Ein sehr atmosphärischer Thriller, der bei mir noch nachwirkt
Fünf FremdeIn „Fünf Fremde“ geht es um Geheimnisse, um Schicksalsschläge, um Emotionen, die nicht immer rational sind – und um eine Insel, die alle(s) vereint. Im Zentrum stehen verschiedene Personen, die vor dreißig ...
In „Fünf Fremde“ geht es um Geheimnisse, um Schicksalsschläge, um Emotionen, die nicht immer rational sind – und um eine Insel, die alle(s) vereint. Im Zentrum stehen verschiedene Personen, die vor dreißig Jahren miterleben mussten, wie zwei Jugendliche während einer Klassenfahrt spurlos verschwanden. Der Fall wurde nie aufgeklärt. Aus ganz unterschiedlichen Gründen befinden sich diese Menschen nun, drei Jahrzehnte später, wieder auf der Insel. Und obwohl es ihnen bis heute schwerfällt, über die damaligen Ereignisse zu sprechen, suchen sie alle nach Antworten – und hoffen, sie endlich zu finden.
Zunächst besticht das Buch optisch mit seinem grandiosen, starken und sehr eindrucksvollem Cover und Farbschnitt! Das Cover verspricht einen unheilvollen Sturm. Mittendrin der rote Riss, der mich direkt vermuten ließ, dass der Sturm dazu benutzt wird, etwas Verborgenes an die Oberfläche zu bringen.
Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven der einzelnen Charaktere, durchzogen von Rückblenden. So erfahren wir nach und nach immer über die Geschehnisse von damals – und auch darüber, weshalb sich ausgerechnet „heute“ wieder alle auf Neuwerk befinden. Doch genau diese Vielzahl an Informationen machte es mir nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Kaum hatte ich eine Theorie entwickelt, wurde sie durch neue Details wieder über Bord geworfen. Erst ganz am Ende fügte sich alles zu einem Gesamtbild zusammen – und diese Lösung habe ich nicht kommen sehen!
Romy Fölck schreibt sehr flüssig und vor allem unglaublich atmosphärisch. Nicht nur die Naturlandschaft der Insel Neuwerk und den heraufziehenden Orkan beschreibt sie eindrucksvoll, auch die angespannte Stimmung zwischen den Charakteren und die beklemmenden Situationen setzt sie gekonnt in Szene. In meinem Kopf lief ein kompletter Film ab – so klar und deutlich sah ich alles vor mir.
An der einen oder anderen Stelle hätte ich mir etwas mehr emotionale Tiefe bei den Figuren gewünscht. Der dichten Stimmung und vor allem der Spannung hat das jedoch keinen Abbruch getan. Ich war über das gesamte Buch hinweg gefesselt. Ein Cliffhanger jagte den nächsten, ein düsteres Gefühl das andere.
Die Auflösung am Ende kam für mein Empfinden allerdings etwas zu plötzlich, und gerade dort fehlten mir erneut die intensiveren Gefühle der Charaktere. Auch der eine oder andere kleine Logikfehler hat sich eingeschlichen und zwei, drei Fragen, die ich mir zwischendurch gestellt hatte, blieben unbeantwortet.
Nichtsdestotrotz kann ich den Thriller wirklich empfehlen, ich hatte spannende und fesselnde Lesestunden, in denen mir mehr als einmal die Luft wegblieb!