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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2026

Ein Jahreshighlight

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Zwei Paare machen gemeinsam Urlaub in einem Ferienhaus in Frankreich. Das Bindeglied sind die befreundeten Männer. Auch Evas und Felixs Kinder sind mit von der Partie. Linn wartet darauf, endlich ebenfalls ...

Zwei Paare machen gemeinsam Urlaub in einem Ferienhaus in Frankreich. Das Bindeglied sind die befreundeten Männer. Auch Evas und Felixs Kinder sind mit von der Partie. Linn wartet darauf, endlich ebenfalls Mutter sein zu dürfen, und Matze macht alles, was Felix möchte. Von Anfang an brodelt es in der Idylle.
Ich will nicht zu viel verraten von Dita Zipfels „Es ist hell und draussen dreht sich die Welt“, denn dieser Roman muss einfach gelesen werden. Sofort war ich wie gebannt von den unterschiedlichen Figuren. Jede trägt ihr Päckchen, jede wirkt auf die anderen glücklich und nahezu perfekt. Das dem nicht so ist merkt man dank der verschiedenen Perspektiven schnell, genauso, dass da noch einiges auf die Vier zukommt. Dabei geht es nicht nur um Mutterschaft und deren unbedingten Wunsch, um Selbst- und Außenwahrnehmung, sondern vor allem um Verbindung.
Neben dem Plot, der absurd und manchmal aberwitzig ist, beeindruckte mich am meisten Dita Zipfels schriftstellerisches Können in seiner Gesamtheit. Sie weiß was sie wie erzählen sollte. Es gibt keine Längen, und Lücken, die genau dort hingehören. Genauso wie die Sprache. Oft habe ich mich gefragt, wie man auf so treffende Vergleiche kommt. Und immer wenn ich dachte, besser wird's nicht, setzte sie noch eine Schüppe drauf. Was will man mehr von einem Roman?
Vielleicht dass er noch ein bisschen länger ist, denn obwohl ich das Ende durchaus stimmig finde, hätte ich mir gerne mehr gewünscht.
Ich hoffe einfach, dass Dita Zipfel schnell weitere Romane schreibt. Ich werde sie alle lesen, ganz sicher.

Veröffentlicht am 12.02.2026

Wenn Liebe zur Obsession wird

Spielverderberin
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Ich-Erzählerin Sophie trifft in ihrem Heimatdorf auf Romy und Lotte, mit denen sie in der Schule befreundet war. Inzwischen lebt sie in Köln, wie auch Romy, trotzdem haben sie keinen Kontakt. Die Begegnung ...

Ich-Erzählerin Sophie trifft in ihrem Heimatdorf auf Romy und Lotte, mit denen sie in der Schule befreundet war. Inzwischen lebt sie in Köln, wie auch Romy, trotzdem haben sie keinen Kontakt. Die Begegnung reißt Sophie zurück in die Vergangenheit und wandelt sich in eine Obsession Romy gegenüber, die schon damals nicht gut endete.
„Spielverderberin“ von Marie Menke handelt von dem wenig beachteten Thema Freundschaft, das allzu oft nur eine Randerscheinung neben der ums sich greifenden romantischen Beziehung ist, daher hat mich der Roman, Marie Menkes Debüt, besonders neugierig gemacht. Leider konnte er mich nicht so überzeugen, wie ich gehofft hatte.
Auch wenn die Charaktere und die Freundschaft gut gezeichnet sind, konnte ich Sophie oft nicht nachvollziehen. Ihr Ringen um Romys Aufmerksamkeit, ihre Eifersucht gegenüber Lotte waren durchaus verständlich, die daraus resultierenden Handlungen aber nicht. Irgendwann war ich regelrecht genervt von Sophies Buhlen und habe mir oft gewünscht, dass sie sich abwendet von Romy, die sie offensichtlich als Lückenbüßerin betrachtet. Sprachlich konnte es mich auch nicht zu hundert Prozent überzeugen. Zwar gab es stimmige Bilder, aber ich bin zu oft über Formulierungen gestolpert und hätte mir so manche Streichung gewünscht. Zudem haben mich die Absätze irritiert, die wie wahllos eingestreut wirkten und meinen Lesefluss gestört haben.
Was mich allerdings beeindruckt hat, ist der Plot selbst. Der Aufbau der Geschichte ist stimmig, der Spannungsbogen und vor allem die Frage, was der Auslöser für dieses ganze Drama ist, hat mich weiterlesen und das Buch beenden lassen. Die Auflösung ist gelungen, aber auch da hab ich mir etwas „schlimmeres“ vorgestellt. Doch hier muss man wohl das Alter der Figuren berücksichtigen. Sie sind noch jung, Sophie ist von Angst durchsetzt, ihre Verunsicherung ist greifbar.
Auch wenn mich der Roman nicht absolut überzeugen konnte, werde ich Marie Menke im Auge behalten.

Veröffentlicht am 10.02.2026

Essenskultur trifft Büromentalität

Richtig gutes Essen
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Für Nitani ist Essen Nahrungsaufnahme. Er würde sich am liebsten ausschließlich von Instantramen ernähren und versteht das Bohei, welches seine Arbeitskolleginnen ums Essen machen, nicht. Seine Kollegin ...

Für Nitani ist Essen Nahrungsaufnahme. Er würde sich am liebsten ausschließlich von Instantramen ernähren und versteht das Bohei, welches seine Arbeitskolleginnen ums Essen machen, nicht. Seine Kollegin Ashikawa, die nicht die fleißigste ist, bezirzt alle im Büro mit ihrer Backkunst und dem kann Nitani sich auf absurde Weise ebenfalls nicht entziehen, auch wenn er beim Bier mit Oshio darüber herzieht.
Junko Takase entführt mit ihrem schmalen Roman „Richtig gutes Essen“ in die japanische Bürowelt und Essenskultur. Gerade weil Protagonist Nitani sich so gegen den Genuss der Speisen ziert, wird dieser bemerkenswert anschaulich. Der Kontrast zu seinen Kolleg
innen und seine Solidarität mit Oshio verdeutlichen das besonders. Neben dem Essen spielt auch die Arbeitsmentalität eine große Rolle und macht den Roman wunderbar rund.
Ich mag japanische Literatur sehr, nicht nur, weil es einen Einblick in eine andere Kultur schenkt, die in diesem Fall unserer gar nicht so unähnlich ist: Da sind diejenigen, die ranklotzen und diejenigen, die jedes Schlupfloch nutzen. Mit einer leichten Prise Humor legt Junko Takase genau dort den Finger drauf und holte mich damit sofort ab.
Alles in allem ist es unaufgeregt, berührte aber gerade deswegen so sehr. Auch die eingeschobenen Abschnitte von Oshio fand ich spannend, weil sie einen ganz eigenen Einblick auf Nitani und sein Verhalten geben. Manchmal rutscht es sogar ins Philosophische, ist dabei aber leicht zu lesen, doch „Richtig gutes Essen“ als Snack zwischendurch zu bezeichnen, wird dem Roman absolut nicht gerecht.
Ich werde auf jeden Fall noch mehr Bücher dieser fantastischen Autorin lesen.

Veröffentlicht am 06.11.2025

Lügen, die das Leben bestimmen

Die drei Leben der Cate Kay
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Cate Kay ist eine berühmte Autorin, ihre Trilogie wurde zum Bestseller und die Filmadaption zum Kassenschlager. Doch niemand weiß, wer sie ist. Ihre Identität hält sie verborgen und niemand ahnt, dass ...

Cate Kay ist eine berühmte Autorin, ihre Trilogie wurde zum Bestseller und die Filmadaption zum Kassenschlager. Doch niemand weiß, wer sie ist. Ihre Identität hält sie verborgen und niemand ahnt, dass sich hinter ihr, noch Cass Ford und Annie verbergen. Nun schreibt sie ihre Memoiren, in denen nicht nur sie selbst zu Wort kommt.
„Die drei Leben der Cate Kay“ von Kate Fagan ist nicht umsonst in Reese’s Book Club aufgenommen worden. Fein entspinnt sich ein Netz aus Geheimnissen und Täuschungen, die nicht nur Cass Fords Leben prägen. Schon früh erfahren die Lesenden von der schwerwiegendsten Lüge und ich lauerte geradezu darauf, wann Cass die Wahrheit erfährt.
Nicht nur das Setting, amerikanische Kleinstädte und Hollywood, haben mich angesprochen, es sind vor allem die Themen, mit denen Kate Fagan mich gepackt hat: Die außergewöhnliche und tiefgehende Freundschaft zwischen Annie und Amanda, die beider Leben bestimmt; der Wunsch, dem Dasein Bedeutung zu verleihen, und auch die romantische Liebe kommt nicht zu kurz.
Durch die verschiedenen Perspektiven scheint ein ganzheitliches Bild zu entstehen und es macht den Anschein, dass die Lesenden immer einen Schritt voraus sind, allerdings müssen auch wir uns gedulden und ich litt oft mit den Figuren, die doch zueinander gehören. Den Charakteren, allen voran Cass, aber auch den anderen, kommt man sehr nah, da sie durch vielen kleine, eingestreute Details, schnell so lebendigen Personen werden.
Sprachlich ist es solide und vor allem hat Kate Fagan ein Händchen für das richtige Tempo, alles wirkt harmonisch und homogen. So auch beim Ende, wo ein kleines Geheimnis ungelüftet bleibt, was mich erst die Luft einziehen und dann schmunzeln ließ, weil es perfekt passt.
Einzig, dass Sidney so ungeschoren davonkommt, nervt mich ein bisschen.
Also absolut zu recht in einen der bekanntesten Buchclubs der Welt aufgenommen und ich warte bereits auf die Verfilmung.

Veröffentlicht am 09.10.2025

Jahreshighlight

Hustle
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Leonie zieht nach München und merkt schnell, dass sie mit ihrem neuen Job im Museum für diese Stadt nicht genug verdient, obwohl sie sich eine winzige, überteuerte Wohnung mit Silberfischen teilt. Als ...

Leonie zieht nach München und merkt schnell, dass sie mit ihrem neuen Job im Museum für diese Stadt nicht genug verdient, obwohl sie sich eine winzige, überteuerte Wohnung mit Silberfischen teilt. Als sich Geneviève trifft, verändert sich ihr Leben. Plötzlich hat sie Freundinnen, und alle haben ganz spezielle Nebenjobs, die nicht immer ganz legal sind. Also gründet Leonie Rache Inc.
„Hustle“ von Julia Bähr gehört zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Es ist so witzig, dass ich unzählige Male laut gelacht und sogar einen regelrechten Lachflash bekommen habe. Ihr Humor ist wunderbar trocken und ich hätte Leonie und ihre Frauengruppe ewig weiterbegleiten können. Dabei verklärt sie mitnichten die teuerste Stadt Deutschlands, ganz im Gegenteil, sie nimmt die bayrische Hauptstadt, genauso aufs Korn wie den Ruhrpott.
Ich kann tatsächlich nicht benennen, was mir am besten gefallen hat, ob es der Witz war, die Sprache mit ihren gezielt gestreuten Metapher, der Zusammenhalt der Frauen, Leonie als Protagonistin, oder dass die romantische Liebe eher eine untergeordnete Rolle spielte. Julia Bähr vereint das und noch vieles mehr.
Sie hat mit „Hustle“ einen feinen, intelligenten Roman geschrieben, der genau den Zahn der Zeit trifft und einfach nur begeistern kann. Er ist leicht zu lesen und entwickelt schnell einen Sogcharakter, obwohl gar nicht so spektakuläre Dinge in Leonies Leben passieren und das ist eine hohe Kunst - das Alltägliche genau im richtigen Maße zu überspitzen, sodass es die entscheidende Prise Humor bekommt.
Am liebsten würde ich ihn gleich ein zweites Mal lesen, nur um zu schauen, ob man Kims Nebenjob, der mir Tränen in die Augen trieb, vorher erahnen kann und mir die vielen kleinen Bonbons noch mal auf der Zunge zergehen zu lassen.
Ein wunderbarer Roman, in dem man sich schnell verliert und aus dem man nur ungern wieder auftaucht.