großartige Familienanamnese!
Super Cover, noch bessere Story: Leon Engler „Botanik des Wahnsinns“!
Hier taucht der „umgedrehte Noel“ tief in die chaotische Welt seiner Familie ein – bipolar, depressiv, trinkfreudig, psychisch labil ...
Super Cover, noch bessere Story: Leon Engler „Botanik des Wahnsinns“!
Hier taucht der „umgedrehte Noel“ tief in die chaotische Welt seiner Familie ein – bipolar, depressiv, trinkfreudig, psychisch labil – da ist alles am Start. Die Angst, selbst durchzudrehen, treibt ihn in ein Psychologiestudium und später mitten in die Psychiatrie – jetzt auf der anderen Seite der Couch. Eine große Rolle spielt auch „der Nachbar“, der den jungen Protagonisten nicht nur mit Literatur versorgt und in die Philosophie einführt, sondern ihm auch echt wichtig Lebenstipps mit auf den Weg gibt.
Der Erzähler startet seine Reise in die eigene Familienanamnese, als er die einzigen Erinnerungsstücke an seine Mutter durchschaut: Sieben Kartons, die eigentlich hätten entsorgt werden sollen, weil sie nur alte Rechnungen und Müll enthalten. Aber es gab eine Verwechslung - und so sind es nur diese sieben Kisten, die vom Leben der Mutter übriggebleiben.
Dieses Buch war ein echter Lesegenuß. Sprachlich einerseits so frisch und leicht, andererseits auch sehr sensibel und einfühlsam, überzeugt @leon_engler durch seine genaue Beobachtungsgabe und seine großartigen Formulierungen, die mich immer wieder durch ihre Präzision, ihren Humor und ihre Tiefgründigkeit überrascht haben.
Und es ist bestimmt schon mal erwähnt worden: Der Typ heisst Andreas Türk, nicht Oliver 😉.
Ein wilder, zärtlicher Trip durch Wahnsinn, Trauer und Familie, der zeigt, dass Literatur Türen öffnen kann, die Therapie allein nicht schafft.
„So plapperte er vor sich hin, damit gar nicht erst die Möglichkeit bestand, miteinander zu reden.“