Für Betroffene sicher hilfreich, aber auch sehr privilegiert
Der Club der hysterischen FrauenEin Ausflug an den Badesee verändert Sarah Rameys Leben für immer. Eine Harnwegsinfektion und die darauffolgende Behandlung lösen eine ganze Lawine an schmerzhaften Eingriffen und mysteriösen Symptomen ...
Ein Ausflug an den Badesee verändert Sarah Rameys Leben für immer. Eine Harnwegsinfektion und die darauffolgende Behandlung lösen eine ganze Lawine an schmerzhaften Eingriffen und mysteriösen Symptomen aus. Sie hat katastrophale Erlebnisse mit traditionelle Medizinern und probiert alle möglichen alternativen Heilmethoden aus. Doch auch 20 Jahre später ist ihre Diagnose noch immer nicht in Stein gemeißelt. Doch warum leiden oft Frauen an solch mysteriösen Krankheiten und was können wir gegen dieses Ungleichgewicht unternehmen?
„Der Club der hysterischen Frauen“ ist der erste Roman der Schriftstellerin Sarah Ramey, die auch schon Reden für Barack Obamas Wahlkampf verfasste und unter dem Künstlernamen Wolf Larsen Musik macht. Die deutsche Übersetzung stammt von Sophia Lindsey und Katharina Martl. Das Buch ist in insgesamt drei Teile gegliedert: im ersten schildert die Autorin die ersten Jahre ihrer Leidensgeschichte bis zu einem gewissen Wendepunkt, im zweiten entdeckt sie neue Heilmethoden für sich und im dritten versucht sie, einen möglichen Weg aus dem Schmerz aufzuzeigen.
Es ist erschreckend, was Sarah Ramey über ihr Leben mit verschiedenen mysteriösen Krankheiten erzählt. Sie nennt sich selbst und ihre Leidensgenossinnen „WOMI“, also eine „woman with a mysterious illness“. Ärzte gehen über sie hinweg, ignorieren ihren Schmerz und finden es furchtbar unbequem, wenn sie – die an einem chronischen Schmerzsyndrom leidet – in ihrer Gegenwart weint. Ich denke, dass viele Menschen mit einer Autoimmun- oder einer anderen Erkrankung, sich durch dieses Buch gesehen fühlen und erkennen, dass sie nicht allein sind.
Ich habe jedoch auch Kritikpunkte. Die Ursache, dass das Leiden von Frauen anders beurteilt wird, sucht Ramey in einer seltsam spirituellen Theorie darüber, was „das Männliche“ und „das Weibliche“ ist; hier hätte ich mir Studien und Fakten gewünscht. Zudem erkennt die Autorin leider nicht, wie privilegiert sie ist. Ihre Eltern sind Ärzte, für Behandlungen zieht sie quer durchs Land und verbringt Jahre nur mit Recherche. Wer kann sich solch einen teuren Weg zur Heilung leisten?