Profilbild von BlueNotes

BlueNotes

Lesejury Profi
offline

BlueNotes ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit BlueNotes über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein starkes Thema, das für mich nicht aufgegangen ist

Hazel sagt Nein
3

Ich habe mich auf „Hazel sagt nein“ gefreut, aber beim Lesen gemerkt, dass es mich nicht so erreicht hat, wie ich gehofft hatte.

Kurz zum Inhalt: Hazel zieht mit ihrer Familie von Brooklyn in eine kleine ...

Ich habe mich auf „Hazel sagt nein“ gefreut, aber beim Lesen gemerkt, dass es mich nicht so erreicht hat, wie ich gehofft hatte.

Kurz zum Inhalt: Hazel zieht mit ihrer Familie von Brooklyn in eine kleine Universitätsstadt. Am ersten Schultag wird sie vom Direktor bedrängt. Sie sagt nein, und dieses Nein setzt eine Kettenreaktion in Gang, die nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch ihre Familie und das Umfeld durcheinanderbringt.

To be fair: Am Anfang hat das richtig gut funktioniert. Starkes Topic (Machtmissbrauch, ein klares Nein und die Folgen davon), gutes Tempo durch die kurzen Kapitel und sprachlich angenehm zu lesen. Jetzt kommt aber mein Aber: Die Geschichte fühlte sich erstaunlich oberflächlich an. Zu Beginn zeigt das Buch noch ganz gut, wie unfair und zäh Machtmissbrauch nachwirken kann, und dann kippt alles. Plötzlich gibt es absurde Wendungen, die für mich extrem unrealistisch waren und dem eigentlich schweren Thema nicht gerecht werden.

Nichts ging wirklich in die Tiefe, vieles wirkte sehr konstruiert. So wurden viele weitere Themen gestartet, zum Beispiel Antisemitismus, aber nicht weitergeführt. Als Leserin fand ich das sehr unbefriedigend, weil einige Stränge einfach im Nichts verliefen und andere so schnell und irgendwie lustlos beendet wurden, dass es sich anfühlte, als müsse jetzt ganz zackig ein Ende her.

Das hätte ein richtig guter, unbequemer #MeToo-Roman sein können. So richtig aufgegangen ist das für mich am Ende nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 31.12.2025

Es ist auch ein wenig ein „Berlin-Buch“

Let’s Talk About Feelings
0

Mein literarisches Jahr schließe ich mit „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt. Seinen Vorgängerroman „Allegro Pastell“ kannte ich vom Cover, vom Hörensagen, aber irgendwie hatte ich ihn immer in ...

Mein literarisches Jahr schließe ich mit „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt. Seinen Vorgängerroman „Allegro Pastell“ kannte ich vom Cover, vom Hörensagen, aber irgendwie hatte ich ihn immer in ein falsches Genre einsortiert. Warum auch immer.

Worum geht es? Marian Flanders ist 41, lebt in Berlin, verkauft schöne, teure Kleidung, denkt viel nach und sortiert seine Tage, Gefühle und Begegnungen sehr pedantisch. Gute Sonntage landen in Rankings, Gespräche werden innerlich bewertet, Stimmungen präzise benannt. Man weiß immer, wie sich etwas anfühlt, zumindest theoretisch. Aber genau das mochte ich. Es gibt einen frühen Verlust, eine Trauerfeier auf einem Boot, Asche auf dem Wannsee und die Zeit danach. Man begleitet Marian durch diese Phase, eher beobachtend als mitfühlend; für mich hat sich das stellenweise sehr distanziert angefühlt. Aber am Ende war genau das auch eine mögliche Art, Trauer darzustellen.

Ich hatte das Gefühl, etwas sehr Zeitgenössisches gelesen zu haben. Ein Buch, das mehr protokolliert als erzählt, und das ist auch eine Form von Ehrlichkeit. Marians Leben ist weit weg von meiner Realität, aber ich hatte trotzdem ein sehr genaues Bild von ihm im Kopf. Sein Leben wirkte auf mich plausibel, auch wenn es stellenweise sehr absurd war.

Es ist auch ein wenig ein „Berlin-Buch“. Stil und Atmosphäre waren top notch. Kühl, genau beobachtet, erstaunlich unterhaltsam. Werde nächstes Jahr mehr von ihm lesen. „Allegro Pastell“ steht jetzt auch noch an.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2025

Ein Mitmachbuch für ruhige Adventsabende

Komm mit, Weihnachtseselchen
0

Ein Mitmach-Pappbilderbuch für Kinder ab etwa zwei Jahren. Ein kleines Eselchen entdeckt einen Stern und folgt ihm durch die Nacht. Viel passiert nicht und genau das ist der Punkt. Kinder helfen, indem ...

Ein Mitmach-Pappbilderbuch für Kinder ab etwa zwei Jahren. Ein kleines Eselchen entdeckt einen Stern und folgt ihm durch die Nacht. Viel passiert nicht und genau das ist der Punkt. Kinder helfen, indem sie pusten, klopfen oder sanft tippen.

Der Text ist sehr reduziert und lässt Luft fürs gemeinsame Anschauen. Die Illustrationen sind wunderschön: liebevoll, warm, mit vielen kleinen Details, die man auch beim zehnten Mal noch entdeckt. Sie tragen die Geschichte fast allein und machen das Buch besonders stimmig.

Fazit: Ein liebevoll gemachtes Weihnachtsbuch, das Nähe schafft, einfach schön fürs gemeinsame Lesen in der Adventszeit.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 19.12.2025

Leise Macht

Schwanentage
0

Yu Ling arbeitet als Kindermädchen für eine extrem reiche Familie. Sie kümmert sich um alles, vor allem um den kleinen Sohn, während die Eltern meist abwesend sind. Diese Konstellation ist von Anfang an ...

Yu Ling arbeitet als Kindermädchen für eine extrem reiche Familie. Sie kümmert sich um alles, vor allem um den kleinen Sohn, während die Eltern meist abwesend sind. Diese Konstellation ist von Anfang an irgendwie unangenehm. Alles wirkt kontrolliert.

Der Roman bleibt bei Yu Lings Blick. Sie beobachtet mehr, als dass sie kommentiert, und das zieht sich durch das ganze Buch. Am Anfang hat mich das sehr abgeholt. Die Sprache ist kühl. Man spürt ihre Unsichtbarkeit, ihre untergeordnete Rolle, ohne dass es erklärt werden muss.

Je weiter das Buch geht, desto mehr verschiebt sich alles: Machtverhältnisse, Rollen. Es geht um Klasse, um Frauen, von denen selbstverständlich erwartet wird, dass sie sich aufopfern, und um Loyalität. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass mich die Geschichte emotional nicht mehr so richtig erreicht. Yu Ling blieb für mich schwer greifbar.

Das Ende habe ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden und weiß bis jetzt nicht, ob das an mir liegt oder ob genau dieses Gefühl bleiben soll.

Fazit: Ein Buch mit wichtigen Themen, das mich nicht immer emotional erreicht hat, mir aber trotzdem im Kopf geblieben ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.12.2025

Liebe solche Geschichten

Weißes Licht
0

Ich liebe Bücher, die nicht in 250 Seiten durchrauschen, sondern mich über 500 Seiten begleiten dürfen. Langsam und intensiv, mit Figuren, denen man beim Leben zuschaut. Genau so ein Buch ist das hier.

Worum ...

Ich liebe Bücher, die nicht in 250 Seiten durchrauschen, sondern mich über 500 Seiten begleiten dürfen. Langsam und intensiv, mit Figuren, denen man beim Leben zuschaut. Genau so ein Buch ist das hier.

Worum geht’s?
Drei Menschen treffen eine Entscheidung, die sie miteinander verbindet und gleichzeitig voneinander trennt, und man begleitet sie (und später ihre Kinder) über Jahrzehnte hinweg, während Beziehungen zerfallen, neue entstehen und sich die Welt draußen langsam verändert.

Ich habe mir Zeit gelassen beim Lesen, weil ich mich gefreut habe, jeden Tag wieder in dieses Leben einzutauchen. Ich habe richtig auf die Momente gewartet, in denen ich das Buch wieder aufschlagen konnte und schauen, wie es weitergeht.

Eric Puchner ist meiner Meinung nach ein richtig guter Erzähler und zeigt alles in kleinen Details, ohne sinnlos abzuschweifen: Entscheidungen, die ganze Biografien formen. Kinder, die in verzwickte Geschichten hineingeboren werden. Eine Welt, die sich langsam verändert, und trotzdem drehen sich die Figuren um das, was Menschen am Ende immer beschäftigt: Liebe, Verlust, Schuld, Hoffnung - you name it.

Am Ende hatte ich das Gefühl, nicht einfach ein Buch gelesen zu haben, sondern ein halbes Leben. Und genau deshalb liebe ich solche Geschichten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere