Aufbruch in ein neues Leben
MirabellentageMit “Mirabellentage“ hat die Autorin, Martina Bogdahn, ihren zweiten Roman lanciert, der mit einem schönen Cover aufwartet. Ihr ruhiger und sehr atmosphärischer Schreibstil lässt uns das kleine katholischen ...
Mit “Mirabellentage“ hat die Autorin, Martina Bogdahn, ihren zweiten Roman lanciert, der mit einem schönen Cover aufwartet. Ihr ruhiger und sehr atmosphärischer Schreibstil lässt uns das kleine katholischen Dorf in Bayern, wo sich die Handlung abspielt, vor unserem geistigen Auge entstehen. Sie kann perfekt ein Gefühl von einfachem, beschützten Leben in der Heimat evozieren und schafft einen interessanten Aufbau durch die kleinen Episoden aus der Gegenwart und der Vergangenheit, die sie aus ihrer Perspektive in der Ich-Form erzählt. Dabei spielt die Einengung in einer katholischen Gemeinde eine wichtige Rolle, wobei ich, Protestant aus dem Norden, oftmals heftig lachen musste, denn sie bringt ihre Beobachtungen humorvoll und auch mit wenigen Tabus an den Leser.
Ihre freche Art ist total sympathisch und passt zu ihrer aufopfernden Tätigkeit als Haushälterin des Dorfpfarrers, den sie seit Kindertagen kennt. Als dieser mit 57 Jahren plötzlich verstirbt, gerät ihr einfaches Leben ins Wanken, denn es kommt ein neuer junger Pfarrer aus dem hohen Norden, der Plattdeutsch spricht (erneut ein Schmunzeleffekt!). Wird er sie noch benötigen? Neben der Organisation der Beerdigung hat sie Pfarrer Josef noch einen letzten Wunsch zu erfüllen, deshalb macht sie sich auf an die Nordsee. Was sie dort wohl vorhat?
Sie hat ihre Gemeinde noch nie verlassen und denkt in der ganz anderen Umgebung über ihr Leben nach. Wird sie ihren Lebensstil verändern und sich eventuell ihrem Jugendschwarm zuwenden? Oder wird sie weiterhin Erfüllung darin finden, zahllose Gläser Mirabellenmarmelade ( daher der Titel “Mirabellentage“) einzukochen und den Wünschen anderer Menschen in Blumfeld zu entsprechen?
Mit vielen traurigen, komischen und auch berührenden Begebenheiten hat Martina Bogdahn uns in ein tolles Setting katapultiert, das ein Kontrapunkt ist zu der modernen, hektischen Welt in der Stadt.
Mir hat die witzige und unkonventionelle Art der Protagonistin sehr gefallen und mich zu einer Bayernreise motiviert, was ich allen Lesern empfehlen kann, die einen malerischen, ruhigen, humorvollen Sommerroman dort lesen wollen.