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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2025

Wenn die Erinnerung lückenhaft wird

Himmelerdenblau
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Nach „Liebeskind“, „Martha schläft“ und „Perfect Day“ zählte ich mich zu den begeisterten Leser*innen von Romy Hausmann. Umso größer war meine Vorfreude auf ihren neuen Roman „Himmelerdenblau“. Doch leider ...

Nach „Liebeskind“, „Martha schläft“ und „Perfect Day“ zählte ich mich zu den begeisterten Leser*innen von Romy Hausmann. Umso größer war meine Vorfreude auf ihren neuen Roman „Himmelerdenblau“. Doch leider konnte das Buch meine Erwartungen diesmal nicht erfüllen.

Die Podcaster Liv und Phil rollen die Geschichte rund um die vor zwanzig Jahren spurlos verschwundene Julie neu auf und haben die Hoffnung, Licht ins Dunkel zu bringen. Der Vater der damals 16-Jährigen ist Theo Novak, der mittlerweile an fortgeschrittener Demenz leidet und den Podcastern helfen will.

Seine Erinnerungen sind fragmentarisch, widersprüchlich und wirr, was in einem Thriller durchaus ein spannendes erzählerisches Element sein kann. In diesem Fall geriet es jedoch zu einem Stolperstein, leider rissen mich die Kapitel aus seiner Sicht aus dem Lesefluss heraus. Die Handlung verliert sich immer wieder in den Nebeln von Theos Gedächtnis. Realität und Fantasie verschwimmen, ohne dass dies zur Spannung beiträgt.

Die häufigen Perspektivwechsel und unklaren Zeitebenen wirkten auf mich eher verwirrend als fesselnd. Einige Entwicklungen und Entscheidungen der Figuren konnte ich nicht nachvollziehen.

Spannungsmomente gibt es durchaus, aber sie verpuffen oft, bevor sie sich entfalten können. Der Fokus auf die Demenzerkrankung, so relevant und gut gemeint er sein mag, nahm für meinen Geschmack zu viel Raum ein. Dies ging zulasten des Thrill-Faktors, den ich an Hausmanns früheren Büchern so geschätzt habe.

Auch das Ende konnte mich leider nicht ganz überzeugen. Es wirkte zu konstruiert und ich habe es so ähnlich leider gerade in einem anderen Buch gelesen.

Fazit: „Himmelerdenblau“ bleibt hinter den Erwartungen zurück. Wer Romy Hausmann für ihre dichten, psychologisch komplexen Thriller schätzt, wird sich hier womöglich schwer tun. Die ernste Thematik verdient Anerkennung, doch als Thriller funktioniert das Buch nur bedingt. 3/5 Sternen

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Vielversprechender Reihenauftakt

Heir of Storms
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Lauryn Hamilton Murray entführt uns in ihrem Debüt „Heir of Storms“ in die faszinierende Welt von Ostacre, einem Land, in dem die Kronen der vier Königreiche nicht vererbt, sondern in gefährlichen magischen ...

Lauryn Hamilton Murray entführt uns in ihrem Debüt „Heir of Storms“ in die faszinierende Welt von Ostacre, einem Land, in dem die Kronen der vier Königreiche nicht vererbt, sondern in gefährlichen magischen Wettkämpfen erkämpft werden müssen.

Die Protagonistin Blaze ist eine junge Frau, deren Geburt einen zerstörerischen Sturm heraufbeschwor und viele Opfer forderte. Dementsprechend kennt jeder im Reich ihren Namen. Besonders ist, dass sie ist die letzte Regensängerin ist und somit über eine längst verloren geglaubte Magie verfügt. Dumm ist nur, dass sie nicht weiß, wie sie ihre Fähigkeiten heraufbeschwören kann.

Blaze ist eine komplexe und gut ausgearbeitete Protagonistin, deren innere Konflikte mich sofort fesseln konnten. Sie wächst im Schatten ihrer Vergangenheit auf, teilweise gehasst und gefürchtet von der Gesellschaft. Ihre Unsicherheit und der ständige Kampf um ihre eigene Identität machen sie überraschend greifbar. Besonders gefallen hat mir, wie realistisch ihre Auseinandersetzungen mit ihrer verlorenen Magie und der Frage, ob sie jemals die Kontrolle darüber zurückgewinnen kann, geschildert werden.

Der Wettkampf um die Krone, in den Blaze verwickelt wird, ist gleichzeitig eine Prüfung ihrer Fähigkeiten und ihrer inneren Stärke. Doch es ist nicht nur der Wettkampf selbst, der für Spannung sorgt. Am Kaiserhof warten ganz neue Herausforderungen auf Blaze, zum Beispiel Intrigen und eine Erhöhung ihres Herzschlags bei gleich zwei jungen Männern.

Die Welt von „Heir of Storms“ hat mich fasziniert und ist eine Mischung aus politischem Spiel, magischen Kräften und einem tiefen Abgrund aus Misstrauen und Machtgier. Doch während das Setting viel verspricht, hätte ich mir mehr Details gewünscht, insbesondere zu den anderen Reichen, die nur vage erwähnt werden. Mehr Hintergrundinfos hätten hier geholfen, mich noch tiefer in die Welt eintauchen zu lassen.

Ein kleiner Wermutstropfen war auch die Länge des Mittelteils. Hier gab es einige Passagen, die sich etwas zogen und die Spannung ein wenig dämpften. Nichtsdestotrotz bleibt „Heir of Storms“ ein unterhaltsames und vielversprechendes Buch, das Lust auf die weiteren Bände der Storm-Weaver-Reihe macht!

Fazit: „Heir of Storms“ ist ein solider Auftakt zu einer Reihe mit großem Potenzial. Es verbindet magische Wettkämpfe, politische Intrigen und persönliche Konflikte zu einer spannenden Mischung. Blaze ist eine Protagonistin, mit der man mitfiebert und deren Reise man gerne weiterverfolgt. Auch wenn das Buch hier und da etwas langsamer wird, macht es definitiv Lust auf mehr und ich freue mich auf die Fortsetzung! 4/5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Perfekter Reihenauftakt

Bite Risk – Kein Entkommen
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„Bite Risk - Kein Entkommen“ ist der Auftakt einer Reihe für Jugendliche ab zwölf Jahren und ist laut Buchrücken perfekt für Fans von „Stranger Things. Die Kombination hat mich neugierig gemacht!

In dem ...

„Bite Risk - Kein Entkommen“ ist der Auftakt einer Reihe für Jugendliche ab zwölf Jahren und ist laut Buchrücken perfekt für Fans von „Stranger Things. Die Kombination hat mich neugierig gemacht!

In dem Buch sind Werwölfe nichts, was man groß hinterfragt. In der abgelegenen Stadt Tremorglade gehört es zum Alltag: Kinder und Jugendliche sperren ihre Eltern und Verwandten bei Vollmond in Käfige, da diese sich in blutrünstige „Ripper“ verwandeln. Was anfangs grausam klingt, ist gut organisiert und jeder weiß, was zu tun ist. Doch als Sel und seine Freunde auf seltsame Vorkommnisse stoßen, wird klar, dass noch viel mehr hinter dieser Welt steckt - und das ist alles andere als gewöhnlich.

Zu Beginnn lernt man Sel, seine Freunde und das Leben in Tremorglade erst mal kennen und ist sofort mit ihnen in dieser ungewöhnlichen Welt gefangen.

Besonders interessant fand ich, wie verantwortungsvoll die Jugendlichen ihre Aufgaben in den Vollmondnächten übernehmen; als ob das, was für uns wie ein Albtraum klingt, für sie ganz normal ist. Doch dann kommen die ersten Wendungen, die die Geschichte richtig in Fahrt bringen.

Ich muss zugeben, dass mich die kontinuierlich steigende Spannung voll gepackt hat. Die Twists, die an den richtigen Stellen auftauchen, überraschen immer wieder, ohne dass man als Leserin das Gefühl hat, die Geschichte sei zu konstruiert.

Der Schreibstil der Autorin ist locker und lebendig, aber keineswegs so simpel, wie man es vielleicht bei einem Jugendbuch unterstellen würde. Sie zieht einen in die Geschichte und lässt einen nicht mehr los.

Es gibt blutige Momente, aber bei einer Werwolf-Story ist das natürlich nicht anders zu erwarten. Es bleibt jedoch im Rahmen, ohne die Grenze zum Unangenehmen zu überschreiten.

Sel und seine Freunde sind Figuren, von denen junge Leser
innen viel lernen können. Sie sind mutig, verantwortungsbewusst und lassen sich nicht so leicht von den düsteren Geheimnissen ihrer Welt abhalten.


Fazit:„Bite Risk - Kein Entkommen“ bietet nicht nur Spannung und einen packenden Plot, sondern auch interessante, lebendige Charaktere und eine neue Sichtweise auf Werwölfe. Es ist der perfekte Reihenauftakt, der sowohl jüngere als auch ältere Leser*innen begeistern wird. Für mich gibt es definitiv 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Ein wichtiger Roman

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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In „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ zeichnet Susanne Abel das Porträt der beiden Waisenkinder Margret und Hartmut, die in der Nachkriegszeit aufwachsen. Sie begegnen sich in einem katholischen ...

In „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ zeichnet Susanne Abel das Porträt der beiden Waisenkinder Margret und Hartmut, die in der Nachkriegszeit aufwachsen. Sie begegnen sich in einem katholischen Kinderheim, in dem sie unfassbar schreckliche Dinge erleben und sich gegenseitig stützen.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen und erzählt einerseits die Geschichte von Margret und Hartmut und andererseits die der Urenkelin Emily. Diese versucht Jahrzehnte später das zu verstehen, was über Generationen hinweg verschwiegen, verdrängt und nie wirklich verarbeitet wurde.

Die Autorin hat einen wunderbaren und berührenden Schreibstil. Allerdings war das Gelesene für mich zeitweise schwer auszuhalten, denn sie schreibt schonungslos über die systematische Gewalt, die den beiden Waisenkindern widerfahren ist. Aber genau das ist nötig, um sich der Tragweite dieses wichtigen Themas zu stellen.

Trotz der düsteren Thematik gelingt es der Autorin Hoffnung durchscheinen zu lassen. Es ist ein Buch, das mich nicht nur absolut berührt hat, sondern auch nachhallt. Besonders spannend war zu sehen, wie ein Trauma auch noch Jahre später die nachfolgenden Generationen beeinflusst.

Fazit: Ein schonungsloser, emotionsstarker und wichtiger Roman über generationenübergreifende Traumata und über die Kraft der Zuneigung: 4,5 von 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Herausragend

Gejagt durch Brandenburg
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Dass ich ein großer Richard Brandes-Fan bin, ist kein Geheimnis. Deswegen habe ich mich riesig über die Überraschungspost gefreut.

„Gejagt durch Brandenburg“ ist ohne Frage das bisher persönlichste und ...

Dass ich ein großer Richard Brandes-Fan bin, ist kein Geheimnis. Deswegen habe ich mich riesig über die Überraschungspost gefreut.

„Gejagt durch Brandenburg“ ist ohne Frage das bisher persönlichste und vielleicht auch intensivste Buch der Reihe um Kriminalhauptkommissarin Carla Stach. Es hat mich vom allerersten Moment an gefesselt und nicht mehr losgelassen, ich habe es an einem Tag (und einer Nacht) am Stück durchgelesen. Ich konnte es nicht weglegen, ich musste es in einem Zug zu Ende lesen.

Schon der Prolog ist berührend und bedrückend, wird allerdings direkt durch die Dramatik des Beginns der eigentlichen Geschichte überlagert. Carlas Sohn Toni wacht neben einem toten Mädchen auf und kann sich nicht erinnern, was am Abend zuvor oder in der Nacht geschehen ist. Hat er sie selbst getötet? In Panik flüchtet er, wird dabei jedoch beobachtet und als Carla Stach am Tatort ankommt, wird ihr schnell klar, dass es ihr eigener (wenn auch nicht leiblicher) Sohn ist, der die Tote wohl zuletzt lebend gesehen hat und der Hauptverdächtige wird.

Brandes gelingt es auf herausragende Weise, die innere Zerrissenheit der Kommissarin und ihrer Frau Kathrin deutlich zu machen. Was macht es mit einer Familie, wenn ein Kind des Mordes verdächtigt wird? Obwohl Carla Stach natürlich schnell vom Fall abgezogen wird, bleibt sie über ihre Freunde (insbesondere Maik Frosch und Julia Engel, die wir bereits kennen) nah an den verworrenen Ermittlungen dran und ermittelt auch auf eigene Faust. Die Geschichte ist clever konstruiert und bringt zahlreiche unerwarteten Verbindungen und Wendungen mit sich. Zu jeder Zeit ist der Erzählstil so intensiv, dass ich mich dem Buch nicht entziehen konnte: Es gab keine Längen und ein durchweg hohes Tempo.

Wie immer bei Brandes sind die Figuren authentisch, komplex und nahbar; alles andere als perfekte Helden, sondern sympathisch und glaubwürdig. Insbesondere das sich aus den Verdächtigungen ergebende Familiendrama hatte eine eindringliche Wirkung auf mich. Richard Brandes’ Hauptberuf als Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche sowie für Paare macht sich auch in diesem Buch deutlich bemerkbar.

Nachdem die ersten beiden Bände von mir bereits 5/5 Sternen bekommen haben, ist die Bewertung für dieses Buch natürlich auch klar. Bestnote und Leseempfehlung für alle Krimi- und Thrillerfans.

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