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Veröffentlicht am 06.10.2025

Gelungener Auftaktband

Mörderische Brise - Der Tote am Sandstrand
7

„Der Tote am Sandstrand“ ist der Auftaktband der neuen Reihe „Mörderische Brise“ nach einer Idee von Nina Ohlandt, deren Konzept sowie das Figurenensemble Jan F. Wielpütz aus ihrem Nachlass aufgegriffen ...

„Der Tote am Sandstrand“ ist der Auftaktband der neuen Reihe „Mörderische Brise“ nach einer Idee von Nina Ohlandt, deren Konzept sowie das Figurenensemble Jan F. Wielpütz aus ihrem Nachlass aufgegriffen und so den Ostsee-Krimi um die Hauptfigur Hannah Bülow mit Leben gefüllt hat. In vier Teilen gibt er den Ermittlungen rund um den Toten Raum, dabei ploppt das Geschehen im Sommer 1993 immer wieder auf, das bei diesem Kriminalfall von Bedeutung sein könnte.

Die Kommissarin Hannah Bülow kehrt nach einem privaten Schicksalsschlag in ihre alte Heimat Ostersande zurück. Dort wohnt sie bei ihrem Vater, was für beide nicht gerade einfach ist. Bevor sie in der Polizeiwache ankommt, wird sie erst mal von den beiden Polizisten Hansen und Diekfoß wegen der überfälligen TÜV-Plakette zurechtgewiesen, unterwegs trifft sie noch auf ihren alten Freund Philip Langmar, der in der nahen psychiatrischen Klinik als Psychiater und Psychotherapeut arbeitet und ihre gute Freundin Constanze, die von nun an ihre unmittelbar Vorgesetzte ist, hat sie mit offenen Armen empfangen – soweit ist alles bestens. Bis die erste Leiche am Sandstrand gefunden wird…

…denn dieser Leichenfund gibt mehr als genug Rätsel auf. Bei dem Toten wird ein Zettel mit einer obskuren Notiz gefunden, die ein schlechtes Licht auf ihn wirft. Bei dem einen Toten bleibt es nicht, es folgen mehrere Todesfälle, bei denen man nicht weiß, ob es sich um einen Unglücksfall oder doch um Mord handelt.

Zwischendurch geht der Blick zurück ins Jahr 1993. In diesem Sommer geschah ein Bootsunglück, in das die damalige Clique um Hannah und Constanze verwickelt war, das zwar damals geklärt wurde, das aber dennoch seinen langen Schatten bis zum Heute wirft.

Der durchaus launige Einstieg mit Hannah und den beiden übereifrigen Polizisten ist gelungen, bald jedoch folgt für sie und ihre Kollegen die Ernüchterung, denn trotz akribischer Kleinarbeit und Zeugenbefragung wird es immer verworrener. Hannah arbeitet mit der Kripo Wismar zusammen, es geht um eine geheimnisvolle Patientenakte, um Rivalitäten und so mancher verstrickt sich in Widersprüche. Es passiert noch so einiges mehr, es ist und bleibt bis zum Schluss spannend. Wobei so einige Ungereimtheiten diesen ersten Fall der Mörderischen Brise begleiten und die Auflösung dann ist für meine Begriffe nicht ganz rund. Den Charakteren, allen voran Hannah, nehme ich ihre Persönlichkeit durchaus ab, sie haben alle ihre Eigenarten, sind nett oder auch nicht – so wie es im Leben eben ist.

Der Auftaktband der Mörderischen Brise, die an der Ostsee weht, ist bis auf einige schon erwähnte Unzulänglichkeiten gelungen und nun bin ich auf den nächsten Fall gespannt, den Hannah Bülow mithilfe ihrer Kollegen zu lösen hat.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Ein unglaubliches Verbrechen

Protokoll eines Verschwindens
1

True Crime habe ich zur Genüge gehört und gelesen, irgendwann dann doch aufgehört, diesen wahren Verbrechen nachzuspüren. Bis jetzt. Bis ich auf dieses PROTOKOLL EINES VERSCHWINDENS aufmerksam wurde.

Für ...

True Crime habe ich zur Genüge gehört und gelesen, irgendwann dann doch aufgehört, diesen wahren Verbrechen nachzuspüren. Bis jetzt. Bis ich auf dieses PROTOKOLL EINES VERSCHWINDENS aufmerksam wurde.

Für den Brasilianer Gabriel läuft es in Hamburg gut. Er ist seiner Schwester Isabella hierher gefolgt, er findet Arbeit als Informatiker, hat eine Freundin, er gilt als zuverlässig. Bis er eines Tages verschwindet. Spurlos. Isabella wendet sich an die Polizei, diese jedoch erklärt ihr, dass eine erwachsene Person durchaus das Recht hat, alle Brücken hinter sich abzubrechen. Isabella jedoch weiß, dass ihr Bruder so nie handeln würde. Sie und auch ihre Familie hören nie auf, nach ihm zu suchen.

Der Autor selbst hat das Hörbuch eingesprochen, ihm habe ich gebannt und tief erschüttert über 8 Stunden und 11 Minuten zugehört. Zunächst schien es mir, als ob dieser eher monotone Vortrag zu distanziert, zu unnahbar wäre. Doch je mehr ich höre, je weiter ich mich auf diesen Fall einlasse, desto mehr weiß ich, das es genau diese Art des Berichtens ist, die diese entsetzliche Tat einigermaßen erträglich macht.

Was muss in einem Menschen vorgehen, der einen anderen in seine Wohnung lockt, ihn betäubt, sich an ihm vergeht und dann, als dieser wieder zu sich kommt, ihn mit Gewalt zum Schweigen bringt? Und nicht nur das, der Täter führt sein Leben weiter wie bisher - bis auf die Tatsache, dass in seiner Wohnung, in einem Zimmer, das er sorgfältig verschließt, über vier Monate ein Leichnam liegt.

Alexander Rupflin ist ganz nah dran am Täter. Er sieht genau hin, begleitet Fabio, der als Pfleger arbeitet, der sein Verbrechen verdrängt und dies vor sich selbst beschönigt, ja leugnet. Den Verwesungsgeruch, auf den er zuweilen angesprochen wird, erklärt er als Schimmel und kommt damit durch.

Dieses Protokoll eines Verschwindens ist bittere Realität. Der wahre Fall, dem der Autor hier nachspürt, ereignete sich 2019. Anfang 2020 wurde der stark verweste Leichnam des Brasilianers gefunden und was davor geschah, wie der Täter getickt hat, wie er seine Tat so lange vertuschen konnte, das hat der Autor in diesem Protokoll eines Verschwindens aufgrund der Fakten detailliert rekonstruiert. Er zeigt menschliche Abgründe auf, rekonstruiert die Ignoranz und das verschobene Selbstbild eines Täters, der sich seine vermeintliche Unschuld einredet und im Umkehrschluss dem Opfer Schuld zuweist. Und auch der Suche der Familie des Opfers widmet er Zeit. So entsteht ein umfassendes Gesamtbild über dieses unglaubliche Verbrechen, das Alexander Rupflin ungeschönt, ohne reißerisch zu sein, verarbeitet hat. Ein absolut lesens- bzw. hörenswertes Buch, nicht nur für True-Crime-Fans.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Ein spannender Neubeginn mit Höhen und Tiefen

Zeit des Neubeginns
1

„Zeit des Neubeginns“ ist das nunmehr siebte Buch der Kinder-der-Hansens-Reihe und noch immer ist es spannend, die neue Generation dabei zu beobachten, wie sie sich behaupten, wie sie sich Neues aufbauen. ...

„Zeit des Neubeginns“ ist das nunmehr siebte Buch der Kinder-der-Hansens-Reihe und noch immer ist es spannend, die neue Generation dabei zu beobachten, wie sie sich behaupten, wie sie sich Neues aufbauen.

Wir sind in Hamburg des Jahres 1928, es ist Weihnachten und alles kommt ganz anders als geplant. Denn Georg und Therese wollten heiraten, genau an diesem Weihnachtsfest. Das Schicksal hat es anders gewollt, Georg ist tot. Er hat das in neuem Glanz erstrahlte Hansens noch gesehen, aber dann war sein Lebenslicht erloschen. Im März des darauffolgenden Jahres ist auch Robert, Amalas Bruder, zur Testamentseröffnung von den Staaten herübergeeilt, denn noch braucht Amala als Frau einen Vormund, den Hamza, ihrer beider Vater, an Robert übertragen hat.

Zunächst ist Robert erstaunt, wie normal er von der Gesellschaft hier in Hamburg aufgenommen wird, ganz anders als in Chicago, wo er als dunkelhäutiger Mann in vielen Belangen des Lebens Diskriminierung und Ausgrenzung erfährt. Schon allein die Tatsache, dass ihm zur Begrüßung ganz selbstverständlich die Hand gereicht wird, nimmt er verblüfft zur Kenntnis. Er kann sich hier in Hamburg frei bewegen bis zu einem gewissen Punkt, als er auch hier die allzu hässlichen Seiten schmerzlich zu spüren bekommt.

Eduard, Amala und Auguste haben gemeinsam das Hansens aufgebaut und wollen es auch gemeinsam führen, jeder hat seine Stärken, jeder seine Aufgabe. Und doch kommen sie alle an ihre Grenzen, sei es familiär oder auch durch halbseidene Geschäfte, die Eduard aus seiner Berliner Zeit einzuholen drohen.

Neben Hamburg werfen wir auch einen Blick nach Wien, wo ein Teil von Thereses Familie lebt. Hier treffen wir auf Josephine Baker und ihre lasziven, für Empörung sorgende Auftritte. In Philadelphia ist es Elsa Harris, die tief erschüttert vom Tod ihres Schwiegervaters ist. Die weit verzweigte Familie Hansen ist in Kontakt, bisweilen zwar nur brieflich, aber aus den Augen lassen sie sich nicht.

Ellin Carsta hat auch hier, in ihrem siebten Buch um die Hansens, historische Fakten in ihre fiktive Geschichte eingebracht. So erwähnt sie auch Freiherr von Hünefeld, dem mit zwei Mitstreitern mit der Junkers W33 Bremen de erste Transatlantik-Nonstop-Flug gelang. Im Nachwort erzählt die Autorin noch mehr davon, auch andere, sehr interessante Fakten sind hier nachzulesen.

Überhaupt versteht Ellin Carsta es, geschickt das Historische mit den Leben der Hansens zu verknüpfen. Sie bietet beste Unterhaltung, wirft dabei so ab und an einen Blick zurück, so dass das Vergangene um diese Familie schnell wieder präsent ist. Und sollte es sein, dass man sich entschließt, die ersten Bücher nicht nachzulesen, so kommt man doch gut zurecht. Wobei es gerade in einer Familiensaga von Vorteil ist, den Charakteren in ihrer Entwicklung zuzuschauen – Lesegenuss von Anfang an sozusagen. Gerne war ich wieder unter ihnen und nun bin ich gespannt, wie sich das Hansens mitsamt seinen Betreibern weiterentwickeln wird, auch wenn es noch ein Weilchen dauern mag, bis es so weit ist.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Eiskalt, barbarisch, zerstörerisch

Narbenkünstler #Thriller
3

Der dritte Fall für Marc Davids und Zoé Martin ist „ein eiskalter Thriller über Schuld, Macht und die zerstörerische Last der Wahrheit.“

Genau wie die beiden Vorgängerbücher ist auch der dritte Davis-und-Martin-Thriller ...

Der dritte Fall für Marc Davids und Zoé Martin ist „ein eiskalter Thriller über Schuld, Macht und die zerstörerische Last der Wahrheit.“

Genau wie die beiden Vorgängerbücher ist auch der dritte Davis-und-Martin-Thriller nichts für Zartbesaitete. Der NARBENKÜNSTLER scheint kein Erbarmen zu kennen, er lässt seine Opfer langsam, ganz langsam, erfrieren. Dabei schaut er ihnen immer mal wieder in die Augen, er redet auch mit ihnen. Nur sind sie – sollten sie zwischendurch bei Bewusstsein sein – nicht in der Lage, mit ihm zu kommunizieren. So viel mal vorweg, denn es kommt noch schlimmer: „So musste die Hölle aussehen…“

NARBENWALD und NARBENSOMMER, Band eins und zwei, habe ich atemlos verschlungen, bei diesem dritten Buch war es ähnlich. Wenngleich ich zwischendurch entsetzt durchatmen musste, um diesen barbarischen Taten folgen zu können. Eine Spur führt auf einen Campus und diese führt weit zurück in längst verdrängte Zeiten. Ein Künstler, dessen Performance nicht alltäglich ist, der ganz besondere Materialien verwendet, gerät in den Focus, auch Zoé hat ihre Déjà-vu-Momente.

Das mehrperspektivische Erzählen macht die Story noch intensiver, die vielschichtigen Charaktere, angefangen von den beiden Kommissaren, sind gut dargeboten und die Verdächtigen, von denen es einige gibt, sind nicht zu durchschauen. Gelegentlich habe ich mich aufs Glatteis führen lassen, die Story ist bis zum verblüffenden Schluss verwirrend. So mag ich es, ich freu mich schon auf den nächsten Narben-Thriller.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Toxische Beziehungen von der Antike bis in die Gegenwart

Sehr geehrte Frau Ministerin
1

„Ein radikal gegenwärtiger Roman über die abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern.“ So lese ich es vorab, meine Neugier ist geweckt.

„Beste Mutter, optima mater, nannte Kaiser Nero ...

„Ein radikal gegenwärtiger Roman über die abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern.“ So lese ich es vorab, meine Neugier ist geweckt.

„Beste Mutter, optima mater, nannte Kaiser Nero seine Mutter Agrippina in seiner Thronrede.“ Später spielt er seine Macht aus, er sieht in ihr zunehmend eine Bedrohung und lässt sie schließlich umbringen. Dieser geschichtliche Hintergrund zieht sich durch das Buch, was mich anfangs irritiert hat. Eben war noch die Rede von dem brutalen römischen Kaiser…

…im nächsten Satz bin ich im Jugendzimmer von Eva Pataraks Sohn Philipp, der sich hinter seinen digitalen Spielen verschanzt. Er redet nicht, zumindest beschränkt er sich auf das Allernotwendigste, verbarrikadiert sich hinter der Tür seines Zimmers. Seine Mutter schafft das Geld ran, sie arbeitet in einem Kräuterladen, dessen Produkte sie sich nicht leisten kann. Irgendwann dann wird sie wegrationalisiert. Eine Frau mit einer roten Mütze scheint eine Stammkundin zu sein…

…sie ist Lateinlehrerin, Silke Aschauer ihr Name. Allerdings bleibt sie bei der Beschreibung „Frau mit roter Mütze“, denn so hat sie sich nun mal eingeführt in diese Erzählung. Sie wird in Teil II ab ovo noch mehr sichtbar.

Bleibt noch die Frau Ministerin, an die sie sich wenden, sie ist hier namenlos. Begegnet sind wir ihr schon durch die an sie geschriebenen Briefe, die zwischendurch zu lesen sind.

Es sind drei Frauen, die – jede auf ihre Weise – mit dem Patriarchat zu tun haben. Es geht um Gewalt in der Antike, um Unterdrückung, um spezifische weibliche Leiden, um Gewalt im politischen und gesellschaftlichen Sinne, um das Böse, das der grausame Kaiser Nero verkörpert, das sich durch die Zeiten bewegt bis hin zur Gegenwart.

Es sind drei Teile – I Eva, II ab ovo und III als ob - und viele Themen, die Ursula Krechel aufmacht, dabei ist sie trotz des nüchternen Erzähltons ganz nah bei ihren Figuren wie etwa beim Kranichzählen im Moor oder einem Hörtest und noch so einigem mehr.

Das Buch ist anspruchsvoll, es fordert ein konzentriertes Lesen. Den Zeitsprüngen, die mich anfangs irritiert, ja sehr gestört und den Lesefluss stark beeinträchtigt haben, kann ich jetzt, nachdem ich den Roman beendet und ihn nochmal habe Revue passieren lassen, doch so einiges abgewinnen.

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