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Sioux

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Veröffentlicht am 17.11.2019

Leider etwas zu vorhersehbar und es konnte mich auch nicht berühren

Everything I Didn't Say
3

Hier ist der Klappentext für euch:

Als Jamie und Carter sich zum ersten Mal gegenüberstehen, sprühen zwischen ihnen augenblicklich die Funken. Dabei wissen sie beide, dass sie unbedingt die Finger voneinander ...

Hier ist der Klappentext für euch:

Als Jamie und Carter sich zum ersten Mal gegenüberstehen, sprühen zwischen ihnen augenblicklich die Funken. Dabei wissen sie beide, dass sie unbedingt die Finger voneinander lassen müssen: Jamie hat gerade erst ihren Job als Dramaturgieassistentin angetreten, und Carter ist als Star der Show vertraglich dazu verpflichtet, sich nicht mit einer Frau an seiner Seite in der Öffentlichkeit zu zeigen. Doch mit jedem Tag, den sie miteinander verbringen, knistert es heftiger zwischen ihnen, bis sie der Anziehungskraft nachgeben – nicht ahnend, dass das ihre Leben gehörig durcheinanderbringen wird …


Das Cover:
Wirklich, ich habe keine Ahnung warum, aber diese bunten, hingeklatschten Streifen auf dem Cover sind irgendwie wunderschön, oder? Ich meine, es gibt durchaus Cover, die sich mehr Mühe geben, allerdings bin ich ja ein Vertreter des schlichten Designs und finde es deshalb einfach wundervoll. Der LYX-Verlag hat da wirklich ein Design ausgegraben, mit dem sie jetzt noch die nächsten zwanzig Bücher bedrucken können, bevor irgendwem auffällt, dass es immer das gleiche Prinzip ist. Man denke nur an „Follow Me Back“.

Der Schreibstil:
Die Autorin schreibt seh schön flüssig und locker. (Ja ich weiß, dass sagt man über viele.) Meiner Meinung nach ist es aber schon eine Leistung, wenn ich es schaffe, den Leser die ganze Zeit nah an der Geschichte zu halten. Für den Leser ist es immer noch Vergnügen, eine Freizeitbeschäftigung, die er jederzeit abbrechen kann. Und doch schafft es die Autorin, wie eben einige andere auch, den Leser an die Geschichte zu binden, ihn mitfiebern zu lassen und im Buch zu versinken.
Ich habe es gerne gelesen und fand es wieder schön, dass aus zwei Perspektiven erzählt wird.
Einzig bemängeln muss ich vielleicht, dass die Zeitsprünge, die irgendwann aufhören, immer wieder sehr verwirrend waren. Irgendwie waren mir die Abschlüsse zu abgehackt, weshalb ich mich jedes Mal erst wieder in der Zeit einfinden musste. Gerade, wenn ich das Buch zwischendurch mal weggelegt hatte und dann wieder anfing zu lesen, war es schwierig.

Die Charaktere:
Jamie fand ich anfangs wunderbar entspannt, direkt und auch sehr ehrgeizig. Sie wusste, was sie wollte und hat sich davon nicht abhalten lassen. Ihr erstes Aufeinandertreffen mit Carter zeigt schön, wie sehr sie sich von gesellschaftlichen Rängen beeindrucken lässt. (Ironie) Gleichzeitig war sie total süß, weil sie sich in Carters Gegenwart so schüchtern verhielt, dennoch natürlich bei ihrem wahren Charakter bleibt und ihre Bestimmtheit und Zurückhaltung ihm gegenüber einen kleinen Kampf ausfechten. Leider ging ihre taffe Haltung irgendwann mehr und mehr verloren und sie war nur noch die kleine Praktikantin, deren Kopf in Gegenwart des heißen Schauspielers rot anläuft. Das fand ich wirklich schade, weil sie eigentlich das Potential gehabt hätte, eine echt tolle Protagonistin zu werden.

Achtung! Es geht bereits mit den ersten Spoilern los!

In ihrer Rolle als Mutter verändert sich Jamie. Sie stellt Lila, wie es sich gehört, an die erste Stelle und sich selbst ein wenig zurück, wird aber auch unsicher und konzentriert sich manchmal zu sehr auf das, was ihr in ihrer Vergangenheit passiert ist. Dadurch entgeht ihr natürlich ein großer Teil Leben. Das fand ich etwas schade, weil ich sie so leider nur als Mutter und nicht richtig als junge Frau wahrnahm.

Als sie dann wieder in Interaktion mit Carter tritt, fand ich es ganz schön, dass sie ihre Tochter trotz allem nicht vergisst und damit Verantwortungsbewusstsein beweist, gleichzeitig aber auch oft viel zu voreilig agiert und nicht richtig nachdenkt. Generell fehlen da manchmal für den Leser zur Erklärung einfach die Gedanken, die ihre Gefühle und Überlegungen beschreiben.

Carter war mir im ersten Moment gar nicht so sympathisch. Erst durch den ersten Perspektivwechsel habe ich gemerkt, dass er wohl das „Objekt der Begierde“ werden wird. Er ist eben doch ein kleiner Player, nimmt alles außer seinem Job nicht ganz so ernst und denkt auch nicht wirklich mit, als er die junge Praktikantin umgarnt.
Mir war er so von Anfang an etwas suspekt. Dazu kam noch, dass seine Gefühle offensichtlich sehr stark und sehr schnell schwanken können. Ich war wirklich mehr als einmal überrascht über die Schnelligkeit seiner Handlungen und Reaktionen.
Ehrlich gesagt war er so nicht ganz der Kerl, den ich gerne als Hauptprotagonisten gesehen habe. Dafür war er mir einfach nicht sympathisch und auch nicht gefühlsdurchsichtig genug.

Auf dieser Grundlage befindet man sich dann sechs Jahre später als Leser auf der Seite von Jamie. Carter ist nicht präsent und will dann auf einmal alles richtig machen. Ab dann fand ich seinen Charakter eigentlich ganz schön. Er bemüht sich, ist lustig und liebevoll, denkt nach und lässt sich nicht von jedem herumschubsen, nur um sein schönes Leben genießen zu können. Nach und nach kam dann aber wieder der Punkt durch, dass ich bei ihm einfach nicht genügend Gefühle spüren konnte. Lila betrachtet er noch lange distanziert und Jamie liebt er auf einmal. Dabei scheint es die ganze Zeit, als sei er nur körperlich an ihr interessiert. Irgendwie hat mir da allgemein die Kommunikation zwischen ihnen gefehlt.

Zur Geschichte allgemein:
Ich war anfangs total euphorisch. Die Geschichte begann mit einem zugegebenermaßen ziemlich klischeemäßigem Thema. Umso neugieriger und gespannter war ich aber darauf, wie die Autorin dies nun weiterspinnen wird. Der Anfang war dann auch gar nicht so schlecht. Allerdings war ich irgendwann genervt, wie klar die Situation für den Leser ziemlich schnell und wie wenig stark Jamie wurde. Es war einfach zu offensichtlich, wie es ausgehen würde und ruhte sich zu viel auf dem Klischee aus.
Den Zeitsprung fand ich dann aber ganz passend. Natürlich muss man sich ein wenig in der Geschichte zurechtfinden, da die Zeiten parallel laufen und sich die Gegenwart nach und nach den Ereignissen der Vergangenheit annähert. Aber wenn man das Buch mit nicht allzu großen Lesepausen liest, funktioniert es eigentlich ganz gut und baut natürlich Spannung auf.
Die Gegenwart gefiel mir dann um einiges besser. Jedenfalls zunächst. Jamie ist taffer, erwachsener und es fühlte sich authentischer an.
Dann verliert es jedoch an realitätsnähe, als Jamie ohne große Aussprache bei Carter einzieht. Ich wette ihr habt jetzt auch schon eine Vorstellung davon, wie die Geschichte ihren weiteren Verlauf genommen haben könnte. Genauso trifft es dann auch ein. Es war mir einfach zu vorhersehbar. Was ich zwischendurch wirklich süß fand, waren die Szenen mit Lila und auch die Problematik Carter’s Promistatus fand ich sehr gut einbezogen.
Die Entwicklung der Beziehung zwischen Carter und Jamie fand ich aber weniger gut. Erst war es mir zu körperlich, dann ist auf einmal von Liebe die Rede und dann Friede, Freude, Eierkuchen. Es wirkte auf mich einfach, als würden sie sich nur wegen Lila lieben und das auch noch, ohne es zu hinterfragen.
Von dem Ende war ich richtig richtig richtig enttäuscht. Ich habe es genauso vorhergesehen und dann kam es auch noch genau so. Das sollte eigentlich nicht passieren. Schließlich lesen wir sowieso schon so viele Geschichten, die sich in irgendeinem Punkt immer ähneln. Das ist ja auch nicht schlimm. Ich könnte jetzt mit Aristotelis‘ Memisis argumentieren, lasse es aber und sage, dass die Details es ausmachen und die haben mich bei diesem Buch einfach nicht überzeugen können.

Fazit:
Ein Buch mit guten Ansätzen, sowohl in der Geschichte als auch bei den Charakteren. Letztlich war es mir aber zu vorhersehbar und es sind nicht genug Gefühle zu mir (dem Leser) durchgedrungen. Das war leider ein wenig enttäuschend.

3 von 5 Sterne von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.11.2019

Leider sehr enttäuschend, dabei hatte die Story Potential

Dieser eine Augenblick
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Der Klappentext:
Als Charlotte auf Adam trifft, ist es, als würden sie sich schon ewig kennen. Sie verbringen eine wunderbare Nacht zusammen, am nächsten Morgen jedoch ist er wie verwandelt und zeigt ihr ...

Der Klappentext:
Als Charlotte auf Adam trifft, ist es, als würden sie sich schon ewig kennen. Sie verbringen eine wunderbare Nacht zusammen, am nächsten Morgen jedoch ist er wie verwandelt und zeigt ihr die kalte Schulter. Aber Charlotte kann den mysteriösen Fremden nicht vergessen, der ihr in nur einer Nacht das Herz gebrochen hat. Sie macht sich auf die Suche nach ihm, um endlich Klarheit zu bekommen. Doch sie ahnt nicht, dass Adam ein Geheimnis hat, das ihr Leben für immer verändern wird.

Der Schreibstil:
Die Autorin schreibt sehr klar, trocken und an vielen Stellen etwas übertrieben. Zudem hat sie ihren eigenen Humor (oder lässt ihn jedenfalls ihre Figuren haben). Man wusste als Leser deshalb oft nicht, wann etwas ernst gemeint ist und wann nicht. Dazu wirkte der Schreibstil sehr distanziert, was durch das Siezen in der direkten Anrede an den Leser noch weiter verstärkt wird. Mir fehlten da einfach auch oft Emotionen. Es wird einfach Knall auf Fall hintereinander wegerzählt, hinterlässt bei dem Leser aber keinen bleibenden Eindruck. Es war mir einfach nicht möglich, Zugang zu der Geschichte zu finden, obwohl die Story an sich eine sehr emotionale Geschichte hätte abgeben können.

Die Charaktere:
Charlotte war mir ehrlich gesagt von Anfang an unsympathisch. Sie hat bisher nichts in ihrem Leben richtig durchgezogen, treibt einfach nur dahin und kämpft nicht. Gleichzeitig beschwert sie sich aber die ganze Zeit über ihre Lebenssituation. Auf mich wirkte sie einfach nur wie ein nörgelndes Kind und ich habe bis zuletzt versucht, mich in sie einzufühlen, was mir aber nicht gelungen ist.
Zu ihrer anfänglichen Sitatuation gesellen sich dann noch die Geschehnisse mit Adam und Seth. Ehrlich gesagt habe ich Charlotte in Gegenwart beider Männer nicht verstanden. Adam verhielt sich total bizar und Charlotte findet ihn toll, sieht in ihm etwas Tieferes. Dies wurde für den Leser aber nicht nachvollziehbar. Stattdessen wirkte sie auf mich naiv und völlig abgehoben und realitätsfern. Ich bin mir vor allem jetzt nach dem Ende sicher, dass sie niemals ein normales Leben wird führen können, weil sie nicht bereit ist, etwas dafür zu tun.
Mit Seth wurde es dann noch schlimmer. Es wurde einfach nicht deutlich, was Charlotte ihm gegenüber fühlt. Sie ist sprunghaft, steht zu keiner ihrer Entscheidungen und lässt keine Emotionen zu. Das zu lesen, war wirklich hart. Sie behandelte Seth quasi wie einen fünfzehnjährigen, den man nicht für voll nehmen muss.
Ich weiß, dass die Geschichte mit einigen Handlungen Charlottes gerne darauf hinaus will, dass sie kein Selbstbewusstsein hat und sich unter den Scheffel stellt. Aber ehrlich gesagt gibt es ihr dadurch noch lange nicht das Recht sich so zu verhalten und es machte auf mich auch eher den Eindruck, als sei ihr ganzer Charakter instabil und nicht nur der Teil dem Selbstbewusstsein fehlt. Mir hat Charlotte einfach nicht gefallen.

Jetzt würde ich eigentlich einfach über den zweiten Hauptprotagonisten schreiben, aber wer ist das? Eigentlich ja wahrscheinlich Adam. Schließlich soll es so sein. Aber Seth war für mich die Geschichte über ehrlich gesagt präsenter. Ich habe mehr von seiner Verstoßung mitbekommen, als von der großen Liebe zwischen Adam und Charlotte (vom Ende mal abgesehen).

Dennoch ist Adam derjenige, der hier Charakter haben durfte, während Seth nur dazu diente, Charlotte immer und immer wieder unrealistischerweise zu verzeihen und unheimlich nett zu sein.
Also zu Adam: Er war mir ebenfalls anfangs total unsympathisch und ich bin auch im Laufe der Geschichte nicht mit ihm warm geworden. Sein Verhalten am Anfang war so bizarr, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, ob der Teil zum Buch gehört. Aber ja und es wird ja auch ein wenig erklärt und schon lernt man den „wahren“ Adam kennen. Der ist aber nicht minder verrückt meiner Meinung nach. Adam redet unheimlich viel Quatsch, ist sprunghaft, führt sich die meiste Zeit auf wie ein Kleinkind und hat dann auf einmal die Weisheit schlechthin gelöffelt. Für mich war er auf jeden Fall kein Typ, in den ich mich verliebt hätte und ich fand es einfach nicht gut gemacht, dass ich so gar nichts Liebenswertes (bis auf vielleicht sein grenzdebiles Grinsen) an ihm finden konnte.

Zur Geschichte allgemein:
Die Geschichte fing ziemlich normal an. Ziemlich bald merkte man aber, dass es bei Charlotte und Helen immer alles sehr überstürzt zugeht. Charlotte geht also mit diesem Künstler und dann folgen die wohl absurdesten Seiten, die ich je gelesen habe. Und das Verrückteste daran? Charlotte verliebt sich ihn ihn. Bitte was? Warum? Nicht nachvollziehbar.
Dann folgt ein Zeitsprung von sechs Monaten, bis der Leser Seth präsentiert bekommt und dieser Handlungsstrang seinen Lauf nimmt. Viel geredet wird allerdings nicht. Es spielt sich nur in wiederholenden Handlungen ab, die ziemlich nichtssagend für den Leser sind, weil Charlottes Gedankengänge fehlen und man sich als Leser einfach nicht in sie hineinversetzen konnte. Das machte es wirklich schwer, den Handlungsverlauf zu verstehen. Zudem wurde es zunehmend langweiliger, weil Charlotte einfach so wenig Charakterstärke beweist und die. Story irgendwie auch nicht vorankommt.
Im dritten Abschnitt erfahren wir dann, dass in diesen sechs Monaten anscheinend doch viel passiert ist. Es ist nicht die einzige Stelle, an der die Autorin den Leser nicht an allem teilhaben lässt. Gespräche werden ebenso gerne abgekürzt, was ich gerade beim ersten Date von Charlotte und Seth zum Beispiel sehr schade fand, weil es mir wieder die Möglichkeit nahm, ihre Charaktere besser kennen zu lernen. Vor allem Seth.
Nun tritt Adam aber wieder auf den Plan und die Geschichte scheint sich ein wenig an „Ein ganzes halbes Jahr“ orientieren zu wollen. Auf einmal hat alles eine tiefergehende Bedeutung, die Gefühle sind so stark wie eh und je und die Handlung könnte gar nicht noch dramatischer sein. So war jedenfalls mein Eindruck davon, was der Leser eigentlich hätte denken sollen. Tatsächlich aber wird es so emotionslos und unauthentisch dahererzählt, dass ich es nur mit mäßigem Interesse verfolgt habe. Es konnte mich einfach nicht packen.
Und dann der letzte Abschnitt des Buches. Warum war er da? Ich dachte eigentlich, es wäre endlich zu Ende. Ehrlich gesagt, hat Charlotte ihr Leben meiner Meinung nach genauso verdient, wie es dann gekommen ist. Aber es ging noch weiter und das nicht gerade kurz. Auf ein paar Seiten hätte ich es noch verstanden, aber so lang, waren es nur zusätzliche Seiten, auf denen ich Charlotte null verstanden habe und einfach nur gehofft habe, dass sie den armen Seth in Ruhe lässt.

Fazit:
Für mich ein leider sehr enttäuschendes Buch. Die Story hätte wirklich das Potential zu einer sehr emotionalen Geschichte gehabt. Draus geworden ist allerdings leider eine emotionslose, klischeebehaftete, wirklich schwer nachvollziehbare und unauthentische Geschichte. Ich konnte mich weder in die Charaktere hineinversetzen, noch mit dem Schreibstil anfreunden. Wirklich sehr schade, aber ich kann dieses Buch nicht empfehlen.

2 von 5 Sterne von mir.

Veröffentlicht am 12.11.2019

Eindinglich, obwohl recht emotionslos

Winterbienen
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Klappentext:
Januar 1944: Während über der Eifel britische und amerikanische Bomber kreisen, gerät der wegen seiner Epilepsie nicht wehrtaugliche Egidius Arimond in höchste Gefahr. Er bringt nicht nur ...

Klappentext:
Januar 1944: Während über der Eifel britische und amerikanische Bomber kreisen, gerät der wegen seiner Epilepsie nicht wehrtaugliche Egidius Arimond in höchste Gefahr. Er bringt nicht nur als Fluchthelfer jüdische Flüchtlinge in präparierten Bienenstöcken über die Grenze, er verstrickt sich auch in Frauengeschichten.

Der Schreibstil:
Der Autor erzählt diese Geschichte in Tagebuchform. Damit einhergehend erwartet man natürlich eine sehr persönliche Erzählung. Sehr schnell wird jedoch klar, dass dies nicht auf dieses Buch zutrifft. Der Erzählstil ist eher emotionslos, nahezu objektiv bzw. berichtend und sehr bildreich erzählt. Dem Tagebuchstil treu erfährt der Leser aber keine näheren Beschreibungen zum Aussehen des Erzählers oder nähere Erklärungen zu den anderen Figuren in der Geschichte, da Egidius sie ja schon kennt.
So ist der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig, mir hat er aber recht gut gefallen. Ich habe mich schnell an den Erzählstil gewöhnt und fand es einfach sehr authentisch gehalten, dadurch, dass die Situation eben nicht so ausgeschmückt, sondern direkt beschrieben wurde.
Einzig anmerken möchte ich aber noch, dass anfangs ein wenig Verwirrung beim Leser eintrifft, weil recht viele Fachbegriffe genutzt werden (die erklären sich aber nach und nach).

Die Figur Egidius Arimond:
Der Hauptprotagonist der Geschichte ist ein etwas spezieller Typ. Man muss sich vorstellen, dass er schon lange mit dem Krieg lebt, sogar den ersten Weltkrieg mitbekommen hat, und durch seine Krankheit ein wenig zum Einsiedler geworden ist.
Interessant fand ich ihn besonders, weil er mehrere Handlungsstränge der Geschichte zusammenbringt. Da ist die Gegenwart mit ihm, seiner Krankheit, den Kriegsgeschehnissen, dann die Bienen und ihr Leben, seine Vergangenheit und Gegenwart mit seinem Bruder, der mitten drin ist im Kriegsgeschehen und dann noch die Geschichte seines Vorfahren, die er zu recherchieren versucht. Das macht ihn natürlich zu einem Charakter, der selber nicht so viel erlebt, dennoch viel zu erzählen hat.
Trocken, fast emotionslos erzählt Egidius von den Juden und seinem Leben. Ich fand, dass man daran sehr gut erkennen konnte, wie sehr ihn seine Lebensumstände mit dem Krieg im Rücken verändert und auch abgehärtet haben. So haben die Hintergrundgeschehnisse für mich mehr Präsenz in der Geschichte bekommen, was ich sehr gut fand.
Ich könnte Egidius jetzt keinesfalls mit nur wenigen Charaktereigenschaften beschreiben, einfach weil er recht undurchsichtig bleibt und man sich am Ende vielleicht doch die Frage stellt, inwieweit er psychisch krank ist. Diese Idee kommt dem Leser erst nach und nach und zeigt ein wenig, wie sich der Protagonist entwickelt. Diese Entwicklung fand ich allerdings sehr gut, weil man stets merkte, wieviel Einfluss das Leben auf ihn nimmt und das ihm auch einfach etwas fehlt, woran er sich festhalten kann.
Sagen kann ich aber, dass man ihm meiner Meinung nach viel andichten kann, im Prinzip vermute ich aber, dass er sich einfach nur retten will und das die ganze Geschichte über. Er ist schlau, durchschaut die Propaganda und spricht vom Ende, gleichzeitig weiß er aber auch, dass er als Epileptiker eigentlich ein Ausgestoßener ist und im Volk der Bienen schon längst kein Teil des Volkes mehr gewesen wäre.
Ich sehe ihn einfach als sehr komplexe Figur, die mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Er passte in die Geschichte, war für mich der ideale Erzähler, denn durch ihn wurde alles ganz leise sehr eindringlich.

Zur Geschichte allgemein:
Ich weiß, dass viele die Bienen als Analogie zu Egidius Leben sehen und ständig den Vergleich suchen. Ich habe mir natürlich auch meine Gedanken gemacht, konnte aber diese These, dass man es alles vergleichen kann, nicht unterstützen. Klar gibt es Parallelen, aber für mich waren die Bienen vielmehr ein Mittel zur Verstärkung der sonstigen Erzählung.
Also, die Geschichte ist in die Jahreszeiten aufgeteilt und erzählt dann wie oben schon erwähnt in Tagebuchform. Es gibt mehrere Handlungsstränge. Darunter die Einträge des Ambrosius Arimond, die ich nicht ganz so interessant fand, aber irgendwie in den Gesamtkontext gepasst haben, und die recht objektiven und sachlichen Berichte über die Bienen.
Es fällt auf, dass das wahre Leben hier oft als Nebensächlichkeit erscheint, die weniger Beachtung bekommt, als der Leser vielleicht erwarten würde. Schließlich spielt das Ganze zu Zeiten des zweiten Weltkrieges und dann schwingt ja schon eine gewisse Erwartungshaltung und Atmosphäre mit.
Die Bienen dagegen werden sehr ausführlich beschrieben und Egidius scheint sie gänzlich zu verstehen. Ganz im Gegensatz zu dem, was die Menschen machen. Den Krieg muss man fast aus der Handlung herausfiltern. Er schlägt immer wieder brutal in die Geschichte ein, ist aber auch genauso schnell wieder verschwunden. Die Bienen dagegen haben eine gewisse Ordnung, sind aber auch nicht friedlich.
Anders als andere, habe ich die Berichte über die Bienen aber keinesfalls als eine Meinungsäußerung von Egidius verstanden, sondern als pure Sachberichte, die einfach die Menschen der Natur gegenüberstellen.
Interessant waren auch die Bilder von Flugzeugen innerhalb der Geschichte. Sie verdeutlichten nochmal, dass der Protagonist wirklich schon lange in dieser Welt lebt und soll vielleicht auch einen Zusammenhang zu den Bienen schaffen, die ebenso bedrohlich über die Menschen hinwegsurren können, wie Flugzeuge es tun. Die Bilder der Flugzeuge ähneln nämlich im weiteren Verlauf der Geschichte immer mehr den Bienen. Dies passt dann wiederum auch zum Handlungsverlauf. Zum Ende hin wird die Story immer drängender, schneller, die Tagebuchabstände sind länger, Egidius bringt den Leser immer mehr dazu, ihn zu hinterfragen.
Dieser schnellere Abschnitt war teilweise natürlich etwas verwirrend, hat die Geschichte für mich zum Ende hin aber auch noch mal wieder gerettet, weil es dann zwischendurch doch etwas langweilig wurde. Einfach, weil über einige Passagen hinweg relativ wenig passiert und die Bienen für den Leser eben auch nicht so interessant sind.

Fazit:
Ein Buch, das sicherlich viel Potential zu Diskussionen liefert. Ich würde es aber an eurer Stelle einfach offen angehen und euch überraschen lassen. Ich bin völlig ohne Erwartungen an das Buch herangegangen und konnte es am Ende dennoch für mich verstehen. Zu viele Vorkenntnisse führen, glaube ich, einfach dazu, dass man zu viel hineininterpretiert.
Die Geschichte fand ich ganz interessant und auch gut umgesetzt. Natürlich ist es nicht für jeden etwas, aber es hat erzählt, was es erzählen wollte. Einzig negativ bemerken kann ich, dass es teilweise ein paar Längen hatte und ich auch nicht alles so interessant fand.

4 von 5 Sterne von mir.

Veröffentlicht am 05.11.2019

Wer Herzklopfmomente mag, der wird sie hier finden

Als ob du mich liebst
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Klappentext:
Tu so, als ob du mich liebst – so lautet der Deal.Nichts leichter als das, denkt er. Denn sein Herz hat er noch nie verloren. Bis jetzt.Einfach frei sein, ein normales Leben führen und die ...

Klappentext:
Tu so, als ob du mich liebst – so lautet der Deal.Nichts leichter als das, denkt er. Denn sein Herz hat er noch nie verloren. Bis jetzt.Einfach frei sein, ein normales Leben führen und die Liebe erfahren, mit allem, was dazugehört: aufregende Küsse, Händchenhalten, Zärtlichkeiten. Genau das wünscht sich Jasmin Blum, als sie zu ihrer Freundin Louisa in eine WG zieht. Sie möchte diese Momente spüren, die ein Herz höher schlagen lassen. Und sie will das alles mit ihm erleben. Mit Kale Haber, der so verrucht, unnahbar und sexy ist. Mit seinen unverwechselbaren Augen, dem durchtrainierten Körper und seinem Motorrad hat er schon so manches Mädchenherz gebrochen.Es scheint jedoch unmöglich, ihn für dieses Vorhaben zu gewinnen. Doch das Schicksal spielt Jass den Ball in die Hände, und so schlägt sie Kale einen Deal vor, den er nicht ablehnen kann. Er soll so tun, als würde er sie lieben. Unter einer Bedingung: Keiner von ihnen darf dabei sein Herz verlieren. Für Kale eine Kleinigkeit, denn er versteht sich darin, anderen etwas vorzuspielen, ohne wirklich etwas zu fühlen.Doch je mehr Zeit die beiden zusammen verbringen, und je mehr Herzklopfmomente Kale Jass schenkt, umso heftiger wird das Prickeln zwischen ihnen. Jass erkennt, dass nicht nur sie ein Geheimnis hat, sondern dass auch hinter Kales eiskalter Fassade mehr steckt, als sie jemals ahnen konnte.

Das Cover:
Das Cover fand ich schon auf den ersten Blick wunderschön. Die warmen Goldtöne lassen es strahlen und das Paar passt super ins Bild. Gleichzeitig dachte ich dann aber auch: reale Figuren auf Büchern finde ich ja immer nicht so schön. Dann habe ich aber erfahren, dass die beiden nicht einfach nur nach ihrem schönen Gesicht ausgesucht wurden. Die Frau ist Buchbloggerin und teilt damit eine Leidenschaft der Protagonistin. Und der Kerl hat zwei verschiedene Augenfarben. Blau und Braun wie Kale. Sie stehen also im direkten Zusammenhang mit dem Buch und mit darüber bin ich sehr froh. Es lässt es realer wirken.

Der Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin empfand ich als sehr angenehm. Das Buch fing begann mit einem direkten Einstieg und ab dann war ich komplett in der Geschichte drin. Es ließ sich super flüssig und locker lesen. Dadurch, dass es nur aus der Perspektive der Protagonistin erzählt wurde, bleibt das Herz (ich möchte nicht spoilern) stets präsent, was ich sehr gut fand. Einzig kritisieren möchte ich, dass es mir an manchen Stellen einfach etwas zu kitschig war.

Die Charaktere:
Jasmin, oder Jass, ist eine Protagonistin, die wohl jedem Leser gleich gefallen wird, denn sie liebt ebenso das Lesen und steckt mit ihrer Nase nicht selten in irgendeinem Buch. Außerhalb der fiktiven Welten möchte sie einfach nur ein normales Leben führen. Uni, arbeiten, Partys, Freunde treffen, was man eben so Anfang 20 tut. Dann ist da aber auch noch diese Liste und die Hoffnung, die Liebe, von der sie immer wieder in ihren Büchern liest, zu erleben. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass Jasmin dadurch immer ein wenig zwischen Realität und Wunschdenken schwankt. Das macht ihr auch irgendwann noch Probleme, aber es gibt da noch ein viel größeres, das sie immer mit sich trägt.
Mir war Jass unheimlich sympathisch. Sie macht im Prinzip das, was sich jeder Liebesgeschichtenleser wohl wünscht oder vielmehr fragt. Sie ist mutig und startet die „Operation Liebe“.
Wer das Buch liest, wird merken, dass Jass keineswegs perfekt ist. Es gab immer wieder Dinge, die hätten doch einfach nicht so gemusst, da hätte sie einfach ein wenig mehr Mut zeigen müssen. Aber könnt ihr das? Ich spreche die Leseratten unter euch an. Seid ihr immer mutig? Ich konnte mich auf jeden Fall sehr gut in sie hineinversetzen und empfand sie als sehr authentisch. All ihre Fehler waren für mich begründet und im Gesamtkontext logisch. Sie ist einfach eine Romantikerin:)

Kale ist für den Leser weniger durchschaubar als Jass, einfach, weil man nicht aus seiner Perspektive liest. Die wichtigsten Dinge werden jedoch über irgendwen vermittelt und schon hatte ich ein ziemlich genaues Bild von ihm. Während Jass komplett verwirrt ist, sich gut zuredet, sich Sachen ausredet, agiert Kale für mich ziemlich ehrlich. Manchmal hatte ich das Gefühl, er bemerkte selbst nicht, was er da gerade tat und diese Momente sagten super viel über ihn aus. Das hat die Autorin sehr geschickt gemacht, denn so ist es uns als Leser möglich, noch viel tiefergehende Informationen über ihn durch Jass Perspektive zu sehen, die ihr gar nicht richtig bewusst sind.
Ansonsten hat er mir super gefallen. Er ist keineswegs so oberflächlich, wie es am Anfang vermittelt wird. Ich würde eher sagen, Kale hat einfach noch keine Liebesromane gelesen. Seine Reaktionen auf Jass`Handlungen und Situationen, waren stets ein Highlight in der Geschichte. Richtig süß, wie er sich versteckt und Jass verwirrt zurückbleibt und mit seinen eigenen Zweifeln und Problemen zeigt er mehr Tiefe, als ich erwartet hätte.

Zur Geschichte allgemein:
Die Geschichte begann wie gesagt sehr direkt. Ich war erst ein wenig verwirrt, weil mir doch Informationen zu fehlen schienen, aber bald war klar, dass die Protagonistin damit erst später rausrücken wollte.
Die Idee fand ich total interessant. Da gibt sie einem fremden Kerl, den sie toll findet, einfach eine Liste mit Dingen, die eigentlich nur ein Paar in einer Beziehung tut. Tja, sie hat den Richtigen angesprochen, denn er sagt ja tatsächlich „ja“. Dann erst begann die Geschichte so richtig und ich war zugegeben etwas skeptisch. Wie soll das schließlich funktionieren? Und tatsächlich war es für mich nicht ganz rund. Sie arbeiten zwar die Liste ab, ja, und Kale betont auch manchmal, dass es nur gespielt ist, aber er strengt sich einfach zu sehr an, bzw. muss es eben nicht. Es wirkt von Anfang an unheimlich echt und die Liste gerät viel zu schnell in Vergessenheit. Da hätte ich mir einfach noch ein wenig mehr Verwirrung für Jasmin gewünscht. Nicht, weil ich es ihr nicht gegönnt hätte, sondern weil es dann einfach doch etwas schnell ging mit dem Verlieben usw. Noch dazu konnte Jass sich nicht richtig entfalten meiner Meinung nach, weil Isa ihr immer wieder etwas über Kale gesagt hat. Für Jass´Entwicklung wäre es einfach besser gewesen, wenn sie selbst ein wenig mehr hätte kämpfen müssen.
Für die, die wenig Drama lieben, ist es dagegen perfekt. Es beschleunigt die Geschichte einfach ein wenig und macht sie dadurch auch knackiger und Drama gibt es trotzdem noch. Schließlich ist das mit der Liebe nie einfach, auch wenn man die „Bedienungsanleitung“ in der Hand hält.
Dann ist da aber noch diese andere große Sache. Ich würde jetzt spoilern, wenn ich sie benennen würde. Jass hat ein Geheimnis und umso enger die beiden zusammenrücken, umso mehr bedrückt es sie. Die Ängste, die sie verspürt, waren super nachvollziehbar. Die Rückblicke in die Vergangenheit haben alles nochmal verdeutlicht und auch bewusster gemacht, dass es für Jass keineswegs ein einmaliges Problem ist. Stattdessen hat es ihr Leben geprägt und die Narben trägt sie nicht nur auf der Haut, sondern auch auf ihrem Herzen, dass sich immer noch vor anderen verschließt. Natürlich habe ich mich irgendwann gefragt, warum sie es ihm nicht endlich mal sagt? Ich meine, man weiß ja schon, worauf es hinausläuft und meistens fährt man mit der Wahrheit ja besser. Aber das Geheimnis ist natürlich auch ein großer Faktor für die Spannung. Sowohl auf Kale bezogen, als auch auf Jass selbst, denn der Ausgang ist bis zuletzt unklar. Es ist ein Faktor, den man nicht einkalkulieren kann und mit dem man einfach leben muss. Spannung, die man eigentlich nicht haben will, weil es doch so viel schöner sein könnte, aber so spielt eben das Leben.
Was ich weiter etwas schade fand, war, dass viele Passagen etwas kitschig rüberkamen und somit weniger authentisch wirkten. Dadurch kamen sie nicht so nah an mich ran und ich konnte die Emotionen nicht gänzlich spüren. Wer sich daran jedoch nicht stört, wird ab der Hälfte des Buches durchgängig weinen, denn es ist wirklich rührend und leider auch tragisch. Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man als Leser nur noch hofft und mitleidet.
Es ist fast unglaublich, dass das Mädchen vom Anfang, das einfach nur wie im Liebesroman leben will, das selbe wie am Ende ist. Das Buch betont immer wieder, wie wichtig es ist, das Leben im Ganzen zu lieben und zu leben und nichts auszulassen. Nichts ist umsonst und jeder Moment ist kostbar. Nach dem Lesen denkt man auf jeden Fall darüber nach und wird vielleicht in so mancher Hinsicht ein Stück mutiger. Was wäre schließlich passiert, wenn Jass sich nicht getraut hätte, die Liste abzugeben?

Fazit:
Ein Buch mit einer wirklich schönen Hintergrundgeschichte, das ein ernstes Thema wundervoll rüberbringt. Die Charaktere sind liebevoll und die Idee wirklich interessant und aufregend. Mir war es manchmal etwas zu kitschig und mir fehlten ein paar echte, tiefe Gefühle, aber wer mit ersterem klarkommt und eine Geschichte lesen will, die einen zum Weinen bringen könnte, der ist hier gut beraten.

4 von 5 Sterne von mir.

Veröffentlicht am 05.11.2019

Spannend, tolle Charaktere, unerwartet

Dear Logan
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Klappentext:
Als Logan nach sechs Jahren Funkstille plötzlich vor der Tür ihrer Hütte steht, will Maddie ihn am liebsten umbringen. Egal, ob Logan der Sohn des US-Präsidenten ist oder dass sein Lächeln ...

Klappentext:
Als Logan nach sechs Jahren Funkstille plötzlich vor der Tür ihrer Hütte steht, will Maddie ihn am liebsten umbringen. Egal, ob Logan der Sohn des US-Präsidenten ist oder dass sein Lächeln ihr Schmetterlinge verursacht! Doch bevor sie sich über ihre Gefühle für ihn klar werden kann, wird Logan entführt – und plötzlich liegt es an Maddie, ihren ehemals besten Freund zu retten. Dumm nur, dass ein gewaltiger Schneesturm aufzieht und die Zeit unerbittlich gegen sie arbeitet …

Das Cover:
Ich finde das Cover wunderschön. Es passt zu Alaska, nimmt Bezug auf die Handlung ist dabei schön schlicht. Auf jeden Fall ein kleines Highlight in meinem Bücherregal.

Der Schreibstil:
Das Buch ließ sich die meiste Zeit gut und flüssig lesen und hatte einen durchgehenden Handlungsstrang, der die Spannung oben gehalten hat. Das Erzählen wurde ein wenig an die karge Landschafts Alaskas angebracht. So ist der Schreibstil eher schnörkellos und schlicht. Erzählt werden nur Dinge, die unmittelbar mit der Handlung zu tun haben. Der Leser wird dadurch dazu gedrängt, sie nah an dem Spannungsfaden zu halten, was ich sehr praktisch orientiert und gut fand. Es betont nochmal, dass es sich hierbei um ein Buch handelt, das eigentlich nur ein Geschehnis über wenige Stunden erzählt.
Etwas irritiert haben mich dann aber dennoch einige fehlende Raum- und Personenbeschreibungen. Durch den sparsamen Stil, kam ich oftmals nicht mit, wo genau sich nun die Person befand oder warum ihre Gefühle umschlugen. Da hätte man vielleicht etwas weniger sparsam sein sollen, um beim Leser keine zu großen Leerstellen im Kopf zu erzeugen, die er nur mit einem bemerkbaren Sprung überwinden kann.

Die Charaktere:
Nicht selten wird in diesem Buch gesagt: Maddie ist kein einfaches Mädchen. Die Jahre haben sie geprägt, sie kommt alleine klar und jeder, der etwas anderes denkt, unterschätzt sie. Und ja, so ist Maddie. Das Leben in Alaska hat sie viel gelehrt, sie selbstsicherer gemacht und ihr vermittelt, dass die Gefahren der Natur Alaskas weitaus größer sind, als dass, was die Menschen mit sich bringen. Maddie so zu sehen, fand ich natürlich total interessant, weil sie dadurch alles andere als eine gewöhnliche Teenagerin ist und entsprechend auch anders auf den Teenager, der da auf einmal vor ihr steht, reagiert. Toll fand ich außerdem, wie stark sie geblieben ist, wie bestimmend. Sie wusste, was sie von ihm hielt, blieb stur und reagierte nicht so jung zickig, wie ich es erwartet hätte.
Unter all diesen harten Eigenschaften ist Maddie aber auch immer noch das Mädchen von vor sechs Jahren. Das Buch erzählt in den ersten Kapiteln von Maddie und Logan, die mit zehn Jahren beste Freunde sind. Maddie ist das typische Mädchen, wenn man es so nennen darf. Sie ist eigen, trägt gerne Kleider, lässt sich von Logan beschützen und steht total auf Glitzer. Auch, wenn es in der Handlung nicht so viel Platz einnehmen konnte, weil es einfach nicht gepasst hätte, verstrickt die Autorin dennoch die taffe Maddie von heute mit dem Glitzermädchen und hat sie so für mich sehr vielschichtig und greifbar gemacht. Das war einfach nochmal eine schöne Krönung ihres Charakters, der, obwohl Alaska so ganz anders ist, sich treu bleibt. Und dann passt es auch auf einmal, dass Logan interessant wird und der Kontrast zwischen „Ich finde ihn total blöd“ und „Ich mag ihn irgendwie“ entsteht, den die Autorin wirklich sehr schön eingebunden hat.
Nicht so gut gefallen hat mir dann einfach, dass (wie oben bereits erwähnt) oft Zuschreibungen erwähnt wurden. Ja, sie ist wirklich so und ich habe es ihr auch abgenommen, aber ich muss das als Leser nicht unbedingt auf jeder Seite lesen, sondern es reicht, wenn sie es durch ihre Taten zeigt – und das hat sie.

Logan war von einer ganz anderen Sorte. Sein Charakter stürzte sich erst einmal in Klischees: der „Prinz“, der meint ausbrechen zu müssen. Und dann wird er auch noch mitten in der „Pampa“ ausgesetzt, um „zu lernen, was wirklich wichtig ist“. So ähnlich fühlte es sich an und ich muss gestehen, dass ich ihn dadurch erst nicht so richtig wahrgenommen habe. Zum Glück kann dieses Klischee sich nicht durch die ganze Geschichte ziehen bzw. nimmt bereits ein jähes Ende, als das Abenteuer beginnt. Dann ist Logan der Junge, der mutig um seine Freundin kämpft, merkt, was er falsch gemacht hat und sich selbstlos opfert. Okay, letzteres fand ich etwas übertrieben, vor allem mit Hinblick auf Maddie, die es sowieso alles viel besser hinbekam, aber er hat gezeigt, dass er stark sein kann und es wurde auch sichtbar, warum er tut, was er tut. Das hat ihm eine Tiefe verliehen, die man bei Maddie nicht unbedingt gefunden hat und die ihn mir letztlich sehr sympathisch gemacht hat.

Zusamen ergaben die beiden wirklich ein sehr gutes Team. Die Darstellung der gegenseitigen Unterschätzung, die immer zwischen den beiden lag, fand ich sehr gut und hat der Geschichte an so mancher Stelle noch etwas Pepp verliehen.

Zur Geschichte allgemein:
Das Buch startet mit einer Analepse, also einem kurzen Rückblick auf sechs Jahre zuvor. Logan und Maddie sind da gerade einmal zehn und rennen durch den Palast. Sie haben sich gerade erst an ihr Leben gewöhnt. Schnell wird klar, worauf der Leser sich konzentrieren soll: auf Maddies Glitzerkleid und Logans Position als Sohn des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Dann jedoch passiert etwas, dass unfassbar scheint. Plötzlich verändert sich alles… und schon befinden wir uns im Hier und Jetzt – sechs Jahre später.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Logans und Maddies Perspektive erzählt und ich war sofort drin. Maddie hatte sich total verändert, passte nun nach Alaska und ich war gespannt, wie Logan ihr je wieder begegnen sollte. Dann ist es aber soweit und plötzlich nahm die Geschichte an Fahrt auf. Ich war mir erst gar nicht so richtig bewusst, wie eng alles miteinanderhing. Auch Maddie und Logan mussten das erst herausfinden. Während die Handlung voranschritt, passierte außerdem viel in den Köpfen von den beiden. Sie wollen entkommen, überlegen, was es mit dem Ganzen auf sich hat, aber (wie es sich für Teenager) gehört, machen sie sich auch über ihre Gefühle und den jeweils Anderen Gedanken. Das gab der Geschichte ein wenig mehr Tiefe und brachte die Handlung an einigen Stellen weiter, die der Leser ansonsten wohl als langweilig empfunden hätte. Schließlich können sie nicht durchgängig wie wildgeworden durch die Landschaft Alaskas rennen.
Ebenso fand ich einige Handlungen wirklich gewitzt gemacht. Dadurch, dass Maddie dann doch manchmal einen Plan in der Hinterhand hatte, habe ich mir umso mehr Gedanken gemacht, weil ich natürlich in jeder Situation irgendwie darauf hoffte. Dieser Kitzel – wann hat sie einen Plan, wann nicht? – fand ich wirklich gut. Maddies Charakter war so wirklich gut in die Geschichte eingebunden und genutzt.
Das immer wieder erwähnte Bild des roten Kleides, das ein wesentlicher Indizpunkt der Geschichte ist, wird immer wieder aufgegriffen und erinnert so stets an die wesentliche Gefahr, auch wenn die Liebesgeschichte zwischen den beiden den Leser diese gerne vergessen lassen würde.
An dem Handlungsaufbau kann ich somit nichts aussetzen. Vielleicht hätten die beiden noch etwas mehr über ihre jetzigen Gefühle füreinander sprechen können, aber letztlich war es ein Abenteuer, das in erster Linie von ihnen verlangte, ihr Leben zu retten.

Fazit:
Mir hat das Buch im Großen und Ganzen ganz gut gefallen. Die Verstrickungen und die Tiefe sind wirklich gut gelungen und ich mochte Maddie sehr. Mit dem Schreibstil hatte ich ein paar winzige Probleme, ebenso mit der Bildzeichnung der Figuren. Was ich am schönsten fand: Hier lernt man Alaska von seiner wahren Seite kennen.

4 von 5 Sterne von mir.