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Veröffentlicht am 08.12.2025

Kurzweiliger Krimi

Wem du traust
2

Eva und Daniel leben mit ihrem 5jährigen Sohn Linus in einer Neubausiedlung, die noch ziemlich viele Baulücken aufweist. Wie schon oft, ist auch heute die 15jährige Sofia Linus Babysitterin, beide verstehen ...

Eva und Daniel leben mit ihrem 5jährigen Sohn Linus in einer Neubausiedlung, die noch ziemlich viele Baulücken aufweist. Wie schon oft, ist auch heute die 15jährige Sofia Linus Babysitterin, beide verstehen sich super, sind doch ihre Mütter Eva und Susanne allerbeste Freundinnen, die heute davon ausgehen, dass Sofia bei Eva übernachtet. Doch Sofia hat andere Pläne, sie will nach Hause. Es ist schon weit nach Mitternacht, als Eva und Daniel heimkommen und da Eva etwas Wein getrunken hat ist es Daniel, der Sofia bis fast vor ihre Haustür fährt. Am nächsten Morgen dann ist die Panik groß, als ihnen allen bewusst wird, dass von Sofia jede Spur fehlt.

Kriminalhauptkommissarin Heidi Westphal übernimmt den Fall, sie befragt Sofias Mutter und Axel, ihren Lebensgefährten, recherchiert zu Sofias Heimweg, forscht bei ihren Mitschülern nach und auch bei der etwas älteren Nele, der Chefredakteurin der Schülerzeitung, bei der auch Sofia Artikel verfasst. Momentan schreiben sie über den fünfzehn Jahre zurückliegenden Discomord. Bis heute ist der Mörder der damals 18jährigen Jennifer Mann nicht gefasst – hat Sofias Verschwinden damit zu tun? Ist dieser Unbekannte wieder aktiv?

Es sind ganz und gar unterschiedliche Typen, die hier aufeinanderprallen. Eva und Daniel sind das Vorzeigepaar schlechthin, sie harmonieren perfekt, gehen liebevoll miteinander um, während Susanne mit ihrem neuen Lover, dem erfolgreichen Architekten Axel, eher mondän daherkommt. Meine Sympathien sind bald verteilt, nicht jeder kommt dabei gut weg. Es tauchen noch einige Randfiguren auf wie etwa Heidi Westphals Ex, der eine steile Karriere bei der Polizei hingelegt hat, der mir trotzdem nicht ganz geheuer ist. Und auch Heidis Ermittlungen, die sich mehr und mehr auf Daniel konzentrieren, sind mir schon auch suspekt. Warum dieser Tunnelblick? Das frage ich mich nicht nur einmal, bin auch leicht genervt, weil anderes, für mich doch Relevantes, übersehen wird.

Trotzdem ich mit Heidis Vorgehen nicht immer einverstanden bin, so bin ich doch voll dabei, möchte dringend wissen, wo Sofia ist, wer für ihr Verschwinden verantwortlich ist und auch, ob sie noch lebt. Denn ein blutiges Teil spricht dagegen. Auch lese ich zwischendurch von jemandem, der große Angst hat. Könnte es Sofia sein? Und – es wird gelogen, und das nicht zu knapp. Warum?

Der Krimi ist durchgehend rasant, er beleuchtet menschliche Abgründe, ist kurzweilig bis zum Schluss, der noch so einiges offenbart. Die Auflösung dann hat mich ein wenig ernüchtert, dennoch habe ich mich gut unterhalten gefühlt und vergebe sehr gerne vier verdiente Sterne.

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Veröffentlicht am 04.12.2025

Spannender Reihenauftakt

Die weiße Nacht
1

An diesem 14. Dezember 1946 ist es bitterkalt in Berlin, das in Trümmern liegt. Die Fotografin Lou Faber ist auf Motivsuche, dabei findet sie eine Tote, die mit wie zum Gebet gefalteten Händen im Schnee ...

An diesem 14. Dezember 1946 ist es bitterkalt in Berlin, das in Trümmern liegt. Die Fotografin Lou Faber ist auf Motivsuche, dabei findet sie eine Tote, die mit wie zum Gebet gefalteten Händen im Schnee liegt. Kriminalkommissar Alfred König bearbeitet diesen Todesfall und als dann eine zweite Leiche entdeckt wird, ist von einem Ruinenmörder die Rede.

„Die weiße Nacht“ ist der Auftaktband der Lou & König-Kriminalreihe. Den Kriminalkommissar und die junge Fotografin bringt eher der Zufall zueinander, ist doch dem Polizeifotografen bei der Entwicklung der Bilder von der Toten im Schnee ein Missgeschick passiert. Nur gut, dass Lou ebenfalls einige Bilder gemacht hat, die König sich holt. Der Aufklärung der Morde scheint ziemlich aussichtslos zu sein, zudem wird König von seinem Vorgesetzten ausgebremst, was ihn allerdings nicht daran hindert, jeder Spur nachzugehen. Auch bleibt es nicht bei den beiden Toten, weitere Opfer sind zu beklagen.

Der Krieg ist vorbei und doch hungern und frieren sie nach wie vor, es ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, es gibt viele Versehrte, sofern sie den Krieg überhaupt überlebt haben. Auch König ist nicht ungeschoren davongekommen, trotzdem verrichtet er seinen Dienst gewissenhaft. Seine Wege führen zurück in die Nazizeit, die gewisse Personen nur zu gerne hinter sich lassen. Die einen reden nicht, weil sie zu viel zu verbergen haben und die anderen haben Angst vor Repressalien. Auch Lou hat es nicht leicht, ihr Ehemann ist verschollen, ihre Bilder kann sie nicht so gut verkaufen, wie sie es müsste. Ihre Fotos jedoch sind für König hilfreich, ihr geschultes Auge sieht so manch Detail, das anderen entgeht.

Anne Stern ist ein rundum gelungener Kriminalroman gelungen. Wir sind wie gesagt im Nachkriegswinter 1946 und begleiten König und auch Lou bis zum Jahresende, denn bis dahin zeichnet sich das Motiv um die Morde glasklar ab. Angefangen von der Story an sich und die gut nachvollziehbaren Wege hin zur Aufklärung passt auch das gut recherchierte Historische perfekt zum Geschehen. Die Charaktere sind glaubhaft angelegt, allen voran Lou und König, aber auch so manch andere Personen wie etwa Justus und Gerti und ihre Rolle inmitten des Schwarzmarktes, der zwar verboten, aber doch notwendig fürs Überleben ist. Der Krimi ist noch sehr viel komplexer, dabei stets verständlich, ich bin restlos überzeugt davon und werde dieser neuen Reihe treu bleiben.

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Veröffentlicht am 04.12.2025

Liebesbetrug

Mama & Sam
1

Sarah Kuttner nimmt sich eines Themas an, das leider in unsere virtuelle Zeit passt. Love Scammer. Von ihnen hört und liest man immer wieder, es wird vor ihnen gewarnt und doch haben sie Erfolg. Die Frauen ...

Sarah Kuttner nimmt sich eines Themas an, das leider in unsere virtuelle Zeit passt. Love Scammer. Von ihnen hört und liest man immer wieder, es wird vor ihnen gewarnt und doch haben sie Erfolg. Die Frauen (denn meistens sind es Frauen) wollen Liebe, wollen Zuneigung, die Betrüger jedoch wollen nur eins: sie wollen ihr Geld. Und möglichst viel davon, auch wenn ihre Opfer es sich nicht mehr leisten können. Dann helfen sie nach, finden Mittel und Wege, pressen sie aus wie eine Zitrone.

„Mama & Sam“ wird aus Sicht der Tochter erzählt. Sie steht in Mamas Wohnung, Mama ist tot. Das Erbe hat sie ausgeschlagen, denn außer Schulden ist nichts geblieben. In Mamas Laptop und in ihrem Handy findet sie den Chat zwischen Mama und Sammy, der nüchtern betrachtet sofort auf einen dieser Love Scammer schließen lässt. Er behauptet, Sam Heughan zu sein, ein berühmter Schauspieler, den ich zugegebenermaßen nicht kenne. Ein Blick ins Netz macht sofort deutlich, wer er ist, wie und mit wem er lebt, was er gerade macht – man könnte also meinen, dass keine Frau auf so eine Story hereinfallen würde. Nun, Mama ist verliebt, sie glaubt ihm zwar nicht alles, widerspricht sogar und doch lässt sie sich permanent auf ihn und seine Lügen ein. Sie lechzt geradezu nach Liebesbeweisen, die spärlich fließen, ihr Geld jedoch fließt umso mehr Richtung Sam. Sarah Kuttner erzählt davon und von der Tochter, die mit dieser Situation irgendwie zurecht kommen muss. Die Mutter-Tochter-Beziehung war ziemlich kühl, auch spüre ich nicht viel von Trauer, der Schreibstil ist eher nüchtern. Bis hin zur lieblosen Urnenbeisetzung, die mir eher als lästiges Übel vorkommt, wechseln sich das Lesen der Chateinträge und das Nachspüren von Mutters Leben und auch das der Tochter ab.

Das Nachwort gibt Empfehlungen für den Umgang mit einem Opfer eines Love Scams und greift auch das typische Verhalten eines Menschen auf, der sich auf diese manipulative Betrügermaschinerie einlässt. Ich bin zutiefst erschüttert, musste das Buch des Öfteren weglegen, denn die Story ist heftig, abwegig jedoch ist sie nicht.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Intrigen hinter Klostermauern

Schatten über dem Kloster
1

Allgäu, 1376: Isabella Falk ermittelt in ihrem ersten, sehr persönlichen Fall. Schon der Prolog hat es in sich. Es scheint, als ob einer in eine Falle gelockt würde. Und ja, ein Messer wird gezückt, Öl ...

Allgäu, 1376: Isabella Falk ermittelt in ihrem ersten, sehr persönlichen Fall. Schon der Prolog hat es in sich. Es scheint, als ob einer in eine Falle gelockt würde. Und ja, ein Messer wird gezückt, Öl läuft aus, entzündet sich, zurück bleibt eine verkohlte Leiche, daneben ein Indiz, das dem Bürgermeister zugeordnet werden kann. Zuständig ist hier der Richter Rudolf Falk, der bald darauf verstirbt. Der neu ernannte Richter hat jedoch kein Interesse an einer Aufklärung, für ihn ist es nichts anderes als ein selbst verschuldeter Unfall.

Richter Rudolf Falk hat vor seinem Tod seinen Nachlass notariell geregelt. Darin hat er seine Ehefrau als Alleinerbin benannt, vorausgesetzt, sie klärt den Mord an Bürgermeister Vogler auf. Sollte sie scheitern, geht das Erbe an seinen Bruder, der schon habgierig darauf lauert. Isabella ist eine junge, gebildete, kluge und weitsichtige Frau, die nun für Haus und Gesinde zuständig ist. In ihrem Schwager Berthold hat sie einen gefährlichen Gegenspieler, der vor nichts zurückschreckt. Der neu ernannte Stadtschreiber Leonhard Stadler jedoch steht auf ihrer Seite, er unterstützt sie mit Rat und Tat, ebenso der junge Magnus Bader, Sohn des alten Medicus und selber ausgebildeter Mediziner.

„Schatten über dem Kloster“ ist der Auftaktband um Isabella Falk, ein historischer Krimi voller Intrigen und finsteren Machenschaften. Man spürt direkt die dunklen Klostermauern, die Schatten in den verborgenen Winkeln, ahnt Verschwörung und Betrug, lehnt so manch giftigen Trank vehement ab und glaubt unter der Gugel, dem Überwurf mit Kapuze, an so manch zwielichtige Gestalt.

Da ich sowohl historische Romane als auch alles Kriminalistische sehr gerne lese, bin ich hier genau richtig. Nicht jedem würde ich trauen, so einigen traue ich vieles zu und in manch einer Person täusche ich mich dann doch. Trotzdem Isabella mit dunklen Machenschaften zu kämpfen hat, hat sie ihr Ziel nie aus den Augen verloren. Mit nicht nur einem Widersacher hat sie es zu tun und auch eine verirrte Seele bringt tödliche Gefahren mit sich. Die Autorin versteht es, Spannung zu erzeugen und diese kontinuierlich hoch zu halten. Schon allein die damaligen Begriffe, die sie im (dem Geschehen vorangestellten) Glossar erklärt, lassen mich eintauchen in diese Zeit. Dabei sei auch das gut gegliederte Personenverzeichnis sowie der Stadtplan von Füssen anno 1376 noch erwähnt.

Der durchgehend spannende historische Roman, der im Spätmittelalter angesiedelt ist, hat mich bestens unterhalten. Und selbstredend werde ich Isabella Falk treu bleiben, ein weiterer Fall deutet sich an.

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Veröffentlicht am 28.11.2025

All das Unfassbare…

Wolfskälte
1

George Lennox erster Eindruck von dieser winzigen, weit vor der Westküste Schottlands gelegenen Insel, ist frostig. Der Wind peitscht den Regen aufs Polizeiboot, das sie und ihr Kollege Richie auf diese ...

George Lennox erster Eindruck von dieser winzigen, weit vor der Westküste Schottlands gelegenen Insel, ist frostig. Der Wind peitscht den Regen aufs Polizeiboot, das sie und ihr Kollege Richie auf diese unwirtliche Insel bringt. Ein tragischer Todesfall muss untersucht werden, dafür bleiben sie für ein paar Tage hier. Alan Ferguson, ein junger Mann, soll sich vom Leuchtturm der Insel zu Tode gestürzt haben, zumindest lässt sein Auffinden am Fuße des Leuchtturms darauf schließen.

Laura McCluskeys Romandebüt ist eher eine ziemlich makabere Milieustudie der besonderen Art. Sie ist ganz nah an den Inselbewohnern, von denen sie schon einiges preisgibt, wenngleich keiner dieser schweigsamen, geheimnisumwitterten Gestalten zu durchschauen ist. Schroff wie die Felsen ihrer Heimat, dunkel wie die steilen Klippen kommen sie mir vor. 206 Seelen sind es, die hier auf diesem Felshaufen leben.

Gleich bei Georges Ankunft gibt Kathy, die neben anderer Aufgaben auch Postmeisterin ist, ihr die Aufzeichnungen der vor langer Zeit verschollenen Leuchtturmwärter zu lesen. Was verspricht sie sich davon? Der Leuchtturm ist seit 1919 nicht mehr in Betrieb, heute dient er als heimlicher Treffpunkt für Jung und Alt. Kaum vorstellbar, dass das Schicksal dieser drei Männer mit Alans Tod zu tun haben könnte. Oder doch? Noch tappe ich völlig im Dunkeln.

Dass die beiden Ermittler unerwünscht sind, bekommen sie auch hautnah zu spüren. Da ist jemand mit einer Wolfsmaske, dem George hinterherläuft, dieser Wolf jedoch im Nichts zu verschwinden scheint. Und da ist diese Stille, die sich anfühlt, als ob ein Lauscher ganz nah wäre und nur darauf lauert, zuzuschlagen – wie auch immer dies enden wird. Seltsames geschieht, verstandesmäßig nicht erklärbar, dazu dieser Aberglaube und diese unheimliche Mitgift, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Zu diesem Inselvolk passen die Witterungsverhältnisse perfekt. Karg, windgepeitscht, mit Schnee und Eis und die nächtlichen Verfolgungsjagden, hinein in den finsteren Wald, vor dem gewarnt wird, dazu die eiskalte See, die durchnässten Kleider – all dies ist so treffend geschildert, dass man beim Lesen direkt fröstelt.

Es sind so einige Insulaner, die in all ihren Eigenheiten beschrieben sind, zu jedem habe ich ein Bild vor Augen. Die meisten sind ziemlich mürrisch und abweisend, andere dagegen direkt gastfreundlich. Und doch ist so manch Eindruck trügerisch. Auch George, die eigentlich Georgina heißt, jedoch die männliche Form bevorzugt, hat mit sich selbst zu kämpfen. Was genau das ist, wird dem Ende zu aufgelöst, zwischendurch sind es eher kurze Andeutungen. Alles fügt sich – irgendwie. Nicht so, wie man es vermutet hätte, aber doch nachvollziehbar.

„Wolfskälte“ ist ein fesselnder Kriminalroman vor unwirtlicher Kulisse, der ein schier unfassbares Szenario aufzeigt. Die kriminalistischen Elemente sind immer spürbar und je weiter sich die Story entwickelt, desto sichtbarer wird das Unfassbare. Mich hat Laura McCluskey mit ihrem Romandebüt sofort abgeholt und mich zudem gut unterhalten.

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