Platzhalter für Profilbild

Maria_12

Lesejury Star
offline

Maria_12 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Maria_12 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2026

Drei Vornamen, drei Lebenswege

Die Namen
0

Das außergewöhnliche in dem Debütroman "Die Namen" von Florence Knapp ist die Frage: Wie sehr prägt der Name, den wir tragen, den Menschen, der wir sind?

Cora mochte den Namen Gordon noch nie, doch wie ...

Das außergewöhnliche in dem Debütroman "Die Namen" von Florence Knapp ist die Frage: Wie sehr prägt der Name, den wir tragen, den Menschen, der wir sind?

Cora mochte den Namen Gordon noch nie, doch wie es Tradition in der Familie ihres Mannes Gordon ist, wird der Vorname immer an den Sohn weitergegeben. Er selbst ist ein erfolgreicher und angesehener Allgemeinmediziner und wird von seinen Patienten sehr geschätzt, doch wie es Privat aussieht, ahnt keiner. Seine Tochter Maia fürchtet jedoch ihren Vater und zieht sich weitgehendst von ihm zurück. Und endlich bekommt Gordon seinen Stammhalter. Cora würde ihren Sohn lieber Julian nennen und die kleine Maia bevorzugt den Namen Bear.

Plötzlich und überraschend wird aus dem Stammhalter, der Sohn mit drei Namen: Bear, Julian und Gordon. Die Handlung baut sich auf drei Perspektiven auf und erzählt drei unterschiedliche Lebenswege mit Zeitsprüngen von jeweils sieben Jahren in der Zeit von 1987 bis 2022, die auch drei unterschiedliche Folgen für den Verlauf von Coras Ehe hat. Die Schwester des Stammhalters Maia ist die Konstante und begleitet ihren Bruder in allen drei Handlungsebenen. An der ein oder anderen Stellen zeigt sich die Vergangenheit erst im Nachhinein, was mitunter etwas unübersichtlich, wird.

Am schlimmsten zu lesen war für mich die erschütternde Darstellung von Coras Leben in dieser toxischen Ehe, die auf den drei Lebenswegen aber unterschiedlich aufgebaut sind. Ihr Mann Gordon ist nach Außen ein empathischer, kompetenter Arzt und im Umfeld angesehen, privat jedoch kontrollierend, manipulativ und äußerst brutal. Die Geschichte zeigt Coras schleichende Isolation, die psychische Zermürbung und den Verlust von Selbstbestimmung und Selbstwertgefühl. In keinem der Lebenswege gibt es einen einfachen oder sicheren Ausweg.
Diese sehr dicht beschriebenen Handlungen und deren Auswirkungen auf das Leben der ganzen Familie haben mich doch ganz schön betroffen gemacht.

Fazit:
Die Autorin hat für ihr Debüt ein sehr gewaltiges Thema gewählt, dieses zwar mit ungeheurer Wucht erzählt aber keinen Platz für eine optimistischere Wendung, gelassen. Ein bisschen Feingefühl bzw. Fingerspitzengefühl, hat mir in dieser Geschichte, einfach gefehlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.05.2026

Eine Reise nach Uzès

Au revoir und tschüss
0

„Au revoir und tschüss“ von Gudrun Lochte erzählt die Geschichte über Sommerlicht und Schatten, über das Gehen und Bleiben, und über die leisen Zwischentöne des Lebens.

Im Mittelpunkt der Geschichte ...

„Au revoir und tschüss“ von Gudrun Lochte erzählt die Geschichte über Sommerlicht und Schatten, über das Gehen und Bleiben, und über die leisen Zwischentöne des Lebens.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 45-jährige Caro, Ehefrau, Mutter und berufstätig, die plötzlich spürt, dass sich etwas in ihrem Leben ändern muss. Ihre Ehe ist festgefahren und egal wie sie ihrem Mann Holger den Rücken freihält, übersieht er sie und dabei gerät sie immer mehr in den Hintergrund. Ihre beiden Söhne sind eigentlich alt genug und könnten sich langsam um sich selbst kümmern, denn ihren alten Wunsch, einen Sprachurlaub in Südfrankreich zu machen, hat sie längst nicht vergessen.

Holger ist von der Idee seiner Frau natürlich nicht gerade begeistert und versucht ihr die Reise auszureden, doch gegen seinen Willen bucht sie einen Sprachkurs im Süden Frankreichs – eine spontane Entscheidung, die ihr Leben ins Wanken bringen wird.

Alleine in Uzès findet Caro Menschen, die ihr sehr zugetan sind und bald fühlt sie sich wahrgenommen und sie beginnt, sich selbst neu zu begegnen. Caro blüht in Frankreich regelrecht auf, entdeckt neue Seiten an sich, hinterfragt ihr Leben und weiß plötzlich, dass sie sich ihren Gefühlen stellen muss.

Das Ende der Geschichte ist zwar vorhersehbar aber durch die Leichtigkeit des Schreibstils und dem französischen Flair, wunderschön zu lesen.

Fazit:
Das Cover und die Gestaltung des Romans sind richtig harmonisch aufeinander abgestimmt. Der Schreibstil ist leicht verständlich und lässt sich fließend lesen. Caro als Hauptprotagonistin fand ich sehr sympathisch. Insgesamt eine schöne und leichte Sommerlektüre, die ich gerne gelesen habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.05.2026

Die Fahrt der inneren Befreiung

Grüne Welle
0

„Grüne Welle“ von Esther Schüttpelz erzählt auf poetische und mitreißende Weise davon, dass wir uns im Leben immer wieder neu entscheiden müssen – und auch neu entscheiden können: für einen anderen Weg, ...

„Grüne Welle“ von Esther Schüttpelz erzählt auf poetische und mitreißende Weise davon, dass wir uns im Leben immer wieder neu entscheiden müssen – und auch neu entscheiden können: für einen anderen Weg, ein anderes Leben und mit anderen Menschen an unserer Seite.

Im Mittelpunkt steht die Mitte vierzigjährige namenlose Ich-Erzählerin, die nach dem monatlichen Kinobesuch mit ihrer besten und einzigen Freundin, in ihr Auto steigt und nach Hause fahren will, bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt.
Einen Augenblick unaufmerksam und sie verpasst die Ausfahrt. Sie entfernt sich immer mehr von zu Hause und ihre Gedanken kreisen um ihren Mann, der sich sicher Sorgen machen wird und sie nimmt sich vor, an der nächsten roten Ampel ruft sie ihn an. Doch weit und breit ist keine Ampel in Sicht und wenn, fährt sie auf einer „grünen Welle“ über Autobahnen und Landstraßen durch die ganze Nacht und den folgenden Tag.

Während ihrer Fahrt fängt sie an ihre Situation zu reflektieren, wie und warum ihr Leben sich so verändert hat. Die namenlose Ich-Erzählerin zeigt sich in ihren unterschiedlichen Facetten und Emotionen. Ihre innere Auseinandersetzung kombiniert mit der äußeren erzeugt die Spannung und treibt die Geschichte voran, bis ihr immer klarer wird, dass es vielleicht besser wäre, nie wieder zurückzukehren, den die wahre Gefahr lauert dort auf sie.

Die namenlose Ich-Erzählerin leidet sehr unter der massiven Gewalt ihres Mannes, der alles zu kontrollieren scheint und ihr keinerlei Freiheit gestattet. Durch ihren Gedankenfluss während der Autofahrt setzen sich Stück für Stück die Puzzleteile zusammen. Den inneren Aufruhr der einst so begabten Künstlerin zu erfassen und gleichzeitig zu erkennen, wie extrem sich das Ausmaß ihrer verlorenen Identität auf die Gegenwart auswirkt, macht mich schon betroffen.

Fazit:
Der Schreibstil war für mich anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig aber schnell konnte ich der Ich-Erzählerin, folgen. Ich fühlte mich der Protagonistin sehr nahe, obwohl sie häufig eher distanziert wirkt und auch sicher nicht gerne Nähe zulässt. Zwischen den Zeilen schwingen viel Melancholie, Schmerz und Verlust mit. Für mich eine ganz besondere aber auch außergewöhnliche Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.05.2026

Das Drei-Generationen-Porträt

Die Riesinnen
0

Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft ...

Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Eigenwillig, stark und unbequem stellen sie sich gegen Erwartungen von außen. Das macht sie zu Außenseiterinnen in dem kleinen fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos.

In den 60-er Jahren heiratet Liese den Metzgersohn Bernhard, der sehnsüchtig auf einen Erben wartet. Währenddessen spart Liese jeden Pfennig, den sie abzweigen kann, denn sie will fort. Erst als sie schwanger wird und ihre Tochter Cora auf die Welt kommt, kennt sie ihren Platz. Sie liebt ihr Kind über alles aber Bernhard ist enttäuscht über den fehlenden Stammhalter und lässt seine Wut, Cora spüren. Für Bernhards plötzlichen Unfalltod, kann Liese keine Trauer empfinden.

Jetzt sitzt Liese mit den Schulden für das Haus da und weiß nicht, wie sie sich und ihr Kind, ernähren soll. Sie fordert von ihren Schwiegereltern die Metzgerei, obwohl sie nicht mal weiß, ob sie das kann. Unerbittlich und mit starker Willenskraft, erobert sie sich ihre Metzgerei und schuftet bis zum Umfallen. Für Liebe und Freundschaften hat sie keine Zeit, sie kennt nur ihre Pflichten und die Fürsorge für ihre Tochter Cora.

Je älter Cora wird, rebelliert sie gegen die Enge im Dorf. Sie will die weite Welt sehen und etwas erleben. Ihre Mutter Liese legt ihr keine Steine in den Weg und lässt sie ziehen. Schwanger kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück und muss lernen, dass Heimkehr keine Niederlage ist.

Und Coras Tochter, Eva, zieht in die Ferne zum Studieren, doch ihren richtigen Platz hat sie noch nicht gefunden bis es ihr wie Schuppen von den Augen fällt, dass es ja der Wald ist, denn sie so sehr liebt. Sie kehrt zurück in ihre Heimat und ihrem geliebten Wald.

Das Ende hat mich ein wenig überrascht, denn plötzlich redet Liese ganz nebenbei über lange verschwiegene Geheimnisse, die Eva aus ihrer Sicht ins rechte Licht rückt es aber vorzieht, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Fazit:
Mit „Die Riesinnen“ erzählt Hannah Häffner die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Der Schreibstil ist flüssig aber leise und erzählt über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur. Einige Entwicklungen waren für mich nachvollziehbar, andere eher weniger. Was mir besonders gefehlt hat, war die Tiefe der einzelnen Figuren, denn ich wäre ihnen gerne noch nähergekommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2026

Atmosphärisch wunderbar erzählt

The Artist
0

Schon alleine das wünderschöne Cover von "The Artist: Die Farben des Lichts“ hat mich neugierig auf dieses Debüt von Lucy Steeds gemacht und ich wurde nicht enttäuscht.

Atmosphärisch und in einer wunderschönen ...

Schon alleine das wünderschöne Cover von "The Artist: Die Farben des Lichts“ hat mich neugierig auf dieses Debüt von Lucy Steeds gemacht und ich wurde nicht enttäuscht.

Atmosphärisch und in einer wunderschönen Sprache, erzählt Lucy Steeds die mitreißende Geschichte einer begabten jungen Malerin, die sich, allen Widerständen zum Trotz, Zutritt zur Kunstwelt verschafft. Eine Geschichte wie ein mehrschichtiges Gemälde: sinnlich erfahrbar, voller Düfte, Farben, Tiefe, Licht und Schatten.

Im Mittelpunkt steht ein altes abgelegenes Landhaus in der französischen Provinz und seiner Bewohner, der weltberühmte Maler Édouard Tartuffe und seine Nichte Ettie bis der noch völlig unbekannte Journalist Joseph Adelaide, eines Tages mit einer Einladung für ein Interview vor der Tür steht. Nur Édouard Tartuffe, der sich seit Jahren der Öffentlichkeit entzieht, weiß nichts von einer Einladung. Ettie rettet die Situation: „Das hier ist dein Junge mit Orange“ und Tartuffe bietet Joseph einen Handel an, wenn er ihm Modell sitzt, darf er bis zur Fertigstellung des Gemäldes im Landhaus wohnen, seine Arbeit beobachten und darüber schreiben.

Joseph lässt sich auf diesen Handel ein doch schnell merkt er, dass er keine Ahnung vom Landleben hat, denn alles ist fremd und ungewohnt für ihn. Die Launen von Tartuffe, sind schwer zu ertragen aber Joseph erkennt bald, dass das größte Rätsel jedoch nicht der »Meister des Lichts« ist, sondern Tartuffes Nichte. Ettie kocht, putzt, wäscht Pinsel und erträgt Tartuffes Launen mit unergründlicher Hingabe. Doch etwas brodelt in ihr. Joseph fühlt sich immer mehr zu ihr hingezogen, doch er versteht ihre Worte nicht: Sieh mich – so wie ich bin.

Und langsam aus wechselnder und fesselnder Perspektive zwischen Ettie und Joseph, kommt Schicht für Schicht wie in einem Gemälde, ihr Geheimnis ans Licht ...

Der Prolog beginnt mit dem Jahr 1957 in London, die Geschichte selbst handelt aus dem Jahr 1920 in Saint-Auguste-de-Provence und endet zum Schluss wieder im Jahr 1957 in London.

Fazit:
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, eine atmosphärisch dichte und fesselnde Geschichte über eine begabte junge Malerin, die sich, allen Widerständen zum Trotz, Zutritt zur Kunstwelt verschafft, zu erzählen. Die Charaktereigenschaften und Entwicklung der Protagonisten, sind ausgesprochen gelungen und spannend, ausgearbeitet. Der flüssige Schreibstil unterstreicht die emotionalen Momente und lässt auch die traurigen Ereignisse deutlich fühlbar werden. Jede Zeile war für mich spannend und lesenswert.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere