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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.06.2026

Überfordert

Wir in zehn Jahren
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Jessica Stanley setzt sich in ihrem Roman ‘Wir in zehn Jahren‘, erschienen im DuMont Buchverlag, mit dem Leben einer modernen Patchworkfamilie auseinander, die in London lebt und zwischen 2013 bis 2023 ...

Jessica Stanley setzt sich in ihrem Roman ‘Wir in zehn Jahren‘, erschienen im DuMont Buchverlag, mit dem Leben einer modernen Patchworkfamilie auseinander, die in London lebt und zwischen 2013 bis 2023 die politischen Wirren in Großbritannien, ausgelöst durch den Brexit als auch die Corona-Pandemie hautnah spürt. Mit einer Brise Humor beginnt die Geschichte, die fortlaufend an Tiefe durch empathisch gezeichnete Charaktere gewinnt, die das moderne Leben in der westlichen Gesellschaft widerspiegeln, auf ihre täglichen Herausforderungen im Verlauf einer zehnjährigen Zeitspanne eingeht.
Coralie ist Australierin und arbeitet in London in einer PR-Agentur. Hier lernt sie den Poli-Journalisten Adam kennen, als sie Zora, seine vierjährige Tochter, aus einem Ententeich fischt und so vor nicht auszudenkenden Folgen rettet. Beide verlieben sich, ziehen zusammen, werden Eltern von zwei weiteren Kindern und sehen sich nun, genauso wie Millionen anderer Paare, mit einem kräftezehrenden und nervenaufreibenden Alltag der unzähligen kleinen und großen zu erledigenden Dinge konfrontiert. Coralie versucht neben dem Ausbau ihres gemeinsamen Traumhauses, Beruf, Mutterschaft und Haushalt in Einklang zu bringen, während Adam sich auffallend aus dem Familienleben zurückzieht. Ein Buchprojekt erfordert seine ganze Aufmerksamkeit. Die zunehmende Überforderung Coralies begleiten Schuldgefühle, die sie natürlich Stück für Stück zermürben.
Wer gern mehr über die Gedanken und Gefühle der sympathischen Protagonistin erfahren möchte, der wird in dieser Geschichte seinen Lesegenuss finden.

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Lebensfreude durch Veränderung

Au revoir und tschüss
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Caro ist eine begehrenswerte Frau Mitte vierzig, die sich allein um Haus und Garten sorgt, den Haushalt führt. Sie hat zwei erwachsene Söhne, die sie sehr liebt, die allerdings das Hotel Mama für sich ...

Caro ist eine begehrenswerte Frau Mitte vierzig, die sich allein um Haus und Garten sorgt, den Haushalt führt. Sie hat zwei erwachsene Söhne, die sie sehr liebt, die allerdings das Hotel Mama für sich nutzen. Und da ist auch noch Holger, Ihr Ehemann, der nur sein berufliches Vorankommen im Sinn hat und seine Frau darüber vernachlässigt, schlimmer noch sie als Mädchen für alles schändlich ausnutzt. Als wieder einmal kurzfristig Besuch für den Abend von Holger angekündigt wird, fast Caro einen folgenschweren Entschluss. Sie erfüllt sich einen Traum und bucht einen vierwöchigen Sprachkurs im pittoresken Uzès, gelegen in Süden Frankreichs. Ihre Reise führt sie über Paris, wo sie einen kurzen Zwischenstopp einlegt, die Stadt genießt und einer Schrecksekunde glimpflich entkommen kann. Am Ziel ihrer Träume angekommen, taucht sie mehr und mehr in die Leichtigkeit der südländischen Lebensart ein, lernt Menschen kennen, die ihre Zweisamkeit genießen, findet Freunde, gerät in unvorhersehbare, brenzliche Situationen, stürzt sich in ein befreiendes Abenteuer. Ihr Herz blüht auf und endlich weiß sie auch, wie sie ihrem Leben einen neuen Sinn geben kann.
Gudrun Lochte lässt uns Leser in ihrem Roman ‘Au revoir und tschüss‘ den Duft von Lavendelfeldern einatmen, regt die Geschmacksnerven an mit frisch gebackenem Baguette, Oliven, Zitronen, Fisch, Käse, duftenden Kräutern und was diese Marktstände der ansässigen Bauern sonst noch anbieten. Ihre Charaktere sind lebendig, sehr menschlich. Sie schreibt warmherzig und ausdrucksstark, zeigt die Schönheit einer Altstadt und die lebenswerte Art von Menschen, die sich dem Genuss des Alltags, neben ihrer harten Arbeit hingeben können.
Wer den Sommer auf der Haut spüren möchte, der sollte in diesen wunderschön gestalteten Roman voller Lebensfreude eintauchen und einfach nur genießen.

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Gunst und Ungnade

Träume aus Feuer
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Zwischen Gunst und Ungnade seitens seines Fürsten besteht nur ein sehr schmaler Grat, der jederzeit in den Abgrund führen kann.
Florian Illies stellt in ‘Träume aus Feuer – Der Alchimist von der Pfaueninsel‘ ...

Zwischen Gunst und Ungnade seitens seines Fürsten besteht nur ein sehr schmaler Grat, der jederzeit in den Abgrund führen kann.
Florian Illies stellt in ‘Träume aus Feuer – Der Alchimist von der Pfaueninsel‘ Johannes Kunckel in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Es existiert nicht viel historisches Material über diesen Meister der Glaskunstherstellung, der die Schwelle vom mittelalterlichen Alchimisten zum neuzeitlichen Naturwissenschaftler der heutigen Chemie überschritten hat. Dabei ist er kein Erfinder, sondern ein Vollender, wie der Autor ihn treffend in seinem erzählerischen Sachbuch beschreibt. Die Umsetzung der heute existierenden Fakten in eine gut lesbare und interessant geschriebene Geschichte, die Ende des 17. Jahrhunderts spielt und wenige Jahre aus dem Leben des Protagonisten wiedergibt, zeigt mit welch großem schriftstellerischen Können eine Essenz entsteht, die unterhaltenden Charakter besitzt und den Zeitgeist authentisch spiegelt.
Die Pfaueninsel nahe Potsdam gelegen, einst ein Ort, den die Kaninchen besiedelten, bekam Johannes Kunckel vom Großen Kurfürsten von Brandenburg als Geschenk. Hier entstanden die Werk- und Wohnstätten des Meisters und seiner Mitarbeiter, wo er sein Wissen und Können umsetzen konnte, um einzigartiges rubinrotes und kobaltblaues Glas herzustellen, das selbst in Murano bewundert wurde. Als Vertrauter des Großen Kurfürsten und seiner zweiten Frau Dorothea hatte er am Fürstenhof jedoch auch erbitterte Neider, die entscheidend in sein Lebenswerk und die existentiellen Grundlagen seiner Familie erbittert eingriffen.
Eine kurze, atmosphärische Geschichte, die Wissen schafft und Leselust bereitet.

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Familiendrama

Eisfeld - Fleisch und Blut
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Es ist kurz vor Weihnachten als Mara Eisfeld, Ermittlerin der 9. Mordkommission des LKA in Berlin, nach Friedrichshain in eine Luxuswohnung gerufen wird und die bereits sich in verwesendem Zustand befindliche ...

Es ist kurz vor Weihnachten als Mara Eisfeld, Ermittlerin der 9. Mordkommission des LKA in Berlin, nach Friedrichshain in eine Luxuswohnung gerufen wird und die bereits sich in verwesendem Zustand befindliche Leiche von Marcus Haub in seinem Badezimmer vorfindet, beginnt eine nervenaufreibende Suche nach dem Täter. Heidemarie Haub, Mutter des Opfers und Inhaberin eines Imperiums der fleischverarbeitenden Industrie, das in Brandenburg ansässig ist, zeigt sich nervenstark und souverän gegenüber den Beamten, während ihr der Tod ihres Sohnes mitgeteilt wird. Umgehend setzt sie sich mit einflussreichen Stellen in Verbindung, um zu verhindern, dass dieser Mordfall sich durch zu großes Aufsehen geschäftsschädigend auswirkt. Damit macht sie sich allerdings nicht besonders beliebt bei den Mitarbeitern von Eisfeld. Lena von Bülow, die in Verbindung mit Marcus stand, ist spurlos verschwunden und wird intensiv gesucht. Irgendetwas stimmt nicht, will nicht so recht zusammenpassen bei dem Bild, welches sich die Kriminalisten von diesem Fall zunächst machen.
Steffen Weinert zeigt auch im dritten Teil von ‘Eisfeld – Fleisch und Blut‘ sein großes Talent, spannende Geschichten zu schreiben, die eine dramatische Entwicklung nehmen, sich zuspitzen mit einem überraschenden Ausgang. Aktionsreich und rasant voranschreitend gestaltet er seine Handlungen, gibt den Charakteren eine Authentizität, die lebensnah durch ihre Stärken aber auch Schwächen bestechen. Kleine menschliche Reibereien bringen eine gewisse Form von Nahbarkeit ins Spiel, ebenso wie das Privatleben von Eisfeld mit seinen Höhen und Tiefen.
Die Geschichte selbst beschreibt unter anderem ungeschönt das Geschäft, in denen Tiere großindustriell verarbeitet werden – nichts für schwache Nerven.

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Veröffentlicht am 26.05.2026

Leidenschaft, die Leiden schafft

The Artist
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Lucy Steeds schafft mit ‘The Artist – Die Farben des Lichts‘ ein eindrucksvolles Debüt, einen historischen Roman, der sich intensiv mit großer Leidenschaft, ausgeprägter Egozentrik, Sehnsucht, Selbstverwirklichung ...

Lucy Steeds schafft mit ‘The Artist – Die Farben des Lichts‘ ein eindrucksvolles Debüt, einen historischen Roman, der sich intensiv mit großer Leidenschaft, ausgeprägter Egozentrik, Sehnsucht, Selbstverwirklichung und gesellschaftlichen Zwängen auseinandersetzt. Sie entführt uns nach Saint-Auguste, einem kleinen pittoresken Dorf in der südlichen Provence, in dem in einem abgelegenen Bauernhof, der über einen schmalen Pfad zu erreichen ist, der über die Landesgrenzen hinaus bekannte und geschätzte Maler Édouard Tartuffe mit seiner Nichte Ettie (Sylvette) lebt. Tartuffe möchte selbst Tata genannt werden, ist ein aufbrausender, unberechenbarer Charakter, dem Ettie seit ihrem siebten Lebensjahr den Haushalt führt und gleichzeitig als Assistentin alle Wünsche und Handreichungen des Künstlers erledigt. Schweigsam erduldet Ettie die häufig wiederkehrenden Wutausbrüche ihres Onkels, bleibt dabei stille Beobachterin des Geschehens.
1920 erhält Joseph Adelaide die für unerreichbar geglaubte Möglichkeit Tata kennenzulernen, um über ihn einen Artikel für eine englische Kunstzeitschrift zu verfassen. Er darf bleiben und verbringt gemeinsam mit den beiden ereignisreiche Wochen. Ettie ist zu diesem Zeitpunkt eine erwachsene Frau von siebenundzwanzig Jahren, gefangen nicht nur in unzähligen Fragen ohne Antworten.
Die Schriftstellerin vermag es den Duft von Lavendel, reifen Pfirsichen oder offenfrischen Baguette erlebbar zu machen, die Reize der provenzalischen Landschaft in einer Welt der Poesie einzufangen. Sie spielt mit Farben und Gerüchen, die die Sinne anregen und intensive Emotionen hervorrufen. Es ist eine große Lust, ihrer Geschichte zu folgen, die wechselseitig aus der Perspektive von Ettie und Joseph erzählt wird. Es ist eine Geschichte der Leidenschaft, die Leiden schafft, es ist aber auch eine Geschichte starker Charaktere, die sich zwischen Fiktion und historischen Personen bewegt.
Ein großartiger Roman für alle, die in das Spannungsfeld zwischen Sehnsucht und Pflichterfüllung eintauchen möchten.

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