Schattenflügel und dunkle Schwüre: Ein Tanz auf der Klinge
On Wings of Blood (Bloodwing Academy 1)Wenn man die Tore der Bloodwing Academy durchschreitet, sollte man besser keine empfindsame Seele im Gepäck haben. Briar Boleyn wirft uns in eine Welt, in der Vampire die Strippen ziehen und Menschen – ...
Wenn man die Tore der Bloodwing Academy durchschreitet, sollte man besser keine empfindsame Seele im Gepäck haben. Briar Boleyn wirft uns in eine Welt, in der Vampire die Strippen ziehen und Menschen – charmant „Seuchengeborene“ genannt – lediglich als Spielball oder Snack dienen. Mittendrin: Medra Pendragon, die nicht nur mit ihrer neuen Realität, sondern auch mit ihrem Erbe als letzte Drachenreiterin kämpft.
Der Schreibstil: Unkompliziert mit Sogwirkung Boleyn schreibt angenehm flüssig und direkt. Man stolpert nicht über verschachtelte Sätze, sondern gleitet förmlich durch die Seiten. Besonders der Einstieg ist meisterhaft – man ist sofort orientierungslos zusammen mit Medra, was eine packende Atmosphäre schafft. Einzig die Dialoge wirken manchmal etwas überladen mit Ausrufezeichen, was Gespräche oft aggressiver klingen lässt, als sie vielleicht gemeint waren. Dennoch: Die Spannung bleibt, besonders im fulminanten letzten Drittel, konstant hoch.
Die Geschichte: Zwischen Machtrausch und Herzklopfen Das Worldbuilding ist ein faszinierender Mix aus Dark Academia und harten Hierarchien. Die Idee der Häuser und der politischen Intrigen ist stark, auch wenn die Autorin viele Konzepte (wie das Unterrichtssystem) nur oberflächlich streift. Hier wäre mehr Tiefe schön gewesen, um die Welt noch greifbarer zu machen.
Die Dynamik zwischen Medra und dem „morally grey“ Vampir Blake ist klassisches Enemies-to-Lovers. Es knistert gewaltig, auch wenn Blakes arrogante Art (und sein Hang zum Bullying) hart an der Grenze zur Toxizität kratzt. Medra selbst ist eine streitbare Protagonistin: mutig und unbeugsam, aber manchmal auch anstrengend impulsiv.
Fazit Ein mitreißender Auftakt, der trotz kleiner Schwächen in der Charaktertiefe einen enormen Suchtfaktor besitzt. Wer auf düstere Magie, Drachen und einen wirklich fiesen Cliffhanger steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Ein solider Start mit ordentlich Luft nach oben für die Fortsetzung.