Cover-Bild Botanik des Wahnsinns
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19,99
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 12.08.2025
  • ISBN: 9783755815358
Leon Engler

Botanik des Wahnsinns

Roman | Nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis 2026
Johannes Nussbaum (Sprecher)

Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können? Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren. Vor allem aber muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch.
Eine aus dem Ruder gelaufene Familienanamnese? Ein Schelmenroman? Ein Lehrstück in Empathie? Leon Englers Debüt ist all das und mehr, ein zärtlicher Befreiungsschlag, die Geschichte einer Versöhnung.

Nominiert für den ZDF-"aspekte"-Literaturpreis 2025.

»Ein fantastisches Buch – abgrundtief und doch tröstend. Hab's verschlungen.« DORIS DÖRRIE

»Unwiderstehlich. Leichtfüßig und ernst, zärtlich und brutal, ironisch und ehrlich.« SIRI HUSTVEDT

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2025

Mein Jahreshighlight 2025!

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Mein Jahreshighlight 2025! Noch ganz benommen von der wundervollen Lesung bin ich direkt in das Buch gestartet - und habe es in einem Rutsch gelesen. Ich liebe Bücher nach einer Lesung zu lesen, ...

Mein Jahreshighlight 2025! Noch ganz benommen von der wundervollen Lesung bin ich direkt in das Buch gestartet - und habe es in einem Rutsch gelesen. Ich liebe Bücher nach einer Lesung zu lesen, denn dann liest man es mit der Stimme des Autors. Und in diesem Fall auch mit der Musik!
"Der Unterschied zwischen normal und unnormal? Oft willkürlich." S. 74

INHALT
Es geht um einen jungen Mann, Noel sollte er heißen (und durfte nicht), weshalb man den Namen einfach umdrehte. Leon ist Sohn und Enkel seiner psychisch kranken Eltern und landet selbst in der Psychiatrie. Nicht als Patient, sondern als Therapeut. Er beschreibt sein Leben in und außerhalb der geschlossenen Wände, ergründet seine eigene Herkunft und versucht einen groben Ausblick in die Zukunft zu suchen, finden und vielleicht auch zu verändern. Denn eines ist klar: die Gene des "Wahnsinns" trägt er mit hoher Wahrscheinlichkeit in sich.

"Endlich lande ich in der Psychiatrie. Es ist ganz unspektakulär. Keine Polizei, kein Krankenwagen, keine abgeschnittenen Krawatten. Ich nehme einfach den Bus." S. 49

EINDRUCK UND FAZIT
Dieses Buch inspiriert mich von Beginn bis Ende, ich finde die Idee einfach ganz wundervoll. Von der Umsetzung ganz zu schweigen.

"Die eiskalte Einsamkeit, der sogenannten Schizophrenen, ist nicht vorstellbar. Sie sind allein. Es ist nicht nur ein Bauernhof am Rand der Welt, auf dem sie leben. In ihrer Welt, in ihrer Wirklichkeit lebt tatsächlich kein anderer. Wir können zuhören, doch wir haben keinen Zugang, denn wir glauben ihnen nicht." S 89
Leon Engler schreibt in einer unglaublichen Intensivität und Eindringlichkeit, dass es mir oft die Sprache verschlug. Ein unglaublich besonderes und wichtiges Buch!
Nicht nur, weil es so auch der Realität entsprechen könnte, sondern, man auch noch unglaublich viel lernt.
Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Bemerkenswertes Buch

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Zum Inhalt:
Der Erzähler der Geschichte blickt auf die Geschichte seiner Familie zurück, die wahrlich eine Geschichte des Wahnsinns ist. Die Großmutter bipolar mit diversen Selbstmordversuchen, Mutter ...

Zum Inhalt:
Der Erzähler der Geschichte blickt auf die Geschichte seiner Familie zurück, die wahrlich eine Geschichte des Wahnsinns ist. Die Großmutter bipolar mit diversen Selbstmordversuchen, Mutter Alkoholikerin, Vater depressiv, blickt er nun auf seinen eigenen Weg aus dem Arbeiterviertel, über New York und Wien um selbst in einer Anstalt zu landen, als Psychologe.
Meine Meinung:
Das Buch und auch das Hörbuch habe ich als sehr besonders empfunden und könnte nicht mal sagen warum, aber diese Beschäftigung mit dem Wahnsinn war irgendwie unglaublich interessant und intensiv. Wie würde man wohl selbst damit umgehen, soviel Wahnsinn in der Familie zu haben? Das Leon Angst davor hat, selbst verrückt zu werden, ist mehr als verständlich. Der Umgang damit umso erstaunlicher. Wenn ich bedenke, dass es ein Debüt-Roman ist, in dem der Autor auch noch Einblick in die eigene Geschichte gibt, Hut ab dafür. Hat mir enorm gut gefallen.
Fazit:
Bemerkenswertes Buch

Veröffentlicht am 17.08.2025

Wie schreibt man eine Familienanamnese?

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Leon Engler gelingt mit seinem Roman "Botanik des Wahnsinns" ein bemerkenswertes Debüt. Die Geschichte begleitet einen Protagonisten, der mit einer schweren familiären Last lebt: Nahezu alle Mitglieder ...

Leon Engler gelingt mit seinem Roman "Botanik des Wahnsinns" ein bemerkenswertes Debüt. Die Geschichte begleitet einen Protagonisten, der mit einer schweren familiären Last lebt: Nahezu alle Mitglieder seiner Familie litten an psychischen Erkrankungen. Aus einer Mischung aus Angst, Faszination und Neugier wird er Psychologe und versucht so seinem familiären Schicksal auf intellektuellem Weg zu begegnen.

Das Buchcover finde ich sehr schön, es passt auch gut zum Titel der Geschichte. Thematisch behandelt der Roman nicht nur die Wahrscheinlichkeit eine psychische Erkrankung zu vererben, sondern auch den Umgang mit familiärem Leid und die daraus resultierende innere Zerrissenheit. Als jemand, der selbst in der Psychiatrie arbeitet, kann ich sagen, dass die Beschreibungen der psychiatrischen Einrichtungen absolut realitätsnah sind. Der Roman spielt auf mehreren Zeitebenen, die kunstvoll ineinandergreifen. Trotz der häufigen Wechsel bleibt alles nachvollziehbar. Am Ende schließt sich ein erzählerischer Kreis, der den Anfang des Romans aufgreift, was ich als sehr durchdacht empfunden habe. Der Schreibstil ist philosophisch und intellektuell und hält einen als Leserin auf Trab. Vieles spielt sich zwischen den Zeilen ab, und ich habe oft während einer Lesepause über bestimmte Passagen nachgedacht. Letztlich lässt sich die Geschichte fast wie eine sehr ausführliche, literarische Familienanamnese lesen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich finde es absolut empfehlenswert. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass nicht jeder so tief in psychiatrisches Erleben eintauchen möchte.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Stilistisch und sprachlich nicht ganz meins, inhaltlich aber ergreifend

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Der Roman hat in meinem Umfeld wirklich viel Begeisterung erfahren, außerdem ist das Cover ein optischer Traum und so war ich sehr neugierig auf das Debüt Leon Englers. Und ich bleibe so fasziniert wie ...

Der Roman hat in meinem Umfeld wirklich viel Begeisterung erfahren, außerdem ist das Cover ein optischer Traum und so war ich sehr neugierig auf das Debüt Leon Englers. Und ich bleibe so fasziniert wie unschlüssig zurück.

Johannes Nussbaum hat das Hörbuch wirklich fantastisch umgesetzt. Ich kannte den Autor bislang gar nicht und hatte doch beim Hören das Gefühl, er liest die Geschichte selbst vor. Ein Perfect Match von Sprecher und meiner Vorstellung der Autorenstimme! Da doch einige Fachbegriffe und spezifische Autor:innen sowie deren Werke referenziert werden, war das Hörverständnis manchmal erschwert. Gleichzeitig bin ich mir sicher, dass ich beim Lesen aus anderen Gründen mehr Schwierigkeiten gehabt hätte, sodass für mich das Hörbuch die richtige Wahl war.

Denn stilistisch und literarisch hat mir „Botanik des Wahnsinns“ weniger gut gefallen. Ich kann objektiv nachvollziehen, warum es dahingehend begeistert, aber ich habe immer meine Schwierigkeiten mit einer eher distanzierten, abgehackten Erzählweise. Die vielen Referenzen zu Philosoph:innen waren mir zu trocken, die geschichtlichen Hintergründe im Bereich Psychiatrie fand ich wiederum äußerst lehrreich.

Rein literarisch wäre es für mich eher ein 3-Sterne-Buch. Doch Leon Engler schreibt, wenn auch distanziert, so greifbar und menschlich über psychische Erkrankungen, dass es mich wirklich ergriffen hat. Der Autor kritisiert subtil, aber doch deutlich das aktuelle Psychiatrie-System, ohne dabei den darin tätigen Menschen die Schuld daran zu geben. Er wirft Fragen zu einer gesellschaftlich markierten Normalität und zu Heilung auf, die mich regelrecht aus der Fassung gebracht haben.

„Es gibt keine Erlösung, keine Vergebung, nur die Akzeptanz dessen, was ist“

Und während mir die vielen zeitlichen Sprünge und der wechselnde Fokus auf verschiedene Familienmitglieder zu wild waren, blitzt doch immer wieder durch, mit wie viel Respekt Engler diese Personen ansieht. Das zeigt sich auch in seinen Gesprächen mit Patient:innen und ich wünsche mir mehr Therapeut:innen wie ihn. Das Buch erscheint mir, nach Lektüre seiner Biografie, mindestens autofiktional. An sich ist das auch egal, aber es lässt mich wirklich den Hut ziehen vor diesem Autor. Diese Sezierung vererbter Traumata und Erkrankungen ist mutig, anders kann ich es nicht sagen. Und dass Engler dabei so verständnisvoll bleibt, obwohl auch Wut über die eigene Situation angemessen gewesen wäre, beeindruckt mich sehr.

Ein Buch, das mich zwar literarisch nicht so sehr abgeholt, dafür aber emotional trotzdem nachhaltig bewegt hat. Es wirft Fragen auf, die nachhallen und die bestenfalls eine öffentliche Debatte über Psychiatrie und den Umgang mit Erkrankten anstoßen.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Beeindruckend geschrieben

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Das Cover und der Titel haben mich direkt neugierig gemacht, aber als ich den Klappentext gelesen habe, wollte ich diese Geschichte unbedingt anhören. Ich habe selbst in meinem Beruf viel mit psychischen ...

Das Cover und der Titel haben mich direkt neugierig gemacht, aber als ich den Klappentext gelesen habe, wollte ich diese Geschichte unbedingt anhören. Ich habe selbst in meinem Beruf viel mit psychischen Erkrankungen zu tun und wollte deshalb wissen wie der Autor mit dem Thema umgeht. Ich wurde sehr positiv überrascht, denn die Geschichte ist frei von Klischees und erzählt beeindruckend wie es diesen Menschen wirklich geht.

Inhaltlich dreht sich das Hörbuch um darum: Bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können? Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren. Vor allem aber muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch.

Ich brauchte ein wenig um ganz in die Geschichte reinzukommen, denn der Schreibstil ist sehr schnörkellos und ziemlich zackig. Ausserdem gleicht das Buch eher einem Bericht, aber ich denke das ist bei diesem Thema auch durchaus gewollt. Man kommt dem Erzähler nicht so nah wie bei anderen Büchern was einfach auch am Stil der Geschichte liegt. Nach wenigen Minuten des Hörbuchs war ich dann aber richtig in der Geschichte drinne und wollte in jeder Minute weiter hören. Das Hörbuch kann fesseln und ist sehr mitreißend erzählt, da auf das Thema psychische Erkrankungen in mehreren Schichten eingegangen wird. Einmal geht der Erzähler auf die Erkrankungen in der eigenen Familie ein, dann arbeitet er in einer Psychiatrie und erzählt hier seine Erlebnisse. Ich habe zunächst die Befüchtung gehabt, dass der Autor das Thema psychische Erkrankungen überspitzt und karikaturhaft beschreiben würde wie es in einigen Filmen dargestellt wird, aber der Autor behandelt das Thema, im Gegenteil immer sehr objektiv und sehr wahrhaftig. Es gibt einige sehr weise und beeindruckende Sätze in dieser Geschichte die allzu wahr sind, dass viele Klienten zum Beispiel gerne in die Psychiatrie zurückkehren und nicht wie oft gedacht von ihr fliehen wollen, ist nur eine davon. Ich habe lange hin- und herüberlegt ob ich dem Buch 4 oder 5 Sterne geben möchte, der Abzug ist für mich deshalb, weil der Erzähler mir manches Mal zu oft in der Geschichte springt. Von der Gegenwart in die Vergangenheit, von der Mutter zum Vater usw. Hier hätte ich mir eine etwas klarere Linie gewünscht die weniger verwirrend ist. Außerdem endet das Buch doch etwas trostlos und bedrückend, ich hätte mir gewünscht das noch ein wenig mehr positives erzählt wird, denn das gibt es durchaus. Ansonsten aber ein sehr beeindruckendes Werk, das vorallem zu empfehlen ist, wenn man sich wirklich für psychisch erkrankte Menschen interessiert.

Der Sprecher hatte eine angenehme Stimme und hat weitestgehend gut vorgelesen. Manchmal kamen mir die Pausen etwas lang vor, aber die meiste Zeit hat er mitreißend gelesen.


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