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Veröffentlicht am 31.03.2025

Starke wütende Heldin

Fischtage
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Seit Ella dreizehn ist, hat sie diese Wutanfälle. Es überkommt sie zügig. Ein falsches Wort an der richtigen Stelle, ein so tun als ob, ein Versprechen, das nicht gehalten wird, verbrennt ihr die Magenwände, ...

Seit Ella dreizehn ist, hat sie diese Wutanfälle. Es überkommt sie zügig. Ein falsches Wort an der richtigen Stelle, ein so tun als ob, ein Versprechen, das nicht gehalten wird, verbrennt ihr die Magenwände, dann die Speiseröhre und kriecht ihr die Wirbelsäule hoch, bis ihr der Kopf platzt. Sie hat damit schon viele Freunde vergrault, deswegen lässt sie das mit der Nähe und dem Vertrauen jetzt.

Mit dreizehn hat Mama mich noch jedes Mal festgehalten, mit vierzehn hat sie versucht, mit mir darüber zu reden, mit fünfzehn hat sie mich aufgegeben. S. 11

Der Einzige, dem sie alles erzählen konnte, der wirklich zugehört hat, ist der olle Eckard, aber der driftet jetzt zielstrebig in die Vergesslichkeit und immer öfter erkennt er sie nicht mehr. Normalerweise hilft Rennen, das verhindert, dass sie den Menschen Ziegelsteine ins Gesicht wirft. Allerdings ist sie besoffen von einem Karussell geflogen und hat sich mehrmals das linke Bein gebrochen. Deswegen brüllt sie einfach, wenn es sie überkommt, aber danach hasst sie sich dafür.

Die Eltern haben sie in Therapie geschickt, seitdem kann sie dienstags und donnerstags nachmittags nicht mehr mit Kotsche abhängen. Jeden Mittwoch besucht sie den coolen ollen Eckard. Der Vater ihres Vaters ist früh gestorben und der Vater ihrer Mutter ist ein Vollzeitarschloch, das in Düsseldorf-Oberkassel sitzt und sich einen Scheiß für sie interessiert. Ihre Eltern sind zwei f****** Junkies aus der Kunstszene, die knallen Acid, Pilze, Koks, Gras und MDMA. Und jetzt ist ihr jüngerer Bruder spurlos verschwunden.

Fazit: Charlotte Brandi hat in ihrem Debüt eine temporeiche Coming -of- Age Story geschaffen und ich muss sagen Story“Telling“ kann sie absolut. Ihre sechzehnjährige Protagonistin wächst mit ihren zwei Geschwistern in einem Elternhaus auf, in dem es ihr an nichts fehlt, außer an echter Zuneigung und Wertschätzung. Von ihrer hormonellen Explosionsfähigkeit abgesehen, lebt sie in einer Familie, in der sich jeder selbst der Nächste ist. Die Eltern, je nach Stand der Dröhnung, die sie intus haben, sind auf Kante genäht und entsprechend reizbar. Der Bruder, dem sie sich noch am nächsten fühlt, ist plötzlich augenscheinlich abgehauen und die weitere Entwicklung der Geschichte lässt das Schlimmste befürchten vor den Kulissen des Dortmunder Underground. Die Stimmfarbe ist bockig, explosiv, stinksauer und so mutig. Ich liebe diese neuen Geschichten, in denen Mädchen oder junge Frauen so authentisch dargestellt werden wie sie sind und nicht wie die vernünftigen Püppchen der letzten vierzig Jahre. Die Autorin hat mich mitgenommen auf einen Trip mit einer starken Heldin, die ich gerne in echt kennengelernt hätte. Das war geil.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Sehr anschaulich erzählt

Zehn Bilder einer Liebe
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David

David hat Luisa nach vielen Jahren wiedergesehen und sich im Gegensatz zu ihr an sie erinnert. Damals war er mit seinen Eltern auf Milos gewesen und hatte ihr beim Tanzen zugesehen, er war neunzehn. ...

David

David hat Luisa nach vielen Jahren wiedergesehen und sich im Gegensatz zu ihr an sie erinnert. Damals war er mit seinen Eltern auf Milos gewesen und hatte ihr beim Tanzen zugesehen, er war neunzehn. Jetzt war sie in der Halle aufgetaucht, in denen er mit zwei Freunden Schiffe restauriert. Er kann kaum glauben, dass sie eine zehnjährige Tochter hat.

Der Plastikbecher mit seinem Sperma war nicht richtig verschlossen. Die Probe hat sich unter seiner Jeans verbreitet und ist wertlos. Im Aufzug der Kinderwunschklinik vor ihm stehen zwei Frauen Hand in Hand, verträumt lächelnd. Bei ihnen scheint es geklappt zu haben. Zuerst konnte er sich in der Praxis nicht gehen lassen. Statt sich selbst zu erregen, fuhr er Kopfkino. Die Rezeptionsmitarbeiterin gab ihm einen Becher, damit er ihn zuhause, in entspannter Atmosphäre füllen könnte. Dann würden sie zur erneuten Insemination kommen, alles kein Problem. Jetzt fühlt er sich schlecht und weiß nicht, wie er Luisa das erklären soll. Sie wird ihn für einen Versager halten und er kann es ihr nicht verdenken. Es war schließlich seine Idee. Sie wäre zufrieden gewesen mit ihrer Situation, sie hatte ja schon Ronya geboren. Er vermisst die ersten Jahre des Heranwachsens, sehnt sich nach einer richtigen Bande, einer festen, intensiven Vater-Kind-Beziehung. Er bräuchte einfach nur seinen Part zu leisten. Was war das schon im Gegensatz zu Luisa, die hormonell behandelt wird, die Stimmungsschwankungen in Kauf nimmt und sich seine aufbereiteten Zellen einpflanzen lässt. Er sieht schon die Spur der Enttäuschung in ihrem Gesicht, die sie versucht vor ihm zu verbergen.

Luisa

Er hat sie angerufen und ihr von seinem Malheur erzählt. Natürlich ist sie enttäuscht, wird aber versuchen, sich nichts anmerken zu lassen. Sie hilft Ronya, sich als Robin Hood zu verkleiden, wirft ihr die grüne Strumpfhose zu. Als sie die Haustüre zufallen hört, dreht sie sich um und sieht David gebeugt im Flur stehen. Sie ignoriert seine Haltung, will ihn jetzt nicht auffangen. Sie setzt sich auf den Balkon, während David zu Ronya ins Zimmer geht. Dort wird er Stunden bleiben, um sich nicht mit ihr auseinandersetzen zu müssen, sie kennt das. Also fährt sie in ihre Küche, um das Event für morgen vorzubereiten.

Fazit: Hannes Köhler zeigt ein Paar, das sich füreinander entschieden hat. Wie sie sich kennengelernt haben. Was für Luise mit dem Vater ihrer Tochter nicht gestimmt hat und wie sie Davids Verlässlichkeit schätzt. Sie meistern gemeinsam alltägliche Hürden und bringen sich zu gleichen Teilen in die Beziehung ein. Beide hegen ihre Zweifel am anderen und an sich selbst, raufen sich aber immer wieder zusammen. Davids Kinderwunsch und die damit verbundenen Strapazen sind eine große Herausforderung für das Paar. Der Autor erzählt mit großem Einfühlungsvermögen, lotet beide Seiten aus, lässt beiden genug Raum, sich zu zeigen. Beide Charaktere sind in ihrem Handeln und Denken so wundervoll normal. Es ist erstaunlich, wie sehr wir unsere eigenen Erwartungen an uns selbst auf unsere Partner*innen projizieren und uns damit boykottieren. Hannes Köhler lässt seine Protagonisten ein Beziehungsmodell finden, das sich nicht am Außen orientiert, sondern am Ende für sie beide passt. Eine gleichberechtigte Liebe mit beiderseitigen Entwicklungsmöglichkeiten ohne gängige Klischees. Und eine Geschichte zweier kluger Menschen, denen ich sehr gerne zugeschaut habe.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

So feinfühlig wie eindringlich

sterben üben
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Die Schmerzen, der alte Körper, Sachertorte, Medikamente, Inkontinenz, Sauna.

Die Großma hat nicht geschlafen, in der Nacht, aber trotzdem die Fenster geputzt. Die Enkelin ist das Schatzilein und gerade ...

Die Schmerzen, der alte Körper, Sachertorte, Medikamente, Inkontinenz, Sauna.

Die Großma hat nicht geschlafen, in der Nacht, aber trotzdem die Fenster geputzt. Die Enkelin ist das Schatzilein und gerade zu Besuch. Sie sieht, wie die Großma gebeugt über dem Rollator steht. Die Beine sind angelaufen, dick geschwollene Gelenke und Waden mit Dellen. Die Venen schlingern sich über die weiße, schuppige Haut. Der Träger ihres Hemdchens ist heruntergerutscht. Schatzilein folgt der Großma in die Küche, packt die Einkaufstasche aus, räumt den Inhalt in die Schränke und schneidet die Zutaten für das Mittagessen.

Großma erzählt von ihrem ersten Mann, der mit zweiunddreißig an Nierenversagen starb. Da war Schatzileins Mutter gerade ein Jahr. Sie versteht sich nicht gut mit der Großma, immer herrscht eine Spannung zwischen den beiden. Danach kam Horsterle, ihr zweiter Mann, der hat sich um alles gekümmert. Sie berichtet über all die lieben Erlebnisse mit der Nachbarin von unten. Die ist jetzt in ein Heim gekommen, das ging nicht mehr allein in der Wohnung. Die hatte so ein schönes Pflegebett und die Großma überlegt jetzt, ob sie es den Kindern abkaufen soll. Lange hat sie ja nicht darin gelegen, es ist noch fast neu.

Die anderen Großeltern haben Schlafmittel genommen, wollten gemeinsam gehen. Die Großmutter konnte aber wiederbelebt werden und hat danach keinem mehr in die Augen geschaut. Schatzilein fragt sich, warum jemand die Pflege ablehnt.

Fazit: Katharina Feist-Merhaut hat sieben Jahre an ihrem Debüt geschrieben. Sie verfolgt das Altern ihrer Großmutter sehr gewissenhaft. Während sie sich zunehmend um die alternde Frau kümmert, seziert sie mit ihrer Hilfe alle Fragen rund um den letzten Gang. Sie macht sich Notizen und Sprachaufnahmen und sichtet alte Dias. Der Text, in Prosa geschrieben, liest sich teils wie ein Tagebuch, teils wie ein Einkaufszettel. Sie spricht auch über den zunehmenden Druck der Verantwortung, die auf ihr lastet, weil sie die einzige ist, die in direkter Nähe der Großmutter lebt. Wenn die Großmutter nicht ans Telefon geht, setzt Panik ein, alles muss stehen und liegen gelassen werden. Sie sprechen offen über die Möglichkeit, in ein Heim zu ziehen, das eine Rundumbetreuung gewährleisten würde. Doch der Großmutter wäre es lieber, die Enkelin würde das übernehmen. Die Autorin hat eine einnehmende, authentische Geschichte geschrieben, in der sie auch die intimen Segmente der Pflege umkreist und das nötige Vertrauen durchleuchtet. Ein eindringliches, feinfühliges Buch.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Eine einfühlsame Entwicklungserzählung

Hunger und Zorn
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Der Vater ist sich sicher, dass Isor, seine dreizehnjährige Tochter schon immer eine Art Geistesschwäche hatte. Die Mutter spricht voller Liebe über ihr Kind und schwelgt in schönen Erinnerungen. Wie sie ...

Der Vater ist sich sicher, dass Isor, seine dreizehnjährige Tochter schon immer eine Art Geistesschwäche hatte. Die Mutter spricht voller Liebe über ihr Kind und schwelgt in schönen Erinnerungen. Wie sie die blauen Samtbänder kaufte, die Isor ausgesucht hatte und sie ihr in die Zöpfe flocht. Isor gibt sich ganz dem Schmerz hin und verwandelt ihn in Traurigkeit, aber auch in der Freude ist sie ganz präsent. Ihre Bewegungen sind linkisch und unbeholfen, sie macht alles auf ihre Weise.

Isor tanzt zur Musik in ihrem Kopf, findet Erfüllung in ihren Bewegungen. Der Tanz ist erst zu Ende, wenn sie auf dem Boden liegt mit einem Lächeln im Gesicht. Sie wollte nie lernen, nicht sprechen, nicht die Namen der Eltern. Nie hat sie sie aus der Wiege heraus angelächelt. Die Ärzte rieten von Schulbesuchen ab. Wenn die Eltern sie zu Hause unterrichteten, bekam sie Wutanfälle, die wie ein Unwetter über sie hereinbrachen.

Der Vater putzt die Fenster des 18. Arrondissements. Die Mutter ist bei der Feuerwehr, deshalb hat der Vater zu Anfang seine Stunden gekürzt und blieb bei Isor. Bis sie zwei war, gab es keine Auffälligkeiten, außer, dass sie unruhig war. Entspannen konnte sie sich erst, wenn sie die Übertragung einer japanischen Hockeymannschaft sah und die hysterischen Kommentatoren und der frenetische Jubel ertönten. Der Vater hatte das durch Zufall entdeckt. Eine erste Untersuchung ergab, dass sie Reize braucht, akustisch, sensorisch, visuell, ganz egal. Es muss Emotionen in ihr hervorrufen, dann beschäftigt sie sich Stunden damit.

Fazit: Wow! Alice Renard hat mich mit ihrem Debüt mitgenommen. Sie zeigt das Innenleben eines Mädchens, das frühkindlichen Autismus entwickelte. Ihre Protagonistin hat wenige Ausdrucksmöglichkeiten. Sie spricht nicht und meidet Kontakt. Ihrer Überforderung macht sie durch Wut Luft. Die Geschichte ist klug aus Sicht der Eltern erzählt. In einzelnen Abschnitten lässt die Autorin – ähnlich eines Interviews – abwechselnd die Mutter oder den Vater zu Wort kommen. Wobei die Mutter die Eigenarten betont und träumerisch beschönigt und der Vater die mangelnde Leistungsfähigkeit moniert. Interessant ist auch die schulmedizinische Odyssee beschrieben. Alle Spezialisten tun so, als verstünden sie, welche Probleme Isor hat. Tatsächlich aber sind sie nach anfänglicher Euphorie bald ebenso ratlos und resigniert wie die Eltern. Als Isor den alten, einsamen Nachbarn kennenlernt, beginnt eine gegenseitige Akzeptanz und Bewunderung. Er lässt Isor, wie sie ist und freut sich über das, was sie ihm bietet. Durch Beobachten erkennt er, was Isor braucht und gibt es ihr. Für mich ist die Geschichte auch eine klare Ansage an unsere Leistungsgesellschaft über den angemessenen Umgang mit Neurodiversität. Muss man Menschen in eine Norm quetschen, nur weil die „meisten“ so funktionieren oder sollten wir Menschen individueller betrachten und eigene „besondere“ Fähigkeiten fördern oder wenigstens akzeptieren? Eine einfühlsame Entwicklungserzählung mit nicht zu erwartendem Ausgang, die ich sehr genossen habe. Die Geschichte wurde in Frankreich mehrfach ausgezeichnet.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Diese Dystopie hat mich geflasht

Schweben
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Sasha und Louis sind auf nächtlicher Patrouille, sie schützen die Grenzen der Siedlung vor möglichen Eindringlingen. Sie haben von weiteren Siedlungen gehört, aber keinen Kontakt. Das Klima war immer heißer ...

Sasha und Louis sind auf nächtlicher Patrouille, sie schützen die Grenzen der Siedlung vor möglichen Eindringlingen. Sie haben von weiteren Siedlungen gehört, aber keinen Kontakt. Das Klima war immer heißer geworden. In den Gegenden, die noch bewohnbar waren, ballten sich die Menschen und es kam zu Kämpfen und Kriegen. Danach organisierte man sich in kleineren Einheiten. Sasha sieht zwei Gestalten abhauen, ein anderer liegt auf dem Boden und blutet. Sasha nimmt ihr Gewehr und lässt den Kolben auf den Kopf des am Boden Liegenden krachen. Louis ist schockiert, doch Sasha redet auf ihn ein. Es sei nötig gewesen, sie habe verhindern müssen, dass der Junge redete, man hätte ihnen seine Verletzungen angehangen und möglicherweise exilliert. Es war ein Spiel unter den Jugendlichen, das sich durchgesetzt hatte, ein Nervenkitzel. Sie verletzten sich an Stellen, die sie verdecken konnten. Bis es aus dem Ruder lief.

Ona muss zu Emma werden, der Ehefrau von Gil, die verschwunden ist. Seit mehr als zehn Jahren nun verwandelt sie sich, nimmt die Identität anderer Frauen an. Bei Ona spielte sie den Mutter-Tochter Konflikt mit, bis die Mutter auf Versöhnung aus war, das war nicht abgesprochen und sie kündigte ihren Vertrag. Nun bleiben ihr noch drei Visitenkarten, von denen sie per se zwei Fälle ausschlägt. Der dritte Klient ist Gil, mit dem sie sich nun verabredet. Sie geht in die Bar, die er ausgewählt hat. Sie erkennt den stattlichen Mann sofort, geht auf ihn zu und als er sie ansieht, wirkt er, als wolle er aufspringen und wegrennen. Zur Zeit hat sie noch keinerlei Ähnlichkeit mit Emma. Sie hatte ja bis gestern Ona gespielt und die war mager und etwas ungepflegt. Sie setzt sich und sie kommen ins Gespräch.

Fazit: Amira Ben Saoud hat eine Dystopie geschaffen und ich muss gestehen, dass das Genre nicht so mein Metier ist, aber diese Geschichte hat mich geflasht. Die Autorin hat ein geschlossenes System kreiert, in dem Menschen nach wenigen, aber bestimmten Regeln leben. Außenkontakte gibt es keine und das Verlassen der Siedlung ist lebensgefährlich. Jugendliche langweilen sich in diesem Regelwerk und kommen auf dumme Ideen. Die Protagonistin verdient ihr Geld, indem sie in die Identität anderer Frauen schlüpft, die von ihren Männern oder Müttern vermisst werden. Die Beziehungen waren konfliktreich und die Beteiligten haben Interesse daran, diese Konflikte weiterzuführen. Die Hauptdarstellerin kann sich nicht an ihren Namen erinnern. Im Laufe der toxischen Beziehung, die sie mit Gil nachspielt, kommen ihr Erinnerungen an ihre eigene Herkunft, die sie verdrängt hatte. Die Atmosphäre zwischen ihr und Gil, aber auch innerhalb der Siedlung verändert sich spürbar wie die Ruhe vor dem Sturm. Manch einer nimmt die Entwicklung eher wahr, doch am Ende merken es alle. Die Autorin erzählt aus Sicht ihrer Protagonistin und wirft sie in eine gespielte Beziehung zu einem kontrollsüchtigen Mann und aus Spiel wird Ernst. Obwohl sie schon einiges erlebt hat und vorerst ziemlich abgebrüht wirkt, schafft es dieser Mann, ihr Angst zu machen. Alles wird zunehmend düsterer und verursacht mir Schnappatmung. Was für eine fesselnde Geschichte, die ich bis zur letzten Seite verschlungen habe.

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