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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.06.2025

Was tun, wenn man nicht mehr funktioniert

Der Schlaf der Anderen
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Sina wird von ihrem Arzt ins Schlaflabor geschickt, da sie nachts wachliegt und ihren Alltag als zweifache Mutter und Lehrerin kaum bewältigen kann. Dort trifft sie auf die ehemalige Krankenschwester Janis, ...

Sina wird von ihrem Arzt ins Schlaflabor geschickt, da sie nachts wachliegt und ihren Alltag als zweifache Mutter und Lehrerin kaum bewältigen kann. Dort trifft sie auf die ehemalige Krankenschwester Janis, die als Nachtwache eingeteilt ist. Janis wirkt auf den ersten Blick stabiler, doch auch sie ist unfähig ihre Probleme direkt zu lösen und versteckt sich vor Konfrontationen. Die gemeinsam verbrachte Nacht verbindet die beiden Protagonistinnen, bringt sie dazu darüber nachzudenken, was sie wirklich wollen und gibt ihnen den Anstoß, ihr Leben zu ändern.

Die Autorin beschreibt den verzweifelten Wunsch zu schlafen und somit auch in der Gesellschaft zu funktionieren sehr atmosphärisch mit beinahe poetischen Worten. Die meisten Menschen werden die Ruhelosigkeit, das Verdrängen von Konflikten und das Gefühl, nicht zu genügen, kennen. Es wird abwechselnd aus der Sicht der beiden unterschiedlichen Frauen erzählt, die jeweils auf ihre eigene Weise aus dem Alltag herausgefallen sind und wenig Verständnis erfahren. Vieles bleibt offen und wird nur angedeutet und lässt Raum für eigene Interpretationen.
Es ist ein nachdenklicher, leiser Roman, der mich berührt hat und den ich gern weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Was frau tut, um endlich ein Kind zu bekommen

Hello Baby
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Die Geburtenrate in Südkorea gehört zu den niedrigsten der Welt und gleichzeitig boomt der Markt mit Fruchtbarkeitsbehandlungen. Die Autorin hat sich selbst mehrfach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) ...

Die Geburtenrate in Südkorea gehört zu den niedrigsten der Welt und gleichzeitig boomt der Markt mit Fruchtbarkeitsbehandlungen. Die Autorin hat sich selbst mehrfach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) unterziehen lassen und wurde dabei zu diesem Buch inspiriert.

Wir begleiten sechs verschiedene Frauen, die in einer der renommiertesten Kliniken in Seoul in Behandlung sind. Sie haben unterschiedliche Hintergründe und vernetzen sich über einen Gruppenchat. In kurzen Abschnitten erfahren wir die Hintergrundgeschichte der Frauen.

Da ich mich nie mit Fruchtbarkeitsbehandlungen befasst habe, war vieles ganz neu für mich. Die Autorin beschreibt sehr genau den beschwerlichen Weg, den die Frauen gehen müssen. Sehr spannend fand ich, wie viel Druck in der südkoreanischen Gesellschaft zu herrschen scheint. Die Frauen sind den Erwartungen ihrer (Schwieger-)Eltern ausgesetzt, erfahren meist wenig Verständnis ihrer Partner und versuchen, trotz der schmerzhaften Behandlungen und des Zeitaufwandes, auf der Arbeit volle Leistung zu erbringen. Und während das Baby das höchste Ziel ist, darf es dann, wenn es mal da ist, am besten gar nicht stören. Gerade Frauen mit mehreren Kindern wird Misstrauen entgegen gebracht. Sind das nur „Schmamarotzer“, die nicht arbeiten wollen?

Einige kritisieren, dass es in diesem Buch zu wenig emotional zugeht. Tatsächlich wird recht nüchtern erzählt und wenig auf die Tränendrüse gedrückt. Aber gerade das fand ich gut. Sonst hätte ich das Leid der Frauen, die jahrelang mit Misserfolgen und Fehlgeburten kämpfen, kaum aushalten können. Der einzige Hoffnungsschimmer zwischen gesellschaftlichem Druck, Verzweiflung über Misserfolge und erniedrigenden Behandlungen ist die Solidarität zwischen den Frauen. Sie unterstützen sich gegenseitig, geben sich Tipps, finden die Kraft sich mit Humor zu trösten.

Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen, da durch Verschiebung des Kinderwunsches und allgemein sinkende Fruchtbarkeit das Thema künstliche Befruchtung nicht nur in Südkorea immer wichtiger wird. Man merkt definitiv, dass die Autorin eigene Erlebnisse verarbeitet, es wirkt alles sehr realistisch. Mich werden die aufgeworfenen Fragen auf jeden Fall noch länger beschäftigen.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Am Anfang interessant, in der Mitte ermüdend und am Ende dann viel zu kurz.

Teddy
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In den 1960er/1970er Jahren versucht die Amerikanerin Teddy, in Rom als Diplomatengattin neu anzufangen. Sie möchte eine brave Ehefrau sein, in der Gesellschaft angesehen und auf Empfängen charmant plaudern. ...

In den 1960er/1970er Jahren versucht die Amerikanerin Teddy, in Rom als Diplomatengattin neu anzufangen. Sie möchte eine brave Ehefrau sein, in der Gesellschaft angesehen und auf Empfängen charmant plaudern. Doch bald stellt sie fest, dass sie ihr Wesen nicht ändern kann, ihre Vergangenheit nicht abschütteln kann und ihr Mann seine eigenen Pläne mit ihr hat.

Eindringlich wird dargestellt, wie abhängig Frauen damals von ihren Männern waren. Teddy wird wie ein willensschwaches Kind behandelt und fällt immer wieder in diese Rolle zurück. Dies ist anfangs gut dargestellt und interessant, doch gerade die Mitte des Romans zieht sich endlos hin. Die Autorin gefällt sich in endlosen Erklärungen, wie antriebslos, kurzsichtig und naiv Teddy ist und wie sehr sie ihren Problemen ausweicht. Mit der Zeit hat es mich sehr ermüdet, davon zu lesen, wie Teddy in Selbstmitleid badet, und irgendwann konnte ich auch nicht mehr so viel Verständnis für sie aufbringen. Einzig die Schnipsel aus der Gegenwart haben mich bei der Stange gehalten. Von Anfang an weiß man, dass etwas Einschneidendes passiert ist, und man vermutet, dass Teddy eine unzuverlässige Erzählerin ist. Die Plottwists sind an sich prima und spannend, aber die Änderung in Teddys Verhalten war für mich nicht glaubwürdig, da vorher in epischer Breite berichtet wurde, wie sie immer und immer wieder in dieselben Muster fällt. Da hätte ich mir ein ausführlicheres Eingehen auf das, was wirklich passiert ist, gewünscht. Und auch das Ende lässt für mich zu viel offen.
Alles in allem kein schlechtes Buch, aber da wäre, meiner Meinung nach, mehr drin gewesen.

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Veröffentlicht am 31.05.2025

Einfache Lösungen klug vermarktet

Die LET THEM Theorie
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Mel Robbins vermarktet ihre Methode als supereinfach und lebensverändernd (und verwendet natürlich noch viele weitere grandiose Adjektive). Supereinfach ist sie, das stimmt. Ob mein Leben jedoch komplett ...

Mel Robbins vermarktet ihre Methode als supereinfach und lebensverändernd (und verwendet natürlich noch viele weitere grandiose Adjektive). Supereinfach ist sie, das stimmt. Ob mein Leben jedoch komplett umgekrempelt wird, wage ich zu bezweifeln.
Eine Person, die nur die ersten 60 Seiten des Buchs gelesen hatte, hat mir das Buch wärmstens empfohlen. Und tatsächlich, da waren auch schon die wichtigsten Erkenntnisse enthalten. Man kann sich beim Rest durchaus auf die für sich selbst relevantesten Themen konzentrieren, ohne viel zu verpassen.
Allgemein liest es sich tatsächlich sehr gut. Die Autorin erzählt viel aus ihrem eigenen Leben und bemüht sich, nahbar und sympathisch zu sein.

Ich bin aber wahrscheinlich etwas zu deutsch für dieses Buch, denn die Botschaften sind sehr in der amerikanischen Kultur verwurzelt und auch so aufbereitet. Ich war, angesichts der vollmundigenen Marketingversprechen, enttäuscht von der Banalität der Erkenntnisse und der ständigen Wiederholung von Dingen, die ich spätestens beim zweiten Mal Erklären verstanden hatte.

Die Grundidee ist super und sehr hilfreich. Aber vieles habe ich im Laufe meines Lebens mit gesundem Menschenverstand schon gelernt: Wenn man einsam ist und sich Freunde wünscht, hilft es beispielsweise nicht, traurig daheim zu sitzen. Es kann stattdessen hilfreich sein, zu überlegen, wo man Gleichgesinnte treffen könnte, und aktiv Freundschaften zu pflegen. (Wow!) Mel geht über Unterschiede hinweg und verkauft das, was ihr geholfen hat, als absolute Wahrheit. Ich halte es in (Nord-)Deutschland aber für keinen guten Tipp, sich, um Kontakte zu knüpfen, neben fremde Leute im Café zu setzen und ein Gespräch zu beginnen oder einfach bei flüchtigen Bekannten an der Haustür zu klingeln.

Mel vertritt sehr stark die Idee der Eigenverantwortung für das eigene Leben. Das habe ich oft als durchaus positiv und bestärkend empfunden. Wir sollten viel weniger darauf geben, was andere denken könnten, und mehr versuchen, einfach unser Bestes zu tun. Allerdings fehlt mir – auch wenn Wochenbettdepression und Drogensucht kurz behandelt werden – der Hinweis, dass psychische Krankheiten existieren und es keine Schande ist, sich außerhalb von Selbsthilferatgebern Hilfe bei Expert:innen zu holen. Aussagen wie „Glück, Erfolg und Geld warten auf dich, wenn du dich ernsthaft bemühst.” (S. 163) oder „Du kannst das Leben haben, das du dir immer gewünscht hast. Du kannst Millionär werden.“ (S. 331) finde ich angesichts der aktuellen Lage in den USA in ihrer Absolutheit etwas schwierig.

Sei's drum. Ein paar nützliche Denkanstöße gibt es auf jeden Fall. Wer sich jedoch bereits näher mit Selbsthilferatgebern beschäftigt hat, wird wenig Neues finden. Mel Robbins vermarktet einfache Erkenntnisse als revolutionär (das sagt sie tatsächlich selbst), findet griffige Slogans und ist mit Podcasts, Reden und Tattoos offensichtlich omnipräsent in den USA. Ein paar Anregungen nehme ich mit, bei anderen lasse ich Mel einfach ihr Ding machen und mache meins. :) Und das ist im Grunde ja genau das, was die Autorin propagiert.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Spannende, ziemlich blutige Liebesgeschichte um eine Hexe und einen Hexenjäger

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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Manche Frauen sind genetisch bedingt Hexen, dies zeigt sich bei der ersten Menstruation. Fortan können sie mit eigenem oder (freiwillig oder mit Gewalt genommenem) fremden Blut Zaubersprüche wirken. Die ...

Manche Frauen sind genetisch bedingt Hexen, dies zeigt sich bei der ersten Menstruation. Fortan können sie mit eigenem oder (freiwillig oder mit Gewalt genommenem) fremden Blut Zaubersprüche wirken. Die Herrschaft der Hexen wurde von einer Revolution gestürzt. Seitdem leben Hexen im Untergrund und werden von Hexenjägern gejagt. Die Hexe Rune bemüht sich andere Hexen zu schützen und gerät dabei ins Visier des Hexenjägers Gideon. Und wie das in solchen Büchern so ist, man sollte sich hassen, aber irgendwie ist da doch diese erotische Spannung...

Die Handlung ist spannend und man snackt die Geschichte schnell weg. Die Liebesgeschichte ist wichtiger als das logische Worldbuilding. Das fand ich ein bisschen schade. Teilweise musste ich ob der Konstruiertheit des Liebesdramas auch ein bisschen schmunzeln. Zum Beispiel muss Gideon immer wieder Pläne schmieden, um Rune nackt sehen zu können und ihren Körper auf Narben untersuchen zu können. Dann klappt der Plan nicht, weil der Körper irgendwie verdeckt war oder das Licht zu schlecht und dann muss er wieder eine Gelegenheit finden. Es dient also eher der Schaffung von Szenen mit erotischer Spannung, als der Logik.
Aber sei’s drum. Die Wortgefechte zwischen den Protagonist*innen haben mir sehr gut gefallen. Es war für meinen Geschmack etwas arg brutal und blutig. Hexen müssen Blut benutzen, um Zauber zu wirken und insofern werden sie bei der Hinrichtung ausgeblutet. Da wird schon immer etwas sensationslüstern draufgehalten.
Runtergebrochen auf das Wesentliche wird ein Mann von einer Hexe hm…, extrem schlecht behandelt (will nicht spoilern) und bemüht sich fortan Hexen aufzuspüren und töten zu lassen. Er ist nicht besonders begeistert davon, wenn die Hexen misshandelt werden, aber nichtsdestotrotz sorgt er dafür, dass Hexen ohne Prozess gefangen und getötet werden, weil sie eben genetisch bedingt Hexen sind und nicht, weil ihnen etwas nachgewiesen werden kann. Manchmal werden Hexen wochenlang ins Gefängnis gesperrt, manchmal direkt hingerichtet, je nachdem ob man gerade eine Party um eine blutige Showeinlage ergänzen will (?!) oder es der Autorin gerade in den Plot passt. Und in diesem Band geht es viel darum, dafür Gründe und Verständnis zu finden. Joa, teilweise gelingt das, aber so einen komischen Nachgeschmack hat es schon.
Da bin ich gespannt, wie das im zweiten Band aufgelöst wird. Das könnte auch in die Richtung „es ist nicht alles schwarz-weiß“ gehen, was wiederum spannend wäre. Einige Twists sind noch nicht so gut erklärt, dass sie mich umhauen würden und ich möchte gern mehr über die von der Macht wirklich korrumpierten Hexen erfahren. Dass die einfach abgrundtief böse sind, ist mir zu wenig. In der Bewertung bin ich ein bisschen gespalten. Ich empfehle vor allem das Hörbuch, da haben mir die Sprecherin und der Sprecher sehr gut gefallen.

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