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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.04.2023

Tiefgründig und berührend

Unsere Zukunft flirrt am Horizont
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Inhalt: Simon, Lia und Marcin sind siebzehn Jahre alt, doch das ist schon ihre einzige Gemeinsamkeit, außer dass sie alle drei für einige Zeit in der „Schattigen Pinie“, einem Seniorenheim, Sozialstunden ...

Inhalt: Simon, Lia und Marcin sind siebzehn Jahre alt, doch das ist schon ihre einzige Gemeinsamkeit, außer dass sie alle drei für einige Zeit in der „Schattigen Pinie“, einem Seniorenheim, Sozialstunden ableisten müssen. Jeder von ihnen hat seine eigene traurige Geschichte und eine Menge Probleme zu bewältigen. Doch den so unterschiedlichen Jugendlichen gelingt es innerhalb der nächsten Wochen, sich gegenseitig zu akzeptieren, Vertrauen zueinander aufzubauen und echte Freundschaft zu schließen.

Meine Meinung: Adriana Popescu erzählt in „Unsere Zukunft flirrt am Horizont“ im Wechsel aus den Perspektiven der drei Protagonisten Simon, Lia und Marcin, so dass man als Leser*in die Möglichkeit hat, in den Alltag, sowie in die Gedanken- und Gefühlswelt jedes Einzelnen einzutauchen, ein tiefes Verständnis für sie zu entwickeln und jedem wirklich ganz nah zu kommen. Die Autorin hat ein Händchen dafür, individuelle und authentische Charaktere zu erschaffen - und damit meine ich auch die Nebencharaktere - und voller Empathie über sie zu erzählen. Ich habe alle drei Jugendlichen sehr gemocht, aber besonders Simon ist mir ans Herz gewachsen. Genau wie Frau Waible, Marcins ältere Nachbarin, die mich ganz besonders berührt hat.
Mir hat auch sehr gut gefallen, wie ganz langsam eine Freundschaft zwischen den drei Protagonisten entsteht, wie eng sie zusammenwachsen und sich umeinander kümmern - ohne Missgunst oder offene Eifersucht.
Es gibt in diesem Roman natürlich auch traurige Passagen, denn Simon, Lia und Marcin durchleben gerade eine schwere Zeit und keiner von ihnen findet Rückhalt im Elternhaus, doch trotzdem steckt die Geschichte voller Hoffnung und schöner Momente.

Fazit: Das Buch ist ein Jugendroman, aber ich bin mir ganz sicher, dass auch ältere Leser von dieser tiefgründigen, sehr empathisch und mitreißend geschriebenen Geschichte sehr berührt sein werden.

Veröffentlicht am 14.04.2023

Spannender Fall zum Miträtseln

Liebste Tochter – Du lügst so gut wie ich
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Inhalt: Die junge Saffy und ihr Freund Tom sind erst vor kurzem in das alte Cottage von Saffys Großmutter Rose gezogen. Bei Bauarbeiten im Garten werden zwei skelettierte Leichen gefunden. Alles deutet ...

Inhalt: Die junge Saffy und ihr Freund Tom sind erst vor kurzem in das alte Cottage von Saffys Großmutter Rose gezogen. Bei Bauarbeiten im Garten werden zwei skelettierte Leichen gefunden. Alles deutet auf einen Doppelmord vor einigen Jahrzehnten hin. Doch wer sind die Toten? Saffys Mutter Lorna, die seit einiger Zeit mit ihrem jungen Freund in Spanien lebt, reist zu Saffys Unterstützung an. Die beiden Frauen beginnen selbst zu recherchieren, wobei sie leider nicht mit der Hilfe von Rose, die an Demenz erkrankt ist und nur selten klare Momente hat, rechen können. Bei ihren Nachforschungen stoßen sie auf ein dunkles Familiengeheimnis …

Meine Meinung: Bisher haben mir alle Bücher von Claire Douglas sehr gefallen, und auch „Liebste Tochter“ hat mich überzeugt. Nur der Untertitel „Du lügst so gut wie ich“ hat mich etwas gestört.
Die Autorin erzählt aus verschiedenen Perspektiven und auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart wechseln die Kapitel zwischen Saffy, Lorna und Theo, dessen Verbindung zu den Frauen erst später aufgeklärt wird. Zudem gibt es Rückblicke in das Jahr 1980, in denen Rose in Brief- oder Tagebuchform ihrer Tochter Lorna die damaligen Ereignisse schildert.
Der Schreibstil der Autorin lässt sich wunderbar flüssig lesen und nach einem eher ruhigen Anfang nehmen Tempo und Spannung permanent zu und ich konnte das Buch nur schwer zur Seite legen. Die Charaktere sind glaubwürdig beschrieben und tatsächlich mochte ich die etwas überdrehte Lorna am liebsten. Das Geheimnis um die Morde ist sehr geschickt und komplex konstruiert. Ich hatte sehr schnell eine gewisse Ahnung, wurde aber sehr lange auf die Folter gespannt. Nur ganz langsam entwirren sich die Fäden, wobei es immer wieder zu überraschenden Wendungen kommt und erst nach und nach werden Zusammenhänge deutlich.

Fazit: Ich habe „Liebste Tochter“ sehr gerne gelesen. Eine spannende und wendungsreiche Geschichte zum Miträtseln.

Veröffentlicht am 13.04.2023

Ein kurzweiliger sommerlicher Roman für alle Meersüchtigen

Immer am Meer entlang
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Inhalt: Mit 30 Jahren erfüllt sich die junge Polizistin Josi endlich ihren Kindheitstraum und fährt mit ihrem alten Bulli für ein ganzes Jahr „immer am Meer entlang“ und erkundet Europas Küsten. Der Sonne ...

Inhalt: Mit 30 Jahren erfüllt sich die junge Polizistin Josi endlich ihren Kindheitstraum und fährt mit ihrem alten Bulli für ein ganzes Jahr „immer am Meer entlang“ und erkundet Europas Küsten. Der Sonne hinterher. Paul entscheidet sich ganz spontan für den einjährigen Roadtrip durch Europa, um seinem festgefahrenen Alltag zu entfliehen, neue Erfahrungen zu machen und zu überlegen, wie sein Leben weitergehen soll. Kurzentschlossen kauft er sich einen alten Land Cruiser, den er selbst zum Campingfahrzeug umbaut. Die Wege von Josi und Paul kreuzen sich immer wieder. Mal zufällig, mal absichtlich. Beide verleben traumhafte Stunden an den schönsten Orten und lernen dabei viel über sich selbst, aber auch über einander.

Meine Meinung: Franziska Jebens erzählt diese Gute-Laune-Sehnsuchts-Geschichte im Wechsel aus den Perspektiven von Josi und Paul. So taucht man beim Lesen in die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten ein. Ich mochte beide von Anfang an sehr gern. Und auch die Nebencharaktere sind alle sympathisch. Durch die relativ kurzen Kapitel entsteht Dynamik und ein Lesesog, was mir gut gefallen hat. Die Autorin beschreibt sehr lebendig und bildhaft die wunderschönen Orte und Strände abseits des großen Tourismus-Rummels, so dass man sich als Leser*in der Sehnsucht nach einem Urlaub am Meer nicht entziehen kann. Zudem möchte man am liebsten von dem leckeren Essen, das Josi und Paul zubereiten, probieren. (Ich konnte fast den Knoblauch durch die Buchseiten riechen und das Rauschen des Meeres hören). Josi und Paul erkunden Frankreich, Portugal, Südspanien, Italien, Griechenland und Schottland. Natürlich gibt es auch kleine Probleme und Pannen unterwegs, doch die werden glücklicherweise schnell behoben. Auch haben die beiden Abenteurer während ihrer Reise genug Zeit, sich selbst zu reflektieren und zu überlegen, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist.
Die lockere Beziehung und das Knistern zwischen den beiden hat mir eine Weile gut gefallen, doch gegen Ende des Buches fand ich die Liebesgeschichte durch Missverständnisse und Unausgesprochenes etwas zu sehr in die Länge gezogen.

Fazit: Der sommerliche Roadtrip, verbunden mit einer romantischen Liebesgeschichte, lässt sich leicht und flüssig lesen und hat mich gut unterhalten. Eine ideale Sommer- und Urlaubslektüre für alle meersüchtigen Leser.

Veröffentlicht am 13.04.2023

Kurzweiliger Nordsee-Krimi

Dünenrache
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Inhalt: Theo Krumme, Kommissar in Husum, wird zu einem ungewöhnlichen Mordfall auf Sylt hinzugezogen. Von einer Leiche fehlt allerdings jede Spur. Der Maler Adrian Maurer, den Krumme noch von einem alten ...

Inhalt: Theo Krumme, Kommissar in Husum, wird zu einem ungewöhnlichen Mordfall auf Sylt hinzugezogen. Von einer Leiche fehlt allerdings jede Spur. Der Maler Adrian Maurer, den Krumme noch von einem alten Fall aus Berlin kennt, steht unter dem Verdacht, seine Frau ermordet zu haben. Doch er bestreitet die Tat und kann ein Alibi vorweisen. Trotzdem ist die Polizei von seiner Schuld überzeugt.

Meine Meinung: „Dünenrache“ ist bereits der 9. Fall für Theo Krumme und lässt sich auch als Einzelband lesen. Ich persönlich kenne allerdings alle Bücher und freue mich jedes Jahr auf einen neuen Fall für Krumme. Diesmal verschlägt es ihn nach Sylt. Seine jungen Kollegen dort sind nicht gerade begeistert, dass er sie unterstützen soll und auch Krumme selbst hätte lieber mit dem Fall - vor allem mit dem Tatverdächtigen - nichts zu tun. So kommt es, dass Krumme mal wieder alleine Spuren folgt und nicht alle Alleingänge gehen besonders gut für ihn aus. Mehr durch Zufall, sowie durch mystische Erscheinungen, kommt er schließlich auf die richtige Spur.
Der Schreibstil von Hendrik Berg ist super flüssig, oft humorvoll und die Buchseiten fliegen nur so dahin. Die tollen bildhaften Beschreibungen vom winterlichen Sylt lassen beim Lesen sofort ein Bild vor Augen entstehen und schaffen eine wunderbare Küsten-Atmosphäre. Ganz besonders mag ich aber die mir gutbekannten Charaktere. Vor allem natürlich Theo Krumme, der mir mit seiner brummigen Art inzwischen sehr ans Herz gewachsen ist, seine Freundin Marianne und ihren riesigen Hund Sunny, die ihn beide auf die Insel begleiten dürfen. Aber auch Pat, seine Husumer Kollegin, die in „Dünenrache“ leider nur eine kleine Rolle spielt, und den etwas sonderbaren Harke, einen Freund aus Husum.
Es gibt einige Wendungen mit denen ich nicht gerechnet hatte. Trotzdem fand ich die Spannung etwas schwächer als in den letzten Krimis der Reihe, aber der Autor punktet einfach mit dem tollen Schreibstil, den atmosphärischen Beschreibungen, sowie den absolut liebenswerten Charakteren. Viel zu schnell hatte ich das Buch beendet und warte jetzt ungeduldig auf eine Fortsetzung.

Fazit: „Dünenrache“ ist kurzweilige und humorvolle Nordsee-Krimiunterhaltung mit ein klein wenig „Spökenkram“.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Vom Landleben auf den Laufsteg

Der Traum vom Leben
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Inhalt: Luise wächst auf einem kleinen Bauernhof in Ostfriesland auf. Neben ihrer Arbeit als Friseurin in dem kleinen Salon ihres Heimatortes Leversdorf, hilft sie ihren Eltern viel auf dem Hof. Bei einem ...

Inhalt: Luise wächst auf einem kleinen Bauernhof in Ostfriesland auf. Neben ihrer Arbeit als Friseurin in dem kleinen Salon ihres Heimatortes Leversdorf, hilft sie ihren Eltern viel auf dem Hof. Bei einem Friseurwettbewerb in Bremerhafen wird ein Starfriseur auf sie aufmerksam und nimmt sie kurz vor ihrem 18. Geburtstag als Hairstylistin mit nach Paris auf die Fashion Week. Dann fällt bei einer Modenschau eines der weiblichen Models aus und Luise soll spontan für sie einspringen. Innerhalb nur weniger Tage verändert sich Luises ganzes Leben und sie wird Teil der schillernden Modewelt.

Meine Meinung: „Der Traum vom Leben“ ist inspiriert von einer wahren Geschichte und spielt von April 1992 bis Anfang 1993.
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht und Luise mochte ich sofort. Zunächst begleiten wir sie eine ganze Weile in ihrer Heimat Leversdorf und lernen sie und ihr Leben dort kennen. Der Kontrast zu Paris, der glamourösen Modewelt mit den bekannten Supermodels und Designern, sowie Luises neuen Freunden könnte nicht größer sein! Mir ging der Wandel des naiven Mädchens vom Land mit dem „Bauerngang“ zum gefragten und gut bezahlten Topmodel zu schnell. Das, was Luise in nur wenigen Tagen in Paris erlebt, fand ich teilweise unglaubwürdig. Schnell geschlossene enge Freundschaften, Hilfe von den gefragtesten Supermodels, Jobs bei den bekanntesten Designern. Auch kann sie sofort in High Heels laufen, glänzt bei Shootings, bekommt einen Vertrag und ihr Foto erscheint in den bekanntesten Zeitungen von Paris. Auch sprachlich kann sie sich relativ schnell verständigen, obwohl ihr Englisch angeblich recht holprig ist. Ich glaube schon, dass ein Model auf diese Art entdeckt werden kann, doch hier geht mir alles viel zu schnell. Eine Nebengeschichte (mit dem Mädchen Pilar) läuft ins Leere und ist in meinen Augen deshalb auch überflüssig.
Katharina Fuchs beschreibt Paris Anfang der 90er Jahre und die Modelszene sehr ausführlich. Sie lässt Namen wie Naomi Campbell, Claudia Schiffer und Cindy Crawford in die Geschichte einfließen, ebenso wie die bekannten Designer Karl Lagerfeld, Jean Paul Gaultier und Alexander McQueen, zu denen Luise unter anderem Kontakt hat.
Durch den flüssigen Schreibstil von Katharina Fuchs lässt sich der Roman gut lesen, aber teilweise fand ich die Handlung zu überladen und an anderen Stellen langgezogen. Außerdem hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Wichtige Themen im Zusammenhang mit dem Leben eines Models werden leider nur kurz angedeutet. Das Ende ist etwas abrupt, hat mir aber ganz gut gefallen.

Fazit: Der Roman ist zwar unterhaltsam, konnte mich aber leider nicht ganz überzeugen.