Zutiefst berührend und erschütternd zugleich!
Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Roman „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ die dramatische Lebensgeschichte von Margret und Hardy, die sich Ende des Zweiten Weltkriegs, in einem katholischen ...
Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Roman „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ die dramatische Lebensgeschichte von Margret und Hardy, die sich Ende des Zweiten Weltkriegs, in einem katholischen Kinderheim, kennenlernen und einander Halt geben. Zu einer Zeit, in der Abertausende Kinder nicht nur durch den Krieg von ihren Familien getrennt wurden, sondern in Heimen obendrein noch schlimmste Misshandlungen über sich ergehen lassen mussten. Sie erzählt davon, wie Beide getrennt wurden, um sich später wiederzufinden und nie wieder loszulassen. Und sie erzählt die Geschichte, wie sich solch traumatische Erlebnisse noch über Generationen hinweg auswirken.
Das Buch spielt in zwei Zeitebenen. Während die Eine rückblickend vom grausamen Schicksal der beiden Waisenkinder Margret und Hardy, nach dem Zweiten Weltkrieg, sowie von ihrem späteren, gemeinsamen Lebensweg erzählt, konzentriert sich die Andere auf die Geschichte ihrer Urenkelin Emily, die bei ihnen aufwächst und unter den, nicht weniger dramatischen, generationenübergreifenden Auswirkungen der einstigen Misshandlungen ihrer Urgroßeltern zu leiden hat. Der einerseits klare und schonungslose, andererseits aber auch seichte und unaufgeregte Schreibstil der Autorin hat mich absolut erreicht und mir sehr gut gefallen. Obwohl es derzeit um meine Konzentration nicht zum Besten steht, hatte ich weder Probleme in die Geschichte zu starten, noch, mich nach einer Lesepause wieder hineinzufinden. Ganz im Gegenteil war ich jedes Mal sofort wieder mittendrin und vom Schicksal aller Beteiligten zutiefst ergriffen. Denn, mit Ausnahme von Julia und Sabine, kann man gar nicht anders, als sie in sein Herz zu schließen, mit ihnen zu leiden, zu verzweifeln, zu fühlen, aufzuatmen und sich abschließend sogar zu freuen.
Fazit: Das allseits präsente Schweigen im Buch war für mich am lautesten und manchmal recht schwer auszuhalten. Insbesondere die authentisch beschriebenen Misshandlungs-Szenen haben mich zutiefst erschüttert, wie auch berührt. Selbst jetzt spukt das Gelesene immer noch in meinem Kopf umher, macht mich betroffen, wütend und bringt mich nachhaltig zum nachdenken.
Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen!