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Veröffentlicht am 26.02.2025

Hoffnung auf einen Menschen, der uns versteht

Für Polina
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Takis Würger präsentiert mit 'Für Polina' eine Geschichte, die zu Herzen geht, die aufwühlt, die gefangen nimmt. Mit anderen Worten hier spielen die Emotionen in den höchsten und gleichzeitig tiefsten ...

Takis Würger präsentiert mit 'Für Polina' eine Geschichte, die zu Herzen geht, die aufwühlt, die gefangen nimmt. Mit anderen Worten hier spielen die Emotionen in den höchsten und gleichzeitig tiefsten Tönen möglicher Empfindungen einen einzigartigen Reigen zu berührenden, lebendig dargestellten Ereignissen. Poetisch angehaucht mit brillanter Treffsicherheit für situative Momente menschlicher Gefühle strickt der Autor Wort für Wort Szenen aus dem Alltag seiner beiden Protagonisten, deren Seelen sich trotz ihrer enormen Unterschiedlichkeit aufs innigste berühren.
Hannes und Polina wachsen gemeinsam, fast wie Geschwister, auf. Ihre alleinerziehenden Mütter und Heinrich, ein eigenwilliger aber gutmütiger Charakter, geben den Kindern, trotz bitterer Armut, ein behütetes mit viel Liebe gestaltetes Heim, verzichten dabei selbst auf so manchen langersehnten Traum. Sie alle geben sich gegenseitig Stütze und Geborgenheit. Hannes ist kein großer Denker. Polina hingegen erfasst die sie umgebenden Welt mit Leichtigkeit. In der Musik kann sich Hannes verlieren, seinen Gefühlen Ausdruck geben und Menschen damit begeistern. Trauer über einen schwerwiegenden Verlust und die große Liebe zu Polina kann er mit eigenen Kompositionen eine Stimme geben, die keines Wortes bedarf. Diese Melodien begleiten ihn auf der Suche nach dem erhofften Glück.
Ein Roman, der nach Hilfe schreit und die Hoffnung hegt, den Menschen zu finden, der das liebende Herz versteht.
Meine Leseempfehlung gebe ich diesem bemerkenswerten Roman sehr gern.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Zerplatzte Lebensträume

Achtzehnter Stock
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Wanda wohnt mit ihrer kleinen Tochter Karlie im achtzehnten Stock eines Berliner Plattenbaus. Sie wohnt zur Miete, die sie sich mühsam erarbeiten muss und auch nicht immer pünktlich ihrem Onkel, dem Vermieter, ...

Wanda wohnt mit ihrer kleinen Tochter Karlie im achtzehnten Stock eines Berliner Plattenbaus. Sie wohnt zur Miete, die sie sich mühsam erarbeiten muss und auch nicht immer pünktlich ihrem Onkel, dem Vermieter, zahlen kann. Tristesse und Trostlosigkeit umgibt sie in diesen schimmeligen vier Wänden, die abgeschnitten sind von der bunten Welt da draußen durch ein großes Funkloch. Das ist kein Leben nach ihren Vorstellungen und Wünschen. Wandas Lebenstraum ist die Schauspielerei, obwohl ihr letzter Job in einem Werbefilm Monate her. Völlig unverhofft scheint ihr Traum dann doch in greifbare Nähe zu rücken und ein Angebot für eine Produktion flattert ihr ins Haus. Nun ist ihre ganze Aufmerksamkeit gefordert, stete Erreichbarkeit, keine festen Arbeitszeiten. Für eine alleinerziehende Mutter mit einem kränkelnden Kind keine leichte Aufgabe oder besser gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.
Sara Gmuer spricht in ihren fordernden Roman 'Achtzehnter Stock' ein gesellschaftspolitisches Problem an, welches in der Regel alleinerziehende Mütter betrifft. Der Spagat zwischen Kinderbetreuung, beruflichen Herausforderungen, um den Lebensunterhalt zu sichern und den ganz privaten Wünschen wird zur Zerreisprobe, der die Nerven beansprucht und Gefühle zur Wallung bringt. Die Autorin setzt ein lautes Zeichen für alle die Alleingelassenen, die Teil der Gesellschaft sein möchten, sich ausgeschlossen fühlen durch die Umstände, die ihr Dasein maßgeblich bestimmen.
Ich gebe gern meine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Das kostbare Gut: Wasser

Gefährliches Wasser
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Vicente Alapont, der seinen Job als Inspektor bei der Policía Nacional aufgeben hat, um mehr Zeit und vor allem auch geregeltere Zeiten für seine Familie zu Verfügung zu haben, lebt in Valencia ein freies, ...

Vicente Alapont, der seinen Job als Inspektor bei der Policía Nacional aufgeben hat, um mehr Zeit und vor allem auch geregeltere Zeiten für seine Familie zu Verfügung zu haben, lebt in Valencia ein freies, selbst bestimmtes Leben als Taxifahrer. Er ist glücklich mit seiner Wahl auch wenn es mit dem Familienleben dann doch nicht so wie gewünscht klappen wollte. Alapont hat viele Bekannte und Freunde in Valencia, die gern einen Plausch mit ihm halten oder ihn um Hilfe bitten bei offensichtlich kriminell begangenen Handlungen. So auch geschehen als in der Altstadt ein Einbruch verübt wurde. Seine Leidenschaft für Ermittlungen hat der ehemalige Inspektor sich erhalten. Doch schon bald gerät er in turbulente Machenschaften rund um das Thema Wasser, eine lebenswichtige Ressource und gleichzeitig vernichtende Gefahr.
Daniel Izquierdo-Hänni lässt in seinem Kriminalroman 'Gefährliches Wasser' den überaus sympathischen Alapont bereits zum dritten Mal in Valencia, der sonnenverwöhnten spanischen Stadt, in der Wasser ein kostbares Gut und lebenswichtiges Produkt ist, ermitteln. Den Leser erwartet eine spannungsgeladene, unterhaltsame, eher unaufgeregte Geschichte, die sich mit einem aktuellen Thema unserer Zeit ernsthaft auseinandersetzt. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und möchte es daher auch weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Erschütternde Lebensgeschichte

Die Meisterdiebin
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Christine Jaeggi entführt uns in ihrem Roman 'Die Meisterdiebin' in die Zeit des Nationalsozialismus, der nach der Machtergreifung der NSDAP in Deutschland auch in Österreich Einzug hielt. Angelehnt an ...

Christine Jaeggi entführt uns in ihrem Roman 'Die Meisterdiebin' in die Zeit des Nationalsozialismus, der nach der Machtergreifung der NSDAP in Deutschland auch in Österreich Einzug hielt. Angelehnt an die mit historischem Hintergrund ausgewiesene tatsächlich existierende Hoteldiebin Erika Böhm webt die Autorin eine fesselnde, unterhaltsame Geschichte um eine in der Schweiz im Exil lebende Jüdin, die um ihrer Abhängigkeit aus einer finanziellen Notlage zu entfliehen, aber auch aus Rachegefühlen gegenüber den Nazis und einer sich daraus entwickelnder Sucht wohlhabende Gäste, die in Luxushotels longierten, jahrelang ausraubte. In einem Nachwort von Lena Berger wird der historische Fakt näher beleuchtet und gibt der Geschichte einen besonderen nachhaltigen Touch.
Elise lebt mit ihren Eltern, ihre größeren Schwester Adele und ihrem Zwillingsbrüder Wolfi in Sumatra, wo der Vater eine Farm betreibt. Nach einem schrecklichen Unglückfall, den Wolfi mit seinem Leben bezahlt, kehrt Selma, die Mutter, mit ihren beiden Töchtern zurück nach Wien, um sich wieder ihrem Erbe, ein gewinnbringendes Warenhaus, zu widmen. Elise spürt die Ablehnung der Mutter, die sie für den Tod des Bruders verantwortlich macht. Als das Leben für die jüdische Bevölkerung in Wien immer bedrohlicher wird, ergreift Elise die Flucht in die Neutralität der Schweiz, nicht ohne selbst schmerzliche Verluste verkraften zu müssen, versucht ihrem Schicksal auf eine ihr eigene Art zu begegnen.
Einfühlsam mit viel Gespür für Authentizität erzählt die Autorin eine Geschichte, die berührt, erschüttert und gleichzeitig in Atem hält.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Toxische Lebensumstände

Rückkehr nach Budapest
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Nikoletta Kiss entführt uns in ihrem Roman 'Rückkehr nach Budapest' in die achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und lässt ihre Protagonistin Márta eine Geschichte erzählen, die tief emotional berührt, ...

Nikoletta Kiss entführt uns in ihrem Roman 'Rückkehr nach Budapest' in die achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und lässt ihre Protagonistin Márta eine Geschichte erzählen, die tief emotional berührt, die einen Einblick gewährt in die Zeiten der staatlichen Überwachung der Bevölkerung durch die Staatssicherheit in der DDR und in Ungarn. Mit sprachlicher Eleganz lässt uns die Autorin eintauchen in die Szene regimekritischer Literaten aus Ost-Berlin, die ihre Worte des erlebten Schmerzes unzensiert zu Papier bringen möchten, damit immer wieder Enttäuschungen und Repressalien ausgesetzt sind. Die wunderbar gezeichneten Charaktere geben Zeugnis einer Ausweglosigkeit, die tiefe psychische Schäden bei den Menschen hinterlassen haben.
Ungeschönt und realitätsnah begleiten wir Márta, ihrer Cousine Theresa und den regimekritischen Schriftsteller Konstantin. Mártas Familienleben ist schwer belastet durch den alkoholkranken Vater und einer Mutter, die sich diesem Druck durch Flucht aus der Ehe entzieht. Völlig überlastet mit dieser Situation sucht Márta Geborgenheit bei Theresa, die mit ihren Eltern in Ost-Berlin lebt. Hier lernen beide Konstantin kennen und lieben. Eine toxische Liebe in einer toxischen Epoche, die tiefe seelische Wunden reist und in der es kritische, gefährliche Zeiten zu überwinden gilt.
Ein bemerkenswerter Roman mit Sogwirkung, der unglaubliche historische Ereignisse beschreibt, die durch die friedliche deutsche Revolution glücklicherweise der Vergangenheit angehören. Es ist eine Geschichte, die man gelesen haben sollte.

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