Profilbild von Raeubertochter

Raeubertochter

Lesejury Star
offline

Raeubertochter ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Raeubertochter über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.08.2020

Der Schneckenmann

Der Mondscheinmann
0

Inhalt: Nils Troja und sein Team werden zu einem bizarr inszenierten Tatort gerufen. Eine junge Frau liegt erdrosselt in ihrer eigenen Badewanne, geschminkt und frisiert, umgeben von Seidentüchern, Kerzen ...

Inhalt: Nils Troja und sein Team werden zu einem bizarr inszenierten Tatort gerufen. Eine junge Frau liegt erdrosselt in ihrer eigenen Badewanne, geschminkt und frisiert, umgeben von Seidentüchern, Kerzen und welken Lilienblättern. Überall auf ihrem Körper und den Blüten kriechen Unmengen an Weinbergschnecken. Schon wenig später wird ein zweites Opfer gefunden und die Inszenierung lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um denselben Täter handelt. Nils Trojan, der unter Panikattacken leidet und dringend eine Auszeit braucht, stürzt sich in die Ermittlungen…

Meine Meinung: Leider werden die Mordfälle in der Nils Trojan-Reihe immer bizarrer und unglaubwürdiger, was ich sehr schade finde. Das ist allerdings schon nach dem Lesen des Klappentextes ersichtlich, also keine Überraschung. Wieder geht es um einen völlig durchgeknallten Serienmörder, der in diesem Fall eine Vorliebe für Weinbergschnecken hat und sich ein Souvenir von seinen Opfern mitnimmt. Auch die Auflösung fand ich absurd und an den Haaren herbeigezogen. TROTZDEM hat mich das Buch absolut gefesselt und ich habe es innerhalb kürzester Zeit durchgelesen, denn die Polizeiarbeit von Nils und seiner Kollegin Stefanie - vor allem die Nacht in der Hütte -, die Kapitel mit Lydia, der merkwürdige Dinge passieren, fand ich sehr spannend und fesselnd. Zudem gibt es immer wieder neue Spuren und neue Verdächtige. Wem kann man trauen? Tote gibt es auch einige, doch keine detaillierten grausamen Beschreibungen. Dazu kommt der absolut mitreißende Schreibstil von Max Bentow!

Fazit: Auch wenn ich einige Kritikpunkte habe und mir die Morde zu absurd waren, habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Vom Anfang bis zum Ende spannend!

Veröffentlicht am 10.08.2020

Ein Stück deutscher Geschichte

Kinder ihrer Zeit
0

Inhalt: Auf ihrer dramatischen Flucht aus Ostpreußen werden die elfjährigen Zwillinge Emma und Alice getrennt. Während beide die andere Schwester für tot halten, wachsen sie gar nicht so weit voneinander ...

Inhalt: Auf ihrer dramatischen Flucht aus Ostpreußen werden die elfjährigen Zwillinge Emma und Alice getrennt. Während beide die andere Schwester für tot halten, wachsen sie gar nicht so weit voneinander auf. Emma in Westberlin (BRD) und Alice in Ostberlin (DDR). Erst viele Jahre später finden sie sich zufällig wieder, doch durch ihre sehr unterschiedliche und prägende Erziehung in West und Ost, bleibt trotz aller Liebe zueinander eine gewisse Distanz zwischen ihnen bestehen. Durch Alice lernt Emma den Ost-Berliner Physiker Julius kennen und verliebt sich in ihn. Doch der wachsende Ost-West Konflikt macht es ihnen schwer und bringt sie in große Gefahr.

Meine Meinung: Claire Winter erzählt die Geschichte der beiden Schwestern in mehreren Zeitsprüngen von 1945 bis 1961.
Nach dem Prolog beginnt die Handlung damit, dass Rosa und ihre Zwillinge vor den immer näher kommenden Russen flüchten und ich war sofort gefesselt. So spannend und emotional! Sehr gerne hätte ich ihren weiteren Weg bis nach Berlin verfolgt. Dann folgt ein Zeitsprung von fünf Jahren und die nächsten Kapitel sind zwar ruhiger, aber nicht weniger interessant. Durch sehr viele Perspektivwechsel erhält die Geschichte eine Dynamik, der ich mich schlecht entziehen konnte und ich habe das Buch immer nur sehr ungern zur Seite gelegt. Die vielen, sehr unterschiedlichen Charaktere wirken authentisch und interessant.
Das Schicksal von Emma und Alice, aber vor allem die Beschreibungen der damaligen Situation während des Kalten Krieges, die hier auf unterhaltsame, anschauliche und mitreißende Weise geschildert werden, haben mich seht berührt und teilweise auch entsetzt. Claire Winter ist es sehr gut gelungen, Fiktion und Wirklichkeit geschickt und spannend miteinander zu verknüpfen. Vor allen gegen Ende steigt die Spannungskurve noch einmal rasant an.

Fazit: Ein mitreißender, emotionaler, informativer und fesselnder Roman über den Ost- West Konflikt bis zum Bau der Mauer.

Veröffentlicht am 03.08.2020

Lustige Geschichte für Erstleser

Ritter werden leicht gemacht – Ein Pferd namens Dora
0

Inhalt: Die Eltern von Sam J. Butterkappe sind für ein Jahr auf Reisen, deshalb wohnt Sam für diese Zeit bei seiner Tante Eiltud, seinem Onkel Archibald und seiner Cousine Brunella auf deren Burg Falterstaub. ...

Inhalt: Die Eltern von Sam J. Butterkappe sind für ein Jahr auf Reisen, deshalb wohnt Sam für diese Zeit bei seiner Tante Eiltud, seinem Onkel Archibald und seiner Cousine Brunella auf deren Burg Falterstaub. Onkel und Tante betreiben dort eine Urlaubsbetreuung für Drachen, Greife und andere magische Haustiere.
Sams größter Traum ist es, ein edler Ritter zu werden. Zu seinem Glück hat er eine alte Schriftrolle gefunden, in der er eine Liste mit Aufgaben findet, die er bestehen muss, um sein Ziel zu erreichen. Es sind gute Taten von größter Wichtigkeit und jeden Tag sollte eine begangen werden. Seine erste Aufgabe hat er schon erfüllt (im ersten Teil der Reihe) und seine vorwitzige Cousine Brunella, genannt Nella, zu seiner treuen Gefährtin gemacht. Nun steht er vor seiner zweiten Aufgabe: „Finde ein schneeweißes Ross!“

Meine Meinung: Ich mag die Zeichnungen von David Melling sehr gerne und besitze auch einige Bilderbücher, die er illustriert und geschrieben hat (z.B. die „Paulchen -Reihe , „Der kleine Eisprinz“ u.a.). Von Vivien French hatte ich bisher noch nichts gehört, aber sie hat schon über 250 Kinderbücher veröffentlicht und zahlreiche Preise gewonnen.
„Ein Pferd namens Dora“ ist bereits der zweite Teil der geplanten sechsteiligen Reihe. Leider habe ich den ersten Teil noch nicht gelesen und ich hatte den Eindruck, dass mir deshalb etwas Vorwissen fehlt. Kinder sollten deshalb auf jeden Fall mit dem ersten Teil beginnen.
Die Geschichte ist kindgerecht, unterhaltsam und humorvoll geschrieben, mit einigen fantasievollen Ideen, z.B. die Urlaubsbetreuung für magische Haustiere, der laufende Baum, oder das königliche Warzenschwein Horaz.
Die wiederkehrenden Charaktere sind amüsant ausgewählt und entsprechend witzig und teilweise etwas überspitzt gezeichnet. Onkel Archibald ist ein herzlicher und gutmütiger Typ, der sich gut mit den Kindern versteht, während Tante Eiltrud, genannt Tante Ei, mehr auf gutes Benehmen achtet und zickig wirkt. Aber besonders die Kinder Sam und Nella gefallen mir gut. Nella ist forsch und gewitzt, Sam dagegen eher zurückhaltend und etwas naiv. Seine Aufgaben besteht er mehr durch Zufall. Zusammen sind sie ein tolles Team!
Die Geschichte hat nur 111 Seiten, die in sieben Kapitel unterteilt sind.
Fazit: Ein schöner Spaß für Erstleser und Grundschulkinder.

Veröffentlicht am 27.07.2020

Der Nachtgarten

Der unsichtbare Garten
0

Inhalt: Vincent ist 35, Tennislehrer und plant eine gemeinsame Zukunft mit seiner Freundin Émilie. Doch von einem Tag auf den anderen bricht seine heile Welt zusammen, als seine Augenärztin ihm eröffnet, ...

Inhalt: Vincent ist 35, Tennislehrer und plant eine gemeinsame Zukunft mit seiner Freundin Émilie. Doch von einem Tag auf den anderen bricht seine heile Welt zusammen, als seine Augenärztin ihm eröffnet, dass er an einer seltenen Augenkrankheit leidet und in den nächsten drei bis fünf Wochen fast vollständig erblinden wird. Fassungslos und aufgewühlt durchlebt er die nächsten Tage und Wochen, bis er schließlich auf dem Land in dem kleinen Häuschen seiner verstorbenen Großeltern etwas Ruhe findet. Mit großem Eifer erweckt er den verwilderten Gemüsegarten zu neuem Leben und lernt seine neue Nachbarin Coline kennen.

Meine Meinung: Schon im ersten Kapitel bekommt Vincent seine niederschmetternde Diagnose und man fragt sich unweigerlich: „Wie würde ich in seiner Situation reagieren?“
Karine Lambert beschreibt sehr eindringlich in kurzen Sätzen wie Vincent mit seinem Schicksal umgeht, wie er sich nach dem ersten Schock nur ganz zögerlich mit seiner Blindheit arrangiert. In Vincents erster Phase der Verzweiflung und Rastlosigkeit wirkt auch der Schreibstil knapp und gehetzt. Nachdem er aber etwas mehr zur Ruhe kommt, passt sich auch der Schreibstil an. Zu Beginn vieler Kapitel gibt es Listen / Tagebucheinträge von Vincent, die aus kurzen prägnanten Sätzen bestehen - Gedanken, die ihm im Kopf herumschwirren, oft voller Ironie (Spielen blinde Kinder Verstecken?) . Die Schrift wird bei jedem neuen Eintrag größer.
Sehr schön fand ich, dass Vincent zwei gute Freunde an seiner Seite hat, die ihn nicht bemitleiden, sondern ihm wirklich helfen. Auch die Dorfbewohner, die Vincent schon seit seiner Kindheit kennen, behandeln ihn wie einen alten Freund und wirken alle sehr sympathisch. Und ich glaube, die unterschiedliche Bedeutung der Sätze: „Brauchst du Hilfe?“ und „Ich helfe dir.“ , über die ich mir bisher keine Gedanken gemacht habe, werde ich nicht so schnell vergessen!
Fazit: Auch wenn das Buch nur knapp dreihundert Seiten hat und die Geschichte natürlich noch hätte ausgearbeitet werden können, um noch mehr Tiefe zu bekommen, fand ich die Länge genau richtig. Kurz und knapp, aber aussagekräftig - so wie der Schreibstil, der mir sehr gut gefallen hat.

Veröffentlicht am 23.07.2020

Beklemmend und düster

So dunkel der Wald
0

Inhalt: Ronja und Jannik wurden bereits als Kinder entführt und führen nun seit vielen Jahren zusammen mit ihrem Entführer, den sie Paps nennen müssen, und drei anderen entführten Kindern, ein einsames ...

Inhalt: Ronja und Jannik wurden bereits als Kinder entführt und führen nun seit vielen Jahren zusammen mit ihrem Entführer, den sie Paps nennen müssen, und drei anderen entführten Kindern, ein einsames und abgeschiedenes Leben tief im Wald. Sie haben die Hoffnung auf ein ‚normales‘ Leben aufgegeben und geben einander Halt. Als eines Tages die Situation eskaliert, stehen Ronja und Jannik vor einer schweren Entscheidung, die sie völlig überfordert.
Währenddessen sucht die Polizistin Sarah Wiesinger fieberhaft nach den entführten Kindern…

Meine Meinung: Ich wusste, dass es in diesem Thriller um Kindesmissbrauch geht und das hat mich auch sehr lange von diesem Buch ferngehalten. Doch wegen der vielen begeisterten Rezensionen habe ich es jetzt doch gelesen.
Der Spannungsbogen beginnt sofort hoch, sinkt dann leider in der Mitte etwas, steigt aber gegen Ende des Buches wieder stark an. Die Atmosphäre ist ununterbrochen düster und beklemmend und der Schreibstil so bildhaft, dass ich mir das Haus im Wald und die Umgebung sehr gut vorstellen konnte. Viele erschreckende Szenen deutet die Autorin nur an, andere beschreibt sie detailliert.
Durch Ronjas Erzählungen in der Ich-Form wird deutlich, wie sehr die Kinder, trotz des Missbrauchs und der permanenten Angst, schon von Paps abhängig sind und sich mit ihrem einsamen und traurigem Leben abgefunden haben. Sie können sich kaum noch an ihre eigenen Eltern erinnern.
Einige Handlungen fand ich unlogisch, sowohl von den Kindern, als auch von Sarah, die sich gegen Ende ziemlich unprofessionell verhält. Trotzdem haben mir die Kapitel mit Sarah gut gefallen und ich hätte gerne noch mehr über die polizeilichen Ermittlungen gelesen. Vor allem hätte mich interessiert, warum die Kinder im Wald nie gefunden wurden!

Fazit: Ein bedrückender, düsterer und auch grausamer Thriller, der hauptsächlich aus der Perspektive der beiden inzwischen erwachsenen Opfer erzählt wird und deren psychologische Entwicklung deutlich macht. Erschreckend und spannend, aber nichts für zarte Gemüter.