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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2025

Verlorene Jugend

Ámbar
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Ámbar ist erst 15 und doch lebt sie an der Seite ihres Vaters das Leben eines Gangsters in Südamerika, zwischen Drogendeals, Schusswechseln und falschen Identitäten. Abwechselnd auf der Flucht oder auf ...

Ámbar ist erst 15 und doch lebt sie an der Seite ihres Vaters das Leben eines Gangsters in Südamerika, zwischen Drogendeals, Schusswechseln und falschen Identitäten. Abwechselnd auf der Flucht oder auf der Jagd, nie lange am gleichen Ort und ohne richtige Freundschaften - ist das wirklich das Leben, das sie sich wünscht?
Die Kontraste in diesem Thriller haben mir besonders gut gefallen, auf der einen Seite die grausame Realität eines Gangsterlebens, auf der anderen die normalen Gefühle und Wünsche einer Jugendlichen. Gespräche mit Gleichaltrigen werden abgelöst von brutalen Verhören, Videospiele unterbrochen von der ersten Hilfe bei Schussverletzungen.
Dies zieht sich als Motiv quer durchs Buch und wird immer wieder beeindruckend dargestellt.

Hier trägt die Sprache auch einen großen Teil zu bei, der fast poetische Schreibstil und zahlreiche tolle Formulierungen vermitteln die Stimmung und Ámbars Gefühle sehr eindringlich. Ein wunderschöner Satz hat eine grausame Bedeutung, ein unschuldiger Gedanke nimmt eine traurige Wendung.
Probleme hatte ich nur zwischendurch und besonders zu Beginn öfters mal mit der Beschreibung der Handlung und manchen Dialogen. Teilweise dachte ich, ich hätte etwas überlesen, vor allem wenn sich Personen unterhalten, ohne dass dem Leser Kontext geliefert wird. Es werden viele Namen genannt, doch nicht alle sind dann auch relevant.
Dies hat sich in der zweiten Hälfte jedoch gebessert und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Dieses Buch ist nicht nur ein Thriller, sondern auch eine berührende Coming of Age Geschichte, ein Einblick in das Leben südamerikanischer Gangster und die Erzählung einer schwierigen Familie.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2025

Geniales neues Krimi-Genre

HEN NA E - Seltsame Bilder
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Manch einer mag sich noch an die damals recht bekannten Alternate Reality Games erinnern - dieser Krimi ist besonders im ersten Teil quasi deren Verkörperung in Buchform und macht einfach unglaublich Spaß!
Zusammen ...

Manch einer mag sich noch an die damals recht bekannten Alternate Reality Games erinnern - dieser Krimi ist besonders im ersten Teil quasi deren Verkörperung in Buchform und macht einfach unglaublich Spaß!
Zusammen mit einem japanischen Studenten erkunden wir alte Blog-Einträge und dort ebenfalls hochgeladene Zeichnungen. Was verbirgt sich zwischen den Zeilen, was verraten die Bilder?
Das Buch nimmt den Leser an die Hand und gemeinsam löst man ein Rätsel nach dem anderen, sammelt immer mehr Puzzlestücke und wird mit einer spannenden Kriminalgeschichte belohnt.
Viel Bildmaterial veranschaulicht hier sowohl die Rätsel als auch deren Lösungen, wodurch man sich alles super vorstellen und die Lösung mitverfolgen kann.

Unterteilt ist der Roman in drei Abschnitte, die sich auf unterschiedliche Charaktere fokussieren und auch stilistisch recht verschieden sind. Dies erscheint zunächst seltsam, ergibt später aber Sinn.
Von Beginn an kann man miträtseln und versteckte Hinweise suchen und auch wenn man denkt, man hat das Buch durchschaut, gibt es immer wieder neue Überraschungen und Plottwists.
Hierbei gab es auch mal ein paar Kleinigkeiten, die übertrieben oder unwahrscheinlich erschienen, jedoch hat dies meinen Lesespaß nur geringfügig beeinträchtigt.

Auch für Japan-Fans ist dieses Buch super: Das dortige Leben und die Kultur halten immer wieder Einzug in die Geschichte und ermöglichen ein paar schöne Eindrücke.
Die Übersetzung erscheint durchaus gelungen und erfasst das Wesentliche, lässt aber auch Teile des japanischen Originals im Text und den Bildern, was ich als sehr angenehm empfand. Wortspielereien und dergleichen werden gut erklärt, ohne dass man Sprachkenntnisse benötigt.
Diese neue Krimi-Art hat mich total überzeugt und ich freue mich schon auf die nächste Geschichte des Autors!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Chaaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 31.03.2025

Geschichte wiederholt sich

Vor hundert Sommern
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Die Autorin nimmt uns mit auf zwei Zeitebenen: Im Jahre 2024 verfolgen wir das Leben der jungen Studentin Lena, ihrer Mutter Anja und der Großmutter, die sich an das neue Leben im Heim gewöhnen muss. Ihre ...

Die Autorin nimmt uns mit auf zwei Zeitebenen: Im Jahre 2024 verfolgen wir das Leben der jungen Studentin Lena, ihrer Mutter Anja und der Großmutter, die sich an das neue Leben im Heim gewöhnen muss. Ihre Erzählungen der Vergangenheit zentrieren sich auf Clara, die sich 1924 durchschlägt.
Besonders gut gefallen haben mir die zahlreichen Parallelen: Lena und Clara trennen genau 100 Jahre und ähneln sich in gewisser Weise sehr, während gleichzeitig aber auch die Unterschiede deutlich werden, vor allem bedingt durch die Probleme der damaligen Zeit.
Dass unsere Gesellschaft jedoch noch längst nicht frei davon ist, wird im Verlauf der Geschichte auch immer wieder deutlich, so wiederholt sich beispielsweise der Antisemitismus. Die Botschaft ist klar und eindrücklich: Es sind 100 Jahre vergangen und die Menschheit hat teilweise nichts dazugelernt.

Aktuelle politische und gesellschaftliche Themen miteinzubeziehen finde ich grundsätzlich super und ich mochte auch die Idee hier sehr, jedoch kam es mir teilweise doch etwas zu überladen vor, als ob möglichst viele Themen untergebracht werden sollen, anstatt sich auf ein paar zu konzentrieren. Manches wirkte zwischendurch auch schon fast ein wenig klischeehaft und übertrieben, wie die Influencer-Karriere von Lenas Schwester oder Lenas Obsession mit dem Veganismus.
Das Spiel mit den Parallelen zu Clara führte auch dazu, dass es sehr viele "Zufälle" gab, die manchmal dann doch arg konstruiert gewirkt haben.

Der Schreibstil hat mir dafür gut gefallen, die Geschichte war durchweg angenehm zu lesen. Meine Favoriten waren hierbei die Clara-Kapitel, ich fand den Einblick in das damalige Leben und die Rolle der Frau sehr spannend und interessant. Als Kontrast dazu wurde ich nie so richtig warm mit Lena, was ich aber nicht als negativ empfunden habe - wir lernen viele Frauen kennen und manche davon findet man natürlich auch sympathischer als andere, hier wurde eine gute Mischung gefunden.
Durch Infos am Kapitelanfang weiß man auch immer, um wen es gerade geht und wann bzw. wo die Handlung spielt.

Ein paar Sachen sind mir unlogisch erschienen, wie kleinere Logikfehler oder nicht nachvollziehbare Entscheidungen bzw. Verhalten mancher Charaktere, jedoch hielt sich dies in Grenzen.
Dafür fand ich es schön, dass die Geschichte der Vergangenheit auf wahren Verwandten der Autorin beruht und man deren Zuneigung auch durch die Seiten hinweg spüren kann, ohne dass es unangenehm auffällt.
Insgesamt eine gelungene Familiengeschichte mit kleinen Mängeln, die das Lesevergnügen aber nicht stark beeinträchtigen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2025

Spannender Ausflug in den historischen Temple-Bezirk

Der Tote in der Crown Row
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Sir Gabriel Ward mag seinen geordneten Alltag, in dem alles nach seinen eigenen Vorgaben verläuft. Ein toter Richter vor seiner Tür ist da natürlich äußerst störend, vor allem, als er dann auch noch in ...

Sir Gabriel Ward mag seinen geordneten Alltag, in dem alles nach seinen eigenen Vorgaben verläuft. Ein toter Richter vor seiner Tür ist da natürlich äußerst störend, vor allem, als er dann auch noch in dieser Angelegenheit ermitteln soll, während er gleichzeitig an einem großen Rechtstreit arbeitet.
Die Autorin ist selbst Anwältin und arbeitet schon viele Jahre im ungewöhnlichen Londoner Temple-Bezirk, der auch hier Schauplatz der Handlung ist.
Dies merkt man auf jeder Seite, angefangen mit einer Karte bis hin zu zahlreichen interessanten Hintergrundinfos über das Leben, die Traditionen und die dortigen Bewohner. Als Leser bekommt man so nicht nur einen spannenden historischen Krimi im Jahre 1901 geboten, sondern auch eine Zeitreise und einen Einblick in diesen Mini-Staat des Rechts.

Die Sprache passt hierbei perfekt zu den Charakteren und der damaligen Zeit, immer begleitet von einer schönen Prise britischem Humors.
Passend zum Hauptcharakter verfolgt man sowohl einen Mord als auch einen Fall vor Gericht, ein Grundinteresse am Rechtswesen sollte beim Leser also vorhanden sein.
Die Geschichte selbst wird aus vielen Perspektiven erzählt, was ich aber durchaus angenehm empfand, da man so auch die vielen Nebencharaktere und Verdächtigen besser kennenlernt und Interesse an ihren Schicksalen entwickelt.
Gefühlt hat eigentlich jeder irgendein kleineres oder größeres Geheimnis, diese werden jedoch nach und nach alle zufriedenstellend aufgeklärt und dienen zuvor herrlich der Verwirrung.
Gabriel selbst war ein sympathischer Hauptcharakter, der mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen ist. Ihm zur Seite steht der junge Constable Wright, der einen schönen Gegenpol bildet. Ich mochte dieses ungewöhnliche Team sehr, auch wenn ich mir noch mehr gemeinsame Szenen gewünscht hätte.
Vielleicht im zweiten Band? Ich freue mich auf jeden Fall auf ein baldiges Wiedersehen!

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Eine Geschichte ohne Helden

Ginsterburg
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Ginsterburg ist eine fiktive Stadt in Deutschland, deren Bewohner wir auf drei Zeitebenen (1935, 1940, 1945) begleiten dürfen. Dabei fällt es nicht schwer sich vorzustellen, dass es so ähnlich auch in ...

Ginsterburg ist eine fiktive Stadt in Deutschland, deren Bewohner wir auf drei Zeitebenen (1935, 1940, 1945) begleiten dürfen. Dabei fällt es nicht schwer sich vorzustellen, dass es so ähnlich auch in anderen Städten damals abgelaufen sein könnte - man erlebt eine fiktive Geschichte, die sich gleichzeitig sehr echt anfühlt.
Hierzu gehört auch, dass es keine wirklichen Helden gibt: Wir lernen eine Vielzahl von Charakteren kennen, begleiten ein paar davon ausführlicher durch die Jahre hinweg, aber eine wirkliche Verbindung konnte ich zu keinem aufbauen.

In diesem Sinne ist dies kein Buch für Leser, die gerne mitfiebern oder mitfühlen, vielmehr bekommt man einen ungeschönten Einblick in das damalige Leben.
Charaktere, die zunächst im Fokus stehen, verschwinden auch schnell wieder aus der Handlung oder sterben auch mal ganz nebenbei. Erwartete Konflikte oder Spannungen werden im Keim erstickt, Probleme werden gekonnt ignoriert. Die Gesellschaft verschließt die Augen, die Stadt versucht ihr "normales Leben" zu bewahren - und zeigt uns so eine wichtige Botschaft auch für unsere heutige Zeit auf.
Ich fand diesen Erzählstil einerseits echt interessant, gerade weil die Handlung ganz anders verlief als erwartet, andererseits hat mich das Buch dadurch zwischendurch auch immer wieder mal verloren, da ich mich mit manchen Charakteren und deren Perspektiven nicht wirklich anfreunden konnte.
Irgendwie passiert manchmal sehr viel und gar nichts zugleich.
Auch hätte ich mir ein Charakterverzeichnis und ein erläuterndes Nachwort gewünscht. So basiert beispielsweise Lothar auf einer echten Person, dies habe ich jedoch nur zufällig am Ende erfahren.

Schön war hingegen, dass die verwendete Sprache perfekt zur damaligen Zeit passt, das hat sehr authentisch gewirkt. Auch passt sich der Schreibstil an die gerade im Fokus stehende Person an, so werden z.B. die Sätze bei einem Schriftsteller komplizierter als bei einem Kind.
Dazwischen gibt es auch immer wieder andere Textsorten wie Gesetze, Lieder oder Briefe.
Auch die Stadt wird sehr ausführlich zu Beginn beschrieben und quasi vor dem inneren Auge zum Leben erweckt.
Manche Handlungsabschnitte fand ich ein wenig zu lang oder sogar ziemlich unnötig, andere hingegen waren erschreckend und interessant zugleich.
Insgesamt ein durchaus gelungener und authentischer Einblick in eine Kleinstadt zur damaligen Zeit.

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