absolut abgeholt. Ich hab so unglaublich geweint am Ende und es war so toll mit zu erleben, wie Rachel Stück für Stück zu sich selbst und einem neuen "ich" zurück findet, und wie die Leere in ihrem Herzen beginnt wieder gefüllt zu werden.

Ich fühle mich geerdet und doch abgehoben und kann euch nur empfehlen, es selbst zu erleben.

Veröffentlicht am 26.03.2018

Unfassbar berührend und für die Ewigkeit in mein Herz gebannt

Dieser Augenblick, erschreckend und schön
0

Du verlierst deinen Dad und der einzige Mensch, der dir geblieben ist, auf den du immer gebaut hast, lässt dich zwei Jahre bei Pflegeeltern versauern...
Klar das Grace keine Luftsprünge macht als ihr ...

Du verlierst deinen Dad und der einzige Mensch, der dir geblieben ist, auf den du immer gebaut hast, lässt dich zwei Jahre bei Pflegeeltern versauern...
Klar das Grace keine Luftsprünge macht als ihr Onkel Rusty sie endlich zu sich holt. Doch in dem Ort lauert mehr als nur die Angst davor wieder weg gestoßen zu werden.
Wird sie auf Owen treffen? Wie reagiert ihre ehemalige beste Freundin Jenna auf ihre Rückkehr?

Wie schon bei ihrem ersten Buch "Alles was ich sehe" ging ich auch "Dieser Augenblick, erschreckend und schön" ohne Erwartungen an. Ich weiß einfach, dass man von Marci Lin Curtis alles lesen kann und immer noch überrascht werden wird.
Es hat nicht lang gedauert.

Grace ist sehr stark, aber man bemerkt schon auf den ersten Seiten, dass da mehr ist, was sie verarbeiten muss. Das der Schmerz tief in ihrer Seele wohnt und sie nicht mehr los lässt. Und es packte mich sofort. Die Verzweiflung, die Panik und die Wut, die unter der Oberfläche brodeln, dazu ihr doch irgendwie selbstbewusstes Auftreten faszinierten mich sofort. Sie hat eine Mauer um ihre wahren Gedanken und Gefühle gebaut und ich wollte unbedingt wissen, was Grace widerfahren ist.

Erst glaubte ich kurzzeitig das Offensichtliche, doch anhand einiger Anzeichen wurde mir schnell klar, das es anders sein musste, als wie die junge Frau die Vergangenheit einschätzte. Mehr kann ich euch leider nicht verraten, ohne zu Spoilern.

Unglaublich schön ist die Tiefgründigkeit der Charaktere, wie auch der Handlung selbst. Marci Lin Curtis hat so eine lockere und leichte Art die verschiedenen Persönlichkeit sehr emotional miteinander zu verbinden. Gerade die tieferen Emotionen werden erst Stück für Stück enthüllt, wie bei einer Zwiebel. Nach und nach kommt man zum Kern und dort findet man die harte Wahrheit. Aber gerade diese Art jeden der Menschen nach und nach für die Leser zu öffnen, bringt sie uns unheimlich nahe und meist lassen uns genau diese Kerne absolut überrascht zurück.

Egal ob Grace, Rusty, Owen, Jenna, sogar Faith, Eleanor, Andy oder Sawyer werden plötzlich greifbar, plastisch, einfach so echt. Man merkt, dass sie nicht perfekt sind, so wie sie zu Beginn ein bisschen wirken. Durch ihre Makel und Fehler schließt man jede Figur in diesem Buch ins Herz. Selbst als der große Knall kam, möchte ich den Täter zwar nicht entschuldigen, doch ich konnte es nach vollziehen.

Dazu kam die außergewöhnliche Schreibweise der Autorin. Die Mischung aus leichten trockenen Sprüchen, die einem nur noch mehr zeigt, wie sehr ein Mensch sich schützen möchte, gepaart mit einer rationalen, angehaucht philosophischen Denkweise und dieser dramatisch gefühlvollen Handlung reißen euch den Boden unter den Füßen weg. Nach und nach entwickelt sich jeder Charakter, und vor allem Grace, weiter und wir dürfen mit erleben, wie ein vom Leben geprägtes junges Mädchen zu sich selbst und eigener Stärke zurück findet und ihren Weg geht.
Wie sie über sich selbst hinaus wächst und am Ende stärker ist, als jeder aus ihrem Umfeld.

Es wird schmerzhaft und emotional. Ihr werdet weinen, schmunzeln, seufzen und klagen. Ihr werdet schockierend die Luft einziehen und sehnsuchtsvoll ausatmen. Doch eins kann ich euch versprechen.
Am Ende habt ihr gelernt, was Leben bedeutet.
Ich habe Gedanken für mich mit genommen, die mich nicht nur unglaublich berührt haben, sondern auch zurück auf den Boden holen, wenn mein Kopf mal wieder nur das Negative bemerkt.

Ich denke, wir können uns von den Erkenntnissen eine Scheibe abschneiden und sie fest im Herzen behalten, auch wenn die Ursache leider nur die Abgründe der Menschen aufzeigt.

Ich liebe dieses Buch!

Veröffentlicht am 25.03.2018

Das Waisenheim und die temperamentvolle Sally

Lieber Feind
0

Das John-Grier-Heim benötigt eine neue Heimleiterin. Und Judy, die ehemalige Bewohnern des Hauses und nun Angetraute von einem der Treuhänder ("Lieber Daddy Long-Legs") könnte sich niemanden besser vor ...

Das John-Grier-Heim benötigt eine neue Heimleiterin. Und Judy, die ehemalige Bewohnern des Hauses und nun Angetraute von einem der Treuhänder ("Lieber Daddy Long-Legs") könnte sich niemanden besser vor stellen als ihre Freundin Sally McBride. Das diese nicht gerade freudestrahlend aus ihrem "leichten" Leben austreten und Verantwortung übernehmen möchte, zeigt sich schon auf den ersten Seiten. Umschwärmt von einem Politiker könnte sie einen einfachen Haushalt führen und sich dem widmen, was man als Leben im Wohlstand des beginnenden 20. Jahrhunderts bezeichnen würde. Allen Zweifeln zum Trotz nimmt sie die Herausforderung an und begibt sich auf ein Jahr der Weiterentwicklung ihres eigenen Wesens.

Sally wird mit Problemen konfrontiert, die typisch für Waisenhäuser dieser Zeit war. Mit Aufgaben, die sie sich im Traum nicht hätte vor stellen können und mit Personal, das sie in den Wahnsinn treiben würde, wäre nicht genau dies ein Thema, das oft zur Diskussion steht. Denn der schottische Kinderarzt Robin MacRae, auch oft als "Lieber Feind" bezeichnet ist nicht nur ein hagerer, mürrischer Mann mit der Einstellung alles liefe nur gut, wenn er es in die Hand nähme. Er versucht der jungen Heimleitung auch noch Studien einzutrichtern. So kommt es, dass oft der geistige Zustand der Kinder besprochen wird und auch die Theorie "Geistesschwäche, Alkoholismus oder ähnliche Zustände" dieser Zeit, den Erbanlagen zu entnehmen wäre. Es ist wirklich kontrovers.

Wobei ich aber anmerken darf, dass Sally McBride eine ungeheuer gewitzte und intelligente Person ist und das ganze Buch, dass ja in Briefform an drei Personen verfasst ist, ein Talent für versteckten trockenen Humor hat und ich mich oft über ihre Erzählungen amüsiert habe. Ironie und Sarkasmus ist ihr definitiv geläufig.

Schade empfand ich dieses Mal die fehlende Tiefe der Charaktere. Sie sind sympathisch und authentisch, aber ich habe zu Sally nicht so den Zugang gefunden, wie zu Judy damals aus dem ersten Band. Auch was die zwischen den Zeilen gesponnene Verbindung zu Robin MacRae angeht, tat ich mich etwas schwer. Wenn man genau hin sieht, fällt es auf, aber es war mir doch zu wenig für das Ende.

Dafür ging mir das Herz auf, wenn Sally über ihre Kinder sprach, über die Eigenarten, die schönen wie auch die schlimmen Momente. Man spürt, wie der jungen Frau das Heim ans Herz wächst und ich wollte natürlich erfahren, wie das ganze nach einem schockierenden Ereignis ausging. Die junge Frau entwickelt sich zu einer Größe, die man vorher nicht voraus gesehen hat. Es ist beeindruckend, wie sie temperamentvoll die Zügel in die Hand nimmt und alles gibt, was sie hat.

"Lieber Freund" ist ein zurückhaltendes, etwas trockenes Buch. Man muss sich drauf einlassen und die Botschaften zwischen den Zeilen finden. Dann ist die Geschichte sehr interessant. Mich hat die Schreibweise abgeholt und meistens auch ziemlich gefesselt, aber mit fehlt etwas die Leichtigkeit im Schreibfluss.

Fans von "Lieber Daddy Long-Legs" empfehle ich es trotzdem zu lesen. Ich hatte ein paar unterhaltsame Lesestunden.

Veröffentlicht am 25.03.2018

Rache will gut geplant sein...

Schatten der Magie
0

"Schatten der Magie" hat mich angesprochen, da das Cover einfach magisch ist. Die Farbzusammenstellung und die eingearbeiteten Elemente der Stadt in Verbindung mit der Frau sehen zusammen einfach genial ...

"Schatten der Magie" hat mich angesprochen, da das Cover einfach magisch ist. Die Farbzusammenstellung und die eingearbeiteten Elemente der Stadt in Verbindung mit der Frau sehen zusammen einfach genial aus. Dann kam der Klappentext und ich war schon ganz hibbelig.

In der Ungesehenen Welt steht wieder ein Umschwung bevor. Das bedeutet, ein Machtwechsel wird durch einen magischen Wettbewerb, meist ein Duell auf Leben und Tod, ausgetragen. Jedes Haus darf einen Champion bestimmen, der die Duelle ausführt, und so kommt es das Sydney von einem Außenseiter engagiert wird. Euch das alles zu erklären, wäre zu viel, allerdings gibt es viele Häuser, viele Machenschaften, Intrigen und Geheimnisse und vor allem eins: Das Haus der Schatten mit seiner ganzen irren Brutalität.
Sydney wohnt eine Kraft inne, die keiner einzuschätzen weiß. Die junge Frau taucht plötzlich auf und bringt mit ihrer Magie alle zum Staunen und Erzittern. Die Einsamkeit und die Schmerzen sind ihr vertraut und so arbeitet sie sich durch die großen Familien der magischen Welt.

Nebenbei laufen einige Nebenhandlungen. Ein Mörder, der junge Frauen abschlachtet um an Magie zu kommen.

Eine ehrgeizige Frau, die Rache ersinnt für den Tod ihrer Freundin und dafür selbst fast ihr Leben gibt.

Und das alles neben dem Plan einer Waisen, die nichts kennt außer Schmerzen, Kälte und Opferbereitschaft.

Dieses Buch ist absolut genial, aber definitiv nichts für Jugendliche und auch nichts für zarte Gemüter finde ich. Denn Kat Howard besitzt ein Talent für malerische Beschreibungen, dass sie auch nutzt um bildhaft ihre Morde zu beschreiben. Selbst die Geräusche klingen einem dabei in den Ohren und eine Gänsehaut überzog meinen Rücken. Die Autorin zeigt uns wie Magie aufgebaut ist, wie sich verhält und wo sie herkommt, legt den Fokus mehr auf die magischen Attribute als auf die Charaktere. Wobei man aber sagen muss, dass jede Persönlichkeit einen umfangreichen Hintergrund mit vielen Details bekommt, die erst im Laufe der Handlung wirklich Sinn ergeben.

Erst hatte ich wirklich Probleme in das Buch rein zu kommen. Es wurde aus der Sicht des Allgemeinerzählers geschrieben und wir finden uns in sehr vielen Charakteren wieder. Bis man sich daran gewöhnt hat, den Charakter nach jedem Absatz zu wechseln ohne Hinweis darauf, wen man jetzt kennen lernt, dauert es ein paar Kapitel. Dazu kommt, dass man quasi immer mitten in die Handlung rein geworfen wird. Mit ein bisschen Konzentration klappt das aber sehr gut und die 8-10 wichtigsten Personen lernt man mit der Zeit kennen und versteht, wie die Verbindungen zueinander laufen und wem welche Rolle zu geschrieben wurde. Ich fand es unheimlich genial und sehr faszinierend, wie die Stränge am Ende ein großes Ganzes ergaben.

Die Handlung ist wahnsinnig spannend, eiskalt und heftig. Ich hätte nicht mit so einer drastischen Geschichte gerechnet und die Emotionen, die die meiste Zeit sehr düster wirken, haben mich total mit gerissen. Ich mag die kluge, sarkastische Denkweise von Sydney und ich liebe es, dass man bei "Schatten der Magie" mitdenken muss um die doch etwas komplexere Schreibweise der Autorin nachvollziehen zu können.
Was ich schade fand, waren die ziemlich schnell abgehandelten Duelle. Mir fehlte da einfach ein bisschen die Liebe für große Showdowns. Auch die anderen Geheimnisse wurden alle ziemlich schnell aufgeklärt dann, und am Ende ging es einfach rund.

Sydney ist mir trotz ihrer eiskalten Art sehr sympathisch, weil sie einfach die richtigen Wege verfolgt und ein gutes Herz hat.

Auch wenn es eigentlich keine Liebesgeschichte gibt, mag ich Ian und seine Ausstrahlung. Er wirkt wie ein warmer heimeliger Fleck im Buch, ein kleiner Rückzugsort.
Andere Charaktere haben fast schon meinen Hass auf sich gezogen, aber das solltet ihr selbst heraus finden. Ich habe mich manchmal schon ein bisschen geekelt. 

Das Buch hat mich überrascht, da ich mit etwas ganz anderem gerechnet hatte. Wie auch schon gesagt, sehe ich "Magie der Schatten" überhaupt nicht als Jugendbuch an, da es zu brutal ist. Die Welt ist toll aufgebaut, gerade weil man da so mitten in New York ist. Die Handlung ist nervenaufreibend und adrenalinsteigernd und die Charaktere handeln authentisch. Ich habe die letzte Hälfte nur so verschlungen und bin begeistert von dieser neuen Idee!