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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.12.2022

Patchwork - aber nicht als Decke

Alle Jahre wieder
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Sondern als Familie - so leben Vater und Tochter offenbar bereits seit vielen Jahren. David Wagner legt hier Teile seines eignen Lebens offen - oder auch nicht, denn es sind Fragmente von Lebensschnipseln, ...

Sondern als Familie - so leben Vater und Tochter offenbar bereits seit vielen Jahren. David Wagner legt hier Teile seines eignen Lebens offen - oder auch nicht, denn es sind Fragmente von Lebensschnipseln, also so winzige Mosaiksteinchen, die dem Leser hingeworfen werden. Ich muss sagen, ich konnte wenig damit anfangen. Der Autor - oder eine fiktive Version von ihm - scheint seit vielen Jahren in einem bunten Reigen wechselnder Beziehungen zu leben.

Es ist gewiss eine originelle Idee, den Leser an einem lebensnahen Auszug aus dem Familienleben - ob fiktiv oder nicht - teilnehmen zu lassen. Aber eine, die mich so gar nicht befriedigte, jedenfalls nicht in der hier dargebrachten Form. Ich fühlte mich wie zum Zuhören gezwungen, als säße ich bspw. in einem vollgestopften Wartesaal und der Typ neben mir würde über Skype telefonieren - ohne Kopfhörer.

Ja, ich fühlte mich diesem Gespräch ausgesetzt - kein angenehmes Gefühl. Und als ich das Ende erreicht habe, war die Erleichterung groß. Auch wenn es keine lange Lektüre war, ich habe sie leider als recht unangenehm empfunden.

Veröffentlicht am 15.12.2022

Unterschiedliche Erwartungen an Weihnachten

Die anderen Weihnachtswünsche
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1951: Die Weihnachtsträume der Engländerinnen Audrey und Eve in ihrer neuen Heimat, den Vereinigten Staaten, sind ganz klar: sie wünschen sich ein friedliches Weihnachtsfest, an dem man sich in Ruhe den ...

1951: Die Weihnachtsträume der Engländerinnen Audrey und Eve in ihrer neuen Heimat, den Vereinigten Staaten, sind ganz klar: sie wünschen sich ein friedliches Weihnachtsfest, an dem man sich in Ruhe den christlichen Wertvorstellungen und der Geborgenheit im Kreise von Familie und Freunden hingeben kann. Nicht so ihre beiden Söhne, jeweils fünf Jahre alt: sie haben einen Kaufhauskatalog in die Finger bekommen und wünschen sich quasi alles daraus, was ihre Altergruppe adressiert. Sie sind also dem Konsumzwang, den die Händler etablieren wollen, voll auf den Leim gegangen - ganz im Gegensatz zu ihren Müttern.

Die sie dazu auch gar nicht brauchen, denn die Wunscherfüller stehen schon Gewehr bei Fuß - die Großeltern des einen und Förderer des anderen Jungen haben Geld genug und würden es liebend gern für die beiden ausgeben.

Das passt den Müttern gar nicht, die eine neue Tradition einführen möchten - das Schenken an die, die nicht so viel haben wie man selbst. Und an die, die man besonders gerne mag. Zunächst zieren sich die beiden Jungs, da es bedeutet, dass sie eigenen Besitz - Spielzeug, aber auch Geld und vor allem Zeit hergeben müssen, doch dann merken sie, wieviel Spaß das macht.

Im Kindergarten wartet ein weiteres Erlebnis auf sie - das Krippenspiel, in dem sie Könige spielen dürfen und dessen Darstellung etwa in der Mitte des Buches ein absolutes Highlight für mich war.

Leider werden die Jungs für ihr Engagement aus meiner Sicht ganz falsch belohnt - mit haufenweise Geschenken, die sich - ganz angelsächsisch - am ersten Weihnachtstag in den Strümpfen und unter dem Baum stapeln. Ein gut gemeinte, warmherzige Geschichte, die leider in einem Konsumchaos endet. Wenn auch nicht nur. Aber für mich hat es leider der Erzählung einen Teil ihres Charmes geraubt, was mir sehr Leid tat!

Veröffentlicht am 15.12.2022

Harte Zeiten für Maria Just

Brennender Zorn
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Denn wieder sind auch ihre Kollegen vom Polizeidepartement für Gewaltverbrechen Mikael Dirk und Frederik Dahlin mit dabei, die sich diesmal um Verbrechen kümmern müssen, die ihre eigenen Kollegen betreffen, ...



Denn wieder sind auch ihre Kollegen vom Polizeidepartement für Gewaltverbrechen Mikael Dirk und Frederik Dahlin mit dabei, die sich diesmal um Verbrechen kümmern müssen, die ihre eigenen Kollegen betreffen, sogar ihren Chef. Diese Position muss nun vorübergehend Mikael übernehmen - das passt ihm gerade gar nicht. Wobei es um zwei unterschiedliche Fälle geht - eine mehr als 70 Jahre alte Leiche, um die sich Maria kümmert und um Mord und Mordversuche an zwei älteren Experten. 

Doch bald schon nimmt Maria, deren Fall sich sehr merkwürdig anlässt, wieder fachlichen Kontakt zu den Kollegen auf.

Eine Polizeihistorikerin im Mittelpunkt - wie vielversprechend. Mir war nie in den Sinn gekommen, dass es ja auch solche Personen geben muss, die die geschichtliche Entwicklung der Polizei eines Landes, Bereiches oder Themas begleiten. Als Historikerin, die schon lange nicht mehr in ihrem eigentlichen Berufsfeld arbeitet, wurde ich richtiggehend neidisch auf Maria Just, denn ihr Job - das wäre definitiv auch was für mich! Obwohl ich nicht glaube, dass ich so viel zu einem aktuellen Fall beitragen könnte, wie sie es tut - meine Gehirnzellen funktionieren deutlich weniger flott und übergreifend! Andererseits - mit der Zeit kommt ja auch die Routine!

Eine der Stärken des Autorinnen-Gespanns ist definitiv die Darstellung der Charaktere: alle, auch die größeren Nebenfiguren, haben Wiedererkennungswerte, die man sich sofort merken kann. Im Gegensatz zum ersten Teil gibt es diesmal keine Längen, die mich gestört haben. Dafür aber eine ganze Reihe männlicher Protagonisten, die ihr Herz an Maria verloren - nicht ganz so passend aus meiner Sicht.


Aber das sind Peanuts, die mich weiter nicht stören. Denn insgesamt kann ich diesen zweiten Band der dänische Krimiserie um Maria Just von ganzem Herzen empfehlen und zwar vor allem an Leser*innen, die auch an Spannungsliteratur einen gewissen Qualitätsanspruch haben!

Veröffentlicht am 06.12.2022

Hier werden so einige Genres bedient

Die letzte Party
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Zudem ist er sowas von dicht und obwohl der Alkohol hier tatsächlich in Strömen fließt und der ein oder andere Protagonist mehr oder weniger durch die Handlung torkelt, meine ich DAS nicht. Nein, jedes ...

Zudem ist er sowas von dicht und obwohl der Alkohol hier tatsächlich in Strömen fließt und der ein oder andere Protagonist mehr oder weniger durch die Handlung torkelt, meine ich DAS nicht. Nein, jedes Fitzelchen von Text fügt sich akribisch ineinander zu einem großen Ganzen, das aus meiner Sicht seinesgleichen sucht. Vor allem die Figuren, auch die Nebendarsteller, sind so detailliert und gekonnt ausgearbeitet, das man sie beim Lesen vor sich zu sehen meint! In die Protagonisten, die Ermittler Ffion und Leo, die auf eine gemeinsame Vorgeschichte zurückblicken und sich erstmal zusammenraufen müssen,habe ich mich so verliebt, dass ich für jeden von ihnen oder am besten gleich für beide, bereit wäre, alles stehen und liegen zu lassen und nach Nordwales zu ziehen. Gut also, dass sie nur in der Phantasie der Autorin Clare Macintosh existieren, das bewahrt mich vor manch einem schmerzhaften Schnitt in meinem Leben.

Ähnlich ist es mit der Location - Macintosh hat ein Luxusressort geschaffen, das man vor sich sieht, ebenso wie das walisische Dorf am Rande der Welt. Wenn auch "nur" auf dem Papier existent, empfinde ich es als sehr präsent. Fast ist es, als würde ich einen Film sehen - ich sehe das kleine Dorf in Nordwales, in dem die Handlung spielt, deutlich vor mir.

Mein Fazit also: Lange nicht mehr so einen guten Krimi gelesen! Dieser hier bedient sowohl die Spalten Regionalkrimi als auch klassische Polizeiarbeit mit Gerangel im und unter den Teams inklusive skurriler Figuren und Liebes- und Familienroman. Nicht zuletzt kommt auch der Humor nicht zu kurz. Genau das, was ich liebe und wovon ich mir noch viel mehr erhoffe.

Ich bin wirklich froh, dass ich bisher noch keinen Krimi der Autorin gelesen habe, da kann ich mich jetzt noch auf ein paar Bücher freuen, die mich hoffentlich nicht enttäuschen angesichts der hohen Erwartungen, mit denen ich jetzt an sie rangehe!

Veröffentlicht am 06.12.2022

Nomen est Omen bei Phyllida Bright

Die Dreitagemordgesellschaft
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Die als Haushälterin bei Agatha Christie und ihrem zweiten Ehemann beschäftigt ist. Das Zepter liegt sicher in ihrer Hand und Agatha kann sich voll auf sie verlassen - allerdings kennen sich beide auch ...

Die als Haushälterin bei Agatha Christie und ihrem zweiten Ehemann beschäftigt ist. Das Zepter liegt sicher in ihrer Hand und Agatha kann sich voll auf sie verlassen - allerdings kennen sich beide auch seit dem großen Krieg und sind einander in Freundschaft verbunden. Phyllida ist nicht gerade auf den Mund gefallen und denkt so schnell, dass manch einer nicht mitkommt. Doch nicht nur das passt zu ihrem Familiennamen Bright, sondern auch ihre leuchtend roten Haare.

Eines Morgens findet Phyllida in der Bibliothek eine Leiche - ein Herr, der am Vorabend uneingeladen auftauchte und ein Interview mit Agatha Christie machen wollte. Da gerade eine Menge Gäste anwesend waren, lud man ihn einfach zum Abendessen und zur Übernachtung ein, was den Gastgebern nicht gerade angenehm, nämlich durch seinen Tod vergolten wurde.

Ein herrlicher Krimi, wobei sich um die ermittelnde Haushälterin Phyllida auch so manches Geheimnis rankt. Es kommt eine ganze Armee von Charakteren vor - Gäste und Personal sowie noch einige mehr, aber es lohnt sich sehr, sich auf sie und auf die Erzählkunst der Autorin Colleen Cambridge einzulassen.

Die Handlung spielt in den 1920er Jahren - bis kurz vor Schluss werden Stil und relevante Inhalte gekonnt aufrecht erhalten. Dann erfolgt ein Bruch, der wirklich nicht in die Zeit passt und mir den Spaß vermieste - wenn auch nur geringfügig!

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