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Veröffentlicht am 19.01.2025

Für Betroffene sicher hilfreich, aber auch sehr privilegiert

Der Club der hysterischen Frauen
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Ein Ausflug an den Badesee verändert Sarah Rameys Leben für immer. Eine Harnwegsinfektion und die darauffolgende Behandlung lösen eine ganze Lawine an schmerzhaften Eingriffen und mysteriösen Symptomen ...

Ein Ausflug an den Badesee verändert Sarah Rameys Leben für immer. Eine Harnwegsinfektion und die darauffolgende Behandlung lösen eine ganze Lawine an schmerzhaften Eingriffen und mysteriösen Symptomen aus. Sie hat katastrophale Erlebnisse mit traditionelle Medizinern und probiert alle möglichen alternativen Heilmethoden aus. Doch auch 20 Jahre später ist ihre Diagnose noch immer nicht in Stein gemeißelt. Doch warum leiden oft Frauen an solch mysteriösen Krankheiten und was können wir gegen dieses Ungleichgewicht unternehmen?

„Der Club der hysterischen Frauen“ ist der erste Roman der Schriftstellerin Sarah Ramey, die auch schon Reden für Barack Obamas Wahlkampf verfasste und unter dem Künstlernamen Wolf Larsen Musik macht. Die deutsche Übersetzung stammt von Sophia Lindsey und Katharina Martl. Das Buch ist in insgesamt drei Teile gegliedert: im ersten schildert die Autorin die ersten Jahre ihrer Leidensgeschichte bis zu einem gewissen Wendepunkt, im zweiten entdeckt sie neue Heilmethoden für sich und im dritten versucht sie, einen möglichen Weg aus dem Schmerz aufzuzeigen.

Es ist erschreckend, was Sarah Ramey über ihr Leben mit verschiedenen mysteriösen Krankheiten erzählt. Sie nennt sich selbst und ihre Leidensgenossinnen „WOMI“, also eine „woman with a mysterious illness“. Ärzte gehen über sie hinweg, ignorieren ihren Schmerz und finden es furchtbar unbequem, wenn sie – die an einem chronischen Schmerzsyndrom leidet – in ihrer Gegenwart weint. Ich denke, dass viele Menschen mit einer Autoimmun- oder einer anderen Erkrankung, sich durch dieses Buch gesehen fühlen und erkennen, dass sie nicht allein sind.

Ich habe jedoch auch Kritikpunkte. Die Ursache, dass das Leiden von Frauen anders beurteilt wird, sucht Ramey in einer seltsam spirituellen Theorie darüber, was „das Männliche“ und „das Weibliche“ ist; hier hätte ich mir Studien und Fakten gewünscht. Zudem erkennt die Autorin leider nicht, wie privilegiert sie ist. Ihre Eltern sind Ärzte, für Behandlungen zieht sie quer durchs Land und verbringt Jahre nur mit Recherche. Wer kann sich solch einen teuren Weg zur Heilung leisten?

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Was ist Traum und was Realität?

Unmöglicher Abschied
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Schriftstellerin Gyeongha lebt allein und ist des Lebens so müde geworden, dass sie bereits an ihrem Testament arbeitet. Doch dann erreicht sie eine Nachricht von ihrer Freundin Inseon. Die liegt nach ...

Schriftstellerin Gyeongha lebt allein und ist des Lebens so müde geworden, dass sie bereits an ihrem Testament arbeitet. Doch dann erreicht sie eine Nachricht von ihrer Freundin Inseon. Die liegt nach einem Unfall im Krankenhaus in Seoul und bittet Gyeongha, sich auf den Weg zu ihrem Haus in Jeju zu machen, wo sie ihren Vogel Ami zurücklassen musste und um den sich nun niemand kümmert. Gyeongha macht sich auf den beschwerlichen Weg, aber wird sie rechtzeitig ankommen?

„Unmöglicher Abschied“ ist der neuste Roman der frisch gebackenen Nobelpreisträgerin Han Kang, die deutsche Übersetzung stammt von Ki-Hyang Lee. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der Perspektive der Protagonistin in der Ich- und Vergangenheitsform. Immer wieder werden aber auch andere Stimmen eingeflochten, seien es Erzählungen Inseons oder Auszüge aus Dokumenten, die sich im Besitz der Familie befinden. Der Roman ist dabei in mehrere Teile gegliedert: Teil 1 beschreibt Gyeonghas mühsame Anreise nach Jeju (durch einen Schneesturm), Teil 2 gibt die Geschehnisse nach ihrer Ankunft wieder und Teil 3 schließt den Text auf mysteriöse Weise ab.

Inseons Familiengeschichte ist fest mit dem so genannten Jeju-Aufstand verknüpft, einem Massaker, bei dem Polizei und Militär zwischen April 1948 und August 1949 mindestens 27.000 Menschen töteten; die genaue Zahl ist unbekannt. Inseons Mutter entging dem Tod durch Zufall, musste aber hinterher die Leichen von Verwandten identifizieren; der ältere Bruder geriet in Gefangenschaft. Han Kang beschreibt sehr eindrücklich, wie diese Traumata eine ganze Familie geprägt haben, wie Inseons Mutter zeit ihres Lebens unter den Erinnerungen litt und bis zu ihrem Tode verzweifelt nach dem verschollenen Bruder suchte.

Thematisch schließt sich „Unmöglicher Abschied“ an Han Kangs „Menschenwerk“ an, welches sich mit dem Gwangju-Aufstand von 1980 befasste. In diesem neuen Roman verschwimmen nun aber noch stärker die Grenzen zwischen Traum und Realität, so dass über weite Strecken unklar bleibt, was nun eigentlich tatsächlich geschieht - dafür überzeugt die Autorin erneut mit ihrer poetischen Sprache.

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Veröffentlicht am 08.01.2025

Viel Potenzial verschenkt

A Bookboyfriend for Christmas
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Mia ist überglücklich, als sie bei einem Gewinnspiel ein Weihnachten in der Buchhandlung gewinnt. Mehrere Tage soll sie dort eingeschlossen werden – für Mia ein absoluter Traum. Sie will die Zeit mit Lesen ...

Mia ist überglücklich, als sie bei einem Gewinnspiel ein Weihnachten in der Buchhandlung gewinnt. Mehrere Tage soll sie dort eingeschlossen werden – für Mia ein absoluter Traum. Sie will die Zeit mit Lesen und Snacks verbringen und alles mit ihren Followerinnen auf Booktok teilen. Doch statt der Besitzerin selbst, erscheint ihr Bruder Nick, um die Buchhandlung aufzuschließen und beide werden gemeinsam dort eingeschneit. Wird der grimmige Arzt nun Mias perfektes Weihnachtsfest verderben?

Die Prämisse von „A Bookboyfriend for Christmas“ von Freya Miles klang für mich perfekt, denn welche Leseratte möchte nicht einmal ganz ausgiebig und ungestört in einer Buchhandlung herumstöbern? Auch der Blick auf Mia als Booktokerin versprach interessant zu werden. Leider tritt das Setting schon bald in den Hintergrund und überhaupt sind weder Bücher, noch Mias Account ein zentrales Thema. Dafür geht es fast ausschließlich an um das Verhältnis zwischen den beiden und der anfängliche Schlagabtausch entwickelt sich schon bald (zu bald?) zu einem Flirt.

Generell war die Anziehung zwischen Mia und Nick nur schwer zu greifen. Er ist ein erfolgreicher Arzt, der nur für den Job lebt und sich ziemlich arrogant verhält. Mia hingegen ist lebensfroh, auch wenn ihr Booktok-Account ihr mehr Freude bereitet, als ihr eigentlicher Job als Rechtsanwaltsgehilfin. Die Verbindung der beide ergibt sich nur aus Traumata, die beide erlebt haben und das wirft für mich die Frage auf, ob eine Beziehung auf so einer Basis stabil stehen kann. Auch Nicks Verhaltensänderung scheint nicht plausibel. Er kann sich also einer Fremden gegenüber auf einmal liebe- und verständnisvoll benehmen, zuvor war ihm das aber weder bei seiner Schwester, noch bei langjährigen Kolleg
innen möglich?

Der weitere Handlungsverlauf wirkt dann auch recht konstruiert, einschließlich eines Einbrechers, der plötzlich zum Helfer wird und eines guten Samariters aus der Nachbarschaft. Mir fehlt hier einfach Tiefe; was den Verlauf der Geschichte betrifft und besonders in Bezug auf die Charaktere. So bleiben Mia und Nick leider blass und ihr Schicksal lässt mich einfach kalt – schade, hier wurde viel Potenzial verschenkt!

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Veröffentlicht am 05.12.2024

Rasanter Krimi mit Tiefgang

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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Amy Wheeler arbeitet als Personenschützerin. Ihre aktuelle Kundin ist die berühmte Schriftstellerin Rosie D’Antonio, die es sich mit einer Darstellung in einem Roman mit einem russischen Oligarchen verscherzt ...

Amy Wheeler arbeitet als Personenschützerin. Ihre aktuelle Kundin ist die berühmte Schriftstellerin Rosie D’Antonio, die es sich mit einer Darstellung in einem Roman mit einem russischen Oligarchen verscherzt hat. Doch dann geschieht eine Reihe von Morden und Amy sollen diese Taten offensichtlich angehängt werden. Gemeinsam mit Rosie flieht sie von deren Privatinsel und macht sich auf die Suche nach dem wahren Schuldigen. Um Hilfe bittet sie schließlich Steve, ihren Schwiegervater. Der ist pensionierter Ermittler und betreibt eine kleine Detektei im Dörfchen Axley im New Forest. Um Amy zu helfen, müsste er seine Komfortzone verlassen – etwas, das er seit dem Tod seiner Frau nicht mehr getan hat.

Ich liebe Richard Osmans Reihe um den „Donnerstagmordclub“, also durfte auch „Wir finden Mörder“ nicht ungelesen bleiben; die deutsche Übersetzung stammt erneut von Sabine Roth. Die Handlung wird personal erzählt und wechselt zwischen den verschiedensten Charakteren hin und her. Hauptsächlich folgen wir dabei Amy oder Steve, aber auch die jeweiligen Mordopfer oder der anonyme Gegenspieler kommen zu Wort. So erleben wir die Geschichte von allen Seiten und sind immer mitten im Geschehen.

Wie auch schon in seiner ersten Reihe liegt Osmans Stärke vor allem in seinem Charakteren. Im Zentrum steht sicherlich Steve, der sich – aus Liebe für seine Schwiegertochter Amy – endlich wieder hinaus ins Leben wagt und die Ermittlungen mit seinem Charme und seinen unkonventionellen Methoden voranbringt. Seine Frau vermisst er noch immer schmerzlich, kann aber nach und nach wieder etwas Freude zulassen. Amy hingegen ist knallhart und auf ihre Arbeit fokussiert, ihren Mann Adam sieht sie nur selten. Mit ihrem Arbeitgeber Maximum Impact Solutions ist sie eigentlich zufrieden, aber will ihr vielleicht dort jemand etwas anhängen? Oder wer ist für die Jagd auf Amy verantwortlich?

„Wir finden Mörder“ ist ein rasanter, actionreicher Krimi, der jedoch auch tiefgründige Szenen aufweist. Die Figuren wachsen einem sofort ans Herz – zum Glück lässt der Schluss des Romans auf weitere Bände der Reihe hoffen.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Tolle Charaktere, schwacher Kriminalfall

Der Krimidinnermord
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Es ist ein ganz normaler Nachmittag auf Mallowan Hall. Hausmädchen Phyllida Bright wartet fieberhaft auf die Ankunft des neuen Staubsaugers – doch dann flattert eine Einladung ins Haus. Bei den neuen Nachbarn ...

Es ist ein ganz normaler Nachmittag auf Mallowan Hall. Hausmädchen Phyllida Bright wartet fieberhaft auf die Ankunft des neuen Staubsaugers – doch dann flattert eine Einladung ins Haus. Bei den neuen Nachbarn auf Beecham House soll ein Krimidinner stattfinden und da Agatha Christie und ihr Mann Max sich gerade in London aufhalten, soll Phyllida an ihrer Stelle daran teilnehmen. Zunächst wirkt alles ganz amüsant, bis sich herausstellt, dass die Leiche, der Hausherr Clifton Wokesley, durchaus echt ist. Natürlich muss Phyllida nun ermitteln und den Täter seiner gerechten Strafe zuführen.

„Der Krimidinnermord“ ist bereits der dritte Band der Reihe über Agatha Christies fiktive Haushälterin aus der Feder von Colleen Cambridge; die deutsche Übersetzung stammt von Angela Koonen. Der Erzähler folgt dabei hauptsächlich der Protagonistin Phyllida, hin und wieder werden aber auch wichtige Szenen beschrieben, in denen die Haushälterin nicht anwesend ist. In die Ermittlungen sind auch immer wieder kleine Easter Eggs eingeflochten, so inspiriert die Einladung der Wokesleys Agatha Christie beispielsweise zu ihrem Roman „Ein Mord wird angekündigt“ – für Fans ein amüsanter kleiner Spaß.

Es ist immer wieder schön, nach Mallowan Hall und zu den lieb gewonnen Figuren zurückzukehren, die eine große Stärke des Romans sind. Das eigentlich Bedeutsame in einem Krimi, der zu lösende Fall, ist hier aber mehr als unbefriedigend gestrickt. Immer wieder hakt Phyllida an bestimmten Punkten der Ermittlung nicht nach und zieht Schlüsse nicht, die ganz klar vor ihr liegen. So ist zwar das Mitraten möglich, aber die Identität des Täters ist dennoch recht früh klar – auch wenn später noch einige Ablenkungen eingestreut werden.

Für mich ist „Der Krimidinnermord“ leider der bisher schwächste Band der Reihe, dessen Kriminalfall nicht zu überzeugen weiß. Zudem wird auch das Geheimnis um Phyllidas Vergangenheit wieder in den nächsten Band verschoben. Das birgt, meiner Meinung nach, die Gefahr, dass sich bei den Leser/-innen so große Erwartungen aufbauen, dass die Auflösung nur enttäuschen kann. Schade!

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