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Veröffentlicht am 17.09.2021

Jerome Monk is watching you...

Verwesung
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Rückblende: Auf den Spuren von Jerome Monk befindet sich David Hunter zu Beginn des vorliegenden Falles - dieser mutmaßliche Serienmörder sitzt seit einem Jahr in Haft, obwohl man bisher keine Leiche gefunden ...

Rückblende: Auf den Spuren von Jerome Monk befindet sich David Hunter zu Beginn des vorliegenden Falles - dieser mutmaßliche Serienmörder sitzt seit einem Jahr in Haft, obwohl man bisher keine Leiche gefunden hat: abgesehen von der, bei deren Ermordung er quasi in flagranti ertappt, wenn auch nicht gleich gestellt wurde - seit dies endlich gelang, schweigt er sich bezüglich möglicher Fundorte der Opfer aus. Hunter wurde zu einem Leichenfund in Dartmoor gerufen - man hofft, endlich eines von Monks Opfern aufgespürt zu haben. Es stellt sich heraus, dass er von einem alten Bekannten empfohlen wurde - einem Ermittler, den er privat kennengelernt hat und der nicht gerade zu seinen liebsten Mitmenschen zählt. Es stellt sich jedoch heraus, dass auch innerhalb des lokalen Ermittlerteams, mit dem Hunter nun zusammenarbeiten wird, nicht gerade die beste Stimmung herrscht. Nichtsdestotrotz gelingt es, eine Leiche zu finden.



Acht Jahre später - Hunter hat Frau und Kind bei einem Verkehrsunfall verloren und lebt nur noch für die Arbeit - ist Jerome Monk ausgebrochen und rächt sich an allen, die bei den früheren Ereignissen eine Rosse spielten. Es gibt ein Wiedersehen mit allen Akteuren von damals, auch die Animositäten unter den damaligen Kollegen kommen wieder zum Vorschein. David Hunter versucht ihn zusammen mit der früheren psychologischen Ermittlungsberaterin Sophie Keller dingfest zu machen, kann ihn jedoch vor weiteren Schreckenstaten nicht abhalten.

Eine ungeheuer spannende Story? Nur bedingt: Simon Beckett schreibt zwar gekonnt und faszinierend und schafft es allein dadurch, den Leser in seinen Bann zu bringen, es gelingt ihm aber inhaltlich nicht ganz, den vielversprechenden Aussichten auf einen spannenden Thriller gerecht zu werden. Ein wenig gemahnten mich die gelesenen Zeilen an die ähnlich beindruckenden Sowjetthriller "Kind44" und "Kolyma" von Tom Rob Smith, auch finden sich Parallelen zu Jeffery Deavers Erzählstil mit immer neuen, überraschenden Wendungen, doch ahnt der Leser früh, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Nicht gerade das Highlight der Serie um David Hunter, doch in diesem Kontext trotzdem ein Muss für Freunde dieser anspruchsvollen Spannungsliteratur!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Die ganze Affenbande brüllt? Nein, sie spricht!

Das Affenhaus
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Zunächst tut sie das in einem Sprachlabor, wo sie von den Mitarbeitern liebevoll gefördert wird: vor allem durch die Wissenschaftlerin Isabel Duncan, die ihre Wünsche erfüllt, trotzdem darauf achtet, dass ...

Zunächst tut sie das in einem Sprachlabor, wo sie von den Mitarbeitern liebevoll gefördert wird: vor allem durch die Wissenschaftlerin Isabel Duncan, die ihre Wünsche erfüllt, trotzdem darauf achtet, dass die Gesundheit nicht leidet und sie vor allem vor einer zu großen Öffentlichkeit abschottet, die ihnen zu sehr auf den Leib rückt und die Privatsphäre verletzt. Ausgewählt werden nur wenige vertrauenserweckende Journalisten - hier bestimmen die Affen mit, indem sie ihre Zuneigung signalisieren und der von ihnen am meisten geschätzte ist John Thigpen, dem sie auch nach der Explosion des Labors und dem Verlust der Affen an einen Reality-Fernsehsender die Treue hält.

Sara Gruens Romane handeln von Menschen mit ungewöhnlichen Lebenswegen. Diesmal stehen die junge Wissenschaftlerin Isabel Duncan und der vom Unglück gebeutelte Journalist John Thigpen im Mittelpunkt: Isabel erforscht die sprachliche Kommunikation von Bonobos, ausgesprochen intelligenten Affen - eine Person, die für ihre Arbeit und mit "ihren" Affen lebt, sich im Umgang mit ihren Mitmenschen jedoch recht schwer tut. Sie erhält im Labor Besuch von John, der von den Affen, ohne es zu merken, auf die Schippe genommen wird und von der Kommunikation Isabels mit den Affen - diese verstehen Englisch und können in der amerikanischen Gebärdensprache ASL antworten - mehr als beeindruckt ist. Doch nicht alle sind so positiv gegenüber Isabels Arbeit eingestellt - täglich wird das Labor von Demonstranten belagert, die gegen Tierquälerei protestieren.

Während sich die John noch auf dem Heimflug befindet, fliegt das Labor in die Luft! Isabel wird schwer verletzt, die Affen finden sich nach längerer Suche in der o.g. Reality-Show. Wer ist schuld an dem Dilemma? Johns Leben, seine berufliche Laufbahn, die unter einem unglücklichen Stern zu stehen scheint und seine Ehe mit der liebevollen, aber beruflich ebenfalls erfolglosen Schriftstellerin Amanda bildet den zweiten Erzählstrang.

Sara Gruen schreibt so faszinierend, dass der Leser quasi nach der weiteren Entwicklung des Romans lechzt. Wie geht es nach der Katastophe weiter, welche Rolle spielt John, der Journalist, der von Isabels Arbeit so beeindruckt war?

Bei "Wasser für die Elefanten" konnte ich die allgemeine Begeisterung nicht so recht nachvollziehen - hier dagegen bin ich Feuer und Flamme. Ein fulminanter Einstieg in die Story, ein grandioser Roman - einzig die nicht immer bis zum Ende ausführten Erzählstränge, die mich als Leserin ein kleines bisschen unbefriedigt zurückließen, sind Anlass für eine - allerdings geringfügige - Beeinträchtigung des Lesegenusses.

Veröffentlicht am 17.09.2021

Lügen auf Rügen

Zeugin der Toten
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Gleich vorweg: ich bin ein großer Fan von Elisabeth Herrmanns Krimis und habe sie alle verschlungen. Ihnen gemein sind die intelligenten Einblicke in und Verweise auf verschiedene Stationen historischer ...

Gleich vorweg: ich bin ein großer Fan von Elisabeth Herrmanns Krimis und habe sie alle verschlungen. Ihnen gemein sind die intelligenten Einblicke in und Verweise auf verschiedene Stationen historischer Art sowie auf die Gesellschaft und soziale Phänomene in unserem Land. Im Mittelpunkt sind stets Figuren mit Macken - Menschen, denen es - vor allem psychisch, gelegentlich auch finanziell - an etwas mangelt und die definitiv nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, die dies jedoch häufig nicht oder nur teilweise selbst verschuldet haben. Sie müssen im Alltag - oft gegen gesellschaftliche Einflüsse - ihren Mann - oder wie im Fall der Cleanerin Judith - ihre Frau stehen und geraten auch noch in den Strudel krimineller Machenschaften, deren Ursache bei Hermann oft in der Vergangenheit liegt. Wer wie ich dieser Art von Lektüre etwas abgewinnen kann, ist bei dieser Autorin gut bedient und wird das Buch nicht aus der Hand legen könne.

Der neue Herrmann startet wie soviele andere: mit einem Knaller aus der jüngsten deutschen Geschichte, der sich mithilfe vieler Schnörkeleien und Verwinklungen bis in die Gegenwart verdichtet. Hier wird der Faden in der DDR der 1980er Jahre aufgenommen: Christel kommt ins Heim in Sassnitz/ Rügen und heisst ab jetzt Judith. Die Betreuerin wird bestochen, um ab sofort dicht zu halten. Der Leser hingegen ist irritiert. Wer ist Christel und warum heisst sie ab jetzt Judith? Wer ist die erwachsene Judith, der wir im 21. Jh in ihrem Job als Cleanerin in Berlin begegnen? Das Buch entwickelt sich zur Suche Judiths nach ihrer Identität, diese wiederum gestaltet sich zu einer Verbrecherjagd unter Einbindung aktueller und ehemaliger Agenten.

Herrmanns gefälliger, durchaus anspruchsvoller Schreibstil unterstreicht noch die Entwicklungen, die den Leser neben dem Dreh- und Angelpunkt des Geschehens - oder sollte man sagen, des Bösen? - Sassnitz auf Rügen auch nach Berlin, München und ins schwedische Malmö führen und ihm einen Einblick in die Welt der Geheimdienste nicht ersparen.

Ein Geheimnis rankt sich um Elisabeth Herrmanns neuestes Romansujet. Eingebettet in eine ereignisreiche Epoche der deutschen Geschichte, ist es wie so oft bei dieser Autorin lehrreich und unglaublich unterhaltsam zugleich. Die Mosaiksteine aus Vergangenheit und Gegenwart fügen sich auf geschickte und unerwartete Weise zusammen, das Ende ist zwar absehbar, aber doch anders als erwartet.

Geht nicht?

Doch! Selber lesen - man wird sich wundern!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Ein Australier in London

Elf Leben
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Xavier hat ein Geheimnis: er lebt mit einer großen Schuld. Diese belastet sein nach außen hin angenehmes Leben als Radiomoderator und Scrabble-Turnierspieler in London. Nach und nach erst eröffnet sich ...

Xavier hat ein Geheimnis: er lebt mit einer großen Schuld. Diese belastet sein nach außen hin angenehmes Leben als Radiomoderator und Scrabble-Turnierspieler in London. Nach und nach erst eröffnet sich Xaviers Welt: vor allem durch die Kommunikation mit seinen Mitmenschen in Vergangenheit und Gegenwart.

Er und seine nächtliche Sendung stehen im Zentrum des unterhaltsamen Romans, um den sich die restlichen 10 Leben ranken? Aber sind es tatsächlich elf Leben(swege), um die es in diesem Buch geht? Die Darstellung ist durch zahlreiche Rückblenden ein wenig wirr und unübersichtlich. Abgerundet wird dies durch Vorausschauen, die auf Ereignisse verweisen, die irgendwann in der Zukunft der Figuren eine Rolle spielen werden. Sie gemahnen an den wunderschönen Roman "Die Kunst des Lokomotivführens" des Australiers Steven Carroll. Im vorliegenden Roman trägt dieser Erzählstil, obwohl durchaus originell, eher zur Verwirrung bei. Wessen Leben gehört zu den "Elf" dazu? Zahlreiche Figuren aus Xaviers früherem australischen und gegenwärtigen Londoner Leben geben sich quasi die Klinke in die Hand. Diese fehlende klare Struktur und der somit nicht vorhandene rote Faden sind der stringenten Handlung des recht kurzen Romans ausgesprochen abträglich.

Mein Fazit: Obwohl eigentlich gefällig und nett geschrieben und sowohl von einem gewissen Unterhaltungswert als auch nicht ohne Anspruch, reißt mich dieses Buch nicht vom Hocker. Ich habe den Eindruck, der Autor müsste noch ordentlich üben, bevor er mit seinem Werk in der Öffentlichkeit reüssieren kann. Aber Potential ist durchaus da!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Todesdrohungen

Blutstein
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Gleich vorneweg: die Lektüre dieses Krimis lohnt sich! Johan Theorins dritter Öland-Krimi "Blutstein" startet dramatisch - Per Mörner droht in der Walpurgisnacht verbrannt zu werden. So brutal geht es ...

Gleich vorneweg: die Lektüre dieses Krimis lohnt sich! Johan Theorins dritter Öland-Krimi "Blutstein" startet dramatisch - Per Mörner droht in der Walpurgisnacht verbrannt zu werden. So brutal geht es gottseidank nicht durchgehend weiter: eher subtil werden die Ereignisse aufgerollt, die Erzählstränge miteinander verquickt.

Es sind deren drei, bei denen es sich um eine neu entstehende Konstellation von Nachbarn handelt, die jeder auf ihre eigene Art und Weise mit der Insel Öland verbunden sind. Zunächst lernen wir den fast 85jährigen pensionierten Kapitän zur See Gerlof Davidsson kennen - den Lesern der beiden vorherigen Öland-Bände ist er allerdings bereits bekannt - der die Rückkehr aus dem Pflegeheim in sein eigenes Haus durchsetzt. Er meint, bald sterben zu müssen und möchte den Rest seines Lebens nach seinen eigenen Vorstellungen genießen.

In seiner Nachbarschaft lebt - zumindest zeitweise - der alleinerziehende, geschiedene Per Mörner, der sich Sorgen um seine kranke Tochter Nilla macht - es lässt sich einfach nicht herausfinden, was ihr fehlt. Während sie auf dem Festland in Kalmar im Krankenhaus zu Untersuchungszwecken weilt, fährt Per mit seinem Sohn, Nillas Zwillingsbruder Jesper auf die Insel: der Öland-Aufenthalt von Vater und Sohn Mörner beginnt mit einem Knall - einem Unfall, der den Leser gespannt auf den weiteren Erzählverlauf werden lässt. Dabei lernt der Leser gleich die Protagonisten des dritten Erzählstrangs, Vendela und ihren unsympathischen Mann, den Psychologen und Buchautor Max kennen. Mehr und mehr verbindet sich die Handlung mit der Insel, mit ihrer Natur und mit den alten Sagen, mit Drohungen und alten Geschichten, bis Pers Vater, ein Mann mit Vergangenheit, überfahren wird. Sein Sohn beobachtet den Unfall und ihm ist nach den vorherigen Ereignissen klar, dass dieser mit Absicht herbeigeführt wurde.

Und wie ein Damoklesschwert schwebt das Wissen über die folgende, unglücksselige Walpurgisnacht und die damit verbundene Todesdrohung für Per Mörner über dem Leser, der zum Abwarten verdammt ist...

Theorin ist auch mit seinem dritten Öland-Krimi wieder ein Geniestreich geglückt ist. Seine wiederkehrenden Themen: das Aufeinandertreffen sowohl verschiedener Generationen als auch der "Ureinwohner" Ölands und der Städter, die die Insel als Feriengäste bevölkern ziehen sichauch durch seinen dritten Roman wie ein roter Faden. Dazu gesellen sich die Beschreibungen von Ölands Natur und alten Sagen und Naturgeistern, die häufig auf ergreifende, mitreißende Weise die Stimmung der Handlung aufgreifen und verstärken.

Johan Theorin hat einen eigenen, überaus spannenden Stil: wer wie ich bereits "Öland" und "Nebelsturm" mit Begeisterung verschlungen hat, wird den dritten Band kaum erwarten können. Und ich kann hier wiederum eine Steigerung feststellen: war "Nebelsturm" schon um einiges packender als das durchaus spannende "Öland", setzt der Autor mit Blutstein noch einen drauf. Doch auch für neue Leser ist ein schneller Einstieg möglich, da sich die Bücher auch recht gut isoliert lesen lassen. Ein Muss für jeden Liebhaber skandinavischer Krimis, der offen für Neues ist: sowohl im Hinblick auf die landschaftliche Einbettung als auch auf den Erzählstil.