Profilbild von MEERBLICK

MEERBLICK

Lesejury Star
online

MEERBLICK ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MEERBLICK über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.11.2025

Bild unserer Gesellschaft

Aufsteiger
0

Peter Huth versteht es auch in seinem neuen Roman ‘Aufsteiger‘ aktuell und gesellschaftskritisch die Herausforderungen unserer Zeit auf den Punkt zu bringen. Gewohnt spannend und unterhaltend nimmt er ...

Peter Huth versteht es auch in seinem neuen Roman ‘Aufsteiger‘ aktuell und gesellschaftskritisch die Herausforderungen unserer Zeit auf den Punkt zu bringen. Gewohnt spannend und unterhaltend nimmt er diesmal die Medienbranche genauer unter die Lupe, die natürlich wie so viele Lebensbereiche in unserer modernen Welt unter dem starken, alles bestimmenden Einfluss der Social Media Auftritte bestimmt wird. Es zählen nicht mehr ausschließlich Fleiß, fundiertes Wissen und überdurchschnittliche Präsenz am Arbeitsplatz. Mehr denn je schaut das öffentliche Auge auf tolle Geschichten, bejubelt den Märchenerzähler, der es vermag zu faszinieren und damit eine längerfristige Bindung zu den Massen aufzubauen.
Zu spät erkennt Felix Licht, dass nicht er den begehrten Posten des Chefredakteurs bekommt, sondern der ihm wohl bekannten jüngeren Kollegin Zoe Rauch vom Verleger Christian Rauch zugesprochen wird. Nun nimmt das Drama ungeahnten Ausmaßes seinen Lauf. Hier geht es nicht nur um persönliche Identitätskrisen, hervorgerufen durch enttäuschten Ehrgeiz, was schon Tragödie genug wäre, hier spiegeln sich darüber hinaus der ungeschönte Alltag des erbarmungslosen Konkurrenzkampfes ums Überleben in der trügerisch schillernden Welt, was das schmerzliche, persönliche Scheitern nicht ausschließt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2025

Magisches Heilwasser

Grand Hotel Avalon
0

In einer bildhaften Sprache mit einem leicht zu lesenden Schreibstil präsentiert Maggie Stiefvater ihren Roman ‘Grand Hotel Avalon‘. Sie verwebt ihre Fiktion um die Menschen in dem Luxushotel mit historischen ...

In einer bildhaften Sprache mit einem leicht zu lesenden Schreibstil präsentiert Maggie Stiefvater ihren Roman ‘Grand Hotel Avalon‘. Sie verwebt ihre Fiktion um die Menschen in dem Luxushotel mit historischen Ereignissen, die zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges angesiedelt sind. In einer malerischen Gegend der Appalachen gelegen und mit einer magischen Quelle von Heilwasser ausgestattet, beherbergt das Hotel Menschen, die luxusverwöhnt sind, denen man also ihre Wünsche noch bevor sie ausgesprochen sind von den Augen abliest und diese zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllt.
Doch June Hudson, eine Hoteldirektorin mit Leib und Seele, wird 1942 vor eine gewaltige Herausforderung gestellt. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor wird sie aufgefordert einige Hundert Diplomaten aus verschiedenen Ländern, die sich nicht unbedingt freundlich gegenüberstehen, zu beherbergen und natürlich mit der gewohnten Sorgfalt und Weitsicht zu verwöhnen. Unausweichlich kommt es zu Reiberein unter diesen Gästen, die vom Personal in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit ihrer Chefin zu lösen sind. Welche Rolle das berühmte Heilwasser spielt, erzählt die Geschichte.
Die Menschen im Hotel selbst haben natürlich auch eine Geschichte, die im Laufe des Romans die Verbundenheit ihrer Schicksale zeigt und den Zusammenhang mit dem magischen Ort offenlegt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2025

Unverarbeitetes Trauma

Die Ausweichschule
0

Kaleb Erdmann, der Autor des Romans ‘Ausweichschule‘, erlebte als elfjähriger Schüler des Gutenberg- Gymnasiums in Erfurt den Amoklauf von 2002 mit sechzehn Toten. Er selbst kam glücklicherweise nicht ...

Kaleb Erdmann, der Autor des Romans ‘Ausweichschule‘, erlebte als elfjähriger Schüler des Gutenberg- Gymnasiums in Erfurt den Amoklauf von 2002 mit sechzehn Toten. Er selbst kam glücklicherweise nicht in Kontakt mit dem Täter, der die tödlichen Schüsse abfeuerte und doch beschäftigte ihn zwanzig Jahre später dieses Thema so stark, dass er seine Emotionen in Worte fassen musste, um zu verarbeiten. Dabei beschreibt er sehr intensiv seinen schriftstellerischen Prozess, stellt sich selbst unbequeme Fragen, zum Beispiel nach dem warum so viele Jahren später der Drang nach Verarbeitung dieser schrecklichen Geschehnisse bei ihm aufkommt und ob er damit nicht sogar langsam verheilende Wunden wieder aufreißt.
Seine Recherchen schreien danach, in der Gemeinschaft der Traumatisierten eine Stütze zu finden, um seine eigenen Ängste einzuordnen und den Versuch diese zu therapieren. Mit Kulturschaffenden, die sich mit dem Thema der Ursachen dieses Verbrechens bereits auseinandersetzten, tritt er in einen intensiven Dialog, um seinem innersten Ich den Versuch einer Antwort anzubieten.
Der Roman steht auf der short-list des Deutschen Buchpreises von 2025.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.11.2025

Unüberwindbare Hindernisse für die große Liebe

Kohlenträume
0

Wer die Schriftstellerin Annette Oppenlander kennt, weiß wie genau sie recherchiert, bevor sie ihre historischen Geschichten auf Papier festhält. Daher bringen ihre Romane nicht nur den vollen Lesegenuss, ...

Wer die Schriftstellerin Annette Oppenlander kennt, weiß wie genau sie recherchiert, bevor sie ihre historischen Geschichten auf Papier festhält. Daher bringen ihre Romane nicht nur den vollen Lesegenuss, man lernt auch so ganz nebenbei die Historie der Landstriche, über die schreibt, sehr gut kennen.
In ‘Kohlenträume‘ hat sie sich hauptsächlich mit einem Abschnitt des deutschen Zeitgeschehens zwischen den Jahren 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges beschäftigt und ihre Fiktion um zwei verlorene Seelen nach Bochum in eine Steinkohlenzeche platziert. Mit viel Feingefühl und Sprachempfinden für eine keineswegs leichte Thematik werden wir mit dem Alltag einer jungen Frau, deren Mann an der Front kämpfen muss, bekannt gemacht, die sich allein auf sich gestellt auf einem Bauerngut durchschlagen muss. Dabei bereitet ihr die Neugier der Nachbarin, deren Bruder auch noch ein eiskalter SS-Offizier ist, mehr und mehr Unbehagen. Als eben jener Nazi Marie ihre letzten Tiere, ein paar Ziegen, mit denen sie sich mehr schlecht als recht finanziell durchgeschlagen hatte, wegnimmt, sie beschlagnahmt, weil sie für das Vaterland gebraucht werden, bricht für sie eine Welt zusammen. Doch Marie besitzt eine Kämpfernatur. Sie bewirbt sich erfolgreich um einen Bürojob auf der Zeche. Dort lernt sie den französischen Zwangsarbeiter Adrien kennen, der ihr mit seinen Sprachkenntnissen hilft, in ihrer neuen Tätigkeit Fuß zu fassen. Beide verbindet erst Sympathie, aus der sich mehr entwickelt, nicht zuletzt auch durch Maries großes Herz, die das Leid dieser zwangsverpflichteten Menschen erkennt und zu mildern versucht. Sie spürt nicht nur am eigenen Leib mit welch unbarmherziger Härte die Nazis gegen Menschen vorgehen, die nicht ihre Gesinnung teilen und sie erlebt die alles zerstörenden Bombenangriffe der Alliierten auf Bochum und ihre Folgen hautnah.
Annette Oppenlander zeigt in ihrem Roman, dass es Menschen gibt, die sich nicht brechen lassen, die ihre Überzeugung leben und dafür bezahlen, bitter bezahlen.
Ein fesselnder Roman, der das Herz berührt und zeigt, welche seelischen und körperlichen Schäden Menschen, die den Krieg erleben, ihr restliches Leben mit sich tragen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2025

Racheengel

Hustle
0

Leonie ist ziemlich sauer, als sie erfährt, dass ihr Chef ihre Arbeit einfach als die seine verkauft. Kurzentschlossen kündigt sie und hinterlässt ihm ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk. Ihre neue Arbeitsstelle ...

Leonie ist ziemlich sauer, als sie erfährt, dass ihr Chef ihre Arbeit einfach als die seine verkauft. Kurzentschlossen kündigt sie und hinterlässt ihm ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk. Ihre neue Arbeitsstelle führt sie nach München. Es ist nicht ihr Traumjob und das Geld reicht eigentlich auch kaum zum Überleben in der luxusverwöhnten Stadt. Der geliebten Pflanzengenetik musste sie auch Lebewohl sagen, dafür hat ihr ehemaliger Chef nach ihrem finalen Auftritt gesorgt. Nun archiviert sie in einem Kellerraum des Staatsmuseums für Zoologie Schmetterlinge, Käfer und dergleichen. Ihre Wohnung gleicht eher einem Loch. Aber mehr kann sie sich nicht leisten. Bis sie eines Tages die Bekanntschaft einer Frau macht, die ihr einen Weg eröffnet, der ihr viel Geld einbringt. Nun trifft sie sich regelmäßig mit ihren drei neu gewonnen Freundinnen, die ebenso ihren kleinen Nebenerwerbsmöglichkeiten haben, die ihnen ein angenehmes Leben ermöglichen.
Julia Bähr erzählt witzig, frech und erfrischend in ihrem Roman ‘Hustle‘ wie man mit zum Teil recht unkonventionellen Ideen zu einem gewissen Reichtum kommen kann. Besonders amüsant ist die Beschäftigung der Protagonistin mit einem Schleimpilz, der stets mit besonderem Interesse gehegt und gepflegt wird, unter ständiger Beobachtung steht. Die Autorin vertieft sich in Themen der Moralvorstellungen, des Konsumverhaltens und freundschaftlicher Beziehungen, die sie mit einer gewissen Portion Ironie betrachtet, dabei die Lachmuskeln nicht selten strapaziert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere