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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2025

Luxusleben und der Traum davon

Ein ungezähmtes Tier
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Sophie und Arpad - ein strahlendes, glamuröses Paar; Greg und Karine - ein deutlich alltäglicheres, blasseres, was ihnen selbst am meisten bewusst ist. Wie hängen diese Protagonisten mit dem Juwelenraub ...

Sophie und Arpad - ein strahlendes, glamuröses Paar; Greg und Karine - ein deutlich alltäglicheres, blasseres, was ihnen selbst am meisten bewusst ist. Wie hängen diese Protagonisten mit dem Juwelenraub zusammen, von dem bereits ganz zu Beginn die Rede ist?

Es dauert eine ganze Weile, bis hier nähere Zusammenhänge zutage kommen, ebenso erfährt man erst spät, wer denn eigentlich das titelgebende ungezähmte Tier ist - ganz sicher ist es nicht der Hund der Nachbarn, mit dem ständig Gassi gegangen wird.

Wie immer bei Dicker finden sich die Puzzlesteine recht zögerlich zusammen, diesmal passt es nicht ganz so messerscharf wie in einigen der vorherigen Romane, sprich: sein bestes ist dies sicher nicht: eine ganze Ansammlung von Unsympathen; die Netteren werden nur kurz umrissen.

Wie so oft geht es um Leidenschaften verschiedener Art, den Drang, gewisse Dinge, teilweise mit gewissen Leuten zu tun, der aus ganz unterschiedlichen Beweggründen resultiert. Ich hatte ein bisschen den Eindruck, es eilte mit dem Abgabetermin, weswegen die Rafinesse, die ich bei Dicker bereits mehrfach kennengelernt habe, etwas zu kurz kam.

Dennoch lohnt die Lektüre, wenn auch mehr zur Unterhaltung mal so zwischendurch - 3,5 Sterne von mir!

Veröffentlicht am 01.03.2025

Die Reichen und ihre Dämonen

Die Fletchers von Long Island
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Familie Fletcher ist unglaublich reich - aber alles andere als glücklich. Es sind vor allem die drei Kinder der Familie - Bernard alias Beamer, Nathan und Jenny - die im Fokus stehen, auch wenn ...

Familie Fletcher ist unglaublich reich - aber alles andere als glücklich. Es sind vor allem die drei Kinder der Familie - Bernard alias Beamer, Nathan und Jenny - die im Fokus stehen, auch wenn der Einstieg mit der Entführung des Vaters Carl beginnt.

Zunächst hat mich die Sprache fasziniert: sie ist witzig, amüsant und auf den Punkt, doch damit ist es schnell vorbei. Nach einem ansprechenden Einstieg verliert sich die Autorin in langatmigen Beschreibungen, die dermaßen ins Detail gehen, dass kein Platz mehr für eigene Gedankengänge bleibt.

Ich fühlte mich mehr und mehr überrollt von dem Buch und seinem Inhalt, wobei die Punkte, die mich wirklich interessiert hätten und mir erlauben würden, eine Verbindung zu der Familie herzustellen, auf der Strecke blieben. Es dauerte eine Weile und eine Menge schwer zu ertragender Beschreibungen bspw. von den Perversionen Beamers, bis ich erkennen konnte, dass eigentlich die soziale Ungerechtigkeit in der US-Gesellschaft ein vordringliches Anliegen der Autorin ist bzw. sein soll.

Ich habe diese Lektüre als richtig harte Arbeit empfunden!

Veröffentlicht am 25.02.2025

Rufmord

Der Einfluss der Fasane
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Hella Karl ist eine erfolgreiche Journalistin - seit Jahren leitet sie das Feuilleton einer großen Berliner Zeitung und kann sich seit Jahren immer noch selbst in die Augen sehen: sie ist stolz darauf, ...

Hella Karl ist eine erfolgreiche Journalistin - seit Jahren leitet sie das Feuilleton einer großen Berliner Zeitung und kann sich seit Jahren immer noch selbst in die Augen sehen: sie ist stolz darauf, sich nie zu verbiegen. Doch nun liest sie eine erschütternde Nachricht: ein ehemaliger Berliner Erfolgsregisseur hat sich das Leben genommen. Den Status des Vergangenen hatte er nicht zuletzt ihr, Hella zu verdanken, die im Zusammenhang mit ihm einen Skandal aufgedeckt hatte und ihn dabei nicht schonte, zumal es gegen die Würde einer Frau, nein: viel mehr als das, ging. Sie sieht sich nun selbst einer Hetzjagd ausgesetzt - in unterschiedlicher Art und Weise. Selbst ihr eigenes Blatt wendet sich gegen sie.
Ich bin erstaunt, wie viel Antje Rávic Strubel auf wenig mehr als 200 Seiten erzählen kann - es ist nicht eine Geschichte, es sind mehrere, die diese ausgesprochen dichte Handlung beinhaltet. Ständig fühlte ich mich hin- und hergerissen, habe mich gefragt, ob Hella Karl durchgehend im Recht ist/war? Oder sind es diejenigen - und es sind nicht wenige - die ihr die Schuld an diesem Ereignis zuweisen. Oder sind es alle zusammen? Ein sehr eindringlicher, bildreicher Roman, an dem ich fast gar nichts auszusetzen hatte. Außer dem vielen Sex, der einfach nicht meins ist - ein Sinnbild für Hahnen- und Hennenkämpfe? Wohl eher für die von Fasanen. Tolle Literatur, spannender als jeder Krimi - Hat Hella Rufmord betrieben oder ist sie selbst ein Opfer?

Ein sprachgewaltiger, intensiver, fordernder und in jeder Hinsicht lohnenswerter Roman.


Veröffentlicht am 22.02.2025

Hoch oben über Berlin

Achtzehnter Stock
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Da wohnt Wanda mit ihrer Tochter Karlie mitten in einem der sozialen Brennpunkte der Stadt. Ihr Leben ist trist mit einem Funken Hoffnung auf etwas Glanz - Wanda hofft seit Jahren auf eine Karriere als ...

Da wohnt Wanda mit ihrer Tochter Karlie mitten in einem der sozialen Brennpunkte der Stadt. Ihr Leben ist trist mit einem Funken Hoffnung auf etwas Glanz - Wanda hofft seit Jahren auf eine Karriere als Schauspielerin. Das Leben im Hochhaus wird durchaus authentisch geschildert, was ich als einstiges Kind aus dem elften Stock gut beurteilen kann. Sie hat ihre Leute, die hinter ihr stehen: alles Frauen. Und solche, die sie in Notlagen kontaktiert, aus meiner Sicht nutzt sie sie ganz klar aus: alles Männer. Ja, Wanda lebt in einer Blase. Sie lässt Dinge mit sich geschehen, dreht nur selten selbst an einer Schraube.

Es war seltsam, einen Roman über eine solche größtenteils passive Protagonistin zu lesen, stellenweise wurde es ziemlich oberflächlich, was ich schade fand, denn den Stil der Autorin habe ich durchaus genossen.

Aktiv wird sie vor allem, wenn es um die fünfjährige Karlie geht, weswegen mir der Beginn besonders gut gefiel - da erkrankt das Kind plötzlich ernsthaft und Wanda muss sich um Lösungen bemühen. Auch wenn diese nicht auf Überlegungen basieren, zeigt dieser Abschnitt Wandas Willen, für Karlie einzustehen.

In Bezug auf ihren Beruf wartet sie auf Anrufe der Großen der Branche - ein Roman zwischen Hoffen und Harren, wobei das Harren überwiegt. Ich hatte bei der Lektüre immer wieder den Eindruck, dass sich das Buch noch in Überarbeitung befindet und die endgültige Version noch nicht ganz gefunden ist.

Veröffentlicht am 22.02.2025

Ein Ire und eine Süddeutsche suchen ihr Glück in der neuen Welt

Ein Schimmer am Horizont
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Und zwar nicht freiwillig, denn der Ire Davin hat sein gesamtes Hab und Gut verloren und Mina muss mit ihrem lieblosen Mann, der sich einiges hat zuschulden kommen lassen, fliehen. Er ist ein Spieler und ...

Und zwar nicht freiwillig, denn der Ire Davin hat sein gesamtes Hab und Gut verloren und Mina muss mit ihrem lieblosen Mann, der sich einiges hat zuschulden kommen lassen, fliehen. Er ist ein Spieler und Trinker, der ihr auch noch das letzte Geld, das ihr Vater ihr überlassen hat, nimmt. Mitte des 19.Jahrhunderts begegnen beide einander durch Zufall auf dem Auswandererschiff Annabelle.

Mir ist vor allem Minas Schicksal nahegegangen, denn sie steht stellvertretend für viele Frauen, die keine Wahl hatten - hier hat sie sogar noch Glück, einer Familie zu begegnen ,die sie in Schutz nimmt, soweit es möglich ist.

Ein Thema, mit dem ich mich bereits beschäftigt habe, wobei der bisherige Höhepunkt ein Besuch des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven war.

Das Buch kam mir also wie gerufen, doch leider konnte ich mich nicht in Gänze auf den Stil der Autorin und somit auch nicht auf den Roman einlassen.