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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2025

Vererbte Verhaltensweisen

Botanik des Wahnsinns
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Leon, der Ich-Erzähler, sollte eigentlich nach dem Wunsch seiner Mutter Noel heißen. Doch dieser Namensgebung wurde von offizieller Seite des Amtes nicht stattgegeben. Also drehte man die Buchstabenfolge ...

Leon, der Ich-Erzähler, sollte eigentlich nach dem Wunsch seiner Mutter Noel heißen. Doch dieser Namensgebung wurde von offizieller Seite des Amtes nicht stattgegeben. Also drehte man die Buchstabenfolge einfach um und gab sich zufrieden. Leider waren die familiären Herausforderungen nicht so leicht zu lösen, denn extreme psychische Erkrankungen prägten über viele Generationen hinweg den Lebens- und Leidensweg naher Angehöriger. Der Protagonist selbst macht sich nun verständlicherweise intensive Gedanken über seine Zukunft, lebt in der Angst, selbst zu erkranken und hilflos den Symptomen ausgeliefert zu sein. Er landet schließlich in einer Psychiatrie, allerdings als Arzt.
Leon Engler beschreibt in seinem Roman ‘Botanik des Wahnsinns‘ die Krankheitsbilder psychisch Erkrankter, ohne sich dabei in wissenschaftliche Ausschweifungen zu begeben. Klar und verständlich berichtet er ebenso über die Historie von Behandlungsmethoden und damit natürlich auch wie Menschen aus Unverständnis oder arischer Gesinnung gequält und schlimmstenfalls sogar getötet wurden. Die Stimmung der Geschichte, die der Protagonist Leon erzählt, ist an vielen Stellen sehr bedrückend, zum Teil einengend. Doch die Absicht, die dahintersteckt, ist aufzuzeigen welche tagtäglichen Anstrengungen man als Arzt, Pfleger aber auch als Patient auf sich nehmen muss, um zu überleben.
Es ist kein leicht zu lesendes Buch im Sinne von sorgloser Unterhaltung. Es hat mich emotional berührt durch seine zahlreichen schwer zu verdauenden Themen.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Fragile Beziehungen

Das Nest
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Fran, die Protagonistin in Sophie Morton-Thomas düsteren, beklemmenden, leisen und atmosphärisch geschriebenen Thriller ‘Das Nest‘ liebt die Natur und ganz besonders die Vögel. Die Beobachtung dieser Spezies ...

Fran, die Protagonistin in Sophie Morton-Thomas düsteren, beklemmenden, leisen und atmosphärisch geschriebenen Thriller ‘Das Nest‘ liebt die Natur und ganz besonders die Vögel. Die Beobachtung dieser Spezies fasziniert sie, gibt ihr Ruhe und Gelassenheit. Zu den Menschen fühlt sie sich weniger hingezogen. Auch zu ihrem Sohn Bruno ist das Verhältnis eher distanziert, ganz zu schweigen von der eher nicht vorhandenen Beziehung zu ihrem Ehemann.
Die Geschichte spielt in der rauen Küstenregion Norfolks. Fran kümmert sich um die Gäste der Wohnwagensiedlung. In den Wintermonaten gibt es nicht viel zu tun. Doch mit dem Verschwinden von Brunos Lehrerin und dem Auffinden eine Leiche brechen unruhige Zeiten an. Als sich auch noch in unmittelbarer Nähe Roma niederlassen, erhitzen sich die Gemüter. Die Gerüchteküche der Bevölkerung brodelt.
Die Autorin schreibt unaufgeregt und in leisen Tönen aus wechselnder Perspektive eine Geschichte, die gesellschaftspolitisch brisant gestaltet ist. Schuldgefühle, Vorurteile, menschliche Abgründe aber auch der Wunsch von Zugehörigkeit bestimmen das Geschehen mit gut ausgebauten Charakteren. Die Landschaftsbeschreibungen und Witterungebedingungen verleihen dem Ganzen eine sehr eigene, unheimliche Stimmung. Psychologisch interessant aufgebaut, fesselt die Geschichte und lässt viel Freiraum für eigene Gedankengänge.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Wie das Leben so spielt

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Phoebe Stone ist mit ihren vierzig Jahren des Lebens müde und beschließt sich in dem überteuerten Luxushotel Cornwell Inn in Rhode Island, gelegen in der Region Neuengland, umzubringen. Ihr Mann hat sie ...

Phoebe Stone ist mit ihren vierzig Jahren des Lebens müde und beschließt sich in dem überteuerten Luxushotel Cornwell Inn in Rhode Island, gelegen in der Region Neuengland, umzubringen. Ihr Mann hat sie nach zwanzig Jahren Ehe und einer Vielzahl von fehlgeschlagenen, schmerzlichen Versuchen ein Kind zu bekommen, verlassen. Ihre beruflichen Chancen auf eine Festanstellung als Literaturwissenschaftlerin stehen schlecht. Das frustriert sie, weil sie sich benachteiligt und übersehen von potenziellen Förderern fühlt. Die Einsamkeit während der Coronapandemie hat ihr seelisch stark zugesetzt. Also versucht sie diesem für sie trostlosen Dasein ein Ende zu setzen, aber eben mit Stil in einer luxuriösen Umgebung bei einem ausgezeichneten Abschiedsessen mit erlesener Weinbegleitung.
Wie das Leben aber manchmal so spielt, gerät sie in eine Hochzeitsgesellschaft der exklusiveren Klasse. Lila, die Braut, die es richtig krachen lassen will, wo Geld keine Rolle spielt, weil es im Überfluss vorhanden ist, hat das Hotel für eine Woche gebucht und wird ihre Gäste täglich mit ausgefallenen, kostspieligen Unterhaltungsprogrammen verwöhnen. Alles muss perfekt sein und der präzisen Vorarbeit folgen. Natürlich darf der geplante Suizidversuch von Phoebe das Geschehen nicht trüben.
Alison Espach legt mit ihrem Roman ‘Wedding Poeple‘ eine lustige, skurrile Geschichte vor, die trotz des stets im Raum schwebenden Selbstmordes von einer Leichtigkeit im Schreibstil getragen wird. Erzählt wird aus der Perspektive von Phoebe, deren charakterliche Darstellung sich sukzessive entwickelt. Ihre Gedanken und Gefühle prägen neben den vielen Gesprächen, die sie mit den Gästen der Hochzeit führt, den Verlauf der Handlung, zeichnen ein Bild der modernen Gesellschaft der upper class.
Es erwartet den Leser eine leichte, witzige Sommerlektüre, die unterhaltend geschrieben ist und emotional berührende Momente enthält.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Grenzerfahrungen

Das glückliche Leben
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Wer wünsche es sich nicht – Das glückliche Leben. Der französische Schriftsteller David Foenkinos präsentiert unter dem gleichnamigen Titel seinen neuesten Roman. Anspruchsvoll, ungewöhnlich und philosophisch ...

Wer wünsche es sich nicht – Das glückliche Leben. Der französische Schriftsteller David Foenkinos präsentiert unter dem gleichnamigen Titel seinen neuesten Roman. Anspruchsvoll, ungewöhnlich und philosophisch geprägt spricht er ein Thema an, dass in unserer modernen Welt einen großen Raum einnimmt. Burnout, der im Zusammenhang mit übersteigertem stets zu perfektionierendem Anspruchsdenken steht, laugt die Menschen aus, lässt das Leben ohne Genuss vorbeirauschen, ist eine nicht zu unterschätzenden seelische Krankheit, die nicht selten auch von körperlichen Beschwerden begleitet wird. Es ist ein schleichender Prozess, der mehr und mehr den Alltag verändert, die schönen Seiten unseres Daseins verdrängt. Südkorea steht in der Statistik depressiver Erkrankungen begleitet von einer hoher Selbstmordrate weltweit an vorderster Stelle, bedingt durch einen enormen sozialen Druck.
Der Autor lässt seine beiden Protagonisten Éric und Amélie, beide beruflich erfolgreich und wohl situiert, in eine Lebenskrise schlittern, nicht zuletzt auch bedingt durch die seelischen Anstrengungen der Coronakrise, die ihnen für den weiteren Verlauf ihrer Lebenszeit Denkanstöße gibt, die einen Wandel ihrer Lebensumstände hervorrufen. Dabei bedient er sich eines Rituals der Fake-Beerdigung, das psychologisch ein Umdenken durch die Grenzerfahrung des eigenen Todes bewirken soll. Die konzentrierte Auseinandersetzung mit dem Geschenk Leben führt auf erstaunliche Wege, bringt Ideen der besonderen Art zum Vorschein.
Menschen, die kritische gesundheitliche Situationen durch Nahtoderfahrungen durchlitten haben, nehmen die Endlichkeit unseres irdischen Daseins bewusster wahr, berichten davon, welche essentiellen Dinge ihren Alltag bereichern, für ein glückliches Leben sorgen.
Ein anspruchsvoller Roman, der in seiner schweren Problemstellung durch den leicht und angenehm zu lesenden Schreibstil eine Kostbarkeit der literarischen Unterhaltung für mich darstellt.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Schottland, dieses herbe, wilde Land im Norden der Britischen Insel

Baedeker SMART Reiseführer E-Book Schottland
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Wie fast immer im Baedeker SMART führt uns auch dieser Reiseführer auf gewohnte Weise in fünf Kapiteln durch die wichtigsten, touristischen Highlights Schottlands. Das Land erobert seine Besucher im Sturm ...

Wie fast immer im Baedeker SMART führt uns auch dieser Reiseführer auf gewohnte Weise in fünf Kapiteln durch die wichtigsten, touristischen Highlights Schottlands. Das Land erobert seine Besucher im Sturm mit seinem herben Charme. Zwischen Kilt, Dudelsack, Highland Games, dem Ungeheuer von Loch Ness und dem Malt Whiskey, dürfte vor allem die Sprache die größte Herausforderung sein. Übrigens das Wetter ist gar nicht so schlecht, wie es immer mal wieder kolportiert wird. Wandern Sie gemütlich durch die Highlands oder statten Edinburgh oder Glasgow einen Besuch ab. Egal, ob in der Natur oder im urbanen Umfeld, Schottland wird sich immer von seiner besonderen, schottischen Seite zeigen.
Für alle, die schon mal in Schottland waren und sich in das Land verliebt haben, wissen, Schottland ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Übrigens wer in diesem Land unterwegs ist, muss sich nicht kulinarisch einschränken. So können Sie sich zum Beispiel bei ihrer Reiseroute gern an den sogenannten Food-Trails orientieren.
Der Baedeker SMART vom MAIRDUMONT Verlag hilft ganz entspannt, ein sehr persönliches Schottland schon vor der Reise einzuordnen.
Noch ein Funfact zum Schluss: Das wohl berühmteste Dudelsackstück mit dem Titel “Highland Cathedral“ ist überhaupt kein Volkslied oder besser gesagt Traditional aus Schottland, sondern stammt aus der Feder von Mike Korb und Uli Roever - beide sind Berliner.

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