Spannende Auflösung, zwischendurch Schwächen
We Were Liars. Solange wir lügen. Lügner-Reihe 1 (Best of BookTok & Roman zur Amazon-Prime-Serie)Seit ihrer Geburt verbringt die 17-jährige Cadence Sinclair Eastman jeden Sommer mit ihrer Familie auf Beechwood Island. Die Sinclairs, das sind Oberhaupt Harris und seine Frau Tipper, die drei Töchter ...
Seit ihrer Geburt verbringt die 17-jährige Cadence Sinclair Eastman jeden Sommer mit ihrer Familie auf Beechwood Island. Die Sinclairs, das sind Oberhaupt Harris und seine Frau Tipper, die drei Töchter Penny, Carrie und Bess sowie deren Kinder, also Cadence und ihre Cousinen und Cousins. Eine besonders enge Freundschaft verbindet sie dabei mit ihrem Cousin Johnny, ihrer Cousine Mirren und natürlich mit Gat, der – streng gesehen – nicht zur Familie gehört. Zusammen geben die vier ein starkes Team ab und nennen sich selbst „die Lügner“. Doch in ihrem 15. Sommer auf der Insel hat Cadence einen Unfall und kann sich danach an nichts erinnern. Ganze zwei Jahre nimmt keiner der „Lügner“ Kontakt zu ihr auf, doch nun ist Cadence wieder auf dem Weg nach Beechwood und sie wird herausfinden, was in diesem einen Sommer geschehen ist und was alle vor ihr verbergen wollen.
„We were Liars“ von E. Lockhart erschien bereits im Jahr 2015, die deutsche Übersetzung stammt von Alexandra Rak. Ich wurde erst durch die zugehörige Serie auf das Buch aufmerksam. Die Handlung wird von Cadence selbst in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt, so dass wir gemeinsam mit ihr herausfinden, was hinter ihrem Unfall steckt. Die Erzählweise ist dabei manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, da die Autorin Emotionen sehr bildreich beschreibt. Als Cadence Vater die Familie verlässt, beschreibt diese, dass er sich noch einmal zu ihr umdreht und ihr mitten in die Brust schießt – was eigentlich nur ihre Traurigkeit ausdrücken soll. Hier muss man manchmal zwei mal lesen, um die nicht ganz geglückten Beschreibungen einzuordnen.
Die Geschichte lebt definitiv vom Zusammenhalt der vier „Lügner“ untereinander. Gemeinsam lehnen sie sich gegen den Großvater auf, der ein strenges Regiment führt und seine drei Töchter pausenlos gegeneinander ausspielt. Besonders Gat mit seinen indischen Wurzeln hat es bei ihm schwer. Hier gelingt es, meiner Meinung nach, der TV-Serie noch etwas besser, die komplexen, festgefahrenen Familienverhältnisse darzustellen. Die Auflösung am Ende, was mit Cadence passiert ist, ist eine der besten, die ich bisher gelesen habe und gleicht aus, wo der Roman zwischenmenschlich und sprachlich seine Schwächen hat.