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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.11.2025

Cosy Crime mit Substanz

Der Tag, an dem Barbara starb
1

Die 89-jährige Witwe Margaret wird zur Detektivin: Als der Mord an ihrer guten Freundin und Nachbarin Barbara nicht aufgeklärt wird, beschließt sie selbst zu ermitteln - zusammen mit ihrem 15-jährigen ...

Die 89-jährige Witwe Margaret wird zur Detektivin: Als der Mord an ihrer guten Freundin und Nachbarin Barbara nicht aufgeklärt wird, beschließt sie selbst zu ermitteln - zusammen mit ihrem 15-jährigen Enkel. Denn sie erinnert sich daran, dass Barbara ihr kurz vor ihrer Ermordung etwas Wichtiges anvertraut hat, sie weiß nur nicht mehr, um was es ging …

Man lernt Margaret direkt gut kennen und ist mitten im Geschehen. Sie ist selbstständig sowie zurechnungsfähig, ihr Gedächtnis lässt sie jedoch öfter mal in Stich. Sie leidet darunter, nicht mehr ernst genommen zu werden - von der Polizei, ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn, und altersbedingte Einschränkungen machen ihr zu schaffen. Sie trauert zudem um ihren verstorbenen Ehemann - sie vermisst ihn und führt (in Gedanken) Gespräche mit ihm, sodass er weiterhin Teil ihres Lebens ist. All das wird aus Margarets Perspektive geschildert – nachvollziehbar, mit viel Feingefühl sowie einem Hauch Melancholie. Der typisch britische Humor bzw. die Dynamik zwischen ihr und ihrem Enkel sorgen für etwas Leichtigkeit und der rätselhafte Mord macht neugierig.

Die vielschichtige, tiefschürfende Handlung wird unterhaltsam und packend erzählt, sodass sie trotz des eher gemächlichen Tempos (zum Ende hin wird es rasanter und nervenaufreibender) durchweg fesselt!

Es gibt spannende Einblicke in Margarets Vergangenheit, die ein gut gehütetes Geheimnis beinhaltet, das schließlich ans Licht kommt. Trotz ihrer Einschränkungen löst sie den Fall natürlich und kann somit beweisen, dass sie noch etwas zu bieten hat.

Die gelungene Mischung aus pointiert dargestelltem Altersfrust, der hier nicht deprimierend und dröge daherkommt, familiären Problemen, eigenwilligen Ermittlungen, britischem Humor und liebenswerten Hauptfiguren machen “Der Tag, an dem Barbara starb” zu einem ebenso rührenden wie charmanten Cosy-Crime-Lesevergnügen mit Substanz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.11.2025

Nicht ganz mein Geschmack

Das Internat
1

Im Morgengrauen nach Halloween wird im sagenumwobenen Wald von Thorncombe (ein Dorf im Dorset) eine Jugendliche tot aufgefunden: sie trägt ein altmodisch anmutendes, weißes Kleid, eine Vogelmaske und kryptischen ...

Im Morgengrauen nach Halloween wird im sagenumwobenen Wald von Thorncombe (ein Dorf im Dorset) eine Jugendliche tot aufgefunden: sie trägt ein altmodisch anmutendes, weißes Kleid, eine Vogelmaske und kryptischen Worte bedecken ihre Arme sowie Beine. Ist sie das Opfer eines Ritualmords oder einer aus dem Ruder gelaufenen Halloweenparty?

Der Ermittler Ben und sein Team werden mit dem Fall betraut, dann wird es schnell sehr persönlich für ihn: Das Opfer ist eine Schülerin des Internats, auf das seine Tochter Ellie seit Kurzem geht und an dem seine Ex-Frau Rachel als Schulpsychologin arbeitet. Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto komplizierter und bedrohlicher wird es für die Drei.

Ich wollte das Buch wirklich mögen, aber ich fand den Erzählstil insgesamt zu sehr mit Details bzw. Nebensächlichkeiten ausgeschmückt, dann noch die langen Kapitel! Die vielen Verdächtigen, Geheimnisse sowie Andeutungen sind durchaus rätselhaft, doch durch die (meiner Meinung nach) zahlreichen Aus- und Abschweifungen fühlte sich der Handlungsverlauf oft schleppend für mich an.

Die Charaktere sind interessant, genau wie die Dynamik zwischen ihnen, wirklich sympathisch war mir allerdings niemand. Ben und Rachel sind für mein Empfinden “typische geschiedene Leute”: Sie begegnen einander voreingenommen, geprägt von den Verletzungen, die zu ihrer Trennung geführt haben. Dass Ben und seine neue, jüngere Freundin Nachwuchs erwarten belastet die Situation zusätzlich. Ellie ist der Prototyp der wütenden, verschlossenen Jugendlichen, was bei ihrer Lebenssituation (Schulwechsel, Scheidung, schwangere Stiefmutter) absolut nachvollziehbar ist.

“Das Internat” konnte mich leider nicht begeistern, Spannung kam für mich erst zum Schluss auf - die letzten paar Kapitel sind nervenaufreibend und die Auflösung ist großartig: unerwartet sowie tiefschürfend!!!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.11.2025

Ich bin zwiegespalten

Katabasis
1

Die Cambridge-Studentin Alice will die Beste auf dem Feld der Analytischen Magie werden. Als Doktorandin des hoch angesehenen Professors Grimes ist ihr Traum zum Greifen nah, doch dann tötet sie ihn aus ...

Die Cambridge-Studentin Alice will die Beste auf dem Feld der Analytischen Magie werden. Als Doktorandin des hoch angesehenen Professors Grimes ist ihr Traum zum Greifen nah, doch dann tötet sie ihn aus Versehen! Da sie die Promotion unbedingt bei ihm abschließen will, um die besten Berufsaussichten zu haben, beschließt sie, ihren Doktorvater aus der Hölle zu holen – zusammen mit ihrem Konkurrenten, dem hochintelligenten höflichen Peter, obwohl der Preis für eine Reise dorthin wirklich hoch ist. Mit Erfahrungsberichten Orpheus, Dante, T. S. Eliot, Lembas-Brot und einer sich selbst auffüllenden Wasserflasche begeben sie sich also in die Unterwelt.

Die Gedanken und Gespräche zu Themen wie Leben nach dem Tod, die Betrachtungen der Sünden wie Stolz, Lust etc. sowie vielem mehr sind ziemlich akademisch bzw. philosophisch – ich mochte das meistens, aber manchmal war es mir ein bisschen zu ausführlich oder abstrakt. Die mathematischen Ausführungen haben mich beispielsweise überfordert und mein Mathe-Trauma aus Schulzeiten heraufbeschwört 😉.

Die Dynamik zwischen Alice und Peter hat mich an die zwischen den Hauptfiguren in "Emily Wilde Band 1" erinnert (obwohl es hier nicht um eine Mission in der Feenwelt geht), weshalb ich sie als “wenig originell” empfand. Der Humor ist hier allerdings sarkastischer und die Arbeitsbedingungen der akademischen Welt werden kritischer betrachtet.

Ich fand die Prämisse, die Reise durch die Kreise der Qual in der Hölle, faszinierend, auch weil sie als Spiegel für innere Zustände sowie persönliche Verfehlungen stehen, und nicht als dogmatische Sündenliste. Es gibt einige unterhaltsame Begegnungen mit Schattenwesen, Gottheiten sowie Gefahren, die Umsetzung der Prämisse konnte mich jedoch nicht wirklich begeistern: Ich fand die akademischen, philosophischen und mythologischen Elemente zwar interessant, aber sie nehmen mMn sehr viel Raum ein, sodass die Haupthandlung irgendwie verblasst, die ich dann allerdings ohnehin nicht besonders fesselnd fand.

Durch Rückblicke erfährt man, wer Alice und Peter wirklich sind – was sie antreibt und was sie getan haben bzw. sich gefallen ließen, um die Anerkennung ihres Doktorvaters zu bekommen. Diese Einblicke erklären auch die Dynamik zwischen den beiden bzw. warum sie sich seit ihrem Kennenlernen verändert hat.

Alice hat es als Frau aus einfachen Verhältnissen mit asiatischen Wurzeln schwer in der akademischen Welt: Ihr Doktorvater hat sie davor gewarnt, dass sie doppelt so hart arbeiten muss, um halb so viel zu erreichen wie ein weißer, privilegierter Mann. Ich verstehe das Dilemma, das sich daraus ergibt: Soll man das akzeptieren, versuchen sich zu beweisen und das System somit hoffentlich allmählich von innen heraus ändern? Oder sich weigern unter solchen Umständen zu arbeiten und bestimmte Bereiche somit ggf. weiterhin Männern mit entsprechenden Hintergründen überlassen?

Alice ist fest entschlossen (oder verzweifelt? Oder obsessiv?) alles zu tun, um sich zu behaupten. Doch weshalb geht sie mit den widrigen Umständen nicht pragmatisch um? Wieso rechtfertigt sie die Grausamkeiten ihres Doktorvaters vor sich und anderen, nach dem Motto: so sind geniale Männer nun einmal. Ich fand dieses “Stockholm-Syndrom” schwer zu ertragen.

Das führt mich zur nächsten Frage - wieso wollen die beiden ihren Doktorvater eigentlich unbedingt retten? Der Preis für eine Reise in die Hölle ist extrem hoch!!!, dann noch die Gefahren dort und die Chancen ihn zu finden, bevor er wiedergeboren wird, liegen bestenfalls bei 50%.

Die Mischung aus akademischen Ambitionen, Philosophie, Mythologie, inklusive religiöser und spiritueller Konzepte über das Leben nach dem Tod, Fantasy, komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen sowie sarkastischem Humor hat mir teilweise richtig gut gefallen, konnte mich insgesamt leider nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Dark Academia mit Schauerroman-Flair

Blackspell
1

Eden hat Jahre lang mit ihrer alleinerziehenden Mutter zusammengelebt, die Beziehung zum Vater ist stets dabei distanziert gewesen. Nach dessen Tod kehrt sie daher widerstrebend auf den Familiensitz Thunder ...

Eden hat Jahre lang mit ihrer alleinerziehenden Mutter zusammengelebt, die Beziehung zum Vater ist stets dabei distanziert gewesen. Nach dessen Tod kehrt sie daher widerstrebend auf den Familiensitz Thunder Hall zurück – ein Ort, umgeben von dunklen Wäldern und einem mysteriösen See …

Bereits während ihrer ersten Nacht wird sie von verstörenden Vorkommnissen geplagt und am nächsten Tag scheinen Albträume und Realität zu verschwimmen …

Eden würde am liebsten schnell wieder abreisen, doch ihr Erbe, das sie wirklich gut gebrauchen kann, ist an eine Bedingung geknüpft: Sie muss ihren Schulabschluss an der elitären Wyndhouse Academy machen. Schnell wird klar, an dieser Schule gehen seltsame Dinge vor sich, Lehrer:innen wie Schüler:innen haben übernatürliche Kräfte. Eden gerät in Strudel aus Magie, Geheimnissen, Tod sowie Täuschung - wem kann sie vertrauen?

Die düstere Atmosphäre, der lebendige, eindringliche Erzählstil, die sympathische Protagonistin und die mysteriösen, unheimlichen Geschehnisse sind von Anfang packend!

Ein altes Herrenhaus am Waldrand, tragische Familienverhältnisse, eine Schule voller dunkler Geheimnisse, Schüler:innen, die verschwinden, Angst, Misstrauen – “Blackspell” ist ein ereignisreiches, rätselhaftes sowie wendungsreiches Lesevergnügen, das zum Ende hin nervenaufreibend spannend wird!

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Packend, intensiv & unterhaltsam

The Final Wife
9

Als die Ermittlerin Rebecca am Ferienhaus eines wohlhabenden Paares ankommt, steht sie vor einem Rätsel: Ein Mann liegt erstochen auf dem Boden, seine Ehefrau gesteht die Tat, doch die Spuren am Tatort ...

Als die Ermittlerin Rebecca am Ferienhaus eines wohlhabenden Paares ankommt, steht sie vor einem Rätsel: Ein Mann liegt erstochen auf dem Boden, seine Ehefrau gesteht die Tat, doch die Spuren am Tatort passen nicht zu dem, was sie erzählt. Je mehr Rebecca über das Opfer herausfindet, desto komplizierter wird es - auch weil seine Ehefrau nicht die Einzige ist, die ein Motiv hatte ...

Man ist sofort mitten im Geschehen und der eindrückliche, lebendige, scharfsinnige Schreibstil ist absolut mitreißend sowie unterhaltsam!

Anna, die Frau eines plastischen Chirurgen, hat zugegeben ihren Mann erstochen zu haben, der Tatort scheint allerdings eine Inszenierung zu sein – was ist hier los? Und was hat es mit seiner Ex-Frau Rose auf sich, die immer noch sehr verbittert ist, weil ihr Mann sie vor Jahren wegen Anna verlassen hat? Und mit seinen zahlreichen Affären?

Rebecca war mir total sympathisch: Sie ist hart, aber fair, tough, verständnisvoll, clever sowie selbstkritisch! Sie hat ihren eigenen Willen, sie riskiert es anzuecken, sie kann allerdings auch diplomatisch sein!

Anna und Rose waren mir wenig sympathisch, da sie sich für mein Empfinden in die Rolle der unterstützenden Vorzeigefrau, die ihre eigenen Ambitionen, Bedürfnisse sowie Wünsche größtenteils ignoriert, drängen ließen. Doch hinter den Kulissen waren beide Ehen sehr kompliziert und toxisch …


“The Final Wife” ist nonstop fesselnd! Einige Begebenheiten und Teile der komplexen Auflösung wirkten auf mich stellenweise etwas konstruiert bzw. nicht ganz plausibel, insgesamt fand ich die Handlung aber rätselhaft, spannend, aufwühlend sowie unterhaltsam!

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