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Veröffentlicht am 23.07.2026

Romantik, Mut und raues Meer

Sturmland
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Das Cover, mit der windumtosenden Protagonistin und dem Meer im Hintergrund sowie der Titel passen perfekt zu diesem Roman der bekannten Autorin.
Das Werk beginnt im Jahr 1860, einer Zeit als Frauen eine ...

Das Cover, mit der windumtosenden Protagonistin und dem Meer im Hintergrund sowie der Titel passen perfekt zu diesem Roman der bekannten Autorin.
Das Werk beginnt im Jahr 1860, einer Zeit als Frauen eine sehr untergeordnete Rolle spielten. Sie mussten sich völlig dem Willen ihres Vaters oder Ehemanns beugen, erlangten kaum Bildung, durften keine eigene Meinung äußern, sondern sollten ihre Zeit mit Handarbeiten verbringen, perfekte Verhaltensformen beherrschen, die Familie repräsentieren und Kinder gebären.
Das gilt natürlich hauptsächlich für vermögende Familien der Ober- und Mittelschicht. Cora, die Protagonistin, ist eine sogenannte höhere Töchter, aber mit eigenem Willen, die aus der engen Familienstruktur, bestimmt durch Etikette, ihrer Hamburger Familie ausbricht, heimlich nach Norderney flieht, um dort die Betreuung der kleinen Emmi zu übernehmen, die sich in der heilsamen Nordseeluft von ihrer Tuberkuloseerkrankung erholen soll. Niemand darf etwas von ihrer Vergangenheit erfahren! Leider bringt sie sich und Emmi, aus Unwissenheit, in Lebensgefahr, wird aber von Onnen, einem gutaussehenden Tagelöhner, der kantig und herzensgut ist, gerettet. Die sozialen Unterschiede den beiden könnten nicht größer sein. Onnen ist Analphabet, und hat auch ein Geheimnis auf der Insel Borkum, das er Cora nicht preisgibt. Nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden eine sanfte Annäherung, eine zarte Liebesbeziehung mit Zukunft? Nein, ihr Glück ist nicht von Dauer.
Die Figuren sind sehr authentisch beschrieben, und das ganze Werk ist atmosphärisch perfekt. Die Geschichte verdeutlicht durch Vorkommnisse, die typisch für die damalige Zeit sind, die vorherrschenden Lebensumstände und das beschwerliche Leben auf den Nordseeinseln Borkum und Norderney, wo der Erholungstourismus für reiche Bürger gerade Einzug hält. Die unterschiedlichen Schicksalswege der beiden und die unvorhergesehenen Twists sorgen für Spannung. Der metaphorisch angehauchte Erzählstil der Autorin lässt einen das flüssig geschriebene Werk verschlingen, obwohl es einige Längen enthält.
Dieser Roman endet mit einem Cliffhänger, der Lust auf den bereits fertiggestellten Folgeband macht.
Besonders gefällt mir die feministische Ebene, die dieses Werk zu einer leichten, aber gehaltvollen Sommerlektüre werden lässt.

Veröffentlicht am 09.07.2026

Moral in Extremsituationen

Insel der Ratten
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Jo Nesbos neues Werk mit dem Titel “Insel der Ratten“ wird perfekt durch das düstere und unheimliche Cover repräsentiert, zusätzlich zu dem gruseligen und angsteinflößenden Titel.
Wir werden in eine brutale, ...

Jo Nesbos neues Werk mit dem Titel “Insel der Ratten“ wird perfekt durch das düstere und unheimliche Cover repräsentiert, zusätzlich zu dem gruseligen und angsteinflößenden Titel.
Wir werden in eine brutale, dystopische Welt voller Chaos katapultiert, denn nach einer erschreckenden Pandemie kommt es zum Zusammenbruch des gesellschaftlichen Systems. Armut, Gewalt und das Recht des Stärkeren herrschen vor, und nur die Reichen können sich wirklich retten, denn marodierende Banden beherrschen das Leben. Massenarbeitslosigkeit und somit Perspektivlosigkeit könnten zum totalen Untergang führen.
Der sehr reiche Unternehmer, Colin Lowe, kann sich mit seiner Familie auf seine Insel der Ratten retten, denn das Leben in der Stadt wird immer gefährlicher. Colins Sohn, Brad, der Chef der “Chaosbande“ schreckt jedoch vor keiner Grausamkeit zurück, Moralische Bedenken sind ihm egal, als er Will, den Freund seines Vaters, angreift und dessen Tochter Amy tötet.
Will ist der Protagonist des Werkes. Er ist Jurist, und versucht immer, gerecht und fair zu handeln. Tötet er, um nicht selbst getötet zu werden? Er ist die einzige Figur, mit der ich mich ein wenig identifizieren kann.
Es gelingt ihm, Brad in seine Gewalt zu bringen und somit ein Faustpfand zur Erpressung zu haben. Er entwickelt einen cleveren Plan!
Nesbo baut die Spannung durch schnelle Szenenwechsel auf. Die Neugier des Lesers bleibt bis zum Schluss erhalten, denn wichtige Infos werden nur scheibchenweise lanciert.
Die Story wird abwechselnd von Will und Yvonne, die zur Chaosgang gehört, erzählt. Beide haben eine extrem unterschiedliche Empfindung hinsichtlich der Ereignisse, aber beide lancieren brutale Fakten und Szenarien.
Das Ende hat mich überrascht, obwohl es nachvollziehbar ist. Die rasante, psychologische Spannung und die gut lesbare, ausgeklügelte Schreibweise machen das Werk zu einem Pageturner, obwohl brutalste Szenen vorkommen, die seichte Gemüter schocken könnten.
Das Werk hat mich sehr schockiert, aber dadurch zum Nachdenken angeregt, wie brutal Menschen in Extremsituationen reagieren können. Da es zur extremen Brutalität einen süchtig machenden Lesefluss „aufzwingt“, bewerte ich diesen Thriller mit 4 Punkten.

Veröffentlicht am 15.06.2026

Ein eingängiger Cosy Crime

Klein aber tot
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Das Cover stammt direkt aus der Ausstellung zu Knuffingen im Miniatur Wunderland in Hamburg. Es passt prima zu der Geschichte, denn, was für eine tolle Idee, es lässt die Figuren, in der Handlung real ...

Das Cover stammt direkt aus der Ausstellung zu Knuffingen im Miniatur Wunderland in Hamburg. Es passt prima zu der Geschichte, denn, was für eine tolle Idee, es lässt die Figuren, in der Handlung real werden. Sie sind sehr liebevoll, eben knuffig beschrieben, und leben im beschaulichen Knuffingen. Jede Figur hat ihre Eigenheiten, von skurril bis geheimnisvoll. Aber was will der Titel sagen? Soll es sich auf die handelnden Personen ( Figuren!) beziehen?
In der Umschlaginnenseite finden wir originelle Personenbeschreibungen, die den Einstig erleichtern. Die Handlung ist mit einer Prise Humor gewürzt, sehr einfach und linear aufgebaut.
Jogo Wunder, Kriminalkommissar mit Herz, muss den Mörder eines gehassten Schmähkritikers finden. Es gibt zahlreiche Verdächtige, auch Wunders Mutter. Der Fall enthält einige Wendungen und ist spannend. Ein Kuriosum ist die ständige Abwesenheit von Jojos Chef. Dafür hat er aber dessen großen Bernhardiner zur Hilfe.
Zusätzlich muss der Kommissar aber noch wegen eines Feuerteufels ermitteln, der das Knuffinger Schloss schon mehrfach angezündet hat. Die Aufklärung des Mordfalls kommt recht überraschend, der zweite Fall wir möglicherweise in einem Folgeband gelöst.
Das Werk ist sprachlich präzise, sehr leicht und schnell zu erfassen. Es ist ein eingängiger Cosy Crime , der sicher auch schon von Kindern ab 12 Jahren bewältigt werden kann, die natürlich auch gerne ins Miniatur Wunderland gehen. Gut gefällt mir das kleine ro ro ro – Format und die Kürze mit 298 Seiten. Also ein Werk für zwischendurch, zum Entspannen und Mitnehmen. Ich freue mich schon auf den Folgeband für meinen Neffen, der sicherlich auch 5 Punkte vergeben wird.

Veröffentlicht am 02.06.2026

Ein spannender Tech-Thriller

Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln
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“Code Null“ passt perfekt zu diesem Thriller des bekannten Autors, Florian Schwiecker, der mit diesem Werk eine Ära, der von ihm geschaffenen KI-Romane, einleitet. Das düstere und kühle Cover in Schwarz- ...

“Code Null“ passt perfekt zu diesem Thriller des bekannten Autors, Florian Schwiecker, der mit diesem Werk eine Ära, der von ihm geschaffenen KI-Romane, einleitet. Das düstere und kühle Cover in Schwarz- und schreienden Hell-Lila-Tönen führt perfekt in die Atmosphäre um Technologie ein.
Inhaltlich geht es um die Terrorgruppe “Timeout“, die das europäische Satellitennavigationssystem Galileo manipulieren kann und plant, Berlin oder auch größere Bereiche ins Chaos zu stürzen. Die Thematik ist erschreckend realistisch und macht deutlich, wie wir uns im Griff moderner Technik befinden. Können Geheimdienste und Hacker die Terroristen aufhalten? Dazu wird die von Charlie, einer sehr perfekten IT-Spezialistin, entwickelte, selbstlernende KI, namens KIM eingesetzt.
Aber auch KIM ist nicht fehlerfrei, denn beim Lösen komplexer Probleme können auch ihr Fehler unterlaufen. Somit ergibt sich die sehr aktuelle Frage, ob man sich einer Maschine ausliefern kann und will?
Die Protagonistin Charlie lebt zwar isoliert in ihrer eigenen Welt, symbolisiert aber nicht die typische Nerd-Persönlichkeit.
Sie kommt sehr menschlich und auch an sich selbst zweifelnd rüber. Dadurch ist Identifikation möglich.
Schwieckers klarer und teilweise bildhafter Schreibstil ermöglicht es Nicht-IT-lern, einen Zugang zur Thematik zu finden. Die technischen Termini könnten aber in einem Anhang erklärt werden.
Die Geschichte wirkt sehr realistisch und schafft Tempo durch geschickte Rückblicke, gelegentlichen Perspektivwechsel, wobei auch der Hacker zu Wort kommt, und kurze Kapitel.
Den Start empfand ich als eher langatmig, aber nach 100 Seiten nimmt die Aktion an Fahrt auf. Das Ende ist wohl bewusst offen gehalten, da eine Serie geplant ist.
Ich vergebe nur 4 Punkte, da die Handlung nicht besonders überraschend ist, und oft nur Ereignisse aneinandergereiht sind. Generell ist das Werk interessant für Personen, die Tech-Thriller lieben.

Veröffentlicht am 28.05.2026

Auggie der Antityp

Sunset Flip
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Bei Aufenthalten in den USA habe ich mich immer über die Wrestlingbegeisterung gewundert. Ja, es wird in vielen Highschools sogar als Sportkurs angeboten.
Da ich mich näher mit dieser Thematik befassen ...

Bei Aufenthalten in den USA habe ich mich immer über die Wrestlingbegeisterung gewundert. Ja, es wird in vielen Highschools sogar als Sportkurs angeboten.
Da ich mich näher mit dieser Thematik befassen wollte, habe ich in “Sunset Flip“ ein vielschichtiges Werk zu diesem Thema gefunden.
Schon der Titel weist auf einen speziellen Wurf hin, und der sehr erfolgreiche US-Amerikanische Autor, Joel Goebel, hat das Werk natürlich für ein amerikanisches Publikum geschrieben.
Eingebettet in eine herzzerreißende Story wurde ich über die dramaturgisch ausgefeilte Sportart informiert, bei der die Gewinner schon vor dem Match festliegen. Alles basiert auf einen Gut/Böse Schema, und die erfolgreichen Wrestler müssen sich komplett den Vorgaben der Veranstalter unterwerfen. Es geht nur um Kommerz, also um klingende Kassen. Die Zuschauer müssen begeistert sein! Das ist das Wichtigste! Dazu muss ein Wrestler ausgefeilte Kampftechniken beherrschen, aber auch schauspielerisches und rhetorisches Talent besitzen. Bei den Schaukämpfen werden sehr gefährliche Sprünge und lebensgefährliche Würfe und Griffe ausgeführt. Alles soll gefährlich und echt aussehen. Dabei kommt es oft zu sehr gefährlichen Verletzungen der Akteure.
Der Protagonist des Werkes, Auggie Schnuck, hat unter diesen Bedingungen sehr zu leiden. Jedoch sieht er keine andere Möglichkeit, seine Version des “American Dream“ zu verwirklichen, also hier viel Geld zu verdienen. Tatsächlich ist es ihm gelungen, aufgewachsen in einem Wohnwagen, in äußerst ärmlichen Verhältnissen, als Wrestler ganz an die Spitze zu gelangen, nachdem seine geplante Schauspielkarriere gefloppt ist.
Auggie will mit seiner Frau Nadine eigentlich ein ruhiges,“normales“ leben führen, muss aber durch die USA ziehen zu ständigen Schaukämpfen. Dabei ist er fast das ganze Jahr über von seiner großen Liebe getrennt, zumal dieses Dasein an seiner physischen und psychischen Gesund heit zerrt. Als er zu der Kultfigur “The Aug“ wird, kann er kaum noch zwischen seiner Kunstperson und der Realität unterscheiden. Sein Verfall scheint vorprogrammiert! Eine schizoide Persönlichkeitsstörung nimmt ihren Verlauf, die zu einem inneren Verfall führt.
Auggie ist aber auch nicht der riesige, muskelbepackte Idealtyp des Wrestlers, und er isoliert sich immer von den anderen Wrestlern, die gern angeben, saufen und auch Drogen nehmen. Dieser Antityp wird von Goebel in meisterlicher Erzähltechnik, in Vor- und Nachblenden, beschrieben, sprachlich ausgefeilt, leicht verständlich, und in angepassten Dialogen. Dazu passt auch das Cover. Wie im Diogenes Verlag meist äußerst minimalistisch, präsentiert es uns einen schmächtigen, nachdenklichen jungen Mann, also den Auggie-Typ, der perfekt zu der Geschichte passt.
Das Ende des Werkes lässt einen mit “offenen Mund“ zurück, aber hier soll nicht gespoilert werden.
Mich hat das Werk sehr angesprochen, allerdings fand ich die Details bei den Kampfszenen und die damit verbundenen vielen Akteure oft zu detailliert und ermüdend. Daher ein Punkt Abzug.
Das WerK ist aufgrund seiner psychologischen Dichte sicherlich für ein breites Publikum interessant, jedoch möchte ich in Deutschland nicht den Erfolg wie in einer Wrestlernation wie den USA voraussagen.