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Veröffentlicht am 20.09.2025

Herausragend

Gejagt durch Brandenburg
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Dass ich ein großer Richard Brandes-Fan bin, ist kein Geheimnis. Deswegen habe ich mich riesig über die Überraschungspost gefreut.

„Gejagt durch Brandenburg“ ist ohne Frage das bisher persönlichste und ...

Dass ich ein großer Richard Brandes-Fan bin, ist kein Geheimnis. Deswegen habe ich mich riesig über die Überraschungspost gefreut.

„Gejagt durch Brandenburg“ ist ohne Frage das bisher persönlichste und vielleicht auch intensivste Buch der Reihe um Kriminalhauptkommissarin Carla Stach. Es hat mich vom allerersten Moment an gefesselt und nicht mehr losgelassen, ich habe es an einem Tag (und einer Nacht) am Stück durchgelesen. Ich konnte es nicht weglegen, ich musste es in einem Zug zu Ende lesen.

Schon der Prolog ist berührend und bedrückend, wird allerdings direkt durch die Dramatik des Beginns der eigentlichen Geschichte überlagert. Carlas Sohn Toni wacht neben einem toten Mädchen auf und kann sich nicht erinnern, was am Abend zuvor oder in der Nacht geschehen ist. Hat er sie selbst getötet? In Panik flüchtet er, wird dabei jedoch beobachtet und als Carla Stach am Tatort ankommt, wird ihr schnell klar, dass es ihr eigener (wenn auch nicht leiblicher) Sohn ist, der die Tote wohl zuletzt lebend gesehen hat und der Hauptverdächtige wird.

Brandes gelingt es auf herausragende Weise, die innere Zerrissenheit der Kommissarin und ihrer Frau Kathrin deutlich zu machen. Was macht es mit einer Familie, wenn ein Kind des Mordes verdächtigt wird? Obwohl Carla Stach natürlich schnell vom Fall abgezogen wird, bleibt sie über ihre Freunde (insbesondere Maik Frosch und Julia Engel, die wir bereits kennen) nah an den verworrenen Ermittlungen dran und ermittelt auch auf eigene Faust. Die Geschichte ist clever konstruiert und bringt zahlreiche unerwarteten Verbindungen und Wendungen mit sich. Zu jeder Zeit ist der Erzählstil so intensiv, dass ich mich dem Buch nicht entziehen konnte: Es gab keine Längen und ein durchweg hohes Tempo.

Wie immer bei Brandes sind die Figuren authentisch, komplex und nahbar; alles andere als perfekte Helden, sondern sympathisch und glaubwürdig. Insbesondere das sich aus den Verdächtigungen ergebende Familiendrama hatte eine eindringliche Wirkung auf mich. Richard Brandes’ Hauptberuf als Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche sowie für Paare macht sich auch in diesem Buch deutlich bemerkbar.

Nachdem die ersten beiden Bände von mir bereits 5/5 Sternen bekommen haben, ist die Bewertung für dieses Buch natürlich auch klar. Bestnote und Leseempfehlung für alle Krimi- und Thrillerfans.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Starker Reihenauftakt

Dunkle Sühne
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Mit „Dunkle Sühne“ startet Karin Slaughter ihre neue Reihe, deren Auftakt ich mir nicht entgehen lassen wollte.

Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag: Beim großen Feuerwerk am 4. Juli verschwinden ...

Mit „Dunkle Sühne“ startet Karin Slaughter ihre neue Reihe, deren Auftakt ich mir nicht entgehen lassen wollte.

Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag: Beim großen Feuerwerk am 4. Juli verschwinden zwei Teenager-Mädchen spurlos. Deputy Emmy Cliffton setzt alles daran, sie zu finden, zumal eines der Mädchen die Tochter ihrer besten Freundin ist. Je tiefer sie in den Fall eintaucht, desto deutlicher wird, dass sich hinter der scheinbar idyllischen Fassade der Kleinstadt Geheimnisse und Abgründe verbergen, von denen niemand etwas ahnte. Doch für Emmy geht es nicht nur um Gerechtigkeit, sie selbst hat eine alte Schuld zu begleichen und will endlich die Chance nutzen, Wiedergutmachung zu leisten.

Wer Karin Slaughter kennt, weiß, dass Ihre Bücher sind nichts für schwache Nerven sind. Auch „Dunkle Sühne“ macht da keine Ausnahme. Schonungslos legt die Autorin den Finger in die Wunde, ihre detailreichen Schilderungen der perfiden Täterstrategien können einem beim Lesen durchaus aufs Gemüt schlagen. Und gerade das macht den Reiz aus. Slaughter schafft es immer wieder, Schmerz, Grauen und Spannung so intensiv zu verweben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Mich hat der Schreibstil sofort gepackt. Die Erzählweise ist fesselnd, die Balance zwischen Fall und persönlichen Verwicklungen der Figuren hervorragend getroffen. Besonders gefallen hat mir, wie die Autorin ihren Charakteren Raum gibt, sich zu entfalten. Das verleiht der Geschichte Tiefe und macht aus ihr weit mehr als „nur“ einen Thriller, es ist ein Blick in menschliche Abgründe, in Schuld und Verantwortung. Der Titel der Originalausgabe trifft ins Schwarze: „We are all guilty here“.

Fazit: „Dunkle Sühne“ ist ein starker Reihenauftakt, düster, nervenaufreibend und gleichzeitig voller menschlicher Nuancen. Ein Muss für Thriller-Fans, 5/5 Sternen!

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Eine komplexe, tiefgründige und stimmige Story!

Silvercloak - Unter Feinden
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Das Buch kommt in einer aufwendigen, ansprechenden Gestaltung daher und gibt einen Vorgeschmack darauf, dass auch der Inhalt absolut besonders ist: Es spielt in einer wirklich sehr düsteren, brutalen und ...

Das Buch kommt in einer aufwendigen, ansprechenden Gestaltung daher und gibt einen Vorgeschmack darauf, dass auch der Inhalt absolut besonders ist: Es spielt in einer wirklich sehr düsteren, brutalen und teils chaotischen magischen Welt.

Die Magie ist nicht unendlich, sondern muss entweder durch Lust oder Schmerz aufgeladen werden. Abgründe tun sich auf, denn Schmerz ist in einer Notsituation immer recht schnell verfügbar, um den Magiespeicher aufzufüllen.

Die Protagonistin Saffron gehört zu den Silvercloaks, den Gesetzeshütern der Stadt. Als sich die Chance ergibt sich an den Bloodmoons zu rächen, die ihre Eltern ermordet haben, als sie noch ein Kind war, ergreift sie sie. Dafür muss sie sich als versteckte Ermittlerin bei der Verbrecherorganisation einschleusen und feststellen, dass sie sich ähnlicher sind, als sie dachte. Außerdem muss sie sich eingestehen, dass sie zu einem Bloodmoon ganz besonders hingezogen fühlt.

Sowohl das Wordbuilding, als auch der ganze Weltenaufbau haben mich total eingenommen und begeistert. Besonders spannend war, wo die Autorin die Geschichte beginnen und enden lässt.

Es war ein bisschen so, wie in die Winkelgasse zurückzukehren, nur in viel düsterer und brutaler!

Saffron hat eine ganz besondere Art an sich, sie überlegt viel und versucht, die Situationen mit ihrem messerscharfen Verstand und ihrer ganz besonderen (geheimen) Gabe zu lösen.

Die anderen Charaktere sind facettenreich und allesamt grau, denn die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen zunehmend.

Überraschende Twists und die komplexe, stimmige und tiefgründige Story konnten mich begeistern und ich kann es kaum erwarten, die Trilogie weiterzulesen. Somit vergebe ich 5/5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung für Fantasy-Fans, die mal Lust auf etwas anderes haben!

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Packend, klug und unterhaltsam

Der Da Vinci Code
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Der Bestseller „Sakrileg – The Da Vinci Code“ von Dan Brown ist nun auch in einer gekürzten und altersgerechten Jugendbuchausgabe für Leser*innen ab 14 Jahren erschienen. Mit dem frischen Titel „Der Da ...

Der Bestseller „Sakrileg – The Da Vinci Code“ von Dan Brown ist nun auch in einer gekürzten und altersgerechten Jugendbuchausgabe für Leser*innen ab 14 Jahren erschienen. Mit dem frischen Titel „Der Da Vinci Code“, dem stimmungsvollen Farbschnitt und dem neuen Cover hat die Geschichte einen zeitgemäßen Anstrich bekommen. Besonders gelungen finde ich die Buchinnenklappen: Sie sind mit Fotografien und Abbildungen zu den in der Handlung vorkommenden Rätseln versehen. Das ist ein schönes Extra, das beim Lesen für zusätzliche Atmosphäre sorgt.

Zur Handlung: Symbolforscher Robert Langdon wird mitten in der Nacht nach Paris gerufen, wo er zusammen mit der Verschlüsselungsexpertin Sophie Neveu den rätselhaften Mord am Museumsdirektor des Louvre aufklären soll. Am Tatort finden sich geheimnisvolle Symbole und verschlüsselte Botschaften, die beide auf eine gefährliche Spur führen. Schon bald geraten sie selbst ins Visier der Ermittler und ziehen die Aufmerksamkeit der religiösen Organisation Opus Dei auf sich. Eine atemlose Hetzjagd durch Paris beginnt, die voller historischer Rätsel und alter Geheimnisse steckt.

Der Roman startet rasant, man ist sofort mitten in der Geschichte und diese Sogwirkung lässt bis zur letzten Seite nicht nach. Auch wenn es sich um eine gekürzte Jugendbuchausgabe handelt, geht nichts von der Spannung und Intensität verloren. Der Schreibstil ist eingängig, leicht verständlich und dennoch voller Atmosphäre.

Für mich persönlich war diese Lektüre etwas ganz Besonderes: Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem Teenie-Sohn als Buddyread gelesen: eine absolute Premiere! Während ich mir bei knapp 500 Seiten genügend Zeit einplanen wollte, hat er das Buch regelrecht verschlungen, sodass ich kaum hinterherkam. Dass er anschließend sofort die weiteren Bände lesen möchte, ist für mich das schönste Kompliment an dieses Buch und gleichzusetzen mit einem Ritterschlag.

Oft werde ich gefragt, welche Bücher ich Jugendlichen empfehlen kann, die sich an spannende Literatur wagen möchten. „Der Da Vinci Code“ gehört ab jetzt ganz sicher auf diese Liste. Ein packender Thriller, klug und unterhaltsam, der Lust auf mehr macht.
Für mich und meinen Sohn: ganz klar 5/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Fast abgebrochen und dann wurde es gut!

Der dunkle Sommer
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Fast wäre dies eine Abbruchrezi geworden. Ich hatte begeisterte Rezensionen zu „Der dunkle Sommer“ gelesen und mir das Buch daher selbst gekauft, als (haha) Sommerlektüre. Ich begann zu lesen, doch das ...

Fast wäre dies eine Abbruchrezi geworden. Ich hatte begeisterte Rezensionen zu „Der dunkle Sommer“ gelesen und mir das Buch daher selbst gekauft, als (haha) Sommerlektüre. Ich begann zu lesen, doch das Buch fesselte mich nicht. Ich konnte keinerlei Verbindung zu den Protagonisten oder der Geschichte dahinter aufbauen, die zahlreichen Andeutungen nervten mich zunehmend. Gleichzeitig verspürte ich überhaupt keine Neugier auf die Auflösung dieser. Ich nahm das Buch nur noch in die Hand, wenn ich kurze Wartezeiten überbrücken musste und es gerade keine Alternative gab. Die Entscheidung, eine Abbruchrezension zu verfassen, war eigentlich schon gefallen.

Ich hatte mich bis zur Mitte des Buches gearbeitet und plötzlich und unerwartet packte es mich dann doch noch. In einer Szene, die ich aufgrund des Fortschritts der Geschichte hier nicht Spoilern kann, wurde die Protagonistin Tilda für mich doch noch nahbar und interessant. Ab diesem Moment wollte ich wissen, wie es weitergeht und was die Hintergründe dieser mysteriösen Geschichte sind. So hatte mich das Buch im letzten Moment doch noch gefesselt. Wobei ich betonen möchte, dass vorher nichts schlecht war — objektiv gab es weder an Schreibstil noch Aufbau der Geschichte etwas auszusetzen.

Das Buch spielt auf Sardinien und passt damit perfekt in den Sommer. Dass diese wunderschöne Insel auch dunkle Geheimnisse aus einer Vergangenheit versteckt, die so gar nicht zur Urlaubsidylle passt, lässt mich auch rückblickend noch schaudern.

Die Geschichte wird — neben kurzen, eingeschobenen Rückblicken nicht näher benannter Personen in kursiver Schrift — aus den Perspektiven von drei Personen erzählt, was das Buch abwechslungs- und facettenreich macht: Tilda, eine Architektin aus Deutschland, die vor ihrer Vergangenheit auf die Insel geflohen ist und auf der Suche nach einem Neuanfang in Ruhe ist. Enzo, ein sardischer Journalist, der auf der Suche nach der Wahrheit über eine tragische Nacht ist, die Jahrzehnte zurückliegt und über die niemand spricht. Und Franca, deren Geschichte im Vorfeld jener Nacht spielt und die damals ein junges Mädchen war. Tilda und Enzo begegnen sich im Jetzt und schauen zunächst mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf den Ort und seine Historie.

Vera Buck taucht tief ein in die Geschichte Sardiniens. Inseltypisch haben sich dort Gesellschaft und Traditionen anders entwickelt als auf dem Festland. Sie nimmt uns mit in den Sommer, in dem Italien Weltmeister wurde und auch die Sarden mitfeierten — in eine Nacht, in der sich für Franca und das Dorf Botigalli, in dem sie lebt, eine Tragödie anbahnt. In diesem Dorf, das nach jener verhängnisvollen Nacht zu einem Geisterdorf wird, erwirbt Tilda Jahrzehnte später ein Haus für nur einen Euro, den Tipp dazu bekam sie aus dem Nachlass ihres kurz zuvor verstorbenen Vaters.

Es bleibt lange unklar, in welcher Beziehung die drei genannten Protagonistinnen (Enzo ist mit gemeint) und die Menschen in ihrem Umfeld zueinander stehen. Vielleicht war das ein Grund, weshalb mich die Geschichte erst spät gepackt hat. Ein Thriller, wie das Buch klassifiziert ist, wird es auch eher später. Am Anfang wirkte es auf mich eher wie ein Roman, eine ruhige Erzählung.

Das Buch gewinnt zunehmend an Fahrt und wird noch sehr, sehr spannend, mit durchaus unerwarteten Wendungen („Meisterin des Plot-Twists“, wie auf der Rückseite zu lesen ist, wirkt auf mich allerdings etwas hoch ins Regal gegriffen). Allerdings sah ich die Auflösung irgendwann kommen, das Verhältnis der Personen wurde mir klar.

Was mir wirklich gut gefallen ist, ist der handwerkliche Aufbau des Buches insgesamt. Vera Buck erläutert auch im Nachwort ihre Intention, welche Aspekte und Themen sie hier zu einem Thriller zusammenführen wollte. Sie greift dabei die Geschichte Sardiniens und Elemente des italienischen Rechts auf, die mir unbekannt waren und mich sehr überrascht und fassungslos gemacht haben. In dieser Hinsicht wirkt das Buch auch noch nach.

Insgesamt kann ich das Buch empfehlen, freue mich, dass ich es nicht abgebrochen habe und vergebe insgesamt 4/5 Sternen.

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