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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein geheimnisvoller Krimi mit historischem Hintergrund

Moorgold - Ein Erzgebirgskrimi
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Das Buchcover passt sehr gut zur Handlung und zum Setting. Der Leser wird in eine mystische, ja fast gruselige Atmosphäre hineinkatapultiert, die den geheimnisvollen Krimi untermalt. Die Autorin, Anett ...

Das Buchcover passt sehr gut zur Handlung und zum Setting. Der Leser wird in eine mystische, ja fast gruselige Atmosphäre hineinkatapultiert, die den geheimnisvollen Krimi untermalt. Die Autorin, Anett Steiner, hat einen spannenden, bildhaften Schreibstil, der gut zu überfliegen ist.
Details werden aus sehr unterschiedlichen Perspektiven vermittelt, was das Ganze lebendig und glaubwürdig macht.
Steiner schafft es, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verbinden, was mir besonders gut gefällt. Es ist wichtig, was nach dem 2. Weltkrieg aufgrund der Beneš-Dekrete in der deutsch-tschechischen Region passierte. Die deutschen Bürger wurden vertrieben und mussten fast alles zurücklassen. Die sogenannten Sudetendeutschen hofften aber, bald zurückzukehren und haben ihre Wertgegenstände oft im Wald versteckt. Das hat Schatzsucher ins Land gelockt, und zu Morden geführt, um die es in der Geschichte geht,
Nach einem Erdrutsch werden 30 Jahre alte Knochen gefunden, die wohl auf einen Mord schließen lassen. Der Tscheche Jakob Miller wird dann ermordet in einem Fluss gefunden, und die Kommissarin Annalena Krest, muss ermitteln. Sie wird sehr sympathisch, empathisch und glaubwürdig dargestellt. Außerdem ist sie sehr teamfähig. Das Zusammentreffen mit dem Sohn des ermordeten Puppenspielers bringt sie ermittlungstechnisch weiter. Es gibt etliche Wendungen, und sie gerät selbst in große Gefahr.
Die Spannung wird verstärkt, da die Leserschaft der Kommissarin immer einen Schritt voraus ist. Wann und wie wird sie die benötigten Fakten und Informationen zusammenbekommen?
Die Spannung bleibt bis zum Schluss in der wunderbar atmosphärischen Kulisse erhalten.
Das Werk ist unterhaltsam und absolut lesenswert. Da einige Dinge noch nicht ganz geklärt wurden, könnte man auf einen Folgeband der geheimnisvollen Geschichte spekulieren

Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein neuer atmosphärischer Island-Thriller

Schlafende Vulkane
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Ein Cover, das perfekt zum Titel passt, farblich die besondere Landschaft hervorhebend, atmosphärisch und hochwertig. Das Lesebändchen vervollständigt die 477 Seiten lange Hardcover-Ausgabe.
Inhaltlich ...

Ein Cover, das perfekt zum Titel passt, farblich die besondere Landschaft hervorhebend, atmosphärisch und hochwertig. Das Lesebändchen vervollständigt die 477 Seiten lange Hardcover-Ausgabe.
Inhaltlich geht es um eine junge, alleinerziehende Mutter, die nackt in einem Pferdestall aufgefunden wird. Augenscheinlich ist sie einem Sexualmord zum Opfer gefallen. Ihr zehnjähriger Sohn, der in seinem Zuhause nachts von einem Angreifer gejagt wird, entkommt durch ein Badezimmerfenster und kann sich in die Vulkanlandschaft retten. Er ist spurlos verschwunden, und nun begeben sich die junge Polizistin Helga, unterstützt von Bjarki, einem hünenhaften Verkehrspolizisten, der sich in der Vulkanlandschaft gut auskennt, und der Polizeihündin Salka auf die Suche.
Die spannende und sehr brutale Handlung liefert uns Thorsson in einem anspruchsvollen, dennoch leicht zu lesenden Schreibstil. Dabei gefällt mir besonders gut, dass neben den beiden Protagonisten, die abwechselnd ihre Sichtweise darlegen, auch die Perspektive des Serienmörders eingenommen wird, durch Kursivdruck hervorgehoben.
Thorsson hat die Charaktere detailliert beschrieben. Es ist Helgas erster eigener Fall, aber sie agiert nicht immer fehlerfrei, da sie sehr hartnäckig und auch durchsetzungsstark ihre Ermittlertätigkeit aufnimmt. Bjarki ist ebenfalls ein unkonventioneller, aber sehr erfahrener Typ, für den alle Vorschriften nur Makulatur sind.
Die Jagd auf den Täter nimmt ihren Verlauf mit vielen Endungen. Nervenaufreibend sind die Versuche, ihn von weiteren, im Darknet angekündigten Taten abzuhalten. Ein sehr atmosphärischer Thriller, dessen Handlung im Verlauf einer Woche stattfindet, erhält zusätzliche Spannung durch einen gewissen Konkurrenzkampf unter einigen Kollegen, die es nicht ertragen, dass auch einmal vom Dienstweg abgewichen werden kann.
Das Ende ist sehr spannend und weckt Neugier auf einen intendierten Folgeband.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Eine meisterhafte Erzählung

Das Mosaik der Frauen
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Rafik Schami, ein Meister des Erzählens, liefert uns in seiner sehr lebendigen und bildhaften Erzählweise, flüssig, einfühlsam und poetisch angehaucht, ein Werk über die Syrische Kultur und die Frauen.
In ...

Rafik Schami, ein Meister des Erzählens, liefert uns in seiner sehr lebendigen und bildhaften Erzählweise, flüssig, einfühlsam und poetisch angehaucht, ein Werk über die Syrische Kultur und die Frauen.
In der arabischen Kultur werden die Geschichten meist mündlich überliefert, so hat es sich Schami hier zur Aufgabe gemacht, Nadim Suri , einen todkranken Patienten, seine Lebensgeschichte, bevor er stirbt, einem Schriftsteller und Dolmetscher zu erzählen, damit er ein Buch daraus macht. Dieser Autor, der Syrer Said, der 1970 nach Deutschland kommt, ist aber nur mit seinen arabischsprachigen Erzählungen erfolgreich, in denen er auch viele historische Hintergründe vermittelt.
Schami geht Themen wie politische Unterdrückung, Diktatur, Korruption, Flucht und Leiden an, so auch hier. Obwohl er damit deprimierende Themen anschneidet, schafft er, durch Anekdoten, das Ganze aufzulockern.
Das Cover wirkt sehr edel durch die Mosaikunterteilung, die in Gold unterlegt ist, und der strukturelle Aufbau des Werkes wird schon deutlich hervorgehoben. Jedes Kapitel des Mosaiks befasst sich mit einzelnen Elementen von Nadim Suris außergewöhnlichem Lebensweg, der von Frauen aus der westlichen und der arabischen Welt begleitet wird. Daher auch der treffende Titel. Nach und nach wird ein Gesamtbild aus den Mosaikteilen.
Der Autor wirkt nicht belehrend, animiert aber, nachzudenken und sich genauer mit den Fakten zu befassen. Er belehrt uns also auf die “seichte Weise“ . Das Werk eignet sich also nicht für Personen, die nur unterhalten werden wollen und ein Buch herunterlesen.
Besonders gut hat mir gefallen, wie ausdrucksstark und lebensecht der Autor die Figuren gezeichnet hat, so dass man ihr Leben mit Hingabe und großer Anteilnahme verfolgen kann. Herausragend ist seine einfühlsame und positive Sicht auf das Leben, die so ganz andere Aspekte des Lebens in Syrien, die Flucht, den Krieg, die politische und religiöse Situation, reflektiert. Früher haben die Menschen verschiedener Religionen dort in Harmonie miteinander gelebt. Wird es jemals wieder so sein?

Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein außergewöhnlicher Roman

Verlorene Schäfchen
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Das Cover in warmem Gelb evoziert Harmonie, und das typische amerikanische Mittelschichthaus mit den Säulen und der US-Flagge davor sowie einer großen Schönwetterwolke darüber, vermittelt “Heile Welt“. ...

Das Cover in warmem Gelb evoziert Harmonie, und das typische amerikanische Mittelschichthaus mit den Säulen und der US-Flagge davor sowie einer großen Schönwetterwolke darüber, vermittelt “Heile Welt“. Aber wie passt der Titel “Verlorene Schäfchen“ dazu?
Bud, der Familienvater, flieht in seiner Ohnmacht, da seine Ehefrau eine offene Ehe führen will, zu dieser so benannten Selbsthilfe-Gruppe. Aber der Titel könnte sich auch auf alle Mitglieder dieser komplett orientierungslosen Familie beziehen, wobei jeder nach Sicherheit und Selbstfindung sucht.
Die Autorin lässt die Flynns in einer absurden und total überzeichneten Welt in einer typischen amerikanischen Kleinstadt leben, wo die Verbindung zur Kirche wichtig ist. Allerdings ist auch Pater Andrew nur mit einem Augenzwinkern zu verstehen.
Mutter Catherine leidet an einer Sinnkrise, und auch ihre Töchter versuchen in dieser Lebenskrise zurechtzukommen, so dass sie sich ungewöhnlichen “Ankerpunkten“ zuwenden. So wähnt sich Harper, die Jüngste, einer großen Verschwörung auf der Spur, Louise hat einen fundamentalistischen Online – Freund und Abigail wendet sich einem sehr schweigsamen jungen Mann zu, der “Kriegsverbrecher Wes“ genannt wird.
Es laufen etliche Plot-Anteile kreuz und quer. Die Perspektiven wechseln häufig, wodurch eine gewisse Spannung erhalten bleibt. In ihrem flüssigen Schreibstil vermittelt Madeline Cash viel Ironie, Sarkasmus und trockenen Humor. Die Figuren sind liebenswert gezeichnet, jedoch werden ganz alltägliche Dinge oft parodiert.
Sicherlich hat Cash einen sehr ungewöhnlichen Familienroman geschrieben, aber für meinen Geschmack ist vieles skurril, überdreht und absurd. Soll man dieses Werk so gar nicht ernst nehmen? Das Ende des Plots ist teilweise schlüssig und könnte Fans von literarischen Romanen mit Satire gefallen. Für mich gibt es allerdings zu wenig Realitätsgehalt, daher 4 Punkte

Veröffentlicht am 13.04.2026

Opfer und Täterin zugleich

Noch fünf Tage
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Die Thematik dieses Thrillers ist herausragend: Ein Wettlauf mit der Zeit bis zum eigenen Ende! Dafür ist der Titel genau treffend, und auch das Cover mit der schweizer Bergwelt und einem unheilsvoraussagenden, ...

Die Thematik dieses Thrillers ist herausragend: Ein Wettlauf mit der Zeit bis zum eigenen Ende! Dafür ist der Titel genau treffend, und auch das Cover mit der schweizer Bergwelt und einem unheilsvoraussagenden, düsteren Himmel führt gut in die Problematik ein.
Inhaltlich geht es um die Spitzenköchin Lis, die von London aus das traumhafte Angebot einer schweizer Milliardärsfamilie erhält, als Köchin für sie tätig zu sein. Das von Lis zubereitete exklusive Silvesterdinner wird mit Plutonium vergiftet, und die vierköpfige Familie Harman stirbt. Da sie nur abgeschmeckt hat, bleiben Lis noch 5 tage bis zu ihrem unausweichlichen Tod. Sie wird als Mörderin verdächtigt, aber sie versucht, im Krankenhaus der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Wer steckt hinter der Tat? Liegt das Mordmotiv in der Vergangenheit der Superreichen? Besonders herzzerreißend ist ihre Sorge um ihre zwölfjährige Tochter Cosima, die sie auf keinen Fall dem alkoholkranken leiblichen Vater überlassen will. Die Krankenschwester Esme hilft ihr zum Glück bei ihrer Recherche.
Die letzten fünf Tage der Protagonistin beschreibt die Autorin auf sehr individuelle und ungewöhnliche Weise. Vor jedem Kapitel steht jeweils die Zeitangabe einer elektrischen Uhr, so daß die Spannung mit jeder Minute steigt. Lis erzählt in Rückblenden aus ihrer Sicht, dabei werden die einzelnen Familienmitglieder der neurotischen Familie Harman beleuchtet, ebenso wie ihr eigenes Leben, und vermeintliche Freunde und Feinde.
Lis wird als liebevolle Mutter charakterisiert, was eine Identifikation leicht macht, das hat mir besonders gut gefallen, besonders, da es herzzerreißend ist, dass sie ihr Ende vor Augen hat.
Sprachlich flüssig und anspruchsvoll, beginnt der Thriller rasant, und der Spannungsbogen hält bis zum Schluss an. Ich hatte auf ein anderes Ende gehofft, jedoch läßt die Logik nur diesen Schluss zu.
Ich würde das Buch Personen empfehlen, die Spannung mit vielen interessanten Details suchen, allerdings müssen sie auch verkraften, wie hier das Schicksal zugeschlagen hat.