Moral in Extremsituationen
Insel der RattenJo Nesbos neues Werk mit dem Titel “Insel der Ratten“ wird perfekt durch das düstere und unheimliche Cover repräsentiert, zusätzlich zu dem gruseligen und angsteinflößenden Titel.
Wir werden in eine brutale, ...
Jo Nesbos neues Werk mit dem Titel “Insel der Ratten“ wird perfekt durch das düstere und unheimliche Cover repräsentiert, zusätzlich zu dem gruseligen und angsteinflößenden Titel.
Wir werden in eine brutale, dystopische Welt voller Chaos katapultiert, denn nach einer erschreckenden Pandemie kommt es zum Zusammenbruch des gesellschaftlichen Systems. Armut, Gewalt und das Recht des Stärkeren herrschen vor, und nur die Reichen können sich wirklich retten, denn marodierende Banden beherrschen das Leben. Massenarbeitslosigkeit und somit Perspektivlosigkeit könnten zum totalen Untergang führen.
Der sehr reiche Unternehmer, Colin Lowe, kann sich mit seiner Familie auf seine Insel der Ratten retten, denn das Leben in der Stadt wird immer gefährlicher. Colins Sohn, Brad, der Chef der “Chaosbande“ schreckt jedoch vor keiner Grausamkeit zurück, Moralische Bedenken sind ihm egal, als er Will, den Freund seines Vaters, angreift und dessen Tochter Amy tötet.
Will ist der Protagonist des Werkes. Er ist Jurist, und versucht immer, gerecht und fair zu handeln. Tötet er, um nicht selbst getötet zu werden? Er ist die einzige Figur, mit der ich mich ein wenig identifizieren kann.
Es gelingt ihm, Brad in seine Gewalt zu bringen und somit ein Faustpfand zur Erpressung zu haben. Er entwickelt einen cleveren Plan!
Nesbo baut die Spannung durch schnelle Szenenwechsel auf. Die Neugier des Lesers bleibt bis zum Schluss erhalten, denn wichtige Infos werden nur scheibchenweise lanciert.
Die Story wird abwechselnd von Will und Yvonne, die zur Chaosgang gehört, erzählt. Beide haben eine extrem unterschiedliche Empfindung hinsichtlich der Ereignisse, aber beide lancieren brutale Fakten und Szenarien.
Das Ende hat mich überrascht, obwohl es nachvollziehbar ist. Die rasante, psychologische Spannung und die gut lesbare, ausgeklügelte Schreibweise machen das Werk zu einem Pageturner, obwohl brutalste Szenen vorkommen, die seichte Gemüter schocken könnten.
Das Werk hat mich sehr schockiert, aber dadurch zum Nachdenken angeregt, wie brutal Menschen in Extremsituationen reagieren können. Da es zur extremen Brutalität einen süchtig machenden Lesefluss „aufzwingt“, bewerte ich diesen Thriller mit 4 Punkten.