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Veröffentlicht am 16.09.2025

Zutiefst berührend und erschütternd zugleich!

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Roman „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ die dramatische Lebensgeschichte von Margret und Hardy, die sich Ende des Zweiten Weltkriegs, in einem katholischen ...

Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Roman „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ die dramatische Lebensgeschichte von Margret und Hardy, die sich Ende des Zweiten Weltkriegs, in einem katholischen Kinderheim, kennenlernen und einander Halt geben. Zu einer Zeit, in der Abertausende Kinder nicht nur durch den Krieg von ihren Familien getrennt wurden, sondern in Heimen obendrein noch schlimmste Misshandlungen über sich ergehen lassen mussten. Sie erzählt davon, wie Beide getrennt wurden, um sich später wiederzufinden und nie wieder loszulassen. Und sie erzählt die Geschichte, wie sich solch traumatische Erlebnisse noch über Generationen hinweg auswirken.

Das Buch spielt in zwei Zeitebenen. Während die Eine rückblickend vom grausamen Schicksal der beiden Waisenkinder Margret und Hardy, nach dem Zweiten Weltkrieg, sowie von ihrem späteren, gemeinsamen Lebensweg erzählt, konzentriert sich die Andere auf die Geschichte ihrer Urenkelin Emily, die bei ihnen aufwächst und unter den, nicht weniger dramatischen, generationenübergreifenden Auswirkungen der einstigen Misshandlungen ihrer Urgroßeltern zu leiden hat. Der einerseits klare und schonungslose, andererseits aber auch seichte und unaufgeregte Schreibstil der Autorin hat mich absolut erreicht und mir sehr gut gefallen. Obwohl es derzeit um meine Konzentration nicht zum Besten steht, hatte ich weder Probleme in die Geschichte zu starten, noch, mich nach einer Lesepause wieder hineinzufinden. Ganz im Gegenteil war ich jedes Mal sofort wieder mittendrin und vom Schicksal aller Beteiligten zutiefst ergriffen. Denn, mit Ausnahme von Julia und Sabine, kann man gar nicht anders, als sie in sein Herz zu schließen, mit ihnen zu leiden, zu verzweifeln, zu fühlen, aufzuatmen und sich abschließend sogar zu freuen.

Fazit: Das allseits präsente Schweigen im Buch war für mich am lautesten und manchmal recht schwer auszuhalten. Insbesondere die authentisch beschriebenen Misshandlungs-Szenen haben mich zutiefst erschüttert, wie auch berührt. Selbst jetzt spukt das Gelesene immer noch in meinem Kopf umher, macht mich betroffen, wütend und bringt mich nachhaltig zum nachdenken.

Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen!

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Das Buch der leisen Wunder ❤️

Der Garten der kleinen Wunder
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Toja ist Illustratorin, deren Leidenschaft Bildern statt großer Worte gilt. Wie viele introvertierte Menschen, schöpft auch sie ihre Kraft sowohl aus der Natur, als auch der Abgeschiedenheit ihres kleinen ...

Toja ist Illustratorin, deren Leidenschaft Bildern statt großer Worte gilt. Wie viele introvertierte Menschen, schöpft auch sie ihre Kraft sowohl aus der Natur, als auch der Abgeschiedenheit ihres kleinen Häuschens am Standrand. Als sich eines Tages die 14jährige Vica ins Gebüsch am Gartenzaum schleicht, nähern sich die beiden vorsichtig an, wobei sich Toja immer mehr in dem Mädchen wiedererkennt. So beginnt Patricia Koelle-Wolken ihren wundervollen neuen Roman „Der Garten der kleinen Wunder“, in dem es ebenso um die Wunder der Natur geht, wie um alltägliche Wunder, um unerwartete Begegnungen, rettende Freundschaft, Hoffnung und nicht zuletzt um einen zauberhaften Sommer, der vieles zu verändern vermag.

Um ehrlich zu sein, war mir die Autorin Patricia Koelle-Wolken bis zu diesem Buch absolut kein Begriff, meine Erwartung dementsprechend neutral, meine Vorfreude aufgrund des Klappentextes jedoch groß. Die ersten Seiten lasen sich toll, nur war ich plötzlich zu faul selbst zu lesen, also habe ich mich zusätzlich für das Hörbuch entschieden und mich dann einfach zurückgelehnt. Ebenso einfühlsam von Ulrike Kapfer gelesen, wie von der Autorin geschrieben, kann ich es auch nur wärmstens empfehlen, es war ein Wohlfühl-Genuss!

Die unglaublich bildhafte und vor Lebensfreude sprühende Sprache der Autorin haben mich gleich auf den ersten Seiten abgeholt. Ihre Liebe zur Natur und dem Alltäglichen klingt nicht nur in jedem Satz mit, sondern zeigt auch in eben diesen alltäglichen Dingen, die „kleinen Wunder“ auf, die uns in der heutigen Zeit viel zu oft entgehen. Zudem erinnert sie daran, wie kleine Veränderungen und Taten, ja sogar Worte, nachhaltig Großes bewirken und anstoßen können. Ich weiß nicht wie ich es anders beschreiben soll, als dass es mich geradezu innerlich gewärmt und inspiriert hat. Zudem finde ich es wundervoll, wie einfühlsam und exakt sie das Innere von Toja und Vica mit Hilfe von einfachen Beispielen und Vergleichen beschreibt. Beide sind introvertiert, weshalb sie sich oftmals einsam und unverstanden gefühlt, ihre Andersartigkeit als eine Art Krankheit gesehen haben. Damit leistet die Autorin obendrein noch hervorragende Aufklärungsarbeit, denn der Druck von Außen und die daraus resultierende Verzweiflung werden hier wirklich verständlich und nachvollziehbar dargestellt, ebenso wie der Irrsinn und die Ansprüche unserer Gesellschaft.

Fazit: Eine wahrhaft wundervolle, tiefgründige, wenngleich auch leise Geschichte über Introvertiertheit und darüber, dass „Glücklichsein“ für jeden etwas anderes bedeutet! Ein Buch das gleichermaßen berührt, wie glücklich macht und zum nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Ein wenig magischer Ort

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Eine magische Zuckerbäckerei an einem ebenso magischen Ort, der sich nur jenen Menschen offenbart, die aus dem Gleichgewicht geratenen sind, deren Dasein bedroht zu sein scheint - die Mondlichtgasse. In ...

Eine magische Zuckerbäckerei an einem ebenso magischen Ort, der sich nur jenen Menschen offenbart, die aus dem Gleichgewicht geratenen sind, deren Dasein bedroht zu sein scheint - die Mondlichtgasse. In ihrem Buch „Der Laden in der Mondlichtgasse“ lässt sich Autorin Hiyoko Kurisu von japanischen Fabeln und Märchen inspirieren, die sie zu verzauberten Lebensweisheiten umformt.

Ich liebe landestypische Märchen und Fabeln. Und auch Bücher, die in durch Erzählungen Lebensweisheiten vermitteln und zum (um)denken anregen. Kein Wunder also, dass mich sowohl das hochwertige Cover, als auch die zauberhafte Beschreibung der Buchrückseite direkt angesprungen und angesprochen hat. Für mich klang sie nach Lebensweisheiten, aber auch nach einem einfallsreichen, zusammenhängenden Roman über eine wundersame Confiserie in besagter, geheimnisvoller Mondlichtgasse und deren „problematische“ Kunden. Sie klang nach kleinen Wundern, viel Fantasie, Gefühlen und magischen Süßigkeiten - wer kann da schon widerstehen

Schon nach dem ersten Kapitel wurde mir allerdings klar, dass es sich vielmehr um eine Aneinanderreihung, nicht zusammenhängender Kurzgeschichten handelt, die nichts miteinander gemein haben, außer eben den Besuch in der Confiserie. Was ja auch nicht weiter schlimm gewesen wäre, hätte es vielleicht Übergänge gegeben, wären sie nur irgendwie, aus Zauberhand, miteinander verbunden worden und nicht einfach so platt aneinandergereiht.
Süß zu lesen, vermittelt jede von ihnen eine Lebensweisheit - was ich normalerweise echt mag - doch waren mir diese einfach zu plump geschrieben, zu kindlich und naiv formuliert und der Wortwahl fehlte, meiner Meinung nach, wirklich jeglicher „magische“ Ansatz, was ich ganz besonders schade fand, schließlich hatte ich mir von einer Mondlichtgasse so einiges versprochen.

Fazit: Schade, schade, hier wurde eine wirklich tolle und vielversprechende Grundidee, leider nicht genutzt. Mich hat die Umsetzung, insbesondere der Schreibstil, leider nur wenig erreicht und berührt.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Portrait einer leidenschaftlichen Frau

Peggy Guggenheim
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In vielen Köpfen hat sich Peggy Guggenheim vermutlich irgendwo zwischen reiche, amerikanische Kunstsammlerin und exzentrische, skandalöse Persönlichkeit, die irgendwas mit Kunst zu tun hat, eingenistet. ...

In vielen Köpfen hat sich Peggy Guggenheim vermutlich irgendwo zwischen reiche, amerikanische Kunstsammlerin und exzentrische, skandalöse Persönlichkeit, die irgendwas mit Kunst zu tun hat, eingenistet. Doch wird diese, sicherlich sehr weit verbreitete, Einschätzung weder ihr, noch ihrem Lebenswerk gerecht. Was viele nicht wissen, Marguerite „Peggy“ Guggenheim war sehr viel mehr als das - sie war eine Kunst liebende, sammelnde, rettende und fördernde Visionärin, ein mutiger Freigeist und eine Institution für sich.

Kunsthistorikerin Mona Horncastle ist es in ihrer Biografie gelungen, ein wertschätzendes Bild einer wirklich mutigen Frau zu portraitieren, das nicht auf ihre Eskapaden und Stereotypen fokussiert ist, sondern darauf, welch unglaublichen Einfluss sie auf die Kunstwelt hatte und wie sie u.a. zur Rettung der modernen Kunst und der Avantgarden, insbesondere während des Zweiten Weltkrieges, beitrug. In klarer und fesselnder Sprache beschreibt die Autorin u.a. sowohl Peggys leidenschaftliches Engagement für die moderne Kunst, als auch ihre Unterstützung der Arbeiterklasse, der literarischen feministischen Avantgarde und auch ihre Rolle als Fluchthelferin. Was mir persönlich zuvor gar nicht so bewusst war. Dabei lässt sie Peggy Guggenheims unumstritten unkonventionelles Privatleben ganz bewusst außen vor, was den einen oder anderen vielleicht enttäuschen wird, aber letztendlich einen einwandfreien Fokus auf „ihr Schaffen“ legt. Diesbezüglich hat mir das erklärende Nachwort auch sehr gut gefallen, ebenso wie die gesamte Vorgeschichte zum Vermögen ihrer Familie etc.

Fazit: Ich empfand das Buch als überaus informativ, doch auch ebenso inspirierend. Immer wieder habe ich, aus Neugierde und in Anbetracht der unzähligen genannten Künstler, das Buch zur Seite legen müssen, um mehr über sie herauszufinden und mir ihre Bilder anzuschauen. Sehr interessant und auf jeden Fall lesenswert!

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Wenn Mut und Empathie über Ängste siegen

Der Große Gary
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Was bedeutet es eigentlich, sich trotz sämtlicher Phobien, Ängsten und Zwängen, um ein „keimbehaftetes“ Tier zu kümmern, das einem in Form eines Windhundes, plötzlich am Strand hinterher läuft? Sich plötzlich, ...

Was bedeutet es eigentlich, sich trotz sämtlicher Phobien, Ängsten und Zwängen, um ein „keimbehaftetes“ Tier zu kümmern, das einem in Form eines Windhundes, plötzlich am Strand hinterher läuft? Sich plötzlich, aus Sorge um einen völlig fremden Hund, der sich zudem noch als bekannter Rennchampion entpuppt, seinen eigenen Ängsten zu stellen und obendrein noch den Mut aufzubringen, ihn vor seinen grausamen Besitzern zu beschützen? Im Roman „Der große Gary“ von Rob Perry geht es um Ängste, um Mitgefühl, Liebe und um Mut. Es geht um skurrile Menschen und um Freundschaft. Das Buch erzählt die ergreifende Geschichte des jungen Außenseiters Benjamin, der, nach dem Zusammenbruch seiner Oma, ganz allein auf sich gestellt, Halt und Hoffnung durch und bei einem Hund findet. Einem ganz besonderen Hund, dem großen Gary.

Mit seiner ganz besonderen Erzählweise und einer gewissen Art von Leichtigkeit, greift der Autor u.a. die oftmals nicht nur tabuisierten, sondern ebenso unverstandenen Themen der Zwänge, Ängste und Phobien auf. Indem er diese aus Sicht von Benjamin darstellt, werden sie plötzlich greifbar und lassen sich besser nachvollziehen. Oft musste ich erstmal innehalten und über das Ausmaß nachdenken, über die Einschränkungen und auch die Isolation, die Benjamin aufgrund dessen widerfährt. Und darüber, wie großartig seine Entwicklung, in Anbetracht dessen, im Verkauf der Geschichte doch ist. Ich konnte richtig mitfühlen, wäre am Liebsten selbst zu Hilfe geeilt, hätte Mut zugesprochen und mich mit auf diesen skurrilen Roadtrip begeben. Um dieser, eigentlich recht dramatischen und traurigen Geschichte besagte Leichtigkeit und sogar Humor zu verleihen, kommen die übrigen, echt schrägen, doch irgendwie auch ebenso liebenswerten, Protagonisten ins Spiel. Alle sind sie auf ihre spezielle Art und Weise Außenseiter, doch zugleich absolut echt und authentisch. Wobei ich jedem, von Zwangs- oder Angststörungen Geplagten, eine Vorgesetzte und Freundin wie Camille, einfach nur wünschen kann!

Da ich nicht nur eine große Tierfreundin bin, sondern selbst auch mit Ängsten zu kämpfen und eine Oma im Krankenhaus habe, kann ich nicht beurteilen ob das Buch wirklich jeden so erreichen wird, wie es mich beim lesen erreicht und zudem zutiefst berührt hat. Ich denke, um die Tiefgründigkeit des Buches wirklich fühlen zu können, sollte man zumindest offen bzw. interessiert an psychischen Problematiken sein und darüber hinaus auch die enge Verbundenheit und Liebe zu einem Tier nachempfinden können oder sie im besten Fall selbst schon einmal erlebt haben. In dem Fall kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen, für mich war es in Idee und Umsetzung ein wahres Highlight. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, wann mich ein Buch das letzte Mal dazu gebracht hat, es in einem Rutsch durchzulesen. Dabei hat es mir gleichzeitig sowohl Tränen, als auch urkomische Schmunzler entlockt. Einfach eine großartige Mischung, wenngleich ich mir schon irgendwie ein klareres Ende gewünscht hätte, ein eindeutigeres Happy End, eines schwarz auf weiß, das nicht so viel Raum für Interpretationen und eigene Gedanken gelassen hätte. Eines, das ich Benjamin zutiefst wünsche.

Fazit: Ein Muss für jeden, der weiß was es heißt - trotz seiner Ängste - mutig zu sein! Und ein Muss für jeden, der weiß wie heilsam Tiere sein können, wie sie es immer wieder schaffen, dass man aus Liebe zu ihnen über sich selbst hinauswächst. Großartige Idee, großartige Umsetzung!

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