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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2025

Es kann nur einen geben!

Der König
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Ich war jahrelang ein großer Fan von Harry Hole. Der kaputte und dennoch liebeswerte Ermittler war in vielen Thrillern mein Held.

Nun führt mich Jo Nesbø schon zum zweiten Mal nach Os, wo sich die beiden ...

Ich war jahrelang ein großer Fan von Harry Hole. Der kaputte und dennoch liebeswerte Ermittler war in vielen Thrillern mein Held.

Nun führt mich Jo Nesbø schon zum zweiten Mal nach Os, wo sich die beiden ungleichen Brüder Roy und Carl die Macht teilen. Ich mag beide nicht sonderlich und sie sich gegenseitig auch nicht. Die Familienbande können nicht geleugnet werden und auch die geschäftlichen Bande schweißen sie zusammen. Sie trauen sich nicht über den Weg und das fand ich teilweise ermüdend.

Ich lese das alles aus der Sicht von Roy, zwischendurch bekommt er auch mein Mitgefühl, aber nicht dauerhaft. Als Natalie ins Spiel kommt, wird es interessanter und auch emotionaler.

Die ersten Seiten waren für mich sehr langatmig und obwohl es danach besser und vor allem spannender wurde, konnte mir „Der König“ nicht wirklich begeistern. Der Plot ist ausgeklügelt, die Sprache für einen Thriller sehr anspruchsvoll. Nesbø versteht es sehr gut, Spannung aufzubauen und zu halten.

Was mich dennoch gestört hat? Ich konnte keinen Draht finden, weder zu Carl noch zu Roy. Sie blieben mir beide fern und genau das Gefühl hatte ich beim Lesen: Ich betrachte alles aus der Ferne, es berührt mich nicht und ich bin „nicht Teil der Geschichte“ Manch einer wird denken, das muss ja auch nicht sein, aber genau das macht für mich ein gutes Buch aus.

Ich mochte es trotzdem auf seine Art, aber es hat mich nicht so begeistert wie ich gehofft hatte. Eben weil ich Jo Nesbø so sehr mag, hatte ich mehr erwartet!

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Nicht so mystisch wie erwartet

Dem Sturm entgegen
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Enyas Mutter ist gestorben, als sie 12 Jahre alt war. Ertrunken im Meer nachdem sie einen Herzinfarkt hatte. Da Enya bald das Alter erreicht, in dem ihre Mutter gegangen ist, glaubt sie, dass sie dieses ...

Enyas Mutter ist gestorben, als sie 12 Jahre alt war. Ertrunken im Meer nachdem sie einen Herzinfarkt hatte. Da Enya bald das Alter erreicht, in dem ihre Mutter gegangen ist, glaubt sie, dass sie dieses Schicksal auch ereilen wird. So nach und nach zerbricht nicht nur ihre Ehe daran. Enya ist ein zutiefst unzufriedener und innerlich zerrissener Mensch und mir leider auch sehr unsympathisch. Viele ihrer Handlungen und auch Gedanken kann ich nicht nachvollziehen und es herrscht eine große Distanz zwischen mir und Enya.

So wurde das Lesen etwas mühsam, obwohl die Geschichte so viele Details hatte, die ich mochte. Als Enya ihrem bisherigen Leben entflieht und als Landärztin arbeitet, findet sie auch in der Abgeschiedenheit keine Ruhe. Selbst den Ragtree, den traditionellen irischen Wunschbaum, betrachtet sie zunächst als Feind bis ihr die Hintergründe klar sind.

Nach der Beschreibung und den ersten Seiten hatte ich ein mystisches und emotionales Buch erwartet. Die Mystik beschränkte sich aber lediglich auf die Artikel ihrer Mutter, die Enya immter wieder hervorholt. Ihre Mutter war eine sehr besondere und geheimnisvolle Persönlichkeit, was ich von Enya leider nicht sagen kann.
Die Aufmachung des Buches ist wunderschön, die Farben des Covers sind gut gewählt. Der Roman ist in acht Abschnitte unterteilt. Die Abschnitte sind den keltischen Jahreskreisfesten zugeordnet. Leider wird der Roman der schönen Aufmachung nicht gerecht. Die Figuren bleiben blass und selbst die Überraschung am Ende hat mich eher verwirrt als begeistert. Schade!

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Dunkel, spannend und mystisch

Kalter Sturm
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Kalter Sturm – schon beim Titel fange ich an zu frösteln und ziemlich schnell merke ich, dass Anne Nørdby auch hier dem Crime Noir alle Ehre macht. Denn sie schickt Tom Skagen, den Ermittler der Sondereinheit ...

Kalter Sturm – schon beim Titel fange ich an zu frösteln und ziemlich schnell merke ich, dass Anne Nørdby auch hier dem Crime Noir alle Ehre macht. Denn sie schickt Tom Skagen, den Ermittler der Sondereinheit Skanpol nach Island. Eine abgelegene Gegend in der Nähe von Seyðisfjörður ist Schauplatz von „Kalter Sturm“. Auf der einsamen Halbinsel gibt es nur 3 Schaffarmen und ein riesiges Lavafeld. Das Wetter ist schlecht, es ist dunkel und kalt. Ein Schneesturm ist im Anmarsch. Die perfekte Kulisse für einen erbarmungslosen Mord, bei dem die isländischen Ermittler und Tom Skagen lange im Dunkeln tappen.

Auf den Farmen halten sich nicht nur die Bewohner, sondern auch 2 Familien aus Deutschland auf, die in dem Sommerhalbjahr auf den Höfen helfen: „Urlaub gegen Hand“. Schnell wird klar, dass sie einer religiösen Sekte angehören, die ihre eigenen Regeln hat. Das macht den Ermittlern das Leben noch schwerer, denn auf Kooperation hoffen sie vergeblich.

Ich lerne einiges über das „dunkle Land“, den verbreiteten Aberglauben und das mystische Island. Trotz der Kälte ist es faszinierend und macht mich noch neugieriger, denn Anne Nørdby hat die besondere Stimmung gekonnt eingefangen. Gleichzeitig führt sie mich an der Nase herum. Die einzelnen Kapitel enden oft mit Cliffhangern, sie springt zwischen den einzelnen Personen und der Spannungsbogen ist konstant hoch. Am Ende gab es noch mal eine unerwartete Steigerung mit einem Ende, dass mich absolut überrascht hat. Ich war mir so sicher, dass ich wusste, wer den brutalen Mord begangen hatte, aber da war ich ganz schön auf dem Holzweg.

Ich habe das Buch mit einer Gänsehaut beendet und die war nicht nur der Spannung geschuldet sondern auch dem Zauber und der Mystik zwischen den Zeilen.

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Veröffentlicht am 26.12.2024

Dramatisch und sehr poetisch

A Song to Drown Rivers
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Diese Liebesgeschichte, die in China angesiedelt ist, basiert auf der Legende von Xi Shi, die im antiken China (ca. 500 v. Chr.) ihr Königreich rettete. Denn China war in 2 rivalisierende Königreiche geteilt. ...

Diese Liebesgeschichte, die in China angesiedelt ist, basiert auf der Legende von Xi Shi, die im antiken China (ca. 500 v. Chr.) ihr Königreich rettete. Denn China war in 2 rivalisierende Königreiche geteilt. Und da die gegnerischen Soldaten ihr die Schwester genommen haben, stimmte sie nach reiflicher Überlegung zu, sich als Spionin ausbilden zu lassen und alles zu lernen, was damals wichtig war, um einen König zu betören. Sie gilt als die schönste Frau Chinas und hatte leichtes Spiel, den gegnerischen König für sich zu gewinnen, zu beeinflussen und zu täuschen. Denn ihr Herz gehörte Fanli, der sie über Wochen sehr diszipliniert ausgebildet hat. Nicht nur zwischen den Zeilen hat es geknistert und ich bin beeindruckt, wie viel man ausdrücken kann ohne es auszusprechen oder aufzuschreiben.

Ich war von Anfang an fasziniert von der Poesie, die sich in jedem Satz wieder findet, vielen klugen Aussagen und der Geschichte, die in einer mir fremden Kultur und in einer längst vergangenen Zeit spielt. Es las sich wie ein Märchen und die Autorin hat es mir leicht gemacht, in diese fremde und von Traditionen geprägten Welt einzutauchen.

Die Autorin lässt Xishi in der Ich-Form erzählen und so war ich ganz nah in ihren Gedanken und Überlegungen. Sie war sehr zwiegespalten und auch das hat Ann Liang sehr anschaulich dargestellt. Deshalb war die Lesezeit für mich sehr emotional.

Ich musste mich einlassen auf die Geschichte und auch auf die Sprache. Das ist mir sehr schnell gelungen und so konnte ich „A Song to drown rivers“ mit allen Sinnen genießen! Und es ist so viel mehr als nur eine Liebesgeschichte!

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Veröffentlicht am 22.12.2024

The woman dentist

Henriette - Ärztin gegen alle Widerstände
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Ich kenne bisher nur die Thriller von Sabine Trinkaus und die habe ich mit Begeisterung gelesen. Für ihr historisches Romandebüt hat sie sich eine interessante und mutige Frau ausgesucht: Henriette Hirschfeld-Tiburtius, ...

Ich kenne bisher nur die Thriller von Sabine Trinkaus und die habe ich mit Begeisterung gelesen. Für ihr historisches Romandebüt hat sie sich eine interessante und mutige Frau ausgesucht: Henriette Hirschfeld-Tiburtius, die erste niedergelassene Zahnärztin in Deutschland.

Es beginnt mit der „alten“ Henriette, aber schon bald reise ich mit ihr in die Vergangenheit und ich begleite Henriette von Kindheit an auf ihrem beschwerlichen Weg. Nach der Enge in ihrem frommen Elternhaus wird sie in eine Ehe mit einem ungeliebten Mann, der sich als Alkoholiker mit schweren psychischen Problemen entpuppt, gedrängt. Es gab viele Szenen, wo ich sie so sehr für ihren Mut bewundert habe und immer, wenn ich dachte, schlimmer kann es jetzt aber nicht mehr werden …
Aber Henriette ist ihren Weg mit vielen Umwegen gegangen. Sie schließt wichtige Freundschaften, muss immer mal wieder Schicksalsschläge verkraften und heiratet dann die Liebe ihres Lebens. So wechseln sich traurige Momente immer wieder mit sehr schönen Momenten ab. So wie das Leben eben spielt. Viele berühmte Persönlichkeiten kreuzen ihren Weg und ich bin so froh, dass ich Henriette „kennen lernen“ konnte. Mit ihrer nordischen Sturheit erreicht sie so viel und lässt sich durch nichts unterkriegen. Sie geht zielgerichtet ihren Weg und steckt sich immer neue Ziele. Sie gibt ihr Wissen weiter und zeigt sich solidarisch mit allen, die einen ähnlichen Weg gehen möchten.

Sabine Trinkaus hat dieser faszinierenden Frau mit ihrem Roman ein würdiges Denkmal gesetzt. Durch die Zeitsprünge war es ein kurzweiliges Lesen und ich habe sehr die schöne „alte“ Sprache genossen. Schreibstil und Geschichte sind in diesem Roman absolut stimmig.

Ein toller historischer Roman über Henriette Hirschfeld-Tiburtius, dem ich viele begeisterte Leser wünsche. Ich habe nicht nur viel gelernt, sondern wurde auch perfekt unterhalten!

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