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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2026

Ich hab’s jetzt auch endlich gelesen

Half His Age
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Gefühlt kam ich die letzten Wochen gar nicht an diesem Buch vorbei, egal wann ich in die App geschaut habe, es war da. Vielleicht war es nur selektive Wahrnehmung, aber ich glaube, der Hype ist gerade ...

Gefühlt kam ich die letzten Wochen gar nicht an diesem Buch vorbei, egal wann ich in die App geschaut habe, es war da. Vielleicht war es nur selektive Wahrnehmung, aber ich glaube, der Hype ist gerade einfach Fakt.

„Half His Age“ ist der erste Roman von Jennette McCurdy. Ihr Sachbuch und Bestseller „I’m Glad My Mom Died“ habe ich noch nicht gelesen, aber hier war ich jetzt doch zu neugierig. Die Story dreht sich um Waldo, die total obsessed mit ihrem Lehrer Mr. Korgy ist. Er ist eigentlich alles andere als ein Traummann, aber sie will ihn unbedingt. Wahrscheinlich einfach, weil er der Einzige ist, der ihr das Gefühl gibt, wirklich wahrgenommen zu werden.

Ich fand es wahnsinnig gut geschrieben: trocken, schlagfertig und oft ziemlich witzig, obwohl die Themen wie Einsamkeit und Macht sehr düster sind. Aber kleines Heads-up: Es gibt einige ziemlich explizite Szenen. Insgesamt ein richtig gutes Buch, das den ganzen Trubel definitiv verdient hat.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Was für ein Debüt

Halbe Portion
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Manche Bücher liest man, und manche Bücher spürt man körperlich. Elisabeth Papes „Halbe Portion“ gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so einen krassen ...

Manche Bücher liest man, und manche Bücher spürt man körperlich. Elisabeth Papes „Halbe Portion“ gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so einen krassen emotionalen Connect zu einem Text hatte. Ich möchte eigentlich nur noch mit Superlativen um mich werfen, weil dieses Debüt mich wirklich beeindruckt hat.

Pape erzählt von einer Realität, die durch das Aufwachsen in unsicheren Verhältnissen geprägt ist. In zwei Zeitebenen - „Früher“ und „Heute“ - verknüpft der Roman die Kindheit in einer dysfunktionalen, von Armut und Kontrolle geprägten Umgebung mit den Konsequenzen im Erwachsenenleben. Das zentrale Thema ist eine Essstörung, ebenso wie die Darstellung einer toxischen Mutter-Tochter-Beziehung.

Mich hat total getroffen, wie sehr die Vergangenheit die Protagonistin im Heute noch im Griff hat. Selbst wenn es finanziell passt, bleibt dieser Reflex, nach dem günstigsten Angebot zu suchen - einfach weil man dieses Gefühl von Knappheit nicht so leicht abschütteln kann. Die Szene mit der 39-Cent-Brezel war für mich so ein Moment, der das perfekt eingefangen hat

Man könnte jetzt hochtrabend sagen, Papes Sprache besticht durch Präzision und Tiefe, aber eigentlich trifft es das hier viel besser: Sie hat einfach komplett abgeliefert. Das Buch ist unglaublich intense, doch genau das ist es, was gute Literatur für mich ausmachen muss und durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird das Ganze zu einem großen, schlüssigen Bild, in dem man versteht, wie die Narben von früher den Alltag im Heute der Protagonistin bestimmen.

Elisabeth Pape hat mit diesem Debüt etwas geschaffen, das gleichzeitig wehtut und einen so schnell nicht wieder loslässt. Es ist genau diese Ehrlichkeit, die ich in der zeitgenössischen Literatur oft vermisse und hier endlich wiedergefunden habe.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein starkes Thema, das für mich nicht aufgegangen ist

Hazel sagt Nein
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Ich habe mich auf „Hazel sagt nein“ gefreut, aber beim Lesen gemerkt, dass es mich nicht so erreicht hat, wie ich gehofft hatte.

Kurz zum Inhalt: Hazel zieht mit ihrer Familie von Brooklyn in eine kleine ...

Ich habe mich auf „Hazel sagt nein“ gefreut, aber beim Lesen gemerkt, dass es mich nicht so erreicht hat, wie ich gehofft hatte.

Kurz zum Inhalt: Hazel zieht mit ihrer Familie von Brooklyn in eine kleine Universitätsstadt. Am ersten Schultag wird sie vom Direktor bedrängt. Sie sagt nein, und dieses Nein setzt eine Kettenreaktion in Gang, die nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch ihre Familie und das Umfeld durcheinanderbringt.

To be fair: Am Anfang hat das richtig gut funktioniert. Starkes Topic (Machtmissbrauch, ein klares Nein und die Folgen davon), gutes Tempo durch die kurzen Kapitel und sprachlich angenehm zu lesen. Jetzt kommt aber mein Aber: Die Geschichte fühlte sich erstaunlich oberflächlich an. Zu Beginn zeigt das Buch noch ganz gut, wie unfair und zäh Machtmissbrauch nachwirken kann, und dann kippt alles. Plötzlich gibt es absurde Wendungen, die für mich extrem unrealistisch waren und dem eigentlich schweren Thema nicht gerecht werden.

Nichts ging wirklich in die Tiefe, vieles wirkte sehr konstruiert. So wurden viele weitere Themen gestartet, zum Beispiel Antisemitismus, aber nicht weitergeführt. Als Leserin fand ich das sehr unbefriedigend, weil einige Stränge einfach im Nichts verliefen und andere so schnell und irgendwie lustlos beendet wurden, dass es sich anfühlte, als müsse jetzt ganz zackig ein Ende her.

Das hätte ein richtig guter, unbequemer #MeToo-Roman sein können. So richtig aufgegangen ist das für mich am Ende nicht.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Es ist auch ein wenig ein „Berlin-Buch“

Let’s Talk About Feelings
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Mein literarisches Jahr schließe ich mit „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt. Seinen Vorgängerroman „Allegro Pastell“ kannte ich vom Cover, vom Hörensagen, aber irgendwie hatte ich ihn immer in ...

Mein literarisches Jahr schließe ich mit „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt. Seinen Vorgängerroman „Allegro Pastell“ kannte ich vom Cover, vom Hörensagen, aber irgendwie hatte ich ihn immer in ein falsches Genre einsortiert. Warum auch immer.

Worum geht es? Marian Flanders ist 41, lebt in Berlin, verkauft schöne, teure Kleidung, denkt viel nach und sortiert seine Tage, Gefühle und Begegnungen sehr pedantisch. Gute Sonntage landen in Rankings, Gespräche werden innerlich bewertet, Stimmungen präzise benannt. Man weiß immer, wie sich etwas anfühlt, zumindest theoretisch. Aber genau das mochte ich. Es gibt einen frühen Verlust, eine Trauerfeier auf einem Boot, Asche auf dem Wannsee und die Zeit danach. Man begleitet Marian durch diese Phase, eher beobachtend als mitfühlend; für mich hat sich das stellenweise sehr distanziert angefühlt. Aber am Ende war genau das auch eine mögliche Art, Trauer darzustellen.

Ich hatte das Gefühl, etwas sehr Zeitgenössisches gelesen zu haben. Ein Buch, das mehr protokolliert als erzählt, und das ist auch eine Form von Ehrlichkeit. Marians Leben ist weit weg von meiner Realität, aber ich hatte trotzdem ein sehr genaues Bild von ihm im Kopf. Sein Leben wirkte auf mich plausibel, auch wenn es stellenweise sehr absurd war.

Es ist auch ein wenig ein „Berlin-Buch“. Stil und Atmosphäre waren top notch. Kühl, genau beobachtet, erstaunlich unterhaltsam. Werde nächstes Jahr mehr von ihm lesen. „Allegro Pastell“ steht jetzt auch noch an.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Ein Mitmachbuch für ruhige Adventsabende

Komm mit, Weihnachtseselchen
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Ein Mitmach-Pappbilderbuch für Kinder ab etwa zwei Jahren. Ein kleines Eselchen entdeckt einen Stern und folgt ihm durch die Nacht. Viel passiert nicht und genau das ist der Punkt. Kinder helfen, indem ...

Ein Mitmach-Pappbilderbuch für Kinder ab etwa zwei Jahren. Ein kleines Eselchen entdeckt einen Stern und folgt ihm durch die Nacht. Viel passiert nicht und genau das ist der Punkt. Kinder helfen, indem sie pusten, klopfen oder sanft tippen.

Der Text ist sehr reduziert und lässt Luft fürs gemeinsame Anschauen. Die Illustrationen sind wunderschön: liebevoll, warm, mit vielen kleinen Details, die man auch beim zehnten Mal noch entdeckt. Sie tragen die Geschichte fast allein und machen das Buch besonders stimmig.

Fazit: Ein liebevoll gemachtes Weihnachtsbuch, das Nähe schafft, einfach schön fürs gemeinsame Lesen in der Adventszeit.

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