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Veröffentlicht am 09.07.2026

Moral in Extremsituationen

Insel der Ratten
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Jo Nesbos neues Werk mit dem Titel “Insel der Ratten“ wird perfekt durch das düstere und unheimliche Cover repräsentiert, zusätzlich zu dem gruseligen und angsteinflößenden Titel.
Wir werden in eine brutale, ...

Jo Nesbos neues Werk mit dem Titel “Insel der Ratten“ wird perfekt durch das düstere und unheimliche Cover repräsentiert, zusätzlich zu dem gruseligen und angsteinflößenden Titel.
Wir werden in eine brutale, dystopische Welt voller Chaos katapultiert, denn nach einer erschreckenden Pandemie kommt es zum Zusammenbruch des gesellschaftlichen Systems. Armut, Gewalt und das Recht des Stärkeren herrschen vor, und nur die Reichen können sich wirklich retten, denn marodierende Banden beherrschen das Leben. Massenarbeitslosigkeit und somit Perspektivlosigkeit könnten zum totalen Untergang führen.
Der sehr reiche Unternehmer, Colin Lowe, kann sich mit seiner Familie auf seine Insel der Ratten retten, denn das Leben in der Stadt wird immer gefährlicher. Colins Sohn, Brad, der Chef der “Chaosbande“ schreckt jedoch vor keiner Grausamkeit zurück, Moralische Bedenken sind ihm egal, als er Will, den Freund seines Vaters, angreift und dessen Tochter Amy tötet.
Will ist der Protagonist des Werkes. Er ist Jurist, und versucht immer, gerecht und fair zu handeln. Tötet er, um nicht selbst getötet zu werden? Er ist die einzige Figur, mit der ich mich ein wenig identifizieren kann.
Es gelingt ihm, Brad in seine Gewalt zu bringen und somit ein Faustpfand zur Erpressung zu haben. Er entwickelt einen cleveren Plan!
Nesbo baut die Spannung durch schnelle Szenenwechsel auf. Die Neugier des Lesers bleibt bis zum Schluss erhalten, denn wichtige Infos werden nur scheibchenweise lanciert.
Die Story wird abwechselnd von Will und Yvonne, die zur Chaosgang gehört, erzählt. Beide haben eine extrem unterschiedliche Empfindung hinsichtlich der Ereignisse, aber beide lancieren brutale Fakten und Szenarien.
Das Ende hat mich überrascht, obwohl es nachvollziehbar ist. Die rasante, psychologische Spannung und die gut lesbare, ausgeklügelte Schreibweise machen das Werk zu einem Pageturner, obwohl brutalste Szenen vorkommen, die seichte Gemüter schocken könnten.
Das Werk hat mich sehr schockiert, aber dadurch zum Nachdenken angeregt, wie brutal Menschen in Extremsituationen reagieren können. Da es zur extremen Brutalität einen süchtig machenden Lesefluss „aufzwingt“, bewerte ich diesen Thriller mit 4 Punkten.

Veröffentlicht am 15.06.2026

Ein eingängiger Cosy Crime

Klein aber tot
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Das Cover stammt direkt aus der Ausstellung zu Knuffingen im Miniatur Wunderland in Hamburg. Es passt prima zu der Geschichte, denn, was für eine tolle Idee, es lässt die Figuren, in der Handlung real ...

Das Cover stammt direkt aus der Ausstellung zu Knuffingen im Miniatur Wunderland in Hamburg. Es passt prima zu der Geschichte, denn, was für eine tolle Idee, es lässt die Figuren, in der Handlung real werden. Sie sind sehr liebevoll, eben knuffig beschrieben, und leben im beschaulichen Knuffingen. Jede Figur hat ihre Eigenheiten, von skurril bis geheimnisvoll. Aber was will der Titel sagen? Soll es sich auf die handelnden Personen ( Figuren!) beziehen?
In der Umschlaginnenseite finden wir originelle Personenbeschreibungen, die den Einstig erleichtern. Die Handlung ist mit einer Prise Humor gewürzt, sehr einfach und linear aufgebaut.
Jogo Wunder, Kriminalkommissar mit Herz, muss den Mörder eines gehassten Schmähkritikers finden. Es gibt zahlreiche Verdächtige, auch Wunders Mutter. Der Fall enthält einige Wendungen und ist spannend. Ein Kuriosum ist die ständige Abwesenheit von Jojos Chef. Dafür hat er aber dessen großen Bernhardiner zur Hilfe.
Zusätzlich muss der Kommissar aber noch wegen eines Feuerteufels ermitteln, der das Knuffinger Schloss schon mehrfach angezündet hat. Die Aufklärung des Mordfalls kommt recht überraschend, der zweite Fall wir möglicherweise in einem Folgeband gelöst.
Das Werk ist sprachlich präzise, sehr leicht und schnell zu erfassen. Es ist ein eingängiger Cosy Crime , der sicher auch schon von Kindern ab 12 Jahren bewältigt werden kann, die natürlich auch gerne ins Miniatur Wunderland gehen. Gut gefällt mir das kleine ro ro ro – Format und die Kürze mit 298 Seiten. Also ein Werk für zwischendurch, zum Entspannen und Mitnehmen. Ich freue mich schon auf den Folgeband für meinen Neffen, der sicherlich auch 5 Punkte vergeben wird.

Veröffentlicht am 02.06.2026

Ein spannender Tech-Thriller

Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln
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“Code Null“ passt perfekt zu diesem Thriller des bekannten Autors, Florian Schwiecker, der mit diesem Werk eine Ära, der von ihm geschaffenen KI-Romane, einleitet. Das düstere und kühle Cover in Schwarz- ...

“Code Null“ passt perfekt zu diesem Thriller des bekannten Autors, Florian Schwiecker, der mit diesem Werk eine Ära, der von ihm geschaffenen KI-Romane, einleitet. Das düstere und kühle Cover in Schwarz- und schreienden Hell-Lila-Tönen führt perfekt in die Atmosphäre um Technologie ein.
Inhaltlich geht es um die Terrorgruppe “Timeout“, die das europäische Satellitennavigationssystem Galileo manipulieren kann und plant, Berlin oder auch größere Bereiche ins Chaos zu stürzen. Die Thematik ist erschreckend realistisch und macht deutlich, wie wir uns im Griff moderner Technik befinden. Können Geheimdienste und Hacker die Terroristen aufhalten? Dazu wird die von Charlie, einer sehr perfekten IT-Spezialistin, entwickelte, selbstlernende KI, namens KIM eingesetzt.
Aber auch KIM ist nicht fehlerfrei, denn beim Lösen komplexer Probleme können auch ihr Fehler unterlaufen. Somit ergibt sich die sehr aktuelle Frage, ob man sich einer Maschine ausliefern kann und will?
Die Protagonistin Charlie lebt zwar isoliert in ihrer eigenen Welt, symbolisiert aber nicht die typische Nerd-Persönlichkeit.
Sie kommt sehr menschlich und auch an sich selbst zweifelnd rüber. Dadurch ist Identifikation möglich.
Schwieckers klarer und teilweise bildhafter Schreibstil ermöglicht es Nicht-IT-lern, einen Zugang zur Thematik zu finden. Die technischen Termini könnten aber in einem Anhang erklärt werden.
Die Geschichte wirkt sehr realistisch und schafft Tempo durch geschickte Rückblicke, gelegentlichen Perspektivwechsel, wobei auch der Hacker zu Wort kommt, und kurze Kapitel.
Den Start empfand ich als eher langatmig, aber nach 100 Seiten nimmt die Aktion an Fahrt auf. Das Ende ist wohl bewusst offen gehalten, da eine Serie geplant ist.
Ich vergebe nur 4 Punkte, da die Handlung nicht besonders überraschend ist, und oft nur Ereignisse aneinandergereiht sind. Generell ist das Werk interessant für Personen, die Tech-Thriller lieben.

Veröffentlicht am 28.05.2026

Auggie der Antityp

Sunset Flip
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Bei Aufenthalten in den USA habe ich mich immer über die Wrestlingbegeisterung gewundert. Ja, es wird in vielen Highschools sogar als Sportkurs angeboten.
Da ich mich näher mit dieser Thematik befassen ...

Bei Aufenthalten in den USA habe ich mich immer über die Wrestlingbegeisterung gewundert. Ja, es wird in vielen Highschools sogar als Sportkurs angeboten.
Da ich mich näher mit dieser Thematik befassen wollte, habe ich in “Sunset Flip“ ein vielschichtiges Werk zu diesem Thema gefunden.
Schon der Titel weist auf einen speziellen Wurf hin, und der sehr erfolgreiche US-Amerikanische Autor, Joel Goebel, hat das Werk natürlich für ein amerikanisches Publikum geschrieben.
Eingebettet in eine herzzerreißende Story wurde ich über die dramaturgisch ausgefeilte Sportart informiert, bei der die Gewinner schon vor dem Match festliegen. Alles basiert auf einen Gut/Böse Schema, und die erfolgreichen Wrestler müssen sich komplett den Vorgaben der Veranstalter unterwerfen. Es geht nur um Kommerz, also um klingende Kassen. Die Zuschauer müssen begeistert sein! Das ist das Wichtigste! Dazu muss ein Wrestler ausgefeilte Kampftechniken beherrschen, aber auch schauspielerisches und rhetorisches Talent besitzen. Bei den Schaukämpfen werden sehr gefährliche Sprünge und lebensgefährliche Würfe und Griffe ausgeführt. Alles soll gefährlich und echt aussehen. Dabei kommt es oft zu sehr gefährlichen Verletzungen der Akteure.
Der Protagonist des Werkes, Auggie Schnuck, hat unter diesen Bedingungen sehr zu leiden. Jedoch sieht er keine andere Möglichkeit, seine Version des “American Dream“ zu verwirklichen, also hier viel Geld zu verdienen. Tatsächlich ist es ihm gelungen, aufgewachsen in einem Wohnwagen, in äußerst ärmlichen Verhältnissen, als Wrestler ganz an die Spitze zu gelangen, nachdem seine geplante Schauspielkarriere gefloppt ist.
Auggie will mit seiner Frau Nadine eigentlich ein ruhiges,“normales“ leben führen, muss aber durch die USA ziehen zu ständigen Schaukämpfen. Dabei ist er fast das ganze Jahr über von seiner großen Liebe getrennt, zumal dieses Dasein an seiner physischen und psychischen Gesund heit zerrt. Als er zu der Kultfigur “The Aug“ wird, kann er kaum noch zwischen seiner Kunstperson und der Realität unterscheiden. Sein Verfall scheint vorprogrammiert! Eine schizoide Persönlichkeitsstörung nimmt ihren Verlauf, die zu einem inneren Verfall führt.
Auggie ist aber auch nicht der riesige, muskelbepackte Idealtyp des Wrestlers, und er isoliert sich immer von den anderen Wrestlern, die gern angeben, saufen und auch Drogen nehmen. Dieser Antityp wird von Goebel in meisterlicher Erzähltechnik, in Vor- und Nachblenden, beschrieben, sprachlich ausgefeilt, leicht verständlich, und in angepassten Dialogen. Dazu passt auch das Cover. Wie im Diogenes Verlag meist äußerst minimalistisch, präsentiert es uns einen schmächtigen, nachdenklichen jungen Mann, also den Auggie-Typ, der perfekt zu der Geschichte passt.
Das Ende des Werkes lässt einen mit “offenen Mund“ zurück, aber hier soll nicht gespoilert werden.
Mich hat das Werk sehr angesprochen, allerdings fand ich die Details bei den Kampfszenen und die damit verbundenen vielen Akteure oft zu detailliert und ermüdend. Daher ein Punkt Abzug.
Das WerK ist aufgrund seiner psychologischen Dichte sicherlich für ein breites Publikum interessant, jedoch möchte ich in Deutschland nicht den Erfolg wie in einer Wrestlernation wie den USA voraussagen.

Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein geheimnisvoller Krimi mit historischem Hintergrund

Moorgold - Ein Erzgebirgskrimi
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Das Buchcover passt sehr gut zur Handlung und zum Setting. Der Leser wird in eine mystische, ja fast gruselige Atmosphäre hineinkatapultiert, die den geheimnisvollen Krimi untermalt. Die Autorin, Anett ...

Das Buchcover passt sehr gut zur Handlung und zum Setting. Der Leser wird in eine mystische, ja fast gruselige Atmosphäre hineinkatapultiert, die den geheimnisvollen Krimi untermalt. Die Autorin, Anett Steiner, hat einen spannenden, bildhaften Schreibstil, der gut zu überfliegen ist.
Details werden aus sehr unterschiedlichen Perspektiven vermittelt, was das Ganze lebendig und glaubwürdig macht.
Steiner schafft es, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verbinden, was mir besonders gut gefällt. Es ist wichtig, was nach dem 2. Weltkrieg aufgrund der Beneš-Dekrete in der deutsch-tschechischen Region passierte. Die deutschen Bürger wurden vertrieben und mussten fast alles zurücklassen. Die sogenannten Sudetendeutschen hofften aber, bald zurückzukehren und haben ihre Wertgegenstände oft im Wald versteckt. Das hat Schatzsucher ins Land gelockt, und zu Morden geführt, um die es in der Geschichte geht,
Nach einem Erdrutsch werden 30 Jahre alte Knochen gefunden, die wohl auf einen Mord schließen lassen. Der Tscheche Jakob Miller wird dann ermordet in einem Fluss gefunden, und die Kommissarin Annalena Krest, muss ermitteln. Sie wird sehr sympathisch, empathisch und glaubwürdig dargestellt. Außerdem ist sie sehr teamfähig. Das Zusammentreffen mit dem Sohn des ermordeten Puppenspielers bringt sie ermittlungstechnisch weiter. Es gibt etliche Wendungen, und sie gerät selbst in große Gefahr.
Die Spannung wird verstärkt, da die Leserschaft der Kommissarin immer einen Schritt voraus ist. Wann und wie wird sie die benötigten Fakten und Informationen zusammenbekommen?
Die Spannung bleibt bis zum Schluss in der wunderbar atmosphärischen Kulisse erhalten.
Das Werk ist unterhaltsam und absolut lesenswert. Da einige Dinge noch nicht ganz geklärt wurden, könnte man auf einen Folgeband der geheimnisvollen Geschichte spekulieren