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Ritja

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2019

Spannend, gut geschrieben und interessante Ermittler

Der Kastanienmann
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Kastanienmann, komm herein, Kastanienmann, komm herein....

Der Kastanienmann lässt die Polizei mehrfach schlecht aussehen und stellt diese auch bloß. Lange weiß man nicht, wer es sein könnte und vorallem ...

Kastanienmann, komm herein, Kastanienmann, komm herein....

Der Kastanienmann lässt die Polizei mehrfach schlecht aussehen und stellt diese auch bloß. Lange weiß man nicht, wer es sein könnte und vorallem warum. Mehrfach wird man (wie die Polizisten) auf die falsche Fährte geschickt und schon hat man sich verrannt. Die Morde gehen dafür weiter und sind stets brutal und meistens an Frauen. Dazu kommt noch die Ungewissheit, mit der die Familie Hartung leben lernen muss. Das normale Leben scheint fast unmöglich. Das Aufrechterhalten einer Fassade kostet sie mehr Kraft als erwartet und belastet die Familie.

Die Ermittlerin Naia Thulin will sich versetzen lassen, weg von dieser Abteilung, die sie nicht fordert und mit deren Kollegen sie sich nicht so gut versteht. Doch nun kommt sie, dank der Morde, nicht aus der Abteilung raus. Entsprechend hoch ist ihr Frust und dieser wird noch einmal gesteigert, als sie einen neuen Kollegen zur Seite gestellt bekommt. Ein ehermaliger Ermittler von Europol, der zwangsversetzt wurde. Beide können nicht viel miteinander anfangen und müssen doch die Ermittlungen zu den Kastanienmann-Morden aufnehmen.

Die Geschichte hat ein gutes Tempo, ist an manchen Stellen etwas blutiger als unbedingt notwendig, aber die Charaktere (typisch skandinavisch – alle mit einem seelischen Knacks) sind interessant und mit Geheimnissen im Gepäck. Der Autor weiß, wie er die Spannung halten kann und schafft eine bedrückende Stimmung. Der Schluss war mir etwas zu konstruiert, aber bis dahin wurde ich sehr gut unterhalten und hatte eine spannende Zeit.

Ich hoffe, dass es eine Fortsetzung geben wird, denn Naia Thulin und Mark Hess hätten das Zeug dazu ein interessantes Team zu werden.

Veröffentlicht am 02.09.2019

Spannend, politisch und sehr gut geschrieben

Ultimatum
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De Bodt hat es nicht leicht und ab und an nützt ihm dann nicht mal mehr Hegel oder Hobbs. Mit seinen Kollegen jagt er Verbrechern hinterher, die er nicht kennt und deren Ziele er nicht weiß. Aber er sieht ...

De Bodt hat es nicht leicht und ab und an nützt ihm dann nicht mal mehr Hegel oder Hobbs. Mit seinen Kollegen jagt er Verbrechern hinterher, die er nicht kennt und deren Ziele er nicht weiß. Aber er sieht ihre Spur der Gewalt – Entführungen, abgetrennte Körperteile und jede Menge Tote aus dem diplomatischen Bereich. Ihre Forderungen sind nicht realisierbar und sorgen für sehr viel Wirbel in der deutschen Regierung. Aber auch andere Staaten rücken immer mehr in den Fokus und so erspinnt sich ein sehr breites Netz aus Beteiligten.

Die vielen verschiedenen Handlungsstränge sorgen für Verwirrung und so wie de Bodt Seite um Seite den einen Gedanken, die eine Idee zu greifen versucht, so versucht der Leser die Zusammenhänge zu erkennen und wird immer wieder auf Seitenhandlungen geschubst, die das bisherige Gerüst ins Wanken bringen.


Die Geschichte ist spannend, verworren und voller Andeutungen und Parallelen zur Realität. Mir haben die Charaktere gut gefallen, die Darstellung der politischen Vertretung, die so realitätsnah ist, dass man auch ohne Namen direkt weiß, wer gemeint ist. Die Hilflosigkeit und Unfähigkeit, der Unwille zur Tat und das Verstecken hinter der Kanzlerin beschreibt der Autor mit bissigem Humor. Immer wieder hat man das Gefühl, dass man gerade die Nachrichten sieht, so nah sind sie dran. Hervorragend ist auch die Frau vom französischen Präsidenten.

Die Geschichte ist spannend und sehr gut geschrieben, nur das Ende hat mich etwas enttäuscht zurückgelassen. Es war nicht so ein großer Knall, wie man es im Laufe der Geschichte erwartet hatte. Irgendwie bekam man das Gefühl, dass nun doch dem Autor die Puste ausgegangen ist, obwohl ich gern noch 100 Seiten mehr gelesen hätte. Und ja, es ist Jammern auf hohem Niveau.

Für mich (neben Petra Ivanov) einer der besten politischen Krimiautoren. Bis zum nächsten Fall mit de Bodt & Co.

Veröffentlicht am 28.08.2019

Hat mich leider etwas enttäuscht

Drei
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Ich hatte nach der ganzen geheimnisvollen Werbung für das Buch eine recht hohe Erwartungshaltung. Die Geschichte startete auch interessant und ließ sich anfangs auch gut lesen. Die Handlungsorte Tel Aviv ...

Ich hatte nach der ganzen geheimnisvollen Werbung für das Buch eine recht hohe Erwartungshaltung. Die Geschichte startete auch interessant und ließ sich anfangs auch gut lesen. Die Handlungsorte Tel Aviv und Umgebung waren zudem noch spannende Orte.

DREI Frauen und EIN Mann, das klang nach einer wunderbaren verworrenen Geschichte, doch leider war sie dann doch nicht so wunderbar. Der erste Teil des Buch war noch faszinierend und gut, jedoch nahm die Geschichte ab dem zweiten Teil eine Wendung, die mich nicht so sehr begeisterte. Auch wartete ich auf das Geheimnisvolle, was keinesfalls gespoilert werden darf. Doch irgendwie habe ich es verpasst oder überlesen oder es war schlicht nicht da. Ich muss zugeben, dass mich das Buch etwas enttäuscht zurückgelassen hat. Die Charaktere konnten mich nicht einnehmen und auch keine Spannung erzeugen. Die Handlungen des einen Mannes wurden leider ab der Hälfte der Geschichte vorhersehbar und dadurch verlor die Geschichte ihren Reiz.

Schade, schade, ich hatte so viel erwartet, aber leider war hier das Marketing besser als die Geschichte.

Veröffentlicht am 27.08.2019

Es gibt viel zu entdecken

Was Degas sah
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Hilaire Germain Edgar de Gas ein französischer Maler aus dem 19./20.Jh. wird in diesem Buch zum Thema. Genauer, seine Bilder stehen im Mittelpunkt und seine Aufmerksamkeit auf bestimmte Motive wie die ...

Hilaire Germain Edgar de Gas ein französischer Maler aus dem 19./20.Jh. wird in diesem Buch zum Thema. Genauer, seine Bilder stehen im Mittelpunkt und seine Aufmerksamkeit auf bestimmte Motive wie die Tänzerinnen und die Reiter.

Eigentlich ist es ein Kinderbuch, welches spielerisch die Aufmerksamkeit von Kindern auf die Kunst und den Künstler lenken soll. Für mich ist es eine Art Wimmelbuch für Erwachsene. Wer sich gern mit Kunst beschäftigt, wird sich gern mit diesem Buch beschäftigen. Es ist eine Mischung aus Zeichnungen, wie man sich vorstellt, was Degas gesehen hat, bevor er dann seine Werke erschaffen hat. Einige seiner Werke werden in der darauffolgenden Seite gezeigt, so dass man die Verbidnung zur Zeichung herstellen kann und die kurze Erläuterung hilft, das Bild besser zu verstehen.

Es ist ein steter Wechsel von Zeichungen und Degas Bildern und da es auf einem Großformat gedruckt ist, gibt es bei den Zeichnungen viele kleine Details (zum Teil humoristische Elemente) zu entdecken. Das Buch selber ist nicht dick. Es hat lediglich 36 Seiten, die jedoch einen aufmerksamen Beobachter durchaus eine Weile geschäftigen können. Für mich ist es ein Buch, welches man immer wieder zur Hand nehmen kann, um kleine neue Details, die man bisher übersehen hat, zu entdecken.

Veröffentlicht am 26.08.2019

Ein typischer Ivanov Krimi - klar, schnörkellos und aktuell

Entführung
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Ich kannte die bisherigen Fälle von Petra Ivanovs zweiter Krimiserie nicht und war nun umso gespannter, wie die Serie um Pal Palushi und Jasmin Meyer sein wird.
Es ist ein typischer Ivanov-Krimi – spannend, ...

Ich kannte die bisherigen Fälle von Petra Ivanovs zweiter Krimiserie nicht und war nun umso gespannter, wie die Serie um Pal Palushi und Jasmin Meyer sein wird.
Es ist ein typischer Ivanov-Krimi – spannend, klar und strukturiert ohne Schnickschnack, dafür mit einem tiefen Blick in die schweizerische Politik und Justiz.

„Entführung“ beschäftigt sich mit der Entführung eines jungen reichen Mädchens, dessen Entführer geschnappt wurde, aber nun nicht preis gibt, wo sich die Entführte befindet. Palushi ist sein Pflichtverteidiger und erntet dafür Anfeindungen und Hasskommentare. Palushi, ein Moslem verteidigt einen Moslem, der eine Schweizerin entführt hat. Ein gefundenes Fressen für die Medien. Palushi versucht vergebens klarzumachen, dass er keinen Einfluss auf die Vergabe der Mandate hat.

Palushi und Meyer versuchen nun gegen die Zeit zu laufen und das Mädchen zu finden. Der Entführer sagt kein Wort, reagiert weder auf Drohungen noch Verständnis oder Hafterleichtungsangebote. Palushi versucht über die Religion an Informationen zu gelangen und erhält einen Hinweis, der ihn in große Schwierigkeiten bringen wird.

Petra Ivanov hat nicht nur einen spannenden und sehr aktuellen Fall zum Krimi gemacht, sondern auch die Schattenseiten des Anwaltsberufes beleuchtet. Es öffnet dem Leser die Augen, dass Pflichtverteidiger nicht immer so agieren können, wie man es von ihnen als Außenstehender erwartet. Sie zeigt, welche juristischen Hürden zu bewältigen sind, um winzige Informationen zu erhalten, wie die Weitergabe von Hinweisen die eigene Existenz bedrohen kann und wie leicht die Medien die Bevölkerung manipulieren kann.

Mir gefällt der klare und schnörkellose Schreibstil von Petra Ivanov sehr. Besonders gut hat mir der Blick hinter die Kulissen gefallen. Viele Dinge waren mir so nicht bewusst. Die Autorin schafft es den Blick zu schärfen und die Medien noch mehr zu hinterfragen. Die Schweiz von einer ganz anderen Perspektive, die gar nicht so mit dem bisherigen Bild zusammenpassen will.