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Veröffentlicht am 02.05.2025

Eine durchweg gelungene Geschichte

Beeren pflücken
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Maine 1962

Joe war sechs, als er von den Weißen hörte, dass die Indianer gute Beerenpflücker seien, weil sie etwas Saures im Blut hätten und deswegen die Mücken nicht an sie gingen.

Für Joe, der mit ...

Maine 1962

Joe war sechs, als er von den Weißen hörte, dass die Indianer gute Beerenpflücker seien, weil sie etwas Saures im Blut hätten und deswegen die Mücken nicht an sie gingen.

Für Joe, der mit seiner Familie in einer Vierzimmerwohnung mit undichtem Dach lebte, war Mr. Ellis Haus mit den vielen Fenstern, das reinste Herrenhaus. Nachdem sie auf Ellis Farm angekommen waren, fuhr sein Vater wie jedes Jahr los, um die anderen Pflücker einzusammeln. Im Gegensatz zu den anderen, die in Zelten schliefen, hatten sie eine Hütte, die jetzt geschrubbt werden musste. Seine Schwester Mae half Mom drinnen. Die Brüder Ben und Charlie waren in Dads Truck und Joe und die kleine Ruthie rissen das Gras um die Hütte herum aus. Ben und Mae waren in der Schule für junge Indianer gewesen. Joe sah sie nur noch an Weihnachten und zum Beeren pflücken. Als der Indianerbeauftragte Dad einen Brief schrieb und die harte Arbeit erwähnte, die ihren Charakter formen und sie zu anständigen Leuten mache, zerriss Dad das Papier und Ben und Mae gingen wieder auf die gleiche Schule wie Joe. Der Tag, als die vierjährige Ruthie auf dem Stein am Feldrand saß und kurz darauf verschwand, veränderte das Leben jedes einzelnen der Mi´kmaq Familie nachhaltig.

Norma erinnert sich an den Tag, als sie auf dem Rücksitz eines Autos saß, das sie nicht kannte. Ihr sonst zusammengebundener Zopf war zerzaust und einer ihrer Schuhe lag vor ihr auf dem Boden. Sie träumt regelmäßig von einem Lagerfeuer, riecht den Rauch und hört Menschen singen und lachen. Sie kann sich diese Bilder nicht erklären und wenn sie ihrer Mutter davon erzählt, bekommt die Kopfschmerzen und muss sich zurückziehen. Wenn Mutter etwas richtig gut kann, dann ist das Schuldgefühle auslösen und ihrem Putzfimmel frönen. Normas Vater ist Richter und muss immer tadellos gekleidet sein, sagt Mutter.

Fazit: Amanda Peters hat eine eindringliche fiktive Geschichte über eine indigene Familie aus Nova Scotia geschrieben, die im Sommer Geld bei der Blaubeerernte in Maine verdient. Sie leben ein einfaches, aber zufriedenes Leben, bis die jüngste Tochter spurlos verschwindet. Reichtum wird ihnen nie beschert sein, dieser Zustand ist den weißen vorbehalten. Viele ihrer Landsleute haben sich für ein Leben im Reservat entschieden, doch diese Familie schlägt sich weiter durch. Die Geschichte ist hervorragend geschrieben und entblättert die tragische Wirklichkeit über die Gedanken von Joe, die sich mit denen der wunderlichen Norma abwechseln. Die Autorin mit indigenen Wurzeln hat die Geschichte ihres Volkes aufgearbeitet. Sie bedient sich einer einfachen, klaren und bildreichen Sprache. Die Ereignisse schildert sie ohne unnötigen Pathos und berührt mich damit tief. Die psychologischen Konsequenzen, Joes Schuldgefühle und das Leid seiner Mutter, sind richtig gut eingefangen. Alle Charaktere haben den angemessenen Raum bekommen, sich zu entfalten. Eine durchweg bewegende Geschichte, bei der wirklich alles stimmt. Absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 29.04.2025

Eindringliche Geschichte über gesellschaftlichen Umbruch

Der Tøyen-Effekt
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Oslo/Tøyen 2018

Kalle vermisst Papa, doch Jostein ist in Kopenhagen. Kalle zockt am Tablet, obwohl er das nicht soll. Seine grenzenlose Langeweile treibt ihn immer wieder zum Controller. Seine Mutter ...

Oslo/Tøyen 2018

Kalle vermisst Papa, doch Jostein ist in Kopenhagen. Kalle zockt am Tablet, obwohl er das nicht soll. Seine grenzenlose Langeweile treibt ihn immer wieder zum Controller. Seine Mutter Mona will, dass er sich mit anderen Kindern trifft. Er weiß das und entschuldigt sich. Seine Gefügigkeit ist ihr unangenehm. Sein Klassenlehrer hat sie schon darauf angesprochen, dass Kalle Konflikten grundsätzlich aus dem Weg geht. Mona fürchtet, dass ihm der nötige Biss fehlt, um sich durchzusetzen.

Während sie das Essen zubereitet, liegt ihr das unangenehme Gespräch mit Jostein gestern Abend schwer im Magen, der viele Alkohol und wenige Schlaf. Sie würden besser getrennt wohnen, hatte sie ihm gesagt, kalt, herzlos. Er leistete keinen Widerstand, schien das erwartet zu haben. Er wolle doch depressiv sein, warf sie ihm vor und sie halte das nicht noch einmal aus. Heute Morgen dann war Jostein in der Früh nach Kopenhagen aufgebrochen.

Vor acht Jahren hatten sie sich entschieden, nach Tøyen zu ziehen, den Osloer Stadtteil mit der höchsten Kriminalität, der größten Armut. Es hatte sich so ergeben, nachdem sie ihre Zweizimmerwohnung verkauft hatten. Sie brauchten eine größere Wohnung für ihre kleine Familie und Tøyen versprach günstigen Wohnraum. Sie nahmen das Straßenbild der Backsteinbauten, Hochhäuser und Junkies in Kauf. Jostein kam mit den Anwohnern ins Gespräch und erfuhr von deren Problemen. Die meisten kamen aus Pakistan und Somalia. Er half bei Anträgen und der Jobsuche. Mona eröffnete einen Social-Media-Account, postete Fotos und schrieb Artikel. Viele Menschen aus Norwegen interessierten sich für die Entwicklung von Tøyen, sie folgten ihnen und die Resonanz war positiv. Doch schon bald erntete sie Hasskommentare über die Sozialschmarotzer, man fühlte sich überfremdet. Nach und nach driftete die kleine Familie auseinander.

Fazit: Bjarte Breiteig hat eine brandaktuelle Fiktion geschaffen. Seine Protagonistin lässt die Jahre mit ihrem Mann Revue passieren, als er für zwei Tage nach Kopenhagen fährt. Über ihre Gedanken erfahre ich, wie sie sich engagieren, die Lebensqualität der Menschen und auch ihre eigene, in einem verrufenen Stadtteil zu verbessern. Sie trotzen den Widrigkeiten und bauen ein tragfähiges Netzwerk auf. In den Jahren des Aufbaus bekommen sie viel Energie zurück. Eine neue Flüchtlingswelle überfordert vor allem Mona, die mit ihrer Arbeit als Lektorin die Hauptverdienerin ist und das Überleben ihrer Familie sichert. Interessant fand ich, wie gut der Autor das Familienleben Monas zeichnet, die viele Arbeit, die sie in ihr Engagement stecken. Sie ziehen Jahre an einem Strang, doch während Jostein sich wie selbstverständlich mit seiner großen Offenheit und seinem Charisma einbringt, steht Mona, die voller Selbstzweifel ist, lieber im Hintergrund. Mona stellt sich infrage, bezweifelt ihre Intention in den Interaktionen und das finde ich lehrreich. Letztendlich zeigt die Geschichte auf eindringliche Weise, was gesellschaftlich möglich wäre, wenn wir offen blieben und auch, wie lohnenswert das für jeden einzelnen sein kann. Gemeinsam können wir Berge versetzen. Eine schöne Vorstellung.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Zeitloser Klassiker über menschliche Abgründe

Nicht länger ein Mensch. Roman. Das Kultbuch aus Japan
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Ein Foto von einem etwa Zehnjährigen. Er steht an einem Gartenteich, umgeben von Frauen, vermutlich Schwestern und Cousinen. Er lächelt einfältig, doch bei genauerer Betrachtung ist sein Lächeln schmierig. ...

Ein Foto von einem etwa Zehnjährigen. Er steht an einem Gartenteich, umgeben von Frauen, vermutlich Schwestern und Cousinen. Er lächelt einfältig, doch bei genauerer Betrachtung ist sein Lächeln schmierig. Es wirkt nicht echt, zumal er die Fäuste geballt hat. Auf dem zweiten Bild trägt er eine Schuluniform. Er lächelt, aber etwas stimmt nicht. Das Lächeln wirkt gekünztelt oder geziert. Auf dem dritten Bild ist er deutlich älter. Graue Strähnen durchziehen das Haar. Sein Gesicht schaut ohne jeden Ausdruck aus einer Ecke eines heruntergekommenen Raums hervor. Es bereitet einem Unbehagen, man möchte schnell wieder wegschauen.

Als Kind verspürte er nie Hunger. Er war das Jüngste und saß in dem Saal, in dem sie zu zehn speisten, in der hintersten Ecke. Alle nahmen ihre Speisen in absoluter Stille mit der größten Dringlichkeit ein. Diese Zusammenkünfte an drei Zeiten des Tages wurden ihm der größte Groll. Wer nicht esse, müsse sterben, sagte man ihm und verursachte ihm nächtliche Albträume.
Er verstand die Menschen nicht, alle wirkten so fröhlich, ganz anders als er. Er wusste nicht, worüber er mit den Nachbarn reden sollte, alles war ihm ein Rätsel.

Und somit schuf ich mir die Clownsmaske. Sie war mein letzter Versuch, um die Liebe meiner Außenwelt zu werben. So sehr mir die Menschen auch Angst einflößten, aufgeben konnte ich sie nicht. S. 13

Obwohl er ein kränklicher Junge war und mehrere schulische Ausfälle hatte, einmal ein ganzes Jahr, war er ein glänzender Schüler. Er erzählte Geschichten, faxte herum und brachte seine Umwelt zum Lachen. An der weiterführenden Schule traf er auf seinen ersten Widersacher. Take´ichi enttarnte ihn in seiner Clownerie und er wusste, er würde sich mit dem ungepflegten Jungen verbünden müssen und so umwarb er ihn.

Fazit: Das Buch wurde 1948 ursprünglich als Dreiteiler in der japanischen Zeitschrift Tembo veröffentlicht und entwickelte sich zu einem Buch, das in Japan mittlerweile 6,7 Mio. Mal verkauft wurde. Ein „Opus magnum“. Die Geschichte hat autobiografische Züge, weil der Autor Osamu Dazai eigene Parallelen wie Suizid, soziale Entfremdung und Depression verhandelt. Kurz nach der Veröffentlichung ertränkte sich Dazai.
Sein Protagonist hat keine Empathiefähigkeit und entwickelt schon in ganz jungen Jahren multiple Ängste. Sein Anderssein stürzt ihn in tiefe Einsamkeit. Er versucht seine Anpassung, indem er die „Anderen“ zum Lachen bringt. Trotz bester intellektueller Voraussetzungen gerät er an den falschen Umgang und lernt die Wirkung von Alkohol auf den geschundenen Selbstwert schätzen. Er muss das Studium abbrechen und verliert die väterliche Unterstützung. Im Laufe der Geschichte verfällt er diversen Abhängigkeiten. Sein Leidensdruck ist enorm, ebenso wie sein Egoismus und die Weigerung, Verantwortung zu übernehmen. Eine tiefreifende Geschichte, die mich hin- und hergerissen hat, mich ebenso Verständnis als auch tiefe Abneigung gegen Yózó hat spüren lassen. Ein zeitloses Buch für alle, die sich für die japanische Kultur interessieren.

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Der Meister der Inszenierung

Wut und Liebe
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Camilla und Noah waren sich im Club Retro zum ersten Mal begegnet. Sie umkreisten sich dreißig Minuten auf der Tanzfläche, ließen ihre Beziehungen stehen und waren ein Paar, ein plötzliches. Seit drei ...

Camilla und Noah waren sich im Club Retro zum ersten Mal begegnet. Sie umkreisten sich dreißig Minuten auf der Tanzfläche, ließen ihre Beziehungen stehen und waren ein Paar, ein plötzliches. Seit drei Jahren leben sie zusammen. Camilla ist Buchhalterin und hasst ihren Job, aber sie brauchen das Geld. Noah ist Künstler, konzentriert sich auf seine Maltechniken und wartet auf den großen Durchbruch. Camilla ist nicht glücklich mit der Situation, sie hat sich ihr Leben anders vorgestellt, wünscht sich mehr finanzielle Sicherheit.

Sie liegen in den zerknüllten Laken, ihre Brust unter seiner Achselhöhle. Camilla sieht ihn an und wartet auf eine Antwort. Sie hat gerade etwas ganz und gar Ungehöriges gesagt. Noah blickt konzentriert an die Decke. Er ahnte es schon länger, jetzt ist es ausgesprochen. Camilla wird ihn verlassen. Fürs erste kann er in ihrer Wohnung wohnen, bleiben bis er etwas eigenes gefunden hat.

Betty Hasler ist auf dem Weg zur Blauen Tulpe. Sie denkt an Pat, der nicht ihr erster, aber ihr letzter war. Drinnen angekommen bestellt sie sich einen Mojito. Peter Zaugg hat ihren Mann umgebracht. Achtunddreißig Jahre lang ließ Pat sich von Zaugg bevormunden und finanziell abzocken, bis ihn mit fünfundsechzig der dritte Herzinfarkt erwischte. Ruhestätte statt Ruhestand. Sie würde eine Million dafür geben, dass ein Profi Zaugg vor ihr abkratzen ließe, das wäre es ihr wert.

Fazit: Martin Suter, Meister der Inszenierung, hat wieder zugeschlagen. Er hat ein Paar mittleren Alters geschaffen, das sich liebt, aber an dem einseitigen Einkommen, das doch nie reicht, in die Knie geht. Noah, der kreative Kopf, drückt auf die Farbtube und versucht alles um die Frau, die er liebt, zurückzuerobern. Der Autor baut Spannung auf, legt den Protagonisten jede Menge Steine in den Weg und schafft ein Verwirrspiel, bei dem wenig so ist, wie es scheint. Er arbeitet mit vielen Dialogen, die ich wieder sehr gelungen finde. Falls sich ein tieferer Sinn hinter der Geschichte verbirgt, dann vielleicht der, dass wir nicht alles glauben sollten, was uns eine*r erzählt. Um ein Gesamtverständnis zu erlangen, so man das möchte, ist es vortrefflich, mehrere Sichtweisen einzuholen. Mich hat hier nichts gestört, kein Haar im Süppchen und deshalb meine große Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Psychologisches Ränkespiel

Blaues Wunder
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Walter Bornsteins Boot ist 72,8 Meter lang. Es hat eine Mastersuite und vier Gästesuiten, jede davon ausgestattet mit einem Jacuzzi auf einer Sonnenterrasse. Außerdem gibt es einen Pool, einen Fitnessraum, ...

Walter Bornsteins Boot ist 72,8 Meter lang. Es hat eine Mastersuite und vier Gästesuiten, jede davon ausgestattet mit einem Jacuzzi auf einer Sonnenterrasse. Außerdem gibt es einen Pool, einen Fitnessraum, ein Kino und zwei Hubschrauberlandeplätze. Walter, seine Gäste, seine Frau und sein Sohn sind mit dem Helikopter angereist. Sie werden es sich eine Woche lang in den Philippinen gut gehen lassen. Ursprünglich gehörte die Bank Bornstein & Söhne der Familie von Walters Frau Rachel. Als sie jedoch Walter heiratete, unterschrieb sie einen Ehevertrag und gab ihr Erbe an ihren Mann weiter. Die Familie hatte für sie nie vorgesehen, Eigentümerin der Bank zu werden, obwohl sie im Gegensatz zu Walter mit Bestnoten studiert hatte.

Jetzt ist sie, was sie ist eine einflussreiche Randerscheinung, die den Schatten zu schätzen gelernt hat. S. 70

Ferdinand und Kilian sind Konkurrenten. Sie bespielen die gleiche Liga, haben sich in ihrem Wohlstand eingerichtet, Häuser bezogen und eine Familie gegründet. Beide haben ihren Frauen diesen kleinen Urlaub schmackhaft geredet. Im Grunde ist es eine Geschäftsreise, die ihren Reichtum mehren kann, doch sie wissen beide nicht, wen von ihnen Walter demnächst an seiner engsten Seite wähnt.

Für Ferdinand geht es um alles, er weiß, dass seine Chancen gut stehen, weil seine Frau Nora ein Augenschmaus ist. Für ihre vierzig Jahre hat sie sich gut gehalten, wie immer wird sie ihm den Rücken stärken, das ist eine stillschweigende Übereinkunft. Er besorgt das Geld, sie bespaßt die Kinder, diverse Wohltätigkeitsveranstaltungen und genießt das Vergnügen.

Kilians Frau Franziska gefällt die Stimmung an Bord nicht. Walter ist ihr unsympathisch, wie er immer am Ende des Tisches sitzt und sie alle beobachtet wie ein Übervater. Für sie, die aus denkbar einfachen Verhältnissen kommt, ist das ganze eine Farce. Außerdem verabscheut sie ihren Mann und kann ihm in der Enge des Bootes nicht aus dem Weg gehen.

Fazit: Was ist das denn für eine geniale Geschichte? Anne Freytag hat nach ihrem literarischem Debüt „Lügen, die wir uns erzählen“ ein psychologisches Überraschungspaket geschaffen. Sie schickt sieben Menschen auf eine Yacht in die Südsee, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Story wird aus der Sicht aller drei Frauen erzählt, die abwechselnd zu Wort kommen. Dazwischen sehen wir Interaktionen, die die Frauen in ihrem Kopf auszuwerten und einzuordnen suchen. Die Männer sind ehrgeizig, bevormundend und machtbesessen. Es entsteht das Bild eines manipulativen Hais, der Delfine gegen Wale ausspielt und sich daran erheitert, wie andere sich erniedrigen. Nach und nach erfahre ich über die Gedanken der Frauen, warum sie sich von ihren Männern abhängig gemacht haben. Und dann entstehen so spannende Wendungen, dass ich aufhöre zu atmen. Die Autorin schickt mich in ein Wechselbad der Gefühle. Ich schüttel den Kopf, erstaune, erschauere, lächle, blicke in den Himmel und denke nach. Ein so gut gezeichnetes Ränkespiel um Bedürfnisse, das genau meinen Nerv getroffen hat.

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