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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2025

nicht so meins

Moscow Mule
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Karina und Tonya sind Studentinnen an einer Moskauer Universität. Sie sind chronisch pleite, immer auf der Suche nach einem reichen Mann, den sie abschleppen können und träumen davon, nach Europa zu kommen.

Die ...

Karina und Tonya sind Studentinnen an einer Moskauer Universität. Sie sind chronisch pleite, immer auf der Suche nach einem reichen Mann, den sie abschleppen können und träumen davon, nach Europa zu kommen.

Die Autorin reiht flapsig geschriebene Momentaufnahmen aneinander. Der anfänglich erfrischende Stil ermüdete mich mit der Zeit und es ist mir nicht so recht gelungen Zugang zu den Hauptpersonen zu finden. Zwar wird erzählt, dass Karina von ihren Eltern eher als störend empfunden wird und sie wenig echte Liebe erfährt, aber es bleibt zu oberflächlich beschrieben, um echte Emotionen auszulösen. Der Stil wirkte auf mich auch etwas merkwürdig. Deutsch ist ja die Originalsprache, es kann also nicht an der Übersetzung liegen, vielleicht wurde versucht eine Art russischen Stil rüberzubringen? Ich hatte mir auch mehr Politisches gewünscht, aber darum geht es sehr wenig.
Insgesamt war es leider nicht so meins. Es liest sich zwar leicht, aber es bleibt wenig hängen.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Am amerikanischen Traum gescheitert

Der Kaiser der Freude
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Ehrlicherweise hätte ich dieses Buch ohne meinen Lesekreis nicht gelesen. Der Klappentext klang zu deprimierend. Wie gut, dass ich mich habe überzeugen lassen.

Protagonist ist Hai, der mit seinen Eltern ...

Ehrlicherweise hätte ich dieses Buch ohne meinen Lesekreis nicht gelesen. Der Klappentext klang zu deprimierend. Wie gut, dass ich mich habe überzeugen lassen.

Protagonist ist Hai, der mit seinen Eltern aus Vietnam in die USA kam. Statt, wie von seiner Mutter erhofft, den gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen, scheitert er am Studium und flüchtet sich in eine Medikamentenabhängigkeit. Als er Selbstmord begehen möchte, hält ihn eine ältere Dame auf. Sie bietet ihm an, dass er bei ihr wohnen kann, wenn er sich im Gegenzug um sie kümmert. Hai nimmt an, kümmert sich um Grazina, die sich mit der Zeit immer mehr in ihren Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg verliert, und arbeitet in einem Fastfoodrestaurant.

Die Geschichte, die Ocean Vuong erzählt, ist tatsächlich traurig, aber trotzdem schafft er es, auch leichte, humorvolle Momente einzubauen. Die Hauptpersonen sind allesamt Verlierer, die hoffen ihr Leben verbessern zu können, aber meist scheitern. Trotzdem (oder gerade deswegen), unterstützen sie sich gegenseitig so gut sie können und flüchten sich in mehr oder weniger bewusst konstruierte Traumwelten.

Der Autor lässt viel von seinen eigenen Erfahrungen einfließen und das macht es noch einmal eindringlicher und es fühlt sich sehr realitätsnah an. Die Erzählweise ist episodenhaft und Vieles wird sehr subtil eingewoben (wie zum Beispiel die Queerness des Protagonisten) oder der Interpretation der Lesenden überlassen. Der Ausweglosigkeit des Schicksals der Protagonisten wird eine poetische Beschreibung der Natur und der heruntergekommen Stadt Gladness (die in der Übersetzung etwas verlorengehende „Freude“ aus dem Buchtitel) entgegengesetzt. Dafür passiert auf der Handlungsebene über weite Strecken nicht viel, was es zeitweise etwas mühsam macht. Ein paar Kriegserzählungen weniger hätten meiner Meinung nach nicht geschadet.

Trotzdem gebe ich volle Punktzahl, da mich die Erzählung sehr berührt hat und ich es beeindruckend fand, wie der Autor es schafft, auf dem schmalen Grad zwischen Poesie und Kitsch zu wandeln. Absolute lesenswertes Buch über die Verlierer, die nie den amerikanischen Traum leben werden und das Beste daraus machen.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Was tun, wenn man nicht mehr funktioniert

Der Schlaf der Anderen
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Sina wird von ihrem Arzt ins Schlaflabor geschickt, da sie nachts wachliegt und ihren Alltag als zweifache Mutter und Lehrerin kaum bewältigen kann. Dort trifft sie auf die ehemalige Krankenschwester Janis, ...

Sina wird von ihrem Arzt ins Schlaflabor geschickt, da sie nachts wachliegt und ihren Alltag als zweifache Mutter und Lehrerin kaum bewältigen kann. Dort trifft sie auf die ehemalige Krankenschwester Janis, die als Nachtwache eingeteilt ist. Janis wirkt auf den ersten Blick stabiler, doch auch sie ist unfähig ihre Probleme direkt zu lösen und versteckt sich vor Konfrontationen. Die gemeinsam verbrachte Nacht verbindet die beiden Protagonistinnen, bringt sie dazu darüber nachzudenken, was sie wirklich wollen und gibt ihnen den Anstoß, ihr Leben zu ändern.

Die Autorin beschreibt den verzweifelten Wunsch zu schlafen und somit auch in der Gesellschaft zu funktionieren sehr atmosphärisch mit beinahe poetischen Worten. Die meisten Menschen werden die Ruhelosigkeit, das Verdrängen von Konflikten und das Gefühl, nicht zu genügen, kennen. Es wird abwechselnd aus der Sicht der beiden unterschiedlichen Frauen erzählt, die jeweils auf ihre eigene Weise aus dem Alltag herausgefallen sind und wenig Verständnis erfahren. Vieles bleibt offen und wird nur angedeutet und lässt Raum für eigene Interpretationen.
Es ist ein nachdenklicher, leiser Roman, der mich berührt hat und den ich gern weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Was frau tut, um endlich ein Kind zu bekommen

Hello Baby
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Die Geburtenrate in Südkorea gehört zu den niedrigsten der Welt und gleichzeitig boomt der Markt mit Fruchtbarkeitsbehandlungen. Die Autorin hat sich selbst mehrfach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) ...

Die Geburtenrate in Südkorea gehört zu den niedrigsten der Welt und gleichzeitig boomt der Markt mit Fruchtbarkeitsbehandlungen. Die Autorin hat sich selbst mehrfach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) unterziehen lassen und wurde dabei zu diesem Buch inspiriert.

Wir begleiten sechs verschiedene Frauen, die in einer der renommiertesten Kliniken in Seoul in Behandlung sind. Sie haben unterschiedliche Hintergründe und vernetzen sich über einen Gruppenchat. In kurzen Abschnitten erfahren wir die Hintergrundgeschichte der Frauen.

Da ich mich nie mit Fruchtbarkeitsbehandlungen befasst habe, war vieles ganz neu für mich. Die Autorin beschreibt sehr genau den beschwerlichen Weg, den die Frauen gehen müssen. Sehr spannend fand ich, wie viel Druck in der südkoreanischen Gesellschaft zu herrschen scheint. Die Frauen sind den Erwartungen ihrer (Schwieger-)Eltern ausgesetzt, erfahren meist wenig Verständnis ihrer Partner und versuchen, trotz der schmerzhaften Behandlungen und des Zeitaufwandes, auf der Arbeit volle Leistung zu erbringen. Und während das Baby das höchste Ziel ist, darf es dann, wenn es mal da ist, am besten gar nicht stören. Gerade Frauen mit mehreren Kindern wird Misstrauen entgegen gebracht. Sind das nur „Schmamarotzer“, die nicht arbeiten wollen?

Einige kritisieren, dass es in diesem Buch zu wenig emotional zugeht. Tatsächlich wird recht nüchtern erzählt und wenig auf die Tränendrüse gedrückt. Aber gerade das fand ich gut. Sonst hätte ich das Leid der Frauen, die jahrelang mit Misserfolgen und Fehlgeburten kämpfen, kaum aushalten können. Der einzige Hoffnungsschimmer zwischen gesellschaftlichem Druck, Verzweiflung über Misserfolge und erniedrigenden Behandlungen ist die Solidarität zwischen den Frauen. Sie unterstützen sich gegenseitig, geben sich Tipps, finden die Kraft sich mit Humor zu trösten.

Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen, da durch Verschiebung des Kinderwunsches und allgemein sinkende Fruchtbarkeit das Thema künstliche Befruchtung nicht nur in Südkorea immer wichtiger wird. Man merkt definitiv, dass die Autorin eigene Erlebnisse verarbeitet, es wirkt alles sehr realistisch. Mich werden die aufgeworfenen Fragen auf jeden Fall noch länger beschäftigen.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Am Anfang interessant, in der Mitte ermüdend und am Ende dann viel zu kurz.

Teddy
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In den 1960er/1970er Jahren versucht die Amerikanerin Teddy, in Rom als Diplomatengattin neu anzufangen. Sie möchte eine brave Ehefrau sein, in der Gesellschaft angesehen und auf Empfängen charmant plaudern. ...

In den 1960er/1970er Jahren versucht die Amerikanerin Teddy, in Rom als Diplomatengattin neu anzufangen. Sie möchte eine brave Ehefrau sein, in der Gesellschaft angesehen und auf Empfängen charmant plaudern. Doch bald stellt sie fest, dass sie ihr Wesen nicht ändern kann, ihre Vergangenheit nicht abschütteln kann und ihr Mann seine eigenen Pläne mit ihr hat.

Eindringlich wird dargestellt, wie abhängig Frauen damals von ihren Männern waren. Teddy wird wie ein willensschwaches Kind behandelt und fällt immer wieder in diese Rolle zurück. Dies ist anfangs gut dargestellt und interessant, doch gerade die Mitte des Romans zieht sich endlos hin. Die Autorin gefällt sich in endlosen Erklärungen, wie antriebslos, kurzsichtig und naiv Teddy ist und wie sehr sie ihren Problemen ausweicht. Mit der Zeit hat es mich sehr ermüdet, davon zu lesen, wie Teddy in Selbstmitleid badet, und irgendwann konnte ich auch nicht mehr so viel Verständnis für sie aufbringen. Einzig die Schnipsel aus der Gegenwart haben mich bei der Stange gehalten. Von Anfang an weiß man, dass etwas Einschneidendes passiert ist, und man vermutet, dass Teddy eine unzuverlässige Erzählerin ist. Die Plottwists sind an sich prima und spannend, aber die Änderung in Teddys Verhalten war für mich nicht glaubwürdig, da vorher in epischer Breite berichtet wurde, wie sie immer und immer wieder in dieselben Muster fällt. Da hätte ich mir ein ausführlicheres Eingehen auf das, was wirklich passiert ist, gewünscht. Und auch das Ende lässt für mich zu viel offen.
Alles in allem kein schlechtes Buch, aber da wäre, meiner Meinung nach, mehr drin gewesen.

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