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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2020

Füllt zufällig eine große Lücke

Zufällig vegan – International
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Ich esse gern vegan - und auch vegetarisch! Beides nicht ausschließlich, aber ich war noch nie sonderlich scharf auf Fleisch und vieles mundet mir ohne Fleisch und Fisch - und oft eben auch ohne weitere ...

Ich esse gern vegan - und auch vegetarisch! Beides nicht ausschließlich, aber ich war noch nie sonderlich scharf auf Fleisch und vieles mundet mir ohne Fleisch und Fisch - und oft eben auch ohne weitere tierische Zutaten einfach wesentlich besser! Was ich hingegen gar nicht mag, sind Ersatzprodukte wie Sojahack oder vegane Wurst.

Da kommt mir das Kochbuch der polnischen Bloggerin und begeisterten Reisenden Marta Dymek gerade recht - denn sie probiert alles Mögliche aus und vor allem zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie weltweit Tradtionelles in eine vegane Variante umsetzt, so bspw. die vietnamesische Nudelsuppe Pho, die mir in dieser Variante sogar noch um einiges besser mundet als in der fleischhaltigen. Auch mannigfaltige osteuropäische Rezepte werden vegan und damit neu interpretiert. So bspw. ukrainischer Borschtsch - köstlich! Gerade auch in der vorliegenden Variante. Und so geht es weiter - Schlag auf Schlag! Ich bin begeistert, denn es gibt hier nicht die zigste Variante von irgend etwas, sondern wirklich Neues, das zudem keiner komplexen bzw. komplizierten Zutaten bedarf! Sehr, sehr einfallreich und sehr, sehr lecker! Ich werde noch so einiges daraus nachkochen und - keine Frage - dieses tolle Kochbuch nie wieder hergeben!

Veröffentlicht am 01.11.2020

Jaja, die Liebe!

Willst du Blumen, kauf dir welche
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Auch Bücherwurm Lena träumt von ihr, hat aber bisher - und sie ist bereits Mitte 30 - nur Enttäuschungen erlebt. Denn sie träumt von Romantik, der wahren Liebe - mit allem Drum und Dran! Kein moderner ...

Auch Bücherwurm Lena träumt von ihr, hat aber bisher - und sie ist bereits Mitte 30 - nur Enttäuschungen erlebt. Denn sie träumt von Romantik, der wahren Liebe - mit allem Drum und Dran! Kein moderner Pragmatismus soll ihr Lebensglück trüben!

Deswegen hat sie jetzt erstmal aufgegeben, weiter danach zu suchen und sich in das Haus ihrer Kindheit zurückgezogen - und das altbackenen Bekleidungsgeschäft - das Wort Mode wäre hier fehl am Platz - ihrer lieben Tante Hilde in einen Buchladen mit allem Drum und Dran umfunktioniert. Und das bedeutet für sie vor allem Lesungen, so auch die des aktuellen Kassenmagneten, des Erfolgsautors Benjamin Floros, der DAS Rezept für erfüllte Liebe durch Online-Dating gefunden hat - behauptet er jedenfalls. Und fordert Lena zu einer Wette heraus, die sie auch noch annimmt!

Das bereut sie fast sofort, denn die ersten Dates sind desaströs - schlimmer geht nimmer. Aber dann, aber dann - fängt bei ihr die große Liebe an. Oder doch nicht?

Ein warmherziger Roman über Träume, Schäume und die wahre Liebe. Autorin Ellen Berg schreibt wie immer mit viel Herzenswärme und mit noch mehr orginellen Ideen. Und sie bringt uns zurück zu den Vorlieben unserer Kindheit und Jugend, in meinem Falle zu den Reimen des großen Heinz Erhardt, die hier eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Und natürlich gibt es ein paar Überraschungen, sonst wäre dies kein "echter" Ellen Berg.

Wahre Liebe oder Berechnung: woraus entsteht die ideale Beziehung? Ein vergnüglicher Roman über Bücherwurm Lena, die sich ihren Zweifeln stellt!

Veröffentlicht am 31.10.2020

Eine ziemliche Räuberpistole

Das letzte Licht des Tages
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Das ist aus meiner Sicht der sehr dramatische, aber auch gewissermaßen sensationslüsterne Roman "Das letzte Licht des Tages", in dem es um eine tragische Liebesgeschichte vor der Kulisse des ...

Das ist aus meiner Sicht der sehr dramatische, aber auch gewissermaßen sensationslüsterne Roman "Das letzte Licht des Tages", in dem es um eine tragische Liebesgeschichte vor der Kulisse des von Deutschen besetzten Frankreich im Zweiten Weltkrieg und zwar in der ausgesprochen malerischen Champagne. Der andere der beiden Handlungsstränge spielt in der Gegenwart bzw. im Jahre 2019, in dem die frisch geschiedene Vierzigerin Liv von ihrer französischen Großmutter in deren Heimat gebracht wird - sie ist richtiggehend überrumpelt worden und dort erfährt sie, was es mit ihrer Familie tatsächlich auf sich hat.

Alles ist ganz anders, als man denkt, es sind jede Menge Personen involviert in diese bittersüße Liebesgeschichte. Dazu noch viel Mut und fast ebensoviel Verrat - man mache dadurch eine tollkühne, aberwitzige Geschichte, die durchaus auch aus der Feder von Heinz G. Konsalik oder Utta Danella hätte stammen können. Eigentlich schade, da sie wirklich viele historische Fakten enthält und allein damit schon unglaublich hoch hätte punkten können.

So muss ich leider voller Enttäuschung den Roman aus der Hand legen - nein, das war wirklich nicht mein "cup of tea" oder vielmehr mein Glas Champagner, dazu war alles viel zu tolldreist und rambomäßig aufgezogen. Wildwest in der Champagne sozusagen. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen!

Veröffentlicht am 25.10.2020

Neubeginn anders als gedacht

Das Wörterbuch des Windes
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Aus der gemeinsamen Islandreise mit ihrem Mann Henrik wird für Swea tatsächlich wie geplant ein Neustart des Lebens, allerdings ganz anders als gedacht: gerade wieder hatten sich die beiden nach einem ...


Aus der gemeinsamen Islandreise mit ihrem Mann Henrik wird für Swea tatsächlich wie geplant ein Neustart des Lebens, allerdings ganz anders als gedacht: gerade wieder hatten sich die beiden nach einem Jahr Auszeit bedingt durch Henriks Affären wieder zusammengerauft, da wird durch einen Zufall klar, dass der Gute immer noch mehrere Eisen im Feuer hat.

Swea lässt ihn mitten in der Natur stehen und macht mit dem gemeinsamen Mietwagen die Biege. Und landet bei einem zurückhaltenden, fließend deutsch sprechenden alten Herrn namens Einar und dessen Mieter Jón. Der ist noch mehr als zurückhaltend, fast furchtsam. Trotz allem, Einar nimmt sie ohne viel Fragen bei sich auf und ermuntert sie, so lange wie sie möchte, da zu bleiben.

Allmählich kommen sich Einar und Swea näher, verbal natürlich zur und es entwickelt sich eine Art zaghaftes Vertrauensverhältnis, aus dem irgendwann gemeinsame Tangotanzabende in dem stillen Haus werden.

In der Zeit hat sich Swea - eine Bankerin mit dem Herzen einer Künstlerin - bereits einige berufliche Standbeine geschaffen, bei denen es zunächst nur um das Finanzielle geht, bald wir daraus mehr.

Denn Island trifft sie mit seiner ganzen Wucht tief in ihrem Herzen. Auch, wenn sie immer noch um ihre Ehe trauert und sich auch sonst von Familie und Freunden betrogen fühlt, ist sie auf eine gewisse Weise angekommen.

Ob das so bleibt? Um das zu erfahren, ist die Lektüre dieses schönen und warmherzigen Romans unerlässlich. Obwohl ich hier lobende und positive Worte finde, muss ich zugeben - ich bin ein kleines bisschen enttäuscht. Denn Blazons gegenwartsliterarischer Vorgängerroman, der auch im Norden, allerdings in Finnland spielte, hatte mich tief in meinem Inneren getroffen, mit voller Wucht und hatte sich zu einem Leib- und Magenroman entwickelt, wie es nur selten ein Buch schafft. Das ist hier nicht so, dennoch empfehle ich diesen Roman, denn die Autorin schreibt mit Herz und Verstand und bringt zudem viel Spannendes über Island hinein.

Veröffentlicht am 25.10.2020

Vier Leben außerhalb der Norm

Leben ist ein unregelmäßiges Verb
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In diesem Monumentalwerk - auf fast tausend Seiten - verfolgt Rolf Lappert die Leben von vier Menschen: Leander, Frieda, Ringo und Anton - die ein höchst ungewöhnliches Schicksal teilten: bis zu ihrem ...

In diesem Monumentalwerk - auf fast tausend Seiten - verfolgt Rolf Lappert die Leben von vier Menschen: Leander, Frieda, Ringo und Anton - die ein höchst ungewöhnliches Schicksal teilten: bis zu ihrem zwölften Lebensjahr wuchsen sie in einer auf einem norddeutschen Bauernhof geschaffenen völlig eigenen Welt auf, abgeschottet von der Welt, von der bundesdeutschen Entwicklung, von der Schule - einfach von allem. Winnipeg, so nannten die Kinder den Hof und damit ihre Welt.

Es ist der Beginn der 1980 Jahre, als sie befreit werden - so sieht es die Welt. Die Vier empfinden sich als aus dem Nest geworfen, zumal sie nun von einander getrennt werden, worauf einer von ihrnen - Anton - nach einiger Zeit mit dem Freitod reagiert.

Im Mittelpunkt stehen die Schicksale von Leander und Frieda, die es wohl objektiv gesehen am besten getroffen haben, weil sie bei Verwandten - Leander bei seiner Tante Meret, Frieda bei ihrer Großmutter und deren Mann untergebracht werden. Ringos Erlebisse werden zu einem großen Teil in einem Interview mit einer Journalistin dargelegt und Anton - nun, das ist etwas ganz anderes, eigenes.

Auf gewisse, vollkommen unterschiedliche Art kommt keines der Kinder - nicht nur Anton - nicht im realen Leben an.

Rolf Lappert schreibt eindringlich, dabei sehr detailgenau, führt zahlreiche Personen ein, von denen die meisten die Hauptfiguren nur ein Stück ihres Weges begleiten. Ich hatte teilweise mit den Namen zu kämpfen und hätte mich hier sehr über ein Glossar gefreut, dass sich sehr gerne auch auf Ortschaften und Lokalitäten hätte erstrecken dürfen.

Ja, es ist ein faszinierender, gekonnter und eleganter Stil, in dem der Roman verfasst ist - besonders beeindruckt hat mich, dass die Sprache bei jedem der Protagonisten wechselte - teilweise sehr klar, dann auch wieder nur in Ansätzen.

Wem sage ich es, Rolf Lappert kann schreiben und er hat hier eine tolle Idee realisiert, gewissermaßen ein Jahrhundertwerk geschaffen, bei dem aber so einiges des Guten zuviel war. Einige der Nebenschauplätze und Nebenfiguren sind für die Handlung und Entwicklung des Romans so irrelevant, dass sie aus meiner Sicht hätten weggelassen werden können.

Eigentlich bin ich eine schnelle Leserin und kann mich auf Werke, die mich gefangen nehmen, auch gut konzentrieren. Hier jedoch brauchte ich viele, viele Pausen und habe insgesamt über einen Monat am Buch "genagt".

Aber es hat sich gelohnt - ein gleich mehrfacher Coming-of-Age-Roman der besonderen Art, den ich nicht so schnell vergessen werde. Wenn überhaupt.