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Lynn253

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.01.2026

Trotz spannenden Settings nicht so ganz überzeugt

A Fire in the Sky - Feuerschwur-Chroniken, Band 1
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Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen zwiegespalten, was diesen Roman angeht. Zunächst einmal finde ich die Idee und das Setting super. Ich mag Drachen-Geschichten und auch diese Welt finde ich spannend ...

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen zwiegespalten, was diesen Roman angeht. Zunächst einmal finde ich die Idee und das Setting super. Ich mag Drachen-Geschichten und auch diese Welt finde ich spannend - mit vergangenen Kriegen, mysteriösen Ungeheuern und fragwürdigen königlichen Traditionen. Auch Tamsyns Rolle als "Prügelmädchen" finde ich sehr spannend. Sie ist diejenige, die die Bestrafungen der Prinzensinnen auf sich nimmt, ist Teil der königlichen Familie und auch wieder nicht.

Die Umsetzung dieser Geschichte ist allerdings nicht so ganz meins. Ein Punkt war, dass die beiden "überraschenden Wendungen", die gegen Ende der Geschichte vorkamen, eigentlich die ganze Zeit über abzusehen waren. Dadurch hat für mich ein bisschen Spannung gefehlt. Foreshadowing ist toll, aber hier hatte ich das Gefühl ständig mit ziemlich offensichtlichen Hinweisen konfrontiert zu werden. Stattdessen hätte ich ein bisschen mehr Unerwartetes spannend gefunden.

Ein zweiter Punkt war für mich, dass auch die Sprache und Erzählweise für mich nicht immer gepasst hat. Das Setting mutet eigentlich historisch an - Königreiche, Reisen zu Pferd. Die Sprache stand für mich im Widerspruch dazu. Vor allem in der wörtlichen Rede fanden sich immer wieder moderne Ausdrücke; teilweise schien mir die Ausdrucksweise auch ein bisschen vulgär.

Der dritte Punkt ist für mich der emotionale Zugang zu den beiden Protagonisten, Tamsyn und Fell. Zum einen hatte ich nicht das Gefühl, besonders viel über ihre Innenwelt zu erfahren. Beide haben sehr traumatische Erfahrungen gemacht, und ich hätte mir gewünscht, dass dies anders dargestellt worden wäre. Dass sie anfangen, ihre Erinnerungen zu verarbeiten, sich weiterentwickeln... vielleicht kommt das in Band 2, aber ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diesen lesen werden.
Darüber hinaus war auch die Beziehung zwischen Tamsyn und Fell überwiegend von körperlicher Anziehung geprägt. Und während diese Aspekte in aller Plastizität geschildert wurden, habe ich nicht viel von einer emotionalen Verbindung gesehen. Das fand ich sehr schade!

Insgesamt hat diese Geschichte für mich viel Potential gehabt, das leider nicht so genutzt wurde, dass ich viel damit anfangen konnte.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Absolut magisch!

Tale of Sun and Night (Tale of Sun and Night 1)
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Ich bin absolut begeistert von Magdalena Gammels Tale of Sun and Night. Die Welt, die sie hier erschaffen hat, ist stellenweise komplex, aber unglaublich faszinierend – und vor allem sehr originell. Träume ...

Ich bin absolut begeistert von Magdalena Gammels Tale of Sun and Night. Die Welt, die sie hier erschaffen hat, ist stellenweise komplex, aber unglaublich faszinierend – und vor allem sehr originell. Träume und Traumstaub spielen eine zentrale Rolle und Magie wird von Traumwebern in Form von Mandalas gewirkt. Dieses zunächst recht komplexe System wird nach und nach verständlich erklärt, ohne den Lesefluss zu stören. Die Hintergründe und Erklärungen haben sich für mich immer gut in den Handlungsfluss eingefügt.
Neben bekannten magischen Kreaturen wie Phönix oder Nachtmahr begegnet man auch ganz neuen Wesen. Beispielsweise gibt es Nugen, die als außergewöhnlich robuste Reittiere dienen. Auch die im Buch enthaltene Landkarte ist sehr schön gestaltet und für mich tatsächlich notwendig gewesen, um den Überblick zu behalten – gerade zu Beginn haben mich die vielen Ortsnamen etwas verwirrt.

Die Handlung war durchgehend spannend, mit mehreren überraschenden Wendungen. Besonders gefallen haben mir außerdem Sprache und Erzählstil. Für mich war es eine sehr gelungene Mischung aus bildhafter, stellenweise fast poetischer Sprache und der zugleich sarkastischen Perspektive der Protagonistin Lio.
Lio ist eine vielschichtige und eindrucksvolle Figur: mutig, zäh, hat Furchtbares erlebt und lässt sich nie unterkriegen. Ich fand gerade ihren inneren Konflikt – die Suche nach Freiheit, und Heimat; das Verarbeiten ihrer traumatischen Vergangenheit – sehr eindrücklich dargestellt.

Auch die Nebenfiguren sind unterschiedlich, lebendig und überzeugend ausgearbeitet.
Hervorheben möchte ich außerdem die Darstellung der Beziehung zwischen Lio und Izan. Am Anfang wirkt er ziemlich undurchschaubar und ich habe ihn nicht ganz einschätzen können. Im Laufe der Geschichte habe ich ihn dann aber als jemanden wahrgenommen, der Lio auf Augenhöhe begegnet, der ihre Stärke respektiert, von ihrem Kampfgeist beeindruckt ist, sie unterstützt und darin bestärkt ihre Kämpfe selbst auszutragen. Seine Einfühlsamkeit im Umgang mit ihren Traumata, seine Offenheit gegenüber seinen Gefühlen sowie seine Weigerung, Macht oder Manipulation auszunutzen, haben ihn für mich zu einer ungewöhnlich wohltuenden männlichen Hauptfigur gemacht.

Fazit: Ich bin absolut begeistert von Worldbuilding, Schreibstil und Charakteren und sehr gespannt auf den nächsten Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Beeindruckende Mischung aus Fantasy und medizinischer Forschung

Verlorenes Herz (The Last Bloodcarver, Band 1)
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Besonders beeindruckt haben mich das Magiesystem und das Worldbuilding. Der Roman verbindet auf sehr gelungene Weise historisch anmutende Fantasy mit medizinischer Forschung und technokratischen Elementen. ...

Besonders beeindruckt haben mich das Magiesystem und das Worldbuilding. Der Roman verbindet auf sehr gelungene Weise historisch anmutende Fantasy mit medizinischer Forschung und technokratischen Elementen. Vor allem das Zusammenspiel aus der magischen Gabe der sogenannten Heartsooths – die mit reiner Gedankenkraft die Elemente eines Körpers verändern können – und präzisen, medizinischen Details hat mich fasziniert. Das Magiesystem fühlte sich für mich insgesamt neu und originell an und fügt sich erstaunlich nahtlos in wissenschaftliche Denkweisen und medizinische Erkenntnisse ein.
Besonders interessant fand ich auch den Ansatz, dass innerhalb der Welt niemand genau (mehr) genau zu wissen scheint, wie oder warum diese Magie funktioniert. Stattdessen entwickelt die Protagonistin Nhika ihre ganz eigene Erklärung dafür.

Die Handlung ist insgesamt spannend und enthält deutliche Krimi-Elemente, darunter ein Mordfall, den es aufzuklären gilt. Dabei soll Nhika mithilfe ihrer Heartsooth-Gabe einen wichtigen Zeugen aus dem Koma wecken.

Der Schreibstil hat mir überwiegend gut gefallen. Viele Szenen konnte ich mir lebhaft vorstellen, und Gefühle sowie Stimmungen wurden überzeugend transportiert. Vereinzelt wirkten jedoch Formulierungen etwas befremdlich auf mich. So habe ich beispielsweise eine Weile gebraucht, um zu verstehen, was mit „jemanden meißeln“ gemeint ist. Möglicherweise ist das der Übersetzung geschuldet.

Sehr berührend dargestellt fand ich Nhikas Trauer und die tiefen Wunden, die der Verlust ihrer Familie, ihrer Heimat und ihrer Kultur hinterlassen hat. Sie hat ihre Eltern und ihre Großmutter verloren, die sie in ihrer Gabe unterwiesen hat, ebenso wie ihr Zuhause und damit Teile ihrer Geschichte. Die Heartsooths wurden vertrieben, unterdrückt und gefürchtet – Ereignisse, die zwar vor Beginn der eigentlichen Handlung liegen, aber in Nhikas Denken und Handeln stets präsent sind. Ihre Einsamkeit und ihr Gefühl der Entwurzelung waren für mich besonders eindringlich und emotional beschrieben.
Weniger nachvollziehen konnte ich hingegen die Beziehung zwischen Nhika und dem Arztgehilfen Ven Kochin. Über lange Zeit hinweg teilt man als Leserin oder Leser Nhikas negatives Bild von ihm, doch dann fasst sie – trotz erschütternder Erkenntnisse – recht plötzlich Vertrauen zu ihm. Dieser Wandel und die daraus folgenden Entscheidungen wirkten auf mich nicht ganz logisch.

Trotz dieser Kritikpunkte ist es insgesamt ein spannender Roman, der vor allem durch sein außergewöhnliches Worldbuilding und sein originelles Magiesystem überzeugt.

Veröffentlicht am 08.12.2025

Spannende dystopische Welt

To Cage a Wild Bird
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In "To Cage a Wild Bird" schafft Brooke Fast eine komplexe wir brutale dystopische Welt. Ich habe schon eine Reihe Dystopien gelesen und habe mich vom Klappentext her beispielsweise ein bisschen an "Tribute ...

In "To Cage a Wild Bird" schafft Brooke Fast eine komplexe wir brutale dystopische Welt. Ich habe schon eine Reihe Dystopien gelesen und habe mich vom Klappentext her beispielsweise ein bisschen an "Tribute von Panem" erinnert gefühlt. Aber beim Lesen der Geschichte habe ich schnell festgestellt, dass diese Welt viele neue Elemente enthält, sodass es wirklich spannend war, sie kennenzulernen.
Der Schreibstil war für mich sehr angenehm zu lesen und ich bin gut durch das Buch gekommen. Szenen waren gekonnt aufgebaut, ich konnte mir die Orte gut vorstellen und auch mit der Protagonistin, Raven, mitfühlen. Raven war für mich ein spannender Charakter. Sie ist mutig und stark, kämpft verbissen für ihren Bruder und ist alles andere als idealistisch. Gerade das war für mich sehr plausibel, angesichts der harten Lebensumstände, unter denen die meisten Menschen in dieser Welt ausharren. Raven will nicht die Welt verändern, sie will nicht alle retten. Aber sie kämpft mit allem, was sie hat, um ihrem Bruder das bestmögliche Leben zu bieten.
Darüber hinaus fand ich es auch sehr schön zu sehen, wie sie sich im Laufe der Geschichte verändert und wie sie mit den anderen Charakteren interagiert, die sie im Roman kennenlernt. Nach und nach wird aus einer Einzelgängerin ein Teammitglied.

Die Handlung war spannend und abwechslungsreich und ich wollte immer wissen, wie es weitergeht. Trotzdem hier ein kleiner Kritikpunkt: überraschende Wendungen waren für mich häufig nicht ganz so überraschend. Hier hätte ich ein bisschen mehr wirklich vollkommen Unerwartetes spannend gefunden.

Das Ganze endet dann mit einem Cliffhanger - bisschen fies, aber ich bin natürlich sehr gespannt, wie es weitergeht.

Insgesamt eine spannende Geschichte mit einer interessanten Protagonistin.

Veröffentlicht am 08.12.2025

Feinfühlig erzählt

Was vor uns liegt
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Alba de Céspedes Roman "Was vor uns liegt" besticht mit einem feinfühligen wie präzisen Gruppenporträt von acht Studentinnen am Grimaldi Konvent im Rom der 1930er Jahre. Der Roman ist erstmals 1938 erschienen, ...

Alba de Céspedes Roman "Was vor uns liegt" besticht mit einem feinfühligen wie präzisen Gruppenporträt von acht Studentinnen am Grimaldi Konvent im Rom der 1930er Jahre. Der Roman ist erstmals 1938 erschienen, dennoch sind die meisten Themen nach wie vor aktuell. Es geht um das Abwägen von Freiheit, Stabilität und Erwartungen. Um den Zugang zu Bildung und um Selbstbestimmung als Frau. Um den Druck von Familie und Gesellschaft, in eine bestimmte Rolle zu passen. Und die Herausforderung zwischen all dem einen eigenen Weg zu finden.

Mit lauter verschieden Charakteren stellt Alba des Céspedes eine ganze Reihe unterschiedlicher Hintergründe, Persönlichkeiten und Lebensentwürfe nebeneinander. Für mich lebt der Roman gerade von diesen kontrastierenden Sichtweisen. Diese beschreibt die Autorin sehr gekonnt, einfühlsam und differenziert. Ich hatte durchweg das Gefühl, dass die Figuren mit ihren komplexen Empfindungen und Entscheidungen dargestellt wurden, ohne zu werten oder gar zu verurteilen. Das habe ich als sehr positiv empfunden.

Insgesamt habe ich mich als Leser eher als Beobachter gefühlt, als mitten im Geschehen zu stecken. Dadurch habe ich nicht unbedingt mitgefiebert, wie bei einer Abenteuergeschichte. Aber ich habe doch mit jedem einzelnen Schicksal mitgefühlt. Auch regt diese besondere Betrachtungsweise für mich zum Nachdenken an.

Die Sprache war für mich eher ungewohnt, teilweise sperrig und mit langen Sätzen oder Einschüben in Klammern. Andererseits hat dies meiner Ansicht nach auch dazu beigetragen, dem Roman einen sehr eigenen Ton verliehen; und hat gut zu der beschreibenden Erzählweise gepasst.

Erzählt wurde überwiegend, aber nicht vollständig, linear. Ab und zu wurden Episoden aus der Vergangenheit eingeschoben, die zum Verständnis der Gegenwart notwendig waren und gekonnt in den Erzählfluss integriert wurden.

Der Roman lebt natürlich auf von der Gegenüberstellung so verschiedener Lebensentwürfe. Trotzdem fand ich es, gerade am Anfang, nicht immer leicht den unterschiedlichen Charakteren zu folgen und alle Namen direkt zuzuordnen. Hier hätte mir ein Personenregister womöglich geholfen, gerade wenn man den Roman zwischendurch eine Weile aus der Hand legt.

Insgesamt ein feinfühlig erzählter Roman, der eine Reihe von noch wie vor aktuellen Themen aufgreift.