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Veröffentlicht am 21.12.2020

Man kann nicht alles in die Fortsetzung schieben...

Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss
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Schreibstil:
Das Buch ließ sich vom Schreibstil her sehr flüssig lesen. Es ging flott voran und die Beschreibungen waren super. Ich war sofort in der Geschichte drin, konnte mir alles sehr gut vorstellen ...

Schreibstil:
Das Buch ließ sich vom Schreibstil her sehr flüssig lesen. Es ging flott voran und die Beschreibungen waren super. Ich war sofort in der Geschichte drin, konnte mir alles sehr gut vorstellen und war fasziniert von der Welt, die die Autorin erschafft.

Meine Meinung:
Fangen wir doch mit Elaine an. Anfangs war ich mit ihr zusammen noch total euphorisch. Alles war neu, es gab so viel zu entdecken und Elaine ist mittendrin. Sie bemerkt, dass all das, was sie zuvor für die Normalität gehalten hat, ein Konstrukt ist, das einiges ausklammert. Sie war äußerlich betrachtet eine tolle Heldin der Geschichte: taff, mit „Superkräften“, verstrickt in Vergangenheit und Gegenwart und jemand, der alle zusammenhält. Auf tieferer Ebene kam ich allerdings gar nicht so richtig mit ihr zurecht. Ich wollte sie mögen, weil es einfach zur Geschichte gepasst hätte, aber es ging einfach nicht. Elaine verschließt dafür zu oft die Augen vor der Wahrheit. Sie führt sich zu oft auf, wie ein bockiges Kind, dass nicht glauben will, dass Zucker schlecht für die Zähne ist. Ich konnte immer nur wieder genervt die Augen verdrehen und musste mir gut zureden, um sie weiter zu verfolgen. Anstatt dass sie nämlich nachdenkt, lernt, offen ist und Fragen stellt, bleibt sie weiterhin auf ihrer Position, die mehr und mehr von den äußeren Geschehnissen durchlöchert wird. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass sie sich ein wenig mehr auf alles einlässt, auch, um mehr herauszufinden. Stattdessen bleibt sie geradezu naiv. Es war einfach enttäuschend. Vor allem, weil sie sich im Laufe der Geschichte nicht wirklich entwickelte. Man kann sich jetzt sagen, dass es ja noch mehr Bände gibt und das Elaine dann bestimmt die ersehnte Entwicklung durchmacht, allerdings hätte ich es besser gefunden, wenn Ansätze davon schon früher in diesem Band zu bemerken gewesen wären.

Bale dagegen fand ich super. Er ist großteilig während der Geschichte sehr in sich gekehrt und verschlossen. Keiner birgt mehr Geheimnisse in sich und handelt ebenso verrückt wie überlegt. Ich konnte ihn immer sehr gut verstehen, wenn er genervt auf Elaine reagierte^^
Für mich war er auf jeden Fall die interessanteste Person der Geschichte, weil er in alles verwickelt ist. Er ist sozusagen der Stern, der alle überstrahlt, weil er das meiste Wissen in sich vereint.

Die Story an sich musste man einfach lieben. Anna Benning erschafft da eine einzigartige Welt, die sowohl Bösewichte wie auch Mischwesen (und damit meine ich, dass man nicht eindeutig weiß, ob gut oder böse) und gute, bzw. unschuldige Personen beherbergt. Ich mochte sehr gerne, wie alle an einem großen Ganzen zusammen arbeiten, ohne es zu bemerken. Ob nun mit guten oder unguten Absichten.
Das Prinzip der Vortexe ist unheimlich interessant und die Weltaufteilung macht neugierig auf mehr Informationen, ist aber auch wunderschön fantastisch gestaltet, sodass man sich gerne dahin entführen lässt.
Was ich aber eindeutig bemängele, ist die Logikkonstruktion. Man merkt während des Handlungsverlaufes sehr deutlich, dass es sich hierbei um einen Auftakt handelt. Es werden viele lose Handlungsstränge aufgeworfen, Informationen vorenthalten und Fragen in den Raum gestellt. Das alles lässt sich somit begründen. Es gab für mich aber auch Lücken in der Logik, die sich nicht so erklären ließen. Ich stieß immer wieder auf Fragen, die ich mit dem bereits Gelernten versuchte, zu erklären. Die Erklärungen schlugen jedoch fehl. Es passte nicht zusammen.
Selbst, wenn ich etwas übersehen, (wir haben es jedoch zu zweit überprüft), oder vielleicht nicht richtig verstanden haben sollte, so gab es dennoch zu viele solcher Lücken. Es war einfach alles in sich nicht ganz schlüssig und das hat mich gestört. Nicht alles kann mit dem zweiten Band, mit einer Fortführung begründet werden. Ich lese schließlich schon mit dem Auftakt ein vollwertiges Buch. Es war einfach sehr sehr schade, denn alles Drum Herum war so schön, so spannend, interessant und kreativ.
(Diese Lücken zeigen sich übrigens auch bei den Nebenprotagonisten der Story. Klar, kann da in der Fortsetzung noch mehr kommen, aber wenn jemand als bester Freund von jemandem bezeichnet wird, dann will ich schon mehr wissen als den Namen. Ebenso hatte ich das Gefühl, dass hier Bedrohungen einfach zur Vereinfachung der Story einmal „pausiert“ wurden. Das war recht unrealistisch und passte nicht ganz zu der nicht immer fröhlichen Welt der Science Fiction.)

Fazit:
Ich werde den zweiten Band definitiv noch lesen, weil ich gerne wissen möchte, ob wirklich alles auf die Fortsetzung gesetzt wurde. Überzeugen konnte mich dieses Buch jedoch nicht gänzlich. Die Thematik war spannend und interessant, die Welt sehr schön gezeichnet und die Idee der Vortexe für mich neu. Ich mochte Bale und seine Aufgabe in der Geschichte, die ganzen Handlungsstränge, die irgendwie ein großes Ganzes ergaben, bei dem definitiv Potential für die Fortsetzung geschaffen wurde. Über die Logiklücken konnte ich aber irgendwie nicht so ganz hinwegsehen, ebenso nicht darüber, dass Elaine mir alles andere als sympathisch war.

Von mir gibt es gerade so 3 von 5 Sterne.

Liebe Grüße

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Veröffentlicht am 20.12.2020

Tolle Geschichte mit miesem Cliffhänger und soooo gut!

Kaleidra - Wer das Dunkel ruft (Band 1)
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Zur INFO: Dies ist der erste Band einer Trilogie:)

Klappentext:
Wenn die 17-jährige Emilia eines liebt, dann sind es Rätsel. Als sie bei einem Museumsbesuch das sagenumwobene Voynich-Manuskript lesen ...

Zur INFO: Dies ist der erste Band einer Trilogie:)

Klappentext:
Wenn die 17-jährige Emilia eines liebt, dann sind es Rätsel. Als sie bei einem Museumsbesuch das sagenumwobene Voynich-Manuskript lesen kann, spürt sie, dass sie einem unglaublichen Mysterium auf der Spur ist – denn das Dokument gilt als eines der größten, nie entschlüsselten Geheimnisse der Menschheit. Dann trifft sie auf den attraktiven, aber sehr verschlossenen Goldalchemisten Ben, und die Ereignisse überschlagen sich: Emilia ist eine Nachfahrin des uralten Silberordens! Schnell gerät sie ins Kreuzfeuer rivalisierender Geheimlogen, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

Cover:
Dies ist wieder ein Buch, bei dem ich einfach etwas zum Cover sagen muss. Ich finde es nämlich wirklich wirklich schön. Edel und schlicht, passend zur Geschichte und definitiv einzigartig. Ein Highlight für jedes Bücherregal!

Der Schreibstil:
Ich fühlte mich von der ersten Seite an wieder total wohl und unterhalten. Kira Licht schreibt wunderbar frisch, locker, flüssig und zauberte mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Ihre Protagonisten, die Dialoge sind allesamt schlagfertig, keck und humorvoll.
Ich mochte es auch sehr, dass die Erklärungen dessen, was Thematik und Logik des Buches und damit auch noch neu für Emilia ist, zuerst immer grob und einfach gehalten erklärt werden. Später wird es dann nochmal detaillierter. So kam man als Leser immer gut mit und hatte gleichzeitig das Gefühl, man lernte die Welt zusammen mit Emilia kennen.
Es ließ sich einfach sehr schnell und flüssig lesen, es kam keine Langeweile auf und der jugendliche, simple Charme, den ihre Bücher ausstrahlen, findet man auch hier. Das sollte einen aber auf gar keinen Fall davon abhalten, das Buch zu lesen, denn es passt wunderbar zum Gesamtbild, da die Thematik recht kompliziert ist. Anders wäre man wohl schnell überfordert^^

Meine Meinung:
Emilia mochte ich vom ersten Moment an sehr gerne. Sie ist so schön direkt, hat ihre Werte, die sie ausmachen, lässt sich von niemandem herumschubsen und geht angenehm unvoreingenommen auf die Dinge zu. Für mich war sie ein sehr ausgeglichener Charakter, der selbst in den ungewöhnlichsten und bedrohlichsten Situationen nicht nur an sich selbst denkt und beweist, warum sie zur Heldin dieses Buches geworden ist. Natürlich ist sie das natürlich nicht vom ersten Moment an, aber sie wird definitiv zu dieser und das fand ich super gemacht!
Ihr Talent für die Kryptographie ist zudem richtig cool. Kira Licht beschreibt es immer wieder als ein Gefühl, dass Emilia einfach in den Kopf schießt und schon hat sie eine Ahnung, was die Lösung sein könnte. Die Rätsel sind dabei aber so genial wie simpel, dass man als Leser gut mit Emilia mitkommt und ihren Lösungsweg nachvollziehen kann. Es hat echt Spaß gemacht, vielen verschiedenen Rätseln zu begegnen:)
Was Emilia und ihre Freunde und die Alchemisten angeht, so fand ich, dass sie einen sehr lockern Umgang mit allen pflegt. Durch ihre unkomplizierte Art, versteht sie sich mit allen mehr oder weniger gut und es kommen von ihrer Seite aus fast keine negativen Gefühle auf, die mir als Leser vielleicht die Lust am Lesen genommen hätten. Stattdessen genießt man einfach ein wenig und staunt darüber, wie die Protagonisten dennoch alle ihre tieferen Ebenen haben.

Ben kann man ganz ganz grob wohl als Bad Boy einstufen. Er zeigt aber von Anfang an auch eine sehr sensible Seite, die ich super schön an ihm fand. Die Grenze zwischen den beiden ist von Anfang an da und dennoch lässt er genug durchblicken, um seine und Emilias Gefühle ganz zart hervortreten zu lassen. Ich habe mich immer mal wieder zwischendurch gefragt, ob ich es nun lieber gehabt hätte, wenn die beiden da etwas offensiver gewesen wären. Das kann ich aber verneinen. Ben überraschte mich als Leserin an vielen Stellen mit seiner Ehrlichkeit und war für mich der perfekte Begleiter für Emilia. Ich bin wirklich gespannt, wie es mit ihnen weitergeht.

Wirklich schön an dieser kleinen LoveStory zwischen Ben und Emilia war, dass von Anfang an Klarheit herrschte. Alles geschieht zwischen den beiden also sehr bewusst und ohne, dass man als Leser die ganze Zeit darauf wartete, dass irgendwo der Haken auftaucht. Der ist sofort da und bleibt fest verankert. Lasst euch da einfach selbst überraschen, was zwischen den beiden vorgeht. Ich kann nur sagen, dass ich diesen Teil der Geschichte als sehr schön eingebunden – auch im richtigen Maß – empfand und es trotz Jugendbuch zu vielen Gedanken und Tiefen kommt.

Jetzt mal ganz allgemein zur Geschichte:
Ich fand das Thema mit den Alchemisten, den Orden und den Kräften der Protas einfach wahnsinnig interessant und war die meiste Zeit beim Lesen einfach neugierig darauf, was noch alles möglich ist. Ihr werdet dem Stein der Weisen begegnen, der Arche Noah und vielem mehr und dennoch klingt es nicht wie aus dem Zauberhut hervorgezogen, sondern ist alles logisch eingebettet. Die Autorin hat sich da echt gute Erklärungen zurecht gelegt und auf die Logik zwischen allem geachtet. Mir ist nichts aufgefallen, was aus der Reihe tanzen würde. Stattdessen sind einige Prozesse wirklich kompliziert oder gar philosophisch zu verstehen und keinesfalls „mal eben“ einfach so erklärt. Das fand ich persönlich super, weil für mich zu einer komplexen Geschichte, mit vielen Handlungssträngen – und das hat die Geschichte – auch eine komplexere Logik gehört. Wäre der Stein der Weisen mit den Worten: weißt schon, genau wie in Harry Potter – erklärt worden, wäre es für mich einfach nicht passend und umfassend genug gewesen.
Und so komme ich auch noch einmal genauer auf die vielen Handlungsstränge zu sprechen: Die Handlung konnte mich einfach überzeugen, weil wir da Emilias eigentliches Leben haben, das ja auch weitergeht, die Alchemisten, die ihr Sachen beibringen, aber auch zu Freunden werden und Persönlichkeiten und ein Leben haben, dann die Vergangenheit und die Zukunft und noch mehr. Es bleibt keine oberflächige Erzählung, die nicht zu überzeugen weiß. Stattdessen findet sich hier einfach eine tolle Mischung, die auf jeder Ebene fasziniert und fesselt, einige Überraschungen bereithält, süß wie auch witzig ist und Lust auf Mehr macht. Nicht zu vergessen an dieser Stelle: das Ende. Macht euch auf einen mega fiesen Cliffhänger gefasst, der beweist, wie gut diese Geschichte angelegt ist!

Fazit:
Mich konnte dieses Buch auf ganzer Linie überzeugen! Seht euch einfach das Cover an, denkt euch eine Prise Humor, eine Prise Raffinesse, Witz, Vielschichtigkeit, zarte Liebe und Spannung sowie ein wahnsinnig interessantes Thema und schon habt ihr den Inhalt dieses Buches. Ich kann es nur empfehlen! Meiner Meinung nach ist es zudem noch viel besser als die Gold und Schatten-Dilogie der Autorin:)

5 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 20.12.2020

Berührende Geschichte, die überzeugt

Forever Mine - San Teresa University
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Zum Klappentext: Lest ihn einfach nicht. Ich habe es irgendwann in der Mitte des Buches gemacht und war erstaunt, wie weitreichend die Informationen darin sind. Man liest daraufhin das Buch und wartet ...

Zum Klappentext: Lest ihn einfach nicht. Ich habe es irgendwann in der Mitte des Buches gemacht und war erstaunt, wie weitreichend die Informationen darin sind. Man liest daraufhin das Buch und wartet auf den Moment, in dem passiert, was im Klappentext beschrieben steht. Das fand ich richtig blöd. Es ist ein Liebesroman. Wir wissen alle ungefähr, wie es abläuft. Da muss ich nicht schon vorher Details des Handlungsverlaufes kennen, die mir jegliche Überraschung verderben.
(Musste ich an dieser Stelle einfach einmal sagen.)

Klappentext:
Als die gesamte Universität von Kates One-Night-Stand mit Alec Volcov, dem Playboy der San Teresa University, erfährt, ist ihr sauberes Image als Bloggerin von einem Tag auf den anderen zerstört. Kate will einfach nur vergessen, was passiert ist, und zieht deshalb in ein neues, ruhigeres Wohnheim um. Was sie nicht ahnt: Ihr Zimmernachbar ist ausgerechnet Alec, der sie nicht nur bei jeder Begegnung an die Nacht erinnert, die ihr Leben für immer verändert hat, sondern der ihr plötzlich auch nicht mehr aus dem Kopf gehen will …

Schreibstil:
Ich mag den Schreibstil der Autorin total gerne, weil er unheimlich authentisch ist. Es gibt keine Schnörkel, keine unnötige Dramatik. Stattdessen lässt sie sich ein wenig mehr Zeit, um sämtliche Gefühle ausdrücken zu können und begreifbar zu machen. In diesem Band behandelt die Autorin zudem ein Thema, zu dem dieser Schreibstil sehr gut passte. Lasst euch einfach ein wenig darauf ein, dass nicht alles schnell, fix und atemberaubend über die Bühne läuft, sondern sich etwas Zeit nimmt, um eine sehr authentische Tiefe zu schaffen.

Meine Meinung:
Ich habe Kate schon in Band 1 kennengelernt, allerdings offensichtlich nur oberflächlich. Sobald man die ersten Sätze aus ihrer Perspektive liest, merkt man umso mehr, was sie an die Öffentlichkeit lässt und was in ihrem Inneren vorgeht. Kate ist selbstbewusst, keck, schlagfertig und kreativ. Sie engagiert sich für andere Menschen, will Gutes tun und ist der Typ Mensch, der sich mit seiner ganzen Leidenschaft in etwas stürzt.
Etwas davon konnte ich mir schon durch die „Außensicht“ aus Band 1 erschließen, das Meiste jedoch erkennt man erst im Laufe dieses Buches. Am Anfang ist Kate nämlich nicht sie selbst. Es geht ihr schlecht. Ihr Selbst ist unter all dem Druck, den Konventionen und Auflagen, den Blicken und Meinungen anderer und einem falschen Lächeln verloren gegangen. Die Stimmung zu Anfang des Buches ist demnach alles andere als leicht, locker und süß. Stattdessen machte ich mir sofort Sorgen. Man steckt als Leser sofort in der Thematik – kann ihr praktisch gar nicht ausweichen.
Ihr glaubt nicht, wie oft ich am liebsten in das Buch gegriffen und Kate stützend meine Hand aufgelegt hätte. Nicht umsonst enthält das Buch gleich auf den ersten Seiten eine Triggerwarnung. Hier wird ein Thema behandelt, das Menschen zerstört und zu einem Schatten ihrer selbst werden lässt. Die Geschichte zu lesen war also nicht immer leicht. Man leidet mit.

Kate hat während des Handlungsverlaufes ihre schwachen und starken Momente und ich fand alle sehr gut gemacht. Die Geschehnisse spitzen sich mehrmals zu, werden wieder entkräftet und nehmen wieder zu. Das geht an keinem ohne Auswirkungen vorbei. So hat auch Kate zu kämpfen. Ich fand es aber echt gut, wie die Autorin genau dies herausstellt und beschreibt, ohne dass ich als Leserin das Gefühl hatte, ich läse eine Tragödie. Es gab immer noch Hoffnung.

Zur größten Hoffnung wird Alec. Ich war total erstaunt, mit welch ungewöhnlichen oder zumindest nicht ganz klischeemäßigem Charakter man es mit ihm zu tun bekam. Er schwimmt irgendwie durch die Massen, ohne so recht aufzufallen. Dabei ist er keineswegs unauffällig. Er ist einer von den „Coolen“, ist ein super Schwimmer, sieht gut aus, ist respekteinflößend und macht, was er will. Durchaus Attribute, die ihn zu einem Bad Boy machen könnten. Und das ist er vielleicht auch. Aber eben nicht im typischen Sinne. Alec macht sich nichts daraus, andere runterzumachen oder sich emporzuheben. Er kämpft für das, was ihm wichtig ist und macht gleichzeitig, was er will, ohne sich groß um die Meinung anderer zu scheren. Deshalb passt er wahrscheinlich auch so gut zu Kate. Er setzt genau dort bei ihr an, wo sie eine Stütze, neue Hoffnung braucht. Dazu kommt noch, dass auch seine Vergangenheit nicht immer happy war und ihn auch heute noch nicht loslässt. Was besseres hätte Kate wohl nicht passieren können.

Ich fand es einfach großartig, wie die beiden miteinander umgegangen sind. Der öffentlichen Umstände wegen treffen sie sich zunächst nur immer mal wieder und hängen nicht immer und ewig aufeinander rum. Das bedeutet für Kate, dass sie vieles mit sich selbst oder eben mit Rachel und Realyn ausmachen muss. Alec ist aber immer wieder da. Und im Umgang mit ihm sieht man dann die echte Kate. Die, die auf seine Kommentare, Flirtereien und Tipps antwortet und sich nicht in sich selbst zurückzieht. An ihm lässt sie alles aus, ihm vertraut sie alles an. Es herrschte einfach ein unbefangenes Vertrauen zwischen den beiden, welches Kate so nicht zu ihren Freundinnen hat, obwohl die Liebe auch zu ihnen spürbar ist.
Das ist nur eine von vielen Tatsachen, die die Geschichte bietet, die den Schreibstil der Autorin sehr schön zeigen. Man merkt als Leser die feinen Unterschiede und kann so vieles ganz genau einordnen. Viel präziser als seien die Gefühle nur kurz und heftig beschrieben.

Zum allgemeinen Handlungsverlauf muss ich sagen, dass vieles geschieht, was Zeit braucht, um verarbeitet werden zu können (von Kate). Somit passiert hier nicht alle fünf Seiten etwas Großartiges. Stattdessen gibt es auch mal kleinere Zeitsprünge, Pausen (die sie bspw. bei ihren Großeltern verbringt) und Phasen, in denen Kate sehr viel mit sich selbst beschäftigt ist. Die Liebesgeschichte ist allgegenwärtig, weil die Gefühle da sind und weil man natürlich auch aus Alecs Perspektive liest, es geht aber dennoch alles in einem sehr gemäßigten Tempo zu. Für mich passte das sehr gut zur Situation und ihr werdet es vielleicht selbst merken, wenn ihr das Buch lest. Wenn ihr hintergangen werdet bspw. könnt ihr danach auch nicht einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen. Kate muss weitaus mehr in diesem Buch mitmachen und das braucht eben Platz, weshalb es aber auch so authentisch wirkt und der Thematik die entsprechende Verarbeitung und Wichtigkeit zukommen lässt.

Kates Entwicklung während der Geschichte ist beeindruckend. Ehrlich gesagt hatte ich anfangs so gar keine Ahnung, wie das alles funktionieren sollte. Was macht man, wenn die Protagonistin total am Boden ist, es aber auch nicht zu kitschig, zu happy werden soll? Tja, Kara Atkin schreibt in dieser Story die Antwort nieder. Anders als bei anderen Liebesgeschichten haben wir hier nicht die fortschreitende Entwicklung, die einzig von einer größeren Problematik gegen Ende zum Kippen gebracht werden könnte. Letzen Endes passiert Kate Stationen, die ich nicht vorhergesehen habe, die aber sehr logisch wirkten und eine deutliche Moral mit sich tragen.
So war es bis zum Ende hin spannend, was aus ihr werden würde. Lässt sie sich auf Alec ein? Schafft sie es, wieder zurück ins Leben, in ein fröhliches Leben zu finden?
Und trotz all dessen findet sich für Alec und Kate auch noch ein Stückchen Normalität, das sich in ihre Beziehung schleicht und altbekannte Muster weckt. Für mich war es aber letztlich das Zünglein auf der Waage, das Kate zurück ins Leben, in die Normalität holt.

Fazit:
Ein sehr berührendes und beeindruckendes Buch, das man aufgrund seiner Thematik sicherlich nicht mal eben nebenbei liest. Der Schreibstil sorgt für viel Tiefe, gibt den Protagonisten und dem, was alles authentisch macht, aber auch seine Zeit. Es ist also nicht ein flottes Durchgleiten durch eine 0815 Lovestory, sondern vielmehr ein tiefer Einblick in die unterschiedlichsten Emotionen. Ich persönlich konnte das Buch dennoch sehr flott lesen, weil es super spannend – und das auf mehreren Ebenen – und die Protagonisten sehr sympathisch waren. Im Vergleich zu Band 1, der mich auch schon begeistern konnte, hat es mir noch ein bisschen besser gefallen:)

5 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 02.12.2020

Konnte mich leider nicht überzeugen. Die Tiefe fehlte

Someone to Stay
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Schreibstil:
Ich finde, dass Laura sehr schön ruhig, fast bedächtig und flüssig schreibt. Man fühlt sich mit den Worten, die sie nutzt, sofort wohl. Ihre Protagonisten gestaltet sie sehr liebevoll und ...

Schreibstil:
Ich finde, dass Laura sehr schön ruhig, fast bedächtig und flüssig schreibt. Man fühlt sich mit den Worten, die sie nutzt, sofort wohl. Ihre Protagonisten gestaltet sie sehr liebevoll und es ist schön zu sehen, wie sie versucht, wichtige Themen in ihre Story zu integrieren. Der Schreibstil ist jetzt aber auch nicht außergewöhnlich oder irgendwie herausstechend. Es fließt viel mehr einfach so dahin, ohne besondere Höhen und Tiefen.

Ich hatte es nicht geplant, nicht mal erwartet, dass es passierte, aber ich hatte mich in Lucien verliebt. Still und heimlich hatte er sich in mein Leben und mein Herz geschlichen, und meine Wünsche und Träume für die Zukunft hatten bereitwillig Platz für ihn gemacht, denn sie wollten, dass er Teil dieser Zukunft wurde.

SOMEONE TO STAY – LAURA KNEIDL (KAPITEL 26)
Meine Meinung:
Der Einstieg in das Buch gelang mir sehr gut. Ich kannte Aliza und Lucien ja schon und habe mich einfach gefreut, mehr über sie erfahren zu dürfen. Besonders interessant an den beiden ist, dass sie beide sehr viel zu tun haben. Ich glaube, ich habe noch nie eine Lovestory gelesen, in der beide Protagonisten vielbeschäftigt waren. Meist hat ja einer mehr Zeit und der andere weniger und dann ergibt sich eine Situation, in der die Probleme durch das Ungleichgewicht entstehen. Das ist hier nicht so. Sie haben Verständnis für den anderen und nehmen es keinem übel, wenn man mal keine Zeit hat. Zudem hocken sie dadurch natürlich nicht andauernd aufeinander. Für mich eine total spannende Perspektive, weil ich denke, dass es mittlerweile vielen so geht.
So ist es verständlich und logisch, dass große Teile der Geschichte von den vor allem Alizas Arbeit eingenommen wird. Das war ziemlich interessant, weil sie fortschrittliche Gedanken hat und kreativ ihre Ziele verfolgt, es hat aber manchmal auch zu Längen geführt, die für mich den Lesefluss ein wenig behindert haben.
Teilweise habe ich zudem gedacht, dass das Buch vielleicht etwas zu viel will, denn es geht außerdem sehr multikulturell zu. Dadurch, dass dies recht intensiv behandelt wird und Aliza sich so zu großen Teilen definiert, nimmt auch dies natürlich einen großen Teil der Geschichte ein.
Ich fand es als Thema aber einfach super interessant und schön gesetzt. Vielleicht hätte es der Geschichte gut getan, wenn sie einfach noch ein bisschen mehr Platz gehabt hätte, um alles unter einen Hut zu kriegne.

Schön fand ich, wie die beiden ganz vertrauensvoll und offen von vorneherein in die Beziehung starten. Lucien ist einfach total süß und charmant. Man kann gut nachvollziehen, warum er so vorsichtig und teilweise etwas unsicher ist. Er ist zudem aber auch verantwortungsvoll, sexy, authentisch und super sympathisch. Es war für mich leicht zu verstehen, warum Aliza sich in ihn verliebt.
In Bezug auf die Kommunikation zu mir als Leser hätte ich mir nur vielleicht gewünscht, dass man ein wenig mehr über seine Gefühle erfährt. Ja, er hat sich auch in Aliza verliebt, aber wie tief geht diese Liebe?
Beispielsweise sagt er selbst, sie würde immer nur seine Nummer zwei bleiben. Nummer eins ist seine Schwester, die er erzieht. Bei mir kam durch dies und so einige andere Situationen dadurch der Eindruck, dass mit Aliza wäre für ihn eher etwas auf kurze Zeit. Etwas, was er noch irgendwo zwischen seine Termine schieben kann und auch gerne will. Aber mehr auch nicht. Das Ende macht diesen Eindruck zu einem großen Teil wieder gut und auch schon der Wendepunkt macht deutlich, worum es Lucien wirklich geht. Aber mich hat dieser Gedanke eine ganze Zeit durch die Geschichte begleitet.

Dieses Nicht-drüber-Nachdenken zieht sich auch bei Aliza ein wenig durch die Geschichte. Sie denkt einfach nie über ihre Beziehung nach. Man kann jetzt argumentieren, dass sie eben wenig Zeit hat und ihre Prioritäten setzt und das will ich auch gerne so annehmen, aber die Tiefe der Gefühle wurde für mich auch bei ihr so gar nicht deutlich.
Klar wurde mir dies vor allem an der Stelle, an denen die beiden möglicherweise miteinander schlafen. Ich hatte einfach überhaupt keine Ahnung, ob sie es jetzt wirklich machen, oder eben nicht. Mir fehlte das Gefühl für die beiden und das lag definitiv darin, dass die Geschichte recht oberflächlich blieb und viele Begründungen für Emotionen nicht lieferte. So war auch der recht schöne, und überaus weitreichende, Epilog für mich etwas leer, weil ich zwar die Zusammenhänge nachvollziehen konnte, ich aber keine Emotionen dahinter sehen konnte.

Aliza an sich hat mir dabei sehr gut gefallen. Sowieso fand ich die Protagonisten einzeln toll. Aliza arbeitet für das, was sie liebt, worin ihre Leidenschaft steckt und ja, sie überarbeitet sich manchmal vielleicht und will zu viel unter einen Hut bekommen, aber das ist nur menschlich. Die Themen Kochen (zudem u.a. gesund, vegetarisch, kulturell und nachhaltig), Multikulturalität (durch ihre Herkunft) und Feminismus fand ich toll und passten auch sehr gut zu ihr. Mir fehlte letztlich bloß auch hier die tiefere Ebene. Die Begründung für die Motivation hat ein wenig gefehlt. Ja, sie ist eine Frau, ja sie kommt aus einer anderen Kultur, ja sie ist eine Bloggerin – aber nicht jede Person, auf die dies zutrifft, setzt sich auch gleich so stark und lebensaufopfernd für diese Sache ein. Das war einfach mein Eindruck.

Vom Handlungsverlauf kann ich dann nur sagen, dass sich die Geschichte relativ gut lesen ließ und das man irgendwie auch mit fiebert, weil man ja darauf hofft, dass endlich etwas passiert, letztlich aber in der Lovestory recht wenig passiert und man dadurch auch leicht enttäuscht wird.
Ich denke, dass dieses Buch sich vielleicht als Roman ganz gut machen würde. Dann kann man den Fokus auch noch mehr auf Alizas Einsatz legen und vielleicht auch Lucien mehr berücksichtigen. Denn ich fand, dass er in diesem Buch, in dem es eben mit darum geht, Geschlechterrollen nicht zu stereotypisieren, als männlicher, heterosexueller Make-Up-Artist viel zu wenig Beachtung bekommen hat. Natürlich könnte man auch an dieser Stelle wieder einwenden, dass es bereits die Annahme seiner Persönlichkeit als Stereotyp bedinge, allerdings fände ich es durch die Schwerpunktlegung dieses Buches gerechtfertigt.

Fazit:
Letztlich muss ich feststellen, dass mich auch diesen Buch nicht gänzlich von sich überzeugen konnte. Ich hatte ein gutes Gefühl nach dem Lesen und es hat mich auch echt gefreut, Alizas und Luciens Geschichte zu erfahren, allerdings hat das Buch bei genauerer Betrachtung für mich doch ein paar Schwachstellen, die die Geschichte für mich nicht rund machen. Gerade in der Tiefe haperts und auch die Lovestory ist nicht so mitreißend, wie man es von einem New Adult-Buch kennt.
Loben muss ich aber die Auswahl der Themen, die in dieses Buch eingebettet wurden sowie die interessante Situation der beiden Protagonisten, die beide viel arbeiten und so etwas anders planen, als andere Studenten in diesem Genre.

Von mir gibt es leider wieder nur 3 von 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.12.2020

Gelungener Romance-Thriller, der keine Langeweile aufkommen lässt.

Die Farbe deiner Lügen
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Der Schreibstil:

Ich lese sonst eher weniger Romance-Thriller. Eher reine Liebesromane oder Fantasy. Deshalb fand ich es total interessant, dass ich gleich nach den ersten Sätzen wusste, dass es sich ...


Der Schreibstil:

Ich lese sonst eher weniger Romance-Thriller. Eher reine Liebesromane oder Fantasy. Deshalb fand ich es total interessant, dass ich gleich nach den ersten Sätzen wusste, dass es sich hier um was anderes handelt. Der Ton war eher der eines Krimis, oder eben eines Romance-Thrillers. Er trug mich wunderbar durch die Geschichte und war trotz vieler Details nie langweilig. Man spürte den roten Faden und das Ziel, dass die Autorin verfolgte. Ich war wirklich überrascht, wie über siebenhundert Seiten mal eben so dahinfliegen, ohne das ich es als zu lang empfand. Im Gegenteil: Ich hatte endlich mal das Gefühl, dass die Geschichte genug Platz bekommen hat, um sich in ihrer ganzen Raffinesse zusammenzufügen.
Cool gemacht fand ich auch, wie sich hier die Perspektiven zwischen Pepe und Drace abwechseln. Die Reihenfolge ist dabei unregelmäßig, sodass man immer gerade bei der Person über die Schulter sieht, die gerade interessant für den Leser ist. Zudem fügen sich die Perspektiven sehr geschickt aneinander. Mal überlappen sie sich dabei, mal sind sie fein getrennt. Das schafft eine Dynamik, die Geschichte gerade in den Kapitelübergängen immer wieder sehr spannend macht.
Was hier hingehört oder vielleicht auch nicht, ist außerdem die Zeitstruktur. Obwohl es viele Seiten sind, liest man hier nur von schätzungsweise zwei Wochen. Dennoch hat man nicht das Gefühl, die Geschichte käme nicht voran, denn die Thrillerelemente geschehen immer sehr fix und zwischendurch sind da eben noch die Beziehungen und Emotionen zwischen den Protagonisten, die viel Raum brauchen.
Für mich war es ideal so:)

Meine Meinung:

Der Einstieg in das Buch gelang mir sehr gut. Es ist gleich von Anfang an dramatisch, bedrohlich und interessant. Pepe als Protagonistin nimmt einen sofort mit. Sie war mir gleich sympathisch und ich konnte mich gut in sie einfühlen. Zu ihr kriegt man anfangs die meisten Informationen, die ihre Lage damit sehr begreifbar machen. Zudem hat sie schon einiges über Drace zusammengetragen, was sie mit dem Leser teilt. Somit ist die Anfangssituation schnell klar. Richtig cool fand ich an ihr vor allem, dass sie trotz ihrer Vorgeschichte eine recht starke Meinung zu ihrem Ex hat und auch in Bezug auf Drace nicht naiv durch die Gegend stiefelt. Stattdessen ist sie erstaunlich taff und wehrhaft. Sie zieht ihr eigenes Ding durch. Ob nun mit ihren Handlungen oder mit ihrem Kleidungsstil. Pepe ist einfach Pepe und lässt sich da nicht reinreden. Das zieht sich durch die gesamte Story und machte sie für mich zu einer überaus gelungenen Protagonistin.
Gleichzeitig wäre es wohl etwas unrealistisch, wenn sie ihre Vergangenheit einfach loslassen könnte. Deshalb tut sie es auch nicht. Gerade Anfangs in Bezug auf Drace merkt man deutlich, was Pepe die letzten Jahre über gelernt hat, von einem Mann zu erwarten. Dieses Trauma begleitet sie die ganze Geschichte hinweg und sorgt für ein paar dramatische Momente, die ich ebenfalls sehr gelungen fand. Sie war damit nicht nur authentisch, sondern vor allem eine starke Handlungsquelle für die Geschichte.
Gegen Ende hin wurde zum Beispiel nochmal mit ihrem Vertrauen in sich selbst und ihre Handlungen gespielt, was der Story einen zusätzlichen Kick verpasst hat.
Man darf bei ihr einfach nicht vergessen, was sie erlebt hat und das sie noch längst nicht die Chance hatte, alles hinter sich zu lassen. Und das bringt das Buch sehr schön zur Geltung.

Drace fand ich ebenso genial und klug gestaltet. Ihm hat das Leben so mitgespielt, dass er überhaupt nicht mehr weiß, wer er ist und zu was er fähig ist. Das versetzt ihn verständlicherweise in Angst und Schrecken. Durch seine Perspektive erleben wir mit, wie er in einem inneren Widerstreit mit sich steht, wie er sich in Pepe verliebt, es aber nicht einsehen will und oft genug das Gegenteil von dem tut, was er eigentlich tun will, weil er von sich denkt, er sei ein Monster. Diese Unsicherheit nicht zu wissen, was passiert ist, schließlich kann er sich an nichts erinnern, zieht eben viele Konsequenzen und Beeinflussungen mit sich und die spürt man die ganze Story über. Das fand ich wirklich gut gemacht und so bleiben in Bezug auf die Beziehung zu Pepe auch die vielleicht nervigen Momente aus, in denen die Protagonisten etwas nicht tun, weil sie meinen, sie dürften es nicht. Bei Drace steckt viel mehr dahinter, sodass es verständlich wird. Meine persönlichen Highlights bei ihm waren die Momente, in denen er merkte, dass nicht alle den Glauben in ihn verloren haben und es noch Menschen gibt, die hinter ihm stehen. Er hat stets mit Freude, aber auch Unglaube darauf reagiert und versucht, sich dem baldmöglichst zu entziehen. Man sah dort aber bereits sein gutes Herz hervorblicken, sodass ich als Leser wohl gemeinsam mit Pepe angefangen habe, nicht mehr daran zu glauben, dass er ein Möder sein könnte. Es kommt aber natürlich immer wieder etwas dazwischen, was diesen Glauben zum Bröckeln bringen könnte…
Im Laufe der Geschichte kommt hinzu, dass auch Drace selbst nicht mehr so ganz an das Monster in sich glaubt. Anfangs habe ich mich noch ein wenig gefragt, warum er nicht einfach mit seiner Wahrheit herausrückt. Warum er sich so vehement dagegen wehrt, zurückzublicken. Dies geschieht nur häppchenweise im Handlungsverlauf. Umso besser man ihn und seine Gedanken jedoch kennt, umso nachvollziehbarer wird es.
Wenn ich fest an den Weihnachtsmann glaube, gucke ich auch nicht so genau hin, ob er nicht vielleicht die Schuhe meines Papas trägt…

Was ich bei diesem Buch neben allen anderen wundervollen Dingen besonders hervorheben will, sind die Nebenprotagonisten. Pepe kommt in die Fabrik und ist sogleich von wunderbaren Menschen umgeben. Und das merkt nicht nur sie, sondern auch ich als Leserin habe es gemerkt. Sie haben einfach alle so besondere Charaktere und bekommen viel Platz in der Geschichte, um ihren Charakter auch zu zeigen. Für Pepe und Drace bedeuten sie Familie und so kommt es schon mal vor, dass neben allem, was sonst noch so passiert, sie nicht außer Acht gelassen werden. Dazu die vielen wundervollen, witzigen und herzerwärmenden Monologe.
Da ist Neoma, die Künstlerin mit den blauen Augen und dem Tourette-Syndrom, die trotz dessen, dass sie nur ein zierliches Persönchen ist, die sich eigentlich nicht aufregen sollte, für die Frauen in der Gesellschaft kämpft und gleichzeitig vor ihren Gefühlen zu Chris davonrennt. Dann Chris, der herzensgute Beschützer und Aufpasser der Fabrik, der alles dafür hergibt und sich um alles kümmert und zudem nie von Neomas Seite weicht. Er ist auch derjenige, der sich schützend neben Pepe stellt, wenn Drace mal wieder ausrastet und gleichzeitig unerschütterlich an das Gute in Drace glaubt.
Ajax, der jüngste der Truppe, der halb verrückt, halb fresssüchtig und halb kindisch durch die Gegend schlurrt, trotz allem aber wahnsinnig froh um seine Künstlerfamilie ist. Die herzensgute Hannah, der Belgier, der mit seiner klaren Meinung und seinem guten Herz Pepe immer unterstützt und Zack, der Neue, der unglaubliches schauspielerisches Talent beweist und ohne nachzufragen einfach mitmacht.
Ihr müsst die Truppe einfach kennenlernen:)

Dass da draußen zudem ein Mörder rumrennt, ist einem irgendwie von Anfang an bewusst, denn es gibt in Abständen immer mal wieder ein Notizenkapitel, in dem er sich äußert. Es ist aber anfangs nur eine recht vage Ahnung. Es könnte Drace sein, jeder andere. Bei mir hat es echt gedauert, bis ich so ungefähr wusste, von wem er da schreibt. Wer es sein sollte, wusste ich immer noch nicht. Das kam später. Man rätselte bei dieser Geschichte auf jeden fall sehr schön mit. Nicht nur wegen der Notizen, sondern auch und vor allem wegen Pepe. Sie glaubt an eine andere Wahrheit, als sie bisher veröffentlicht wurde und stiftet auch die anderen dazu an, sich Gedanken zu machen. Selbst Drace kann sich dem nicht entziehen. Und es scheint irgendwann auch so klar. Die Truppe hat einen genauen Plan und verfolgt ihn mit allem, was ihnen zur Verfügung steht. Und dennoch kommt alles ganz anders.
Ich fand es echt gut gemacht, wie alle irgendwo immer nur auf die selben Informationen gekommen sind. Dadurch, dass Drace sich aber zum Beispiel daraus hielt, waren sie eben auch nicht alle auf dem gleichen Stand. Die Figuren haben hier alle ihre Geheimnisse und das macht es sehr schwierig an die Wahrheit zu kommen. Wem sollen sie schließlich vertrauen?

Irgendwann hatte ich bei einer Figur so eine Ahnung und war auch etwas überrascht, dass Pepe dies so gar nicht wahrnahm. Aber sie hatte sich eben auf jemand anderen eingeschossen. Wie sagt man so schön: man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Allerdings muss ich sagen, dass mir auch erst hinterher aufgefallen ist (zusammen mit den Protagonisten), wie auffällig sich diese Person eigentlich verhalten hat. Es ergab letztendlich auf jeden Fall eine dramatisch, hoch spannende und logische Auflösung, die auch der Lovestory zwischen Drace und Pepe die Krone aufgesetzt hat.

Was das angeht, möchte ich gerne noch erwähnen, dass auch die Lovestory hier genug Platz bekam. Allerdings war sie sehr dynamisch:) Drace ist eben keine leichte Person. Ich fand es aber toll, wie Pepe da stark und fast unerschütterlich blieb und die beiden trotz allem nie ihre Gefühle verleugnet haben. Nicht alles lief glatt, weshalb man hier nicht liest: sie mögen sich nicht, sie mögen sich, sie schlafen miteinander, alles tutti. So ist es nicht und begleitet wird es zudem damit, dass Pepe etwas mit sich trägt. Allerdings fand ich das noch sehr im Rahmen. Im Laufe der Geschichte haben sich einfach andere Wege ergeben, sodass ihr Geheimnis nicht mehr das ist, was es am Anfang war. Ich fand die beiden zusammen einfach schön. Punkt. Übereugt euch selbst:)

Fazit:
Eine sehr spannende Geschichte, die viele Highlights bietet. Die Thrillerelemente sind da und lassen Spannung aufkommen sowie den interessanten Part des Miträtselns. Es bietet sich aber auch viel Platz für Nebenprotagonisten, Gefühle, Liebe und Freundschaft und alles zusammen hat für mich die perfekte Mischung ergeben. Selbst die Stellen, an denen ich zunächst skeptisch war, wurden im Laufe der Geschichte logisch aufgeklärt. Ich fand es einfach toll, wie hier mit der Unsicherheit und dem Vertrauen der Protagonisten in sich selbst gespielt wurde und wie trotz allem die Lebensfreude nicht verloren ging.
Die siebenhundert Seiten ließen sich einfach super easy lesen und waren es echt wert! Meine Empfehlung!

5 von 5 Sterne gibt es von mir.

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