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Veröffentlicht am 02.03.2026

Was damals geschah

Fünf Fremde
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Der Prolog blickt ins Jahr 1995. In einem Schullandheim auf Neuwerk haben sie wundervolle Tage verlebt bis zu jener Nacht, als zwei Kinder verschwunden sind. Charlotte, die damals als Lehrerin dabei war, ...

Der Prolog blickt ins Jahr 1995. In einem Schullandheim auf Neuwerk haben sie wundervolle Tage verlebt bis zu jener Nacht, als zwei Kinder verschwunden sind. Charlotte, die damals als Lehrerin dabei war, macht sich noch heute Vorwürfe. Sie ist noch länger geblieben, hat jeden Winkel nach Janosch und Isa abgesucht, allerdings vergebens.

„Fünf Fremde“ erzählt von damals, von diesen verhängnisvollen Augusttagen im Jahre 1995 und von heute, als fünf Passagiere an einem Oktobertag 2025 auf der Fähre über die stürmische Nordsee zur Insel Neuwerk unterwegs sind.

Von der etwa drei Quadratkilometer großen Insel Neuwerk, die 15 km nordwestlich von Cuxhaven und 120 km südöstlich von Hamburg liegt, habe ich zuvor noch nie gehört. Romy Fölck beschreibt die Eigenheiten dieser Insel, das umliegende Watt, die erhöhte Turmwurt und auch den Neuwerker Turm (um nur einiges zu nennen) mitsamt den sehr überschaubaren Einwohnern eindrucksvoll. Zunächst nimmt sie mich mit auf die Fähre und stellt die für unsere Geschichte relevanten Personen vor. Ist es Zufall, dass auch Annika Lundt, die Hamburger Kriminalbeamtin, hier ist? Sie kümmert sich um ihre hier lebende Mutter Hedda, die sie immer wieder an einer ganz bestimmten Stelle einsammelt - irgendetwas zieht die zunehmend demente Frau hierhin.

Was passiert hier? Der Sturm wird zunehmend stärker, keiner sollte sich draußen aufhalten und doch scheint da etwas zu lauern – oder sind es „nur“ Geräusche, die der Sturm verursacht? Allerdings sprechen einige unerklärliche Vorkommnisse dagegen. Seltsame Dinge geschehen, es wird direkt unheimlich. Diese beklemmende, ja bedrohliche Atmosphäre ist eindringlich beschrieben, man spürt dieses Düstere hautnah.

Die beiden Zeitebenen werden wechselseitig erzählt. Neben den beiden Vermissten Janosch und Isa sind es Finn, Mats und Bea, die ich nicht alle mit den heutigen Passagieren in Einklang bringe. Bleibt noch Annika, die hier aufgewachsen ist und schon lange in Hamburg lebt und arbeitet. Und da ist noch die Wildtierauffangstation, die neu besetzt werden sollte. Die Übergabe gestaltet sich jedoch ganz anders, als es sein sollte.

Lange tappe ich im Dunkeln, kann mir so einiges nicht erklären. Bis dann doch das ganze Ausmaß dessen, was damals geschah, nach oben drängt. Unerbittlich. Und ja, alles wird bis zum bitteren Ende aufgeklärt. Hier, in der Aufklärung, liegt für mich schon ein Wermutstropfen, denn diesen Schluss, der dreißig Jahre zurückgeht, finde ich nicht schlüssig. Zu abstrakt, zu gewollt, zu konstruiert. Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner sehr guten Bewertung, der Thriller hat es allemal verdient.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

„Eine Familiensaga zwischen Dolce Vita und Revolution“

Villa Rivolta
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Daniel Speck nimmt mich mit nach Bella Italia, in die 1950er und 1960er Jahre, direkt hinein in die Mailänder „Villa Rivolta“ und deren Bewohner.

Alles beginnt jedoch später (1979), als der 14jährige ...

Daniel Speck nimmt mich mit nach Bella Italia, in die 1950er und 1960er Jahre, direkt hinein in die Mailänder „Villa Rivolta“ und deren Bewohner.

Alles beginnt jedoch später (1979), als der 14jährige Tonino auf einer Baustelle eine Wehrmachtspistole findet, für die sich auch die Polizei interessiert. Toninos Mutter Valeria packt kurzerhand ihre Sachen und fährt mit ihm Richtung Maremma zu Piero.

Es sind diese beiden Zeitebenen, die im Wechsel erzählt werden, wobei das Hauptaugenmerk auf den früheren Jahren liegt. Als Kinder begegnen sich Piero Rivolta und Valeria im Garten der Mailänder Villa. Sie freunden sich an, verbringen viel Zeit miteinander, allerdings geschieht dies heimlich, denn Valerias Mutter, die für die Familie Rivolta in deren Villa arbeitet, findet es nicht schicklich, dass die Tochter eines Dienstmädchens sich mit dem Sohn des Hauses trifft.

Es ist u. a. die Geschichte von Iso Rivolta, dem von Renzo Rivolta gegründeten Hersteller von Sportwagen, deren Anfänge Kühlgeräte waren. Über Motorroller war es dann die Isetta, die heute noch jeder zumindest dem Namen nach kennen dürfte, bis hin zu luxuriösen Sportwagen. Die Produktionsanlagen befanden sich in Bresso, die Produktpalette mitsamt den Konstrukteuren ist anschaulich beschrieben wie auch der ewige Kampf um die Finanzierung. Das Buch ist aber sehr viel mehr als der Alltag in der Fabrik mitsamt den Arbeitern, unter ihnen waren auch die im Norden Italiens nicht sonderlich beliebten Sizilianer.

Und es ist vor allem die Geschichte von Piero und Valeria und ihrer Zeit. „Wir leben in einer Männerwelt“ dachte Valeria - die Rolle der Frau damals schwingt stets mit. Und nicht nur das. Es sind die Nachkriegsjahre. Die italienische Wirtschaft erholt sich langsam, geprägt auch von Klassenunterschieden und dem Nord-Süd-Gefälle Italiens - Modernität gegen traditionelle Werte. Die Binnenmigration war in vollem Gange. Daniel Speck erzählt davon. Vom industriellen Aufschwung, vom Dolce Vita und von der kulturellen Revolution, vom sizilianischen Arbeitersohn Flavio, der eines Tages auf Valeria trifft. Beide verlieben sich, Flavio jedoch kann seinen Kampf gegen Diskriminierung nicht aufgeben. Und er erzählt von Piero, der in jungen Jahren Verantwortung für das familieneigene Unternehmen übernehmen muss. Und auch ist es die Freundschaft zwischen ihm und Valeria, die diesen Roman prägt. Eine Freundschaft, die ein Leben lang anhält.

Es ist mein Italien, von dem ich lese. Auch wenn ich das Land erst sehr viel später kennen- und liebengelernt habe, so bin ich doch tief eingetaucht in diese Geschichte, die über mehrere Jahrzehnte von einem Land und dessen Menschen erzählt. Von Freundschaft und Liebe, von Nähe und Verlust, von Glück und Unglück, von Existenznöten über alle Schichten hinweg – und dies generationenübergreifend. Ein wundervolles Buch, das ich nicht missen möchte und das mich anregt, mehr von dem Autor zu lesen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Nicht sehr glaubwürdige Story

Tödliches Angebot
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„Verzweiflung treibt eine Frau dazu, für ihr Traumhaus über Leichen zu gehen.“ Wenn das mal keine Ansage für einen Thriller-Fan ist!

Margo hat einen Plan, der sich durchaus vernünftig anhört. Sie und ...

„Verzweiflung treibt eine Frau dazu, für ihr Traumhaus über Leichen zu gehen.“ Wenn das mal keine Ansage für einen Thriller-Fan ist!

Margo hat einen Plan, der sich durchaus vernünftig anhört. Sie und ihr Mann haben ihr altes Haus verkauft, da es für ihren hoffentlich baldigen Familienzuwachs zu klein ist. Vorübergehend leben sie in einer Mietwohnung, halten aber Ausschau nach ihrem Traumhaus, das sie erfreulicher Weise bald finden. Ab sofort scheint Margo besessen zu sein von diesem Haus, dessen Besitzer sie umgarnt und umschmeichelt. Noch ist die Immobilie nicht öffentlich angeboten, was Margo in die Karten spielt, denn genau dies will und wird sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern. In Gedanken ist sie schon dabei, „ihr“ Haus einzurichten, tätigt sogar erste Einkäufe – bis sie ihre Grenzen aufgezeigt bekommt. Was sie allerdings nicht akzeptiert.

„Sie werden Margo lieben, während der Psycho-Thriller jede moralische Grenze sprengt.“ Nun ja, ich mochte Margo von Anfang an nicht sonderlich gut leiden und meine sowieso sehr begrenzte Zuneigung zu ihr wurde zunehmend weniger, je mehr ich von ihrer manipulativen Art wusste.

Positiv hervorheben muss ich allerdings die Sprecherin des Hörbuchs. Rebecca Veil. Ihre warme Stimme und ihr facettenreicher Vortrag, der jedem Charakter seine ganz persönliche Note gibt, macht das Hören trotz der nicht sehr glaubhaften, schon auch lebensfremden Story, dann doch angenehm. Und auch sie ist es, die mich zu den drei Sternen meiner Bewertung veranlasst hat, denn diese Geschichte hat für mich sehr viel weniger verdient, denn…

…die Story gefällt mir nicht sonderlich. Nicht, weil ich ein Moralapostel wäre – dafür lese ich zu viele Thriller und Krimis – sondern weil das Ganze so unwirklich, so abgedreht, fern jeglicher Realität ist. Margo ist wie besessen von genau diesem einen Haus, das sie unbedingt haben muss. Dafür ist sie bereit, ihr gesamtes Umfeld zu belügen, ihre Kontakte – Freunde und Kollegen - in ihr mieses Spiel mit einzubeziehen, ohne dass diese auch nur im Ansatz darüber wüssten. Die Protagonistin ist eine falsche Schlange, ihr heimtückisches Spiel ist ausschließlich eigennützig, sie verfolgt ihr Ziel zum Schaden anderer, von Liebenswürdigkeit keine Spur. Nach Luft schnappe ich eher ob der hanebüchenen Story, die mir präsentiert wird. Diese wird konfuser, je weiter sie fortschreitet. Und gipfelt in ein Ende, das so grausam wie unglaubwürdig ist. Margo ist am Ziel, Verluste jeglicher Art sind mit einkalkuliert. Verstörend an der Geschichte? Alles, vor allem der Schluss.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Eine gekonnt inszenierte Charakterstudie

Grüne Welle
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Zunächst hatte ich das Gefühl, dass sie ein wenig verpeilt wäre. Die Frau, deren Namen man nicht kennt. Nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin fährt sie los, verpasst eine Abzweigung, auch auf der Autobahn ...

Zunächst hatte ich das Gefühl, dass sie ein wenig verpeilt wäre. Die Frau, deren Namen man nicht kennt. Nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin fährt sie los, verpasst eine Abzweigung, auch auf der Autobahn lenkt sie ihren Golf geradeaus, versäumt Ausfahrt um Ausfahrt.

Irgendwann dann sind da zwei junge Frauen, eine Große und eine Kleine, die sie an einer Tankstelle trifft. Auch sie werden nicht weiter benannt. Die Frau wundert sich, dass es auch heute noch Anhalterinnen gibt, denn die Zeit dafür ist schon aufgrund der damaligen Vorkommnisse lange vorbei. Der Kofferraum ist schon besetzt, ihre Rucksäcke nehmen die Große und die Kleine auf ihren Schoss.

Wie entrückt kommt mir diese Geschichte vor, als ob einer einen nüchternen Blick auf die Frau und das Geschehen wirft. Eigentlich passiert nichts oder nicht viel und doch möchte man wissen, was es mit dieser Frau auf sich hat. Der Mann daheim wartet auf sie, das schimmert durch. Auch sieht die Große, die auf der Rückbank sitzt, die Frau ganz genau an. Sie spricht sie darauf an, Antwort erhält sie keine.

Das eigene Ich wahrnehmen, die Selbstreflektion einer Frau, die ihre Wirklichkeit ganz genau kennt und diese gedanklich auf dieser Fahrt durchspielt – so kommen bei mir diese Stunden im Golf der Frau an. Aus der Perspektive ihrer Gedanken, die als externer Beobachter fungieren, wird ihre Lebenswirklichkeit seziert. Es liegt an ihr, das für sie einzig Richtige aus ihrem Dasein zu machen. Nur zu oft knicken wir dabei ein, denn die eingefahrenen Bahnen zu durchbrechen – dazu braucht es Stärke und Mut.

Eine Charakterstudie, die sachlich und nüchtern das durchleuchtet, wohin das Leben uns geführt hat und was davon übrig ist. Gekonnt in Szene gesetzt, vorurteilsfrei und doch auf den Punkt gebracht. Nach den ersten Seiten, nachdem ich mich mit diesem doch ungewohnten Schreibstil angefreundet habe, mochte ich das Buch nicht mehr weglegen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Von Caruso, dem surfenden Privatdetektiv

Heaven's Gate
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„Sie stellt sich als Ángel vor, Ángel Guzmán Gaviria, und sie vermisst ihren Sohn Juan. Alle nennen ihn nur John John.“ Bei der Polizei war sie nicht, denn „Choco Mucho ist ein feiner Kerl, aber ein lausiger ...

„Sie stellt sich als Ángel vor, Ángel Guzmán Gaviria, und sie vermisst ihren Sohn Juan. Alle nennen ihn nur John John.“ Bei der Polizei war sie nicht, denn „Choco Mucho ist ein feiner Kerl, aber ein lausiger Bulle.“ Nun, ich erfahre noch so einiges mehr von ihm und von der Arbeitsweise der Polizei hier, auf der philippinischen Insel Surogao. Chocos Faulheit heißt für Caruso, dass er so dann und wann einen Auftrag erhält, wenngleich dieser nicht viel einbringt, ihn aber so einigermaßen am Leben erhält, er krebst sozusagen permanent am finanziellen Limit. Die Miete, die Drinks und noch so einiges kosten – da kommt ihm diese Suche nach dem verschollenen Sohn gerade recht, zumal Ángels Vorschuss sich sehen lassen kann.

Caruso ist ein ehemaliger Profisurfer, der hier als Privatdetektiv unterwegs ist - sofern er einen Auftrag hat. Ich würd ihn eher als verkrachte Existenz beschreiben, der dem süßen Nichtstun frönt. Dramatisch geht´s los, als er einige Surfer dabei beobachtet, wie sie diese Welle unterschätzen und er selbstlos eingreift. Es sind Russen. Und sie sehen dies komplett anders. Eine gebrochene Nase spricht Bände, Caruso muss dafür bestraft werden. Schon allein das Cover spricht für sich, die Riesenwelle macht Laune und erweckt schon Betrachten eine unbändige Lust (nach Meer) nach mehr.

In erster Linie aber heißt es, John John aufzuspüren. Dabei nimmt Caruso die Hilfe von Yahoo an, einem Filipino und begnadeten Hacker, auch andere mischen kräftig mit. Was allerdings Diego in Hannover mit dem Ganzen zu tun hat, wird später klar, momentan aber scheint seine Geschichte eine ganz eigene zu sein.

Die wendungsreiche Story gewährt neben der Detektivarbeit einen tiefen Einblick ins Surferparadies, das für die Einheimischen gar nicht so paradiesisch daherkommt. Man spürt ihr karges Dasein, ihren täglichen Existenzkampf. Über Drogen und Alkohol, Gewalt und Korruption, Polizeiwillkür bis hin zu Mord ist alles dabei. Ganz anders das Ministerium für Tourismus, das die Inselkampagne mit dem Slogan „Welcome to Paradise. Welcome to Surogao“ startet.

Um zu Caruso zurückzukommen – er ist nicht gerade ein Sympathieträger, auch ist er keiner dieser herkömmlichen Detektive, eher schon ein abgehalfteter ehemaliger Profisurfer, der dennoch einen gewissen Charme besitzt und diesen bei Bedarf auch einzusetzen weiß.

„Heaven’s Gate“ ist ein gut geschriebener, ein kurzweiliger und spannender Krimi mit einem Anti-Helden, von dem es vielleicht noch mehr zu berichten gibt. Ich wär dabei.

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