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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Völlig eigenwillige, skurrile und fantastische Welt

Qwert
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„Qwert“ von Walter Moers war mein erstes Buch von ihm und kam wirklich genau zum richtigen Zeitpunkt. Im Mittelpunkt steht eine völlig eigenwillige, skurrile und fantastische Welt, in die man ziemlich ...

„Qwert“ von Walter Moers war mein erstes Buch von ihm und kam wirklich genau zum richtigen Zeitpunkt. Im Mittelpunkt steht eine völlig eigenwillige, skurrile und fantastische Welt, in die man ziemlich schnell hineingezogen wird und in der ständig neue, absurde, kluge und überraschende Dinge passieren. Viel mehr will ich zum Inhalt gar nicht sagen, weil für mich hier gerade das Entdecken ein großer Teil des Spaßes war.

Ich hatte in letzter Zeit eine kleine Leseflaute, auch weil ich lowkey das Gefühl hatte, dass mich vieles nicht mehr wirklich überrascht. Umso besser war es, in etwas einzutauchen, das sich wirklich anders angefühlt hat. Diese Art von Fantasy ist mir so noch nicht begegnet: komplett überbordend vor Ideen, wahnsinnig kreativ, dabei aber nie langweilig oder anstrengend. Im Gegenteil, ich konnte richtig abschalten und einfach in dieses Universum verschwinden. Auch die Illustrationen habe ich geliebt, weil sie das alles noch greifbarer machen.

Und dieses Gefühl, eine neue Welt zu entdecken und dann zu merken, dass es noch viele weitere Bücher in diesem Stil von Walter Moers gibt, mochte ich auch sehr. Fast wie bei einer Serie, die man gerade neu gefunden hat und von der es direkt zehn Staffeln gibt. Mein Fazit: genau die Art von Buch, die einen aus einer Leseflaute holen kann, weil sie zeigt, wie gut Lesen sich anfühlt, wenn einen eine Geschichte mal wieder wirklich überrascht.

Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein Debüt, das die Monogamie genauso hinterfragt wie die vermeintliche Freiheit der Non-Monogamie

Fuckgirl
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Ich lese Bianca Jankovska schon lange auf ihrem Blog „Groschenphilosophin“, deshalb war ich ehrlich neugierig auf ihren ersten Roman. Wer ihren Stil kennt, weiß, dass sie nicht gekommen ist, um uns eine ...

Ich lese Bianca Jankovska schon lange auf ihrem Blog „Groschenphilosophin“, deshalb war ich ehrlich neugierig auf ihren ersten Roman. Wer ihren Stil kennt, weiß, dass sie nicht gekommen ist, um uns eine gemütliche Wohlfühlgeschichte zu erzählen.

Im Zentrum steht eine Performancekünstlerin Ende dreißig, die ihr Leben ziemlich kompromisslos führt: beruflich erfolgreich, sexuell selbstbestimmt und in einer einseitig offenen Ehe, deren Regeln sie festlegt. Als sie einen Racheplan gegen einen untreuen One-Night-Stand schmiedet, kippt die Erzählung in eine radikale Form der Female Revenge.

Interessant fand ich, dass die Figur in keine der üblichen Rollen passt. Sie ist weder Opfer noch moralische Heldin. Stattdessen nutzt sie Wut, Ego und auch eine gewisse Rücksichtslosigkeit ganz bewusst als ihr persönliches Mittel der Selbstermächtigung.

Jankovska schreibt wie immer sehr direkt, halt so, wie es einfach ist, und sie hat kein Interesse daran, ihre Figuren sympathisch zu machen. Für mich als Berlinerin war die Lektüre zwar wahnsinnig unterhaltsam, aber wirklich schocken kann mich das Setting natürlich nicht mehr.

„Fuckgirl“ ist ein kluges Debüt, das die Monogamie genauso hinterfragt wie die vermeintliche Freiheit der Non-Monogamie.

Veröffentlicht am 14.02.2026

Ich hab’s jetzt auch endlich gelesen

Half His Age
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Gefühlt kam ich die letzten Wochen gar nicht an diesem Buch vorbei, egal wann ich in die App geschaut habe, es war da. Vielleicht war es nur selektive Wahrnehmung, aber ich glaube, der Hype ist gerade ...

Gefühlt kam ich die letzten Wochen gar nicht an diesem Buch vorbei, egal wann ich in die App geschaut habe, es war da. Vielleicht war es nur selektive Wahrnehmung, aber ich glaube, der Hype ist gerade einfach Fakt.

„Half His Age“ ist der erste Roman von Jennette McCurdy. Ihr Sachbuch und Bestseller „I’m Glad My Mom Died“ habe ich noch nicht gelesen, aber hier war ich jetzt doch zu neugierig. Die Story dreht sich um Waldo, die total obsessed mit ihrem Lehrer Mr. Korgy ist. Er ist eigentlich alles andere als ein Traummann, aber sie will ihn unbedingt. Wahrscheinlich einfach, weil er der Einzige ist, der ihr das Gefühl gibt, wirklich wahrgenommen zu werden.

Ich fand es wahnsinnig gut geschrieben: trocken, schlagfertig und oft ziemlich witzig, obwohl die Themen wie Einsamkeit und Macht sehr düster sind. Aber kleines Heads-up: Es gibt einige ziemlich explizite Szenen. Insgesamt ein richtig gutes Buch, das den ganzen Trubel definitiv verdient hat.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Was für ein Debüt

Halbe Portion
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Manche Bücher liest man, und manche Bücher spürt man körperlich. Elisabeth Papes „Halbe Portion“ gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so einen krassen ...

Manche Bücher liest man, und manche Bücher spürt man körperlich. Elisabeth Papes „Halbe Portion“ gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so einen krassen emotionalen Connect zu einem Text hatte. Ich möchte eigentlich nur noch mit Superlativen um mich werfen, weil dieses Debüt mich wirklich beeindruckt hat.

Pape erzählt von einer Realität, die durch das Aufwachsen in unsicheren Verhältnissen geprägt ist. In zwei Zeitebenen - „Früher“ und „Heute“ - verknüpft der Roman die Kindheit in einer dysfunktionalen, von Armut und Kontrolle geprägten Umgebung mit den Konsequenzen im Erwachsenenleben. Das zentrale Thema ist eine Essstörung, ebenso wie die Darstellung einer toxischen Mutter-Tochter-Beziehung.

Mich hat total getroffen, wie sehr die Vergangenheit die Protagonistin im Heute noch im Griff hat. Selbst wenn es finanziell passt, bleibt dieser Reflex, nach dem günstigsten Angebot zu suchen - einfach weil man dieses Gefühl von Knappheit nicht so leicht abschütteln kann. Die Szene mit der 39-Cent-Brezel war für mich so ein Moment, der das perfekt eingefangen hat

Man könnte jetzt hochtrabend sagen, Papes Sprache besticht durch Präzision und Tiefe, aber eigentlich trifft es das hier viel besser: Sie hat einfach komplett abgeliefert. Das Buch ist unglaublich intense, doch genau das ist es, was gute Literatur für mich ausmachen muss und durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird das Ganze zu einem großen, schlüssigen Bild, in dem man versteht, wie die Narben von früher den Alltag im Heute der Protagonistin bestimmen.

Elisabeth Pape hat mit diesem Debüt etwas geschaffen, das gleichzeitig wehtut und einen so schnell nicht wieder loslässt. Es ist genau diese Ehrlichkeit, die ich in der zeitgenössischen Literatur oft vermisse und hier endlich wiedergefunden habe.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein starkes Thema, das für mich nicht aufgegangen ist

Hazel sagt Nein
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Ich habe mich auf „Hazel sagt nein“ gefreut, aber beim Lesen gemerkt, dass es mich nicht so erreicht hat, wie ich gehofft hatte.

Kurz zum Inhalt: Hazel zieht mit ihrer Familie von Brooklyn in eine kleine ...

Ich habe mich auf „Hazel sagt nein“ gefreut, aber beim Lesen gemerkt, dass es mich nicht so erreicht hat, wie ich gehofft hatte.

Kurz zum Inhalt: Hazel zieht mit ihrer Familie von Brooklyn in eine kleine Universitätsstadt. Am ersten Schultag wird sie vom Direktor bedrängt. Sie sagt nein, und dieses Nein setzt eine Kettenreaktion in Gang, die nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch ihre Familie und das Umfeld durcheinanderbringt.

To be fair: Am Anfang hat das richtig gut funktioniert. Starkes Topic (Machtmissbrauch, ein klares Nein und die Folgen davon), gutes Tempo durch die kurzen Kapitel und sprachlich angenehm zu lesen. Jetzt kommt aber mein Aber: Die Geschichte fühlte sich erstaunlich oberflächlich an. Zu Beginn zeigt das Buch noch ganz gut, wie unfair und zäh Machtmissbrauch nachwirken kann, und dann kippt alles. Plötzlich gibt es absurde Wendungen, die für mich extrem unrealistisch waren und dem eigentlich schweren Thema nicht gerecht werden.

Nichts ging wirklich in die Tiefe, vieles wirkte sehr konstruiert. So wurden viele weitere Themen gestartet, zum Beispiel Antisemitismus, aber nicht weitergeführt. Als Leserin fand ich das sehr unbefriedigend, weil einige Stränge einfach im Nichts verliefen und andere so schnell und irgendwie lustlos beendet wurden, dass es sich anfühlte, als müsse jetzt ganz zackig ein Ende her.

Das hätte ein richtig guter, unbequemer #MeToo-Roman sein können. So richtig aufgegangen ist das für mich am Ende nicht.

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