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Veröffentlicht am 02.08.2025

Ein Dark-Academia-Fantasy-Abenteuer mit Gefühl!

Immortal Consequences – Die Blackwood Academy Trials
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Die lebenden Toten Wren, August, Emilio, Olivier Irene sowie Masika sind nach ihrem Tod an der an der Blackwood Academy gelandet, einem Ort, der sich zwischen den Lebenden und dem Jenseits befindet. Dort ...

Die lebenden Toten Wren, August, Emilio, Olivier Irene sowie Masika sind nach ihrem Tod an der an der Blackwood Academy gelandet, einem Ort, der sich zwischen den Lebenden und dem Jenseits befindet. Dort bekommen sie Magie-Unterricht und müssen geplagte Seelen auf die andere Seite führen. Alle zehn Jahre wird jemand für vier magische Prüfungen auserwählt, wenn man alle besteht, darf man wählen: zur Elite aufzusteigen, was mit Privilegien verbunden ist, oder auf die andere Seite gehen. Doch kurz vor den Prüfungen passiert etwas Seltsames und schließlich überschlagen sich erschütternde Erkenntnisse, die Risiken sowie Möglichkeiten offenbaren, die alles verändern ...

Die Dynamik zwischen den Figuren ist von Anfang an mitreißend und vieles rund um die Blackwood Academy wird gleich zu Beginn ganz wunderbar nebenbei erklärt, indem es in Dialoge bzw. Überlegungen der Charaktere einfließt. Einiges bleibt allerdings eine Weile lang geheimnisvoll, denn die Studierenden wissen längst nicht alles: Was genau hat es mit dem Demien-Orden auf sich, der versucht Studierende aus Blackwood zu rekrutieren? Oder mit der neuen, mysteriösen Studentin? Und den “neuen” Prüfungsbedingungen?

Der unterhaltsame, lebendige, bildstarke Schreibstil ist absolut fesselnd, die verschieden Blickwinkel bringen interessante Einblicke plus Spannung mit sich und die Magie bzw. das World-Building sind atemberaubend einfallsreich, mysteriös sowie düster!

Man begleitet die Jugendlichen bei verbotenen nächtlichen Nachforschungen, den unerbittlichen Prüfungen, die nicht “nur” lebensgefährlich sind, sondern sie auch zwingen sich ihren Dämonen zu stellen, und Zwischenmenschlichem. Man erfährt, dass einige täuschen, um von ihren wahren Zielen abzulenken, die jedoch lange verborgen bleiben. Und manche täuschen sich selbst ...

Die Figuren verfügen über Tiefe, bewegende Hintergründe, sie haben echte Fehler und sie kabbeln sich ständig. Normalerweise finde ich Neckereien albern bzw. nervig, aber hier ist das wirklich gelungen: clever, geistreich sowie psychologisch interessant. Zudem gibt es zwischen ihnen auch dramatische Momente. Die sechs Hauptfiguren/Perspektiven waren mir allerdings zu viel: ich fand nur drei Charaktere so richtig greifbar, weshalb ich die übrigen eher als Nebenfiguren betrachtete.

Die Gestaltung der “Blackwood Academy”, die magischen Möglichkeiten, die dunklen Geheimnisse, die Gefahren, die ereignisreiche, kreativ ausgeschmückte, packende und wendungsreiche Handlung, in der auch Freundschaft sowie Romantik eine Rolle spielen, haben mich begeistert! Die vielen Enthüllungen bringen nervenaufreibende Entwicklungen mit sich und ich freue mich schon auf die Fortsetzung, denn am Ende ergeben sich mehrere neue Handlungsstränge, die wirklich neugierig machen!

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Atmosphärisch, rätselhaft, düster!

Tod in Siebenbürgen
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Der Journalist Paul war seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner Kindheitsheimat Rumänien, doch ein Brief, der einen verstörenden Verdacht in ihm aufkommen lässt, führt ihn zurück nach Siebenbürgen, in ein ...

Der Journalist Paul war seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner Kindheitsheimat Rumänien, doch ein Brief, der einen verstörenden Verdacht in ihm aufkommen lässt, führt ihn zurück nach Siebenbürgen, in ein Dorf, in dem Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Das Rätsel um seine Familiengeschichte muss allerdings warten, da Sorin, Pauls Kindheitsfreund, wird zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall: er soll einen Mann im “Dracula-Schloss” Bran getötet haben. Paul will helfen, aber er fühlt sich unbeholfen: es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren, denn seine rätselhafte Familiengeschichte beschäftigt ihn, er leidet unter Albträumen und seltsame Vorfälle häufen sich ...

Hinzu kommen die Unmengen an reichhaltigem Essen und Schnaps - Paul kann kaum jemanden ansprechen, ohne zum Essen mit anschließendem “Trinkgelage” eingeladen zu werden.

Ich hatte in meiner Kindheit viel mit Leuten, die aus Siebenbürgen stammen zu tun, und dieser Krimi, der ungemein viel greifbares Lokalkolorit enthält, rief Erinnerungen an die Namen, die Gastfreundschaft, das Essen (Nudeln mit Zucker & Mohn, rumänische Polenta, selbstgemachte Waffelsüßigkeiten, Paprika-Auberginenaufstrich) und die Bräuche wach.

Der Zusammenhang zwischen Siebenbürgen und dem Mythos “Graf Dracula” ist genau das, ein Mythos: Bram Stokers “Dracula” ist zwar von dem (aller Wahrscheinlichkeit nach) in Siebenbürgen geborenen Kriegerfürsten Vlad III inspiriert, doch er regierte bzw. lebte in der Walachei! Zudem ist das als “Dracula-Schloss” vermarktete Schloss Bran so etwas wie eine Touristenfalle, da Vlad III dort wohl nur einmal übernachtete, wenn überhaupt. Aber märchenhaft schön ist es allemal und seine Geschichte ist dennoch interessant.

„Tod in Siebenbürgen“ beschwört düstere wie idyllische Stimmungen herauf und erzählt warmherzig von der Geschichte der Region, den Leuten, Traditionen sowie einem Familiendrama und Verbrechen. Aberglauben, Armut und Diskriminierung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe spielen auch eine Rolle ...

Dieser vielschichtige Regionalkrimi schreitet für meinen Geschmack zwar gemächlich voran, doch das hat mich kaum gestört: Das greifbare Lokalkolorit, die beklemmende Atmosphäre, der trockene Humor und die authentisch gezeichneten, interessanten Figuren wiegen die (mMn) langsam in Gang kommende Krimihandlung auf!

Uve Teschner erzählt wie immer großartig, er gilt nicht umsonst als einer der besten Hörbuchsprecher!!!

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Für mich zu viel Cosy, zu wenig Crime

Mörderisch verstrickt – Ein Strickclub ermittelt
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Im Mettes Strickladen “Strickschick” in Lüttjekoog, einem kleinen idyllischen Ort an der Nordseeküste, treffen sich die tatkräftige Pfarrerin und alleinerziehende Mutter Anne, die burschikose Friseurin ...

Im Mettes Strickladen “Strickschick” in Lüttjekoog, einem kleinen idyllischen Ort an der Nordseeküste, treffen sich die tatkräftige Pfarrerin und alleinerziehende Mutter Anne, die burschikose Friseurin Brunhilde sowie der verwitwete Bootsverleiher Gustavsen jeden Donnerstag, um gemeinsam zu stricken, zu plaudern oder Probleme zu lösen.

Als Anne bei einem Watt-Spaziergang etwas findet, dass aus der untergegangenen sagenumwobenen Siedlung Rungholt stammt, überschlagen sich die Ereignisse: Jemand bricht in die Kirche ein und schlägt Anne nieder. Kurz darauf geschieht ein Mord und da die Polizei schon Annes Angreifer nicht aufspüren konnte, nehmen die Strickbegeisterten die Ermittlungen selbst in die Hand - allen voran die sympathisch forsche Mette.

Mettes Entwicklung – aus einer konservativen Erziehung hin zu einem selbstbestimmten Leben – verleiht ihr Tiefe und macht sie für mich zur Heldin der Geschichte. Sie war mir am sympathischsten, denn ihre rebellische Energie bringt ordentlich Schwung ins Strickkränzchen! Sie ist ein Freigeist: selbstironisch, aufgeschlossen, kreativ, intuitiv, mutig sowie unkonventionell bis unorthodox - bei ihr sind Hirn, Herz und Humor perfekt ausbalanciert!

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt - lebendig, mit viel Gespür für die menschliche Natur, Gemütlichkeit sowie Nordseeflair! Die Hygge-Atmosphäre, die Innenwelt und die Aktivitäten der liebenswerten, leicht kauzigen Figuren, die Tierliebe und die Liebe zum nordischen Küsten-Lifestyle machen diesen Roman zu einem warmherzigen Wohlfühlbuch, doch all das “erdrückt” die Spannung meiner Meinung nach. Mir dauerte es zu lange, bis die Krimi-Handlung zum Tragen kam, und dann empfand ich sie als nebensächlich sowie wenig packend gestaltet.

“Mörderisch verstrickt – ein Strickclub ermittelt” ist ein gemütlicher Krimi, der mir zu gemütlich war – das Düstere, das rätselhaft Vertrackte, das ich in britischen Cosy-Crime-Büchern so schätze, fehlte mir hier - aber das ist natürlich Geschmackssache!

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Atmosphärische, rätselhafte Spannung

Das Haus am Strand
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In “Das Haus am Strand” geht es um die berühmten farbenfrohen Strandhütten und die Familien, die sich jeden Sommer dort einquartieren, um das freie Leben am Meer zu genießen. Im August 1997 verbrachten ...

In “Das Haus am Strand” geht es um die berühmten farbenfrohen Strandhütten und die Familien, die sich jeden Sommer dort einquartieren, um das freie Leben am Meer zu genießen. Im August 1997 verbrachten die Jugendlichen Sophie und Matilda die Sommerferien mit ihren Familien an der pittoresken Küste von Dorset. Die Erwartungen waren hoch: unbeschwerte Strandtage, neue Freunde, erste Liebe, doch dann kam Matilda auf tragische Weise ums Leben …

Zwanzig Jahre später kehrt Sophie zurück, um das Strandhaus ihrer Eltern zu verkaufen. Der Sommer 1997 hat sie nie losgelassen, weil sie denkt, dass eine Verkettung unglücklicher Umstände, für die sie die Verantwortung trägt, zu Matildas Tod führte ...

Die Handlung ist atmosphärisch, geheimnisvoll sowie düster gestaltet und es wird gleich zu Beginn spannend: Sophie findet beim Ausräumen etwas, das die Polizei damals vergeblich suchte und sie hat keine Ahnung, wie oder warum es in der Hütte ihrer Familie gelandet ist.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven sowie auf mehreren Zeitebenen erzählt: 1982, 1997 und heute. Aus der Sicht der jugendlichen Sophie erfährt man, wie sie jenen Sommer erlebte. Freundschaft, das Gefühl, Teil einer Clique sein, romantische Gefühle, die erwidert werden – all das bedeutete der unsicheren Teenagerin viel, da sie im normalen Leben eine Außenseiterin war, die nur davon träumen konnte, zu den coolen Kids zu gehören. Doch schon Oscar Wilde wusste: Wenn die Götter uns bestrafen wollen, erhören sie unsere Gebete ...

Die Gewissenbisse, die Sophie heimsuchen, wenn sie an den Sommer 1997 denkt, sind überwältigend: All die Fehler, die sie damals machte, erfüllen sie bis heute mit glühender Schuld und Scham - denn ihre beste Freundin Matilda war mutig, unabhängig sowie loyal - alles, was sie nicht war ...

Sophie versucht die Tragödie jenes Sommers, die schließlich als Unfall eingestuft wurde, nicht an sich ranzulassen, doch die Mauer, die sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart errichtet hat, fällt allmählich in sich zusammen: Sie trifft auf alte Bekannte, die schöne wie schreckliche Erinnerungen wachrufen, beunruhigende Vorfälle häufen sich und sie findet heraus, dass mehrere Personen ein Motiv hatten, Matilda umzubringen, Motive, die die Polizei vor zwanzig Jahren nicht aufgedeckte.

Das Innenleben und die Erfahrungen der interessanten Figuren sowie Sophies Nachforschungen sind bewegend und packend gestaltet. Das Zusammenspiel aus atmosphärischer, rätselhafter Spannung, psychologischer Tiefe und der unheilvollen Stimmung, die einen starken Kontrast zum traumhaften Schauplatz bildet, ist absolut mitreißend - ich bin durch die Seiten geflogen! Für Fans von Claire Douglas und/oder Lucy Clarke.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Sommerlich leicht UND gehaltvoll: 2 Frauen, 2 Pläne und das Unerwartete ...

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Phoebes Leben ist geprägt von Verlust, Depressionen und dem tiefen Gefühl nicht gut genug bzw. sogar zerstörerisch zu sein. Sie hat stets versucht normal zu wirken, aus Angst, als seltsam wahrgenommen ...

Phoebes Leben ist geprägt von Verlust, Depressionen und dem tiefen Gefühl nicht gut genug bzw. sogar zerstörerisch zu sein. Sie hat stets versucht normal zu wirken, aus Angst, als seltsam wahrgenommen zu werden. Zudem trägt sie ein Geburtstrauma mit sich herum, ihre einst vielversprechende Karriere steckt fest, ihre Ziele, Pläne und Ehe sind schal geworden, schließlich ins Leere gelaufen. Dann geschehen noch ein, zwei erschütternde Dinge, die zu dem Entschluss bringen: Es ist Zeit Schluss zu machen - mit der Selbstverleugnung, mit sich zurückhalten, mit der Sorge, was andere denken, mit ihrem Leben!

Als Phoebe in einem smaragdgrünen Kleid und goldenen Stilettos im luxuriösen “Cornwall Inn” ankommt, wird sie für eine Hochzeitsgästin gehalten, da die Braut Lila das Hotel exklusiv für die mehrtägigen Feier reserviert hat. Doch Phoebe ist hier, um sich ein letztes Mal etwas Schönes zu gönnen, bevor sie sich vom Leben verabschiedet. Dummerweise erzählt sie das der Braut, der das gar nicht in den Kram passt, weil es die Feierlichkeiten überschatten würde. Also versucht Lila Phoebe von ihrem Vorhaben abzubringen.

Lila, ist perfektionistisch und überspannt, ihre Hochzeitsplanung ist übertrieben und minutiös. Sie ist herrisch, auch gegenüber Phoebe, und die beiden geraten immer wieder aneinander – klug, komisch und psychologisch wunderbar nuanciert erzählt. Phoebe ist die Einzige, die ihr ehrlich zu ihr ist, alle anderen scheuen Konfrontationen mit der schwierigen Braut. Doch siehe da: Lila kann nicht nur mit unangenehmen Wahrheiten umgehen – sie beginnt sogar, welche preiszugeben.

Lila redet sich ihren Frust über dies und das von der Seele, die beiden sprechen immer mehr über bedeutende Dinge, entwickeln dabei allmählich eine gewisse Wertschätzung füreinander. Phoebe wird Teil der Hochzeitsgesellschaft, führt auch mit Familienmitgliedern bzw. Freunden interessante, offenbarende Gespräche - vor nach und während den verschiedensten Aktivitäten und Aufgaben, denn Lila hat sie natürlich eingespannt!

Phoebe erkennt, dass alle mehr sind als sie zu sein scheinen - auch sie selbst! Lila kann nicht nur herumkommandieren und bei Abweichungen vom Geplanten ausflippen, sie kann auch nett und verletzlich sein. Ihr Verlobter ist nicht nur ein gutaussehender, pflichtbewusster Arzt. Seine Tochter, die Stieftochter der Braut, ist mehr als eine übellaunige Göre und Phoebe ist mehr als ein depressives Häufchen Elend ohne Perspektive ...

Die kurios philosophischen Unterhaltungen reichen von eigentümlichen Betrachtungen zu alltäglichen Dingen, wie schwarzem Kaffee oder Betten machen über Berufliches bis hin zu “therapeutischen” Gesprächen über fehlgeleitete Entscheidungen, Beziehungsdynamiken, Einsamkeit, Erwartungen und Enttäuschungen voller Selbsterkenntnis.

“The Wedding People” erzählt vergnüglich, ergreifend sowie weise von den Härten des Lebens und den schönen, kleinen wie großen, Dingen, die das Leben lebenswert machen. Davon, dass es manchmal einen Tapetenwechsel und Fremde braucht, Leute, die einen unvoreingenommenen Blick aufeinander werfen, um sich zu zeigen, wer sie wirklich sind, sein können, sein dürfen ...

Der vor geistreichem Humor sprühende Erzählstil ist absolut mitreißend, die Charaktere sind toll gezeichnet und sie entwickeln sich auf inspirierende Weise weiter, die Themen Ehe/Ehebruch, Familie, Verlust, Trauer und Depressionen werden tiefschürfend, mutig, intelligent sowie unterhaltsam erörtert und die ereignisreiche, süße, überraschende Handlung ist bewegend und macht Spaß!

Ich habe den schrägen Humor, die liebenswert skurrilen Figuren sowie die bittersüße, locker leichte und doch auch (auf gute Weise) gedankenschwere Handlung geliebt!!!

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